Konzepte von Soft Power Inhaltsverzeichnis
1 MACHTENTWICKLUNGEN 1
1.1 TRADITIONELLE AUSRICHTUNG VON MACHT 1
1.2 TRADITIONELLE MACHTRESSOURCEN 1
1.3 VERÄNDERUNG VON MACHT 3 2 SOFT POWER 4 2.1 INFORMATION 5
2.2 VORANNAHMEN 7
3 PROBLEME UND SCHWACHSTELLEN VON SOFT POWER 10 3.1 MOMENTE VON SOFT POWER 11
3.2 FAZIT 13
Klas Roggenkamp
Klas Roggenkamp Konzepte von Soft Power
1 Machtentwicklungen
Macht im hier betrachteten Verständnis ist primär ausgerichtet auf zwischenstaatliche Beziehungen. Dabei sind im Prinzip nur wenige Staaten wirklich in der Lage, international Einfluss zu erlangen. Dieser Einfluss basiert auf Möglichkeiten, anderen zu drohen oder diese mit militärischen Mitteln zu kontrollieren. Internationale Politik aus diesem Blickwinkel lässt nur Staaten als Akteure zu, da allein diese über militärisches Potenzial verfügen, also in der Lage sind, notfalls ihre Ziele oder Ideale zu verteidigen bzw. durchzusetzen.
1.1 Traditionelle Ausrichtung von Macht
Diese Hard Power verfolgt im Zuge des nationalen Interesses vorrangig Sicherheitspolitische Ziele, das heißt ganz im Sinne der Staatsräson Erhaltung und Ausbau der eigenen Machtposition, um sich gegenüber anderen Nationen halten und durch Kontrolle und Einfluss über andere die eigene Position noch verbessern zu können. Weiterhin sollen eigene Interessen anderen aufgezwungen werden.
1.2 Traditionelle Machtressourcen
Die Mittel der Macht unterliegen subjektiven Kriterien und Sicherheitsansprüchen. So gilt für manche noch heute die Bevölkerungsstärke als ein wichtiges Mittel, um im internationalen Vergleich als mächtig dazustehen. Durch ihre Steuern und als potenzielle Soldaten bildet die Bevölkerung das Fundament für militärische Macht, Schlagkraft und dementsprechend auch Herrschaft z.B. über Nachbarstaaten. Andernorts ist Macht eine geo-strategische Frage - wie viel Einfluss hat „mein“ Land und wo stehen die Anderen.
Oder Macht ist abhängig vom Zugang zu Ressourcen, damit eine Nation auch lang anhaltende Auseinandersetzungen durchstehen kann. All dies lässt sich theoretisch in Mittel zur Kriegsführung, also zur gewaltsamen Durchsetzung eigener Interessen umwandeln. Allein die Möglichkeit, dass eine Nation seine Machtressourcen in einem Konflikt gegen eine andere Nation einsetzen könnte ist weithin ein Drohpotenzial, mit
Konzepte von Soft Power 1 - Machtentwicklungen
dem sich als schwächer empfundene Opponenten schnell zum einlenken bewegen lassen.
„Power in this sense means holding the high cards in the international poker game
(…) if your opponent is showing cards that can beat anything you hold, fold your
hand. If you know you will lose a war, don’t start it.” (Nye 1990, S. 26)
Die Relevanz von bestimmten Ressourcen für die Bestimmung der Machtposition eines Akteurs ist jedoch nicht immer eindeutig, sie ist größtenteils subjektiver Natur und lässt sich eigentlich nur in einer tatsächlichen militärischen Auseinandersetzung bestimmen. Die eigentliche Kraft einer Ressource entsteht erst in der Umsetzung in ein Mittel, um seine Macht durchzusetzen bzw. zu erkämpfen. Denn neben dem Vorhandensein bestimmter, als Machtmittel empfundener Ressourcen ist auch das Potenzial diese Mittel sinnvoll und effizient einzusetzen ein Zeichen für Stärke. Beispielsweise während des Zweiten Weltkrieges waren die USA zu Beginn militärisch eher ihren Gegnern (besonders Japan) unterlegen, da sie vorhandene Ressourcen nicht voll umgesetzt haben. Die Macht, die heute den USA (auch im Rückblick) zugestanden wird, entstand erst in der Mobilisierung und Verbesserung der eigenen Kräfte zur Umsetzung des eigenen Potenzials in Machtmittel wie Waffen, Schiffe, Flugzeuge oder Soldaten.
Durch diese unterschiedlichen Auffassungen, wodurch sich Macht bestimmen lässt, entsteht im Sinne von Nye’s Pokerspiel viel Spielraum für Bluffs, aber auch für Missverständnisse, die im Falle einer tatsächlichen kriegerischen Auseinandersetzung für den Unterschätzenden sehr kostspielig im Sinne von Ressourcen und letztendlich auch Menschenleben sein kann. „However, (...) proof of power lies not in the resources but in the changed behavior of nations.” (Nye 1990, S. 174)
In Zukunft scheint aber die Kontrolle des politischen Umfeldes schwieriger zu werden. Durch die Ausbreitung an nicht-staatlichen, internationalen Akteuren, die sich dem direkten Einfluss von Einzelstaaten zunehmend entziehen, gleichzeitig aber durch ihre Forderungen und eigenen Machtpositionen auf Staaten wirken können, kommt es zu einer Diffusion der Macht.
Klas Roggenkamp - 2 -
Konzepte von Soft Power 1 - Machtentwicklungen
1.3 Veränderungen von Macht
“Hard power (...) still counts. It is the ultimate, because existential, currency of
power. But on the day-to-day level, "soft power" ... is the more interesting coin ...
Today there is a much bigger payoff in getting others to want what you want.”
(Josef Joffe 1997, zitiert nach Arquila, Ronfeldt 1999; S. 40)
Darum muss eine Unterscheidung getroffen werden: „the distinction between power over other countries and power over outcomes must be clear“ (Nye 1990, S. 175). Diese Macht über Ergebnisse, Entscheidungen, wird von der traditionellen Auffassung von Macht im Sinne der Hard Power nicht mehr erfasst. Einzelstaaten haben danach immer weniger Möglichkeiten, direkten Einfluss auf das komplexe System der Internationalen Politik zu nehmen.
Neben der Ausbreitung von NGOs und nicht-staatlichen Akteuren allgemein wirken sich weitere Entwicklungen verändernd auf die Form von Macht aus. Unter anderem sind dies die Informationsrevolution und eine zunehmende internationale Interdependenz. Letztere ist zwar kein wirklich neuer Trend, von der internationalen Interdependenz hat z.B. schon Kant in seinen Werken geschrieben, jedoch verstärkt durch vor allem technologische Umwälzungen im Zuge der Informationsrevolution werden hier ganz neue Dimensionen erreicht.
Die technologischen Entwicklungen der letzten Jahre haben zu einer rasanten Zunahme internationaler wirtschaftlicher, aber auch politischer Interdependenzen geführt - der alte Spruch, dass es egal sei ob in China ein Sack Reis umfalle trifft nicht mehr so ganz zu. Wenn der asiatische Aktienmarkt einbricht, dann hat das auch Konsequenzen für scheinbar unbeteiligte Länder wie Mexiko oder Deutschland. Aber z.B. kann sich auch ein Bürgerkrieg in Südamerika direkt und negativ auf den holländischen Tulpenexport auswirken.
Dadurch, das Kommunikation und Warentransport nicht nur schneller sondern auch preiswerter geworden sind, können sich vermehrt transnationale Firