Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Gehörlosigkeit 4
2.1 Definition 4
2.2 Ursachen 4
2.3 Häufigkeit 5
3 Besonderheiten der Sprachentwicklung von gehörlosen Kindern 6
3.1 Spracherwerb bei gehörlosen Kindern aus hörenden und gehörlosen Familien
im Vergleich 6
3.2 Gebärdensprache als Erstsprache 7
3.2.1 Gebärdensprachen als anerkannte Sprachen 7
3.2.2 Elemente der Deutschen Gebärdensprache (DGS) 8
3.2.3 Erwerb der Gebärdensprache 8
3.3 Lautsprache als Zweitsprache 10
3.4 Schriftsprache als Drittsprache 12
4 Resümee 14
5 Literaturverzeichnis 16
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1 Einleitung
Seit Anfang des Jahres 2007 lerne ich die Deutsche Gebärdensprache an der Volkshochschule in Halle. Hierdurch und durch schwerhörige und gehörlose Freunde und Bekannte bekomme ich einen kleinen Einblick in die Welt der Gehörlosen und werde von Tag zu Tag neugieriger, wie diese Menschen leben und kommunizieren. Schon bald habe ich mich gefragt, wie solche Menschen, gerade diejenigen, die schon gehörlos zur Welt kommen oder nach der Geburt in den ersten drei Lebensjahren ertauben, die gewöhnliche Grammatik und Lexik ihrer (Laut-) Sprache erlernen können. Denn z.B. die Grammatik ihrer „Muttersprache“ - der Gebärdensprache - ist doch so völlig anders und auch einfacher strukturiert (z.B. keine Konjugation, „keine syntaktische Gliederung“) (Wirth 1994, 284).
Wie lernt ein solches Kind normale Schriftsprache zu produzieren? Mir fällt spontan nur das Lesen von Büchern ein, also Aufnehmen von Niedergeschriebenem. Denn jegliche Alltagskommunikation, also die Gebärdensprache, unterscheidet sich ja gravierend von der Schriftsprache.
Aber ist das nicht ein bisschen spät - wenn ein Kind erst mit dem Schulalter (wenn es soweit ist, Lesen und Schreiben zu lernen) die Grammatik erlernen darf? Hörende Kinder unterliegen von Geburt an der ständigen „Beschallung“ der Erwachsenen durch Gespräche mit „korrekter“ Grammatik und können diese somit viel eher - ganz nebenbei - begreifen und selbst anwenden. In wieweit unterscheidet sich die sprachliche Entwicklung gehörloser Kinder von der hörender Kinder?
Im Folgenden sollen grundlegende Informationen zum Thema Gehörlosigkeit gegeben und Besonderheiten beim Spracherwerb betrachtet werden.
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2 Gehörlosigkeit
2.1 Definition
Aus medizinischer Sicht wird Gehörlosigkeit über den Grad des Hörverlustes definiert. Von gehörlos oder taub spricht man bei einem mittleren Hörverlust von mehr als 120 dB. Hier kann auch mit Hörgeräten Sprache nicht mehr verstanden werden. Daneben gibt es den Begriff der Resthörigkeit. Dieser beinhaltet einen mittleren Hörverlust von 90 bis 120 dB. Hier verfügt das Kind über so genannte Hörreste, die für eine Sprachwahrnehmung genutzt werden können (vgl. Müller 1994, 17).
Gegenstand der folgenden Ausführungen soll ausschließlich der Spracherwerb von gehörlosen Kindern sein, welche auch ohne jeglichen Höreinfluss, wie etwa durch das Cochlea-Implantat, aufwachsen.
2.2 Ursachen
Zum Thema Spracherwerb sind selbstverständlich die prälingualen Ursachen der Gehörlosigkeit von Bedeutung, also Komplikationen, die prä-, peri- oder postnatal vor dem dritten Lebensjahr auftreten (vgl. Stocker 2002, 26).
Ursachen, die schon pränatal zu einem Hörverlust führen, sind z.B. erbliche Faktoren. Aber auch Infektionen wie Röteln, Masern, Mumps oder eine Krankheit der Mutter während der Schwangerschaft wie Zuckerkrankheit, ebenso wie falsche Medikamentengabe, können eine Hörschädigung bereits im Mutterleib herbeiführen.
Eine angeborene Hörbehinderung trifft auf 36,1 % aller Gehörlosen zu. 10 % aller Fälle sind erblich bedingt (vgl. Burghofer / Braun 1995, 17; zit. nach Clarke 2006, 12).
Zu den perinatalen Ursachen gehören z.B. ein Sauerstoffmangel während der Geburt oder in der ersten Lebenswoche, zu geringes Geburtsgewicht, Säuglingsgelbsucht
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oder eine Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Mutter und Kind während des Ge-burtsvorganges (vgl. Clarke 2006, 12).
Postnatale Ursachen sind z.B. Impfschäden, Infektionen, Stoffwechselerkrankungen, Schädelverletzungen. Diese sind immer dann von Bedeutung, wenn die Hörerlebnisse bis zu dem schädigenden Einfluss nicht ausreichen, um genügend Erinnerungsmaterial der Lautsprache zu speichern, also allgemein alle schädigenden Einflüsse vor dem dritten Lebensjahr.
2.3 Häufigkeit
Grundsätzlich geht man davon aus, dass ca. ein Promill der Bevölkerung gehörlos ist (vgl. z.B. Clarke 2006, 9).
Generell ist zu unterscheiden zwischen Taubgeborenen und Spätertaubten. Taubge-borene sind Menschen, die ohne jegliche Hörerfahrung geboren wurden (Hörverlust durch pränatale Ursache) [in der Literatur verschiedene Definitionen von prälingual und pränatal]. Personen, die durch Geburtskomplikationen (perinatale Ursachen) ihren Hörsinn verlieren, werden meist auch zu der Gruppe der prälingual Ertaubten gezählt, da die Monate im Mutterleib nicht ausreichen, sich an Laute zu erinnern, um sie dann zur Sprachreproduktion zu verwenden. Zu den spät-ertaubten Menschen zählt man (heutzutage) diejenigen, die nach dem dritten Lebensjahr ertaubt sind und schon mit dem Lautspracherwerb begonnen haben (vgl. ebd., 16).
Der Anteil der prälingual Resthörigen und Gehörlosen an der Gesamtbevölkerung ist sehr schwer zu ermitteln, da unterschiedliche Kriterien für die Einteilung in die verschiedenen Grade der Hörschädigungen existieren. Allgemein spricht man von einem Anteil von 0,04-0,06 % an der Gesamtbevölkerung in modernen Industrieländern. Bei diesem Grobwert kann man also davon ausgehen, dass auf ca. 1700-2500 Kinder je ein prälingual resthöriges oder gehörloses Kind fällt (vgl. Stocker 2002, 32).
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Cornelia Krause, 2007, Spracherwerb von gehörlosen Kindern, Munich, GRIN Publishing GmbH
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