I Inhaltsverzeichnis
I Inhaltsverzeichnis II
II Abbildungsverzeichnis IV
III Symbolverzeichnis V
1. Einleitung 1
2. Ziele für die Erhebung eines Mindestlohns 3
3. Analyse der Auswirkungen der Einführung eines
Mindestlohns 6
3.1 Grundannahmen der ausgewählten Modelle 6
3.2 Das neoklassische Standardmodell 9
3.2.1 Darstellung des Modells vor einer Mindestlohneinführung 9
3.2.2 Analyse der Auswirkungen einer Mindestlohneinführung 9
3.2.2.1 Auswirkung auf die Beschäftigung 9
3.2.2.2 Auswirkung auf die Entwicklung des Lohnsatzes 12
3.2.2.3 Auswirkung auf die Entwicklung der Lohnsumme 12
3.2.3 Bewertung des Untersuchungsergebnisses anhand der Ziele 13
3.2.4 Kritische Würdigung des Modells 13
3.3 Das Zweisektorenmodell mit homogenem Arbeitsangebot 14
3.3.1 Darstellung des Modells vor einer Mindestlohneinführung 14
3.3.2 Analyse der Auswirkungen einer Mindestlohneinführung 17
3.3.2.1 Auswirkung auf die Beschäftigung 17
3.3.2.2 Auswirkung auf die Entwicklung der Lohnsätze 26
3.3.2.3 Auswirkung auf die Entwicklung der Lohnsummen 27
3.3.3 Bewertung des Untersuchungsergebnisses anhand der Ziele 28
3.3.4 Kritische Würdigung des Modells 29
3.4 Das monopsonistische Konkurrenzmodell 30
3.4.1 Darstellung des Modells vor einer Mindestlohneinführung 30
3.4.2 Analyse der Auswirkungen einer Mindestlohneinführung 34
3.4.2.1 Auswirkung auf die Beschäftigung 34
3.4.2.2 Auswirkung auf die Entwicklung des Lohnsatzes 37
3.4.2.3 Auswirkung auf die Entwicklung der Lohnsumme 37
3.4.3 Bewertung des Untersuchungsergebnisses anhand der Ziele 37
3.4.4 Kritische Würdigung des Modells 39
II
4. Vergleich der ausgewählten Modelle 41
4.1 Vergleich der Darstellungsweisen der ausgewählten Modelle
vor einer Mindestlohneinführung 41
4.2 Vergleich der Modellanalysen der Auswirkungen einer
Mindestlohneinführung 44
4.3 Vergleich der bewerteten Untersuchungsergebnisse anhand
der Ziele 45
4.4 Vergleich der Erklärungsziele und der Grenzen der Modelle
47
5. Empirische Analyseergebnisse 49
5.1 Empirische Analyseergebnisse zu Auswirkungen einer
Mindestlohneinführung 49
5.1.1 Auswirkung auf die Beschäftigung
5.1.2 Auswirkung auf die Entwicklung der Lohnsätze
5.1.3 Auswirkung auf die Entwicklung der Lohnsummen 52
5.2 Bewertung der empirischen Analysergebnisse anhand der
Ziele 52
5.3 Kritische Würdigung der empirischen Analyseergebnisse 53
6. Zusammenfassung 54
IV. Literaturverzeichnis VII
III
II. Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Mindestlohneffekte im neoklassischen Standardmodell 11
Abbildung 2: Mindestlohneffekte im Zweisektorenmodell mit fixiertem
homogenem Arbeitsangebot und η m > δ
20
Abbildung 3: Mindestlohneffekte im Zweisektorenmodell mit unfixiertem
m < δ
homogenem Arbeitsangebot und η
Abbildung 4: Mindestlohneffekte im monopsonistischen Konkurrenz-
modell 32
IV
III. Symbolverzeichnis
B D
Nachfrage- oder Produktivitätsschock
B S
Firmenspezifischer Arbeitsangebotsschock
j D i Arbeitsnachfrage im jeweiligen Sektor j zum Zeitpunkt i
j E i Beschäftigung im jeweiligen Sektor j zum Zeitpunkt i
G Gewinn
GK Grenzkosten
GP Grenzprodukt
i Zur Kennzeichnung verschiedener Zeitpunkte (mit i = 0 für vor
und i = 1 für nach Einführung eines Mindestlohns) beziehungswei-
se Zustände (mit i = 2, 3) einer Basisvariable
j nur im Zweisektorenmodell:
mit j
k Anteil der vom Mindestlohn betroffenen Arbeitnehmer E 1
gen auf die Gesamtmenge der Beschäftigungshöhe (E 1
j L i Arbeitsangebot im jeweiligen Sektor j zum Zeitpunkt i
p Wahrscheinlichkeit einer Anstellung im bedeckten Sektor
P Güterpreis des Gutes Y
j S i Arbeitsangebot im jeweiligen Sektor j zum Zeitpunkt i
U Arbeitslosigkeit
m n u Arbeitslosenverhältnis mit u = U/(E 1 + E 1 )
u m Arbeitslosenverhältnis im Mindestlohnsektor mit u m = U/E 1 m
wP Nominallohnsatz
w D
Arbeitsnachfragefunktion
w S
Arbeitsangebotsfunktion
j w i Reallohnsatz im jeweiligen Sektor j zum Zeitpunkt i
Summe der Lohngefälle des bedeckten und des nicht bedeckten w &
Sektors mit w & = m w & + n
w &
m
w &
Prozentuale Differenz des Mindestlohns w 1
Marktlohn w 0 mit m
w & = ln w 1
n
w & Prozentuale Differenz des ursprünglichen Marktlohns w 0 zum neu-
n n
mit n
w & = ln w 0 – ln w 1
en Marktlohn im freien Sektor w 1
V
Y Produkt
Y E
Grenzprodukt der Arbeit
δ Kündigungsrate im bedeckten Sektor
m
δE i
Anzahl der Kündigungen im bedeckten Sektor, entspricht zugleich
der Anzahl der offenen Stellen im bedeckten Sektor
e j
Elastizität des Arbeitsangebotes im jeweiligen Sektor j
η j
Elastizität der Arbeitsnachfrage beziehungsweise des Grenzpro-
dukts im jeweiligen Sektor j
VI
1. Einleitung
„No business which depends for existence on paying less than living wages
to its workers has any right to continue in this country. By living wages
I mean more than a bare subsistence level – I mean the wages of a decent
living.“ 1 Mit diesen Worten setzte sich Franklin D. Roosevelt bereits im
Jahr 1933 für einen „fairen Wettbewerb“ auf dem Arbeitsmarkt ein. Armut
trotz Vollzeitarbeit sowie wettbewerbsverzerrender Lohndumping seien
nach Meinung der Befürworter des Mindestlohns, besonders unter dem Ge-
sichtspunkt, dass das Arbeitseinkommen als wichtigste Erwerbsquelle der
abhängig Beschäftigten gelte, abzulehnen, da der Lohn einer Vollzeitbe-
schäftigung zumindest ein soziokulturelles Existenzminimum mit einem
angemessenen Lebensstandard gewährleisten müsse. 2 Nach Ansicht der
Vertreter des Mindestlohns bestehe ein Mangel an ausreichender Tarifabde-
ckung sowie eine zunehmende Tarifflucht. Deshalb befürworten sie die ge-
setzliche Einführung eines Mindestlohns zum Schutz von Arbeitnehmern
beziehungsweise bestimmten Arbeitnehmergruppen. 3 Gegner des Mindest-
lohns propagieren dagegen mit zu hohen Lohnkosten als Folge des Mindest-
lohns, die u.a. für Standortprobleme mitverantwortlich seien, und fordern
zur Steigerung der Wachstums-, Beschäftigungs- und Produktivitätsraten
sogar eine Senkung der Lohnsätze. 4 Weiterhin begründen sie, dass sie die
Erfüllung der mit dem Mindestlohn gesetzten Ziele anzweifeln und darüber
hinaus die Vernichtung von Arbeitsplätzen befürchten. 5
Diese und zahlreiche weitere Argumente verdeutlichen die kontrovers ge-
führten Diskussionen um den Mindestlohn in der Politik, zwischen Arbeit-
gebern und Gewerkschaften sowie auch in der Wissenschaft.
Im Zentrum dieser Debatten stehen u.a. Fragen nach der Erreichung der mit
dem Mindestlohn verfolgten Ziele und den durch die Mindestlohneinfüh-
rung ausgelösten Nebenwirkungen auf dem Arbeitsmarkt, wie zum Beispiel
Arbeitslosigkeitseffekte sowie Auswirkungen auf die Lohnsätze der nicht
1 Auszug aus der Rede von Franklin D. Roosevelt vor dem US-Kongress anlässlich der Verabschiedung des National Industrial Recovery Act am 16.06.1933.
2 Vgl. Bispinck, R./ Schäfer, C. (2005), S. 24, 29.
3 Vgl. Peter, G./ Wiedemuth, J. (2003), S. 430, 433. In dieser Arbeit wird ausschließlich die männliche Form von Personen beziehungsweise Personengruppen verwendet. Selbstver- ständlich ist die weibliche Form jeweils inbegriffen.
4 Vgl. Schäfer, C. (1997), S. 83.
5 Vgl. Schulten, T. (2006), S. 11.
1
vom Mindestlohn betroffenen Sektoren. Daneben stellen auch die Fragen
nach den Auswirkungen des Mindestlohns auf das Preisniveau, die Schat-
tenwirtschaft sowie die Wohlfahrtsmaximierung und die Höhe eines „ge-
rechten“ beziehungsweise angemessenen Lohnsatzes Diskussionspunkte
dar, die allerdings in dieser Arbeit nicht weiter betrachtet werden.
Im folgenden Kapital werden zunächst der Begriff des Mindestlohns defi-
niert sowie die mit dem Instrument des gesetzlichen Mindestlohns verfolg-
ten Ziele aufgestellt. Im dritten Kapital werden drei ausgesuchte Modelle
partialanalytisch dargestellt, um die Effekte der Einführung eines gesetzli-
chen Mindestlohns auf dem Arbeitsmarkt komparativ-statisch anhand der
im zweitem Kapitel genannten Ziele sowie Nebenbedingungen analysieren
und bewerten zu können. Zuerst wird das neoklassische Standardmodell mit
vollständiger Konkurrenz ausgewählt, da es insbesondere die Gegner des
Mindestlohns in ihrer Argumentation unterstützt. Aufgrund der Kritikpunkte
an den Grundannahmen im Standardmodell werden zur Untersuchung der
Mindestlohneffekte zwei weitere Modelle mit spezifischen Eigenschaften
des Arbeitsmarktes einbezogen, die einigen Friktionen der Realität näher
kommen sollen. Zum einen wird das Zweisektorenmodell mit homogenem
Arbeitsangebot betrachtet, um die Auswirkungen eines Mindestlohns bei
unvollständiger Deckung des Arbeitsmarktes untersuchen zu können. Zum
anderen bildet das Modell der monopsonistischen Konkurrenz aus der neue-
ren ökonomischen Literatur die Basis für die Analyse der Mindestlohneffek-
te. Dieses Modell bestärkt die Befürworter der Mindestlohndebatten in ih-
rem Standpunkt. Jede Modelldiskussion schließt mit einer kritischen Würdi-
gung ab. Im vierten Kapitel werden die Modelle hinsichtlich ihrer Darstel-
lungsweisen, Ergebnisse und Erklärungsziele verglichen. Zur Herstellung
eines Bezugs zur Realität werden im fünften Kapitel Ergebnisse von ver-
schiedenen empirischen Untersuchungen präsentiert. Abschließend erfolgt
im letzten Kapitel eine allgemeine Zusammenfassung der gewonnenen Er-
kenntnisse.
2
2. Ziele für die Erhebung eines Mindestlohns
Ein Mindestlohn ist ein in der Höhe geregeltes Arbeitsentgelt. 6 Die Rege-
lung des Mindestlohns kann dabei auf zwei Arten erfolgen: Er kann in ge-
setzlichen Vorschriften als Nominal- oder aufgrund von Preisindexierungen
als Reallohn oder über tarifvertragliche Lohnvereinbarungen festgelegt wer-
den. 7 Der Mindestlohn stellt keinen Festpreis, sondern einen Mindestpreis
dar, da er in dessen Geltungsbereich nicht unterschritten, wohl aber über-
schritten werden darf. 8 Lohnuntergrenzen können für den gesamten Arbeit-
nehmerbereich mit dem Ziel einer vollständigen Deckung oder auch nur für
bestimmte abhängig Beschäftigte in einzelnen Branchen, Berufsgruppen,
Regionen oder auch Betrieben oder für spezielle demografische Schichten
sowie Beschäftigungsgruppen (wie Frauen, Emigranten) festgeschrieben
werden. 9
Mit dem Ziel der Einführung eines Mindestlohns werden zwei Funktionen
verbunden: Die soziale Funktion ist normativ-moralisch ausgerichtet. Hier-
bei wird der Schutz der Arbeitenden mit wenig Verhandlungsstärke vor
Ausbeutung durch den Arbeitgeber angestrebt. 10 Ferner wird der Mindest-
lohn als arbeitsmarktordnungspolitisches Instrument der Wirtschaftspolitik 11
zur Vermeidung von Armutslöhnen, die im Widerspruch mit dem Zweck
einer Vollzeitarbeit stehen, und lohnpolitischen Diskriminierungen be-
stimmter Beschäftigungsgruppen, wie Frauen, ethnische Minoritäten, einge-
setzt. 12 Daneben soll die Mindestlohnerhebung als strukturpolitisches, spe-
ziell verteilungsorientiertes, Instrument im Sinne einer Einkommensvertei-
lung wirken. 13 Neben diesen grundlegenden Zielen kann der Mindestlohn
auch als Ziel zur Förderung der Arbeitsaufnahme im Sinne eines Beschäfti-
gungsanreizes angesehen werden. Zur ökonomischen Funktion des Mindest-
lohns zählen die Ziele der Stabilisierung der Nachfrage zur Verhinderung
von größeren Wirtschaftskrisen und deflationären Lohnkürzungen.
6 Vgl. Johnson, H. G. (1969), S. 599.
7 Vgl. Ragacs, C. (2003), S. 215.
8 Vgl. Schulten, T. (2006), S. 9.
9 Vgl. Salowsky, H. (1988), S. 358.
10 Vgl. Gosling (1996), S. 31; In diesem Abschnitt vgl. Stigler, G. J. (1946), S. 363. 11 Vgl. Brinkmann, G. (1999), S. 212.
12 In diesem Abschnitt vgl. Schulten, T. (2005), S. 189ff.
13 Vgl. Meier, A./ Slembeck, T. (1998), S. 154, 155.
3
Einer potentiellen positiven Wirkung gemäß den oben genannten Zielen
können jedoch unerwünschte Nebeneffekte, wie zum Beispiel negative Be-
schäftigungseffekte, Lohnsenkungen im nicht betroffenen Sektor oder Gü-
terpreisinflation, entgegenstehen. Daher sind die Ziele unter der Festlegung
von Nebenbedingungen zu verfolgen. 14
Aufgrund der Vielzahl der möglichen Zielsetzungen und Nebenbedingungen
konzentriert sich die Analyse der drei Modelle bezüglich der Mindestlohnef-
fekte auf ausgewählte Ziele und Nebenbedingungen, die zu den folgenden
drei Kategorien zusammengefasst werden:
Die erste Kategorie umfasst das Ziel der Schaffung eines Beschäftigungsan-
reizes unter der Nebenbedingung der Vermeidung eines negativen Beschäf-
tigungseffektes. Gegenstand der Untersuchung ist somit die Auswirkung auf
die Beschäftigung. Hierzu gehören einerseits positive Beschäftigungseffekte
in Form der Zunahme der Beschäftigungsmenge, die nur in der Höhe eines
gleichzeitig übereinstimmenden Mehrarbeitsangebotes sowie –nachfrage
entsteht. Andererseits gehören negative Beschäftigungseffekte als Abnahme
der Beschäftigung dazu, die dagegen bereits in der Höhe der Rücknahme
eines bisher befriedigten Angebotes oder Nachfrage ausgelöst werden. Die
Veränderung des Arbeitsangebotes entsteht wechselseitig durch Migration
zwischen dem Arbeitsmarkt und dem Nicht-Arbeitsmarkt, der zum Beispiel
Schüler, Pensionäre und Hausfrauen umfasst. Im Zweisektorenmodell
kommt zusätzlich die Arbeitsmigration zwischen dem bedeckten und dem
nicht bedeckten Sektor hinzu. Somit kann der negative Beschäftigungseffekt
nicht nur unter Verletzung der festgelegten Nebenbedingung als Arbeitslo-
sigkeit, sondern auch entgegen dem Ziel durch Rückzug der Arbeitskraft
erscheinen. Der Beschäftigungseffekt wird durch komparativ-statischen
Vergleich der jeweiligen Beschäftigungsmenge auf dem betrachteten Sektor
j j
angestellt (E 0
≤> E 1 ). Die Veränderung des Arbeitsangebotes in einem Sek-
tor wird durch den Vergleich der ursprünglichen Angebotsmenge E 0
Angebotsmenge nach Einführung des Mindestlohns L 1
Sektor festgestellt (E 0
wertung zur Schaffung eines Beschäftigungsanreizes ist allerdings, dass
14 Vgl. Salowsky, H. (1988), S. 359.
4
dieses Mehrangebot auch tatsächlich in einer Erhöhung der Beschäfti-
gungsmenge mündet.
Gegenstand der zweiten Kategorie bildet die Erreichung der Ziele bezüglich
der Verhinderung von Armutslöhnen sowie der Ausbeutung der Arbeiten-
den durch den Arbeitgeber unter Einhaltung der Nebenbedingung zur Ver-
meidung eines negativen Lohneffektes im nicht betroffenen Sektor. Als Be-
urteilungsmaßstab für die Untersuchung der Auswirkung auf die Entwick-
lung des Lohnsatzes wird die Anhebung des Lohnsatzes im bedeckten Sek-
tor, der auch als Niedriglohnsektor bezeichnet wird, und im Zweisektoren-
modell zusätzlich die Veränderung des Lohnes im freien Sektor angesetzt
j
(w 0 ≤> w 1 ).
Die dritte Kategorie beinhaltet das Ziel der Einkommenserhöhung. Danach
soll der Mindestlohn die Lohnsumme des bedeckten Sektors steigern. Im
Zweisektorenmodell ist darüber hinaus die Nebenbedingung zu setzen, dass
die Lohnsumme des freien Sektors nicht negativ beeinflusst wird. Die Errei-
chung dieses Ziels wird im Rahmen der Analyse der Auswirkung auf die
Entwicklung der Lohnsumme mittels komparativ-statischen Vergleichs der
Lohnsumme vor und nach Einführung eines Mindestlohns beurteilt
(w 0 E 0 ≤> ∑ w 1 E 1 ). Bei einer unvollständigen Deckung des Sektors mit der
Mindestlohngesetzgebung erweitert sich der Vergleich durch die getrennte
Betrachtung der Entwicklung der Lohnsumme auf beiden Sektoren
m m m n n n
(w 0 E 0
≤> w 1 E 1 ; w 0 E 0 ≤> w 1 E 1 ).
In der Analyse wird allerdings nur das Mindestlohneinkommen und nicht
das Familieneinkommen einbezogen, da zwischen dem Stundenlohn eines
Arbeitnehmers und dem Betrag des Jahresfamilieneinkommens keine zwin-
gende Beziehung bestehen muss. Zum einen muss, wie bei Saisonbeschäf-
tigten, keine Beziehung zwischen dem Stundenlohn und dem Jahresver-
dienst existieren, zum anderen wird die Höhe des Familieneinkommens
auch noch vom Verdienst der anderen Familienmitglieder sowie von weite-
ren Einkommensarten, wie Transfereinkommmen, beeinflusst. 15
15 Vgl. Stigler, G. J. (1946), S. 362.
5
3. Analyse der Auswirkungen der Einführung eines Mindestlohns
folgenden Analysen konzentrieren sich dabei auf die Wirkung einer Einfüh-
rung eines Mindestlohns. Die Untersuchung der Erhöhung eines Mindest-
lohns stellt sich analog dar.
3.1 Grundannahmen der ausgewählten Modelle
auf allen Märkten. Das bedeutet, dass allen Wirtschaftssubjekten vollkom-
mene Informationen vorliegen. Ferner verhalten sie sich nach dem Rationa-
litätsprinzip. Darüber hinaus impliziert die vollständige Konkurrenz eine
Vielzahl von kleinen identischen Nachfragern und Anbietern, wodurch kein
Wirtschaftssubjekt über Marktmacht verfügt. Damit einhergehend agieren
die Wirtschaftssubjekte als Preis- beziehungsweise „Lohnnehmer“, so dass
sowohl der Nominallohn wP als auch der Güterpreis P eines Gutes Y für
alle Marktteilnehmer exogen gegeben sind. 16 Das Entstehen von Transakti-
onskosten wird ausgeschlossen, so dass zum Beispiel die Suche nach einer
Arbeitsstelle keine Kosten verursacht.
Der Haushalt bietet dem Unternehmen seine Arbeitskraft E an, welche völ-
lig homogen, d.h. gleich bezüglich der ausgeübten Tätigkeit und der Quali-
fikation, ist. 17 Da er rational handelt, maximiert er den Nutzen aus Konsum
und Freizeit unter den Nebenbedingungen der zur Verfügung stehenden
Zeit, bestehend aus Freizeit und Arbeitszeit, und der Budgetrestriktion. Die
Nutzenfunktion impliziert, dass der Nutzengewinn aus einer Zunahme der
16 Vgl. Brinkmann, G. (1999), S. 72.
17 Vgl. Brinkmann, G. (1999), S. 155.
6
Freizeit höher bewertet wird als der Nutzenverlust aufgrund einer verkürz-
ten Arbeitszeit. Das „Einkommen“ wird als superiores Gut angesehen, so
dass eine Reallohnerhöhung zur Steigerung des Verdienstes genutzt wird. 18
In Folge dessen überwiegt bei einer Lohnerhöhung der Substitutionseffekt
den Einkommenseffekt. 19 Der Nutzen eines Haushaltes ist optimal, wenn
das Grenznutzenverhältnis aus Freizeit und Konsum gleich dem Reallohn-
satz entspricht. 20 Hierdurch wird die Lohnfreizeitfunktion gewonnen, aus
der sich die (inverse) Arbeitsangebotsfunktion ableiten lässt:
w S = w S (E)
(1)
Die Steigung der zugehörigen Arbeitsangebotskurve S wird durch die Elas-
tizität des Arbeitsangebotes e bestimmt.
∂ S
w E ⋅
(2)
e
Die Elastizität gibt an, um wie viel Prozent sich die Beschäftigung ändert,
wenn der Lohnsatz sich um 1 % ändert. Durch die oben genannten Eigen-
schaften des Arbeitsangebotes hat die Kurve mit zunehmendem Reallohn
einen steigenden Verlauf und ist demnach nicht vollkommen unelastisch.
Die Höhe der Elastizität wird vom Wohlstandsniveau, zum Beispiel dem
sonstigen Einkommen sowie Vermögen des Haushaltes, und den regionalen
sowie sektoralen Fluktuationschancen des Arbeitsanbieters beeinflusst. 21
Ebenso bestimmt das Wohlstandsniveau den Anspruchslohn, auch als „Re-
servation Wage“ bezeichnet. Das ist der Lohnsatz ab dem der Anbieter dem
Arbeitsmarkt seine Arbeitskraft zur Verfügung stellt. Bei einem Marktlohn
unter diesem Lohnsatz bleibt der Anbieter freiwillig erwerbslos.
Der Unternehmer fragt auf dem Arbeitsmarkt gemäß seiner Produktions-
funktion Arbeit nach. Es wird eine neoklassische Produktionsfunktion
Y = Y(E) mit einem homogenen, beliebig teilbaren Inputfaktor Arbeit E und
einem Output Y angenommen. Durch die beliebige Teilbarkeit des Inputfak-
tors und dem Ausschluss von Transaktionskosten hat die Dimension des
Produktionsfaktors Arbeit, d.h. Anzahl an Arbeitsstunden oder an beschäf-
18 Vgl. Sesselmeier, W./ Blauermel, G. (1998), S. 54.
19 Vgl. Brinkmann, G. (1999), S. 76.
20 In diesem Abschnitt vgl. Franz, W. (2006), S. 26ff.
21 Vgl. Molitor, B. (1988), S. 49f.
7
Quote paper:
Katja Schaefer, 2007, Die ökonomische Analyse von Mindestlöhnen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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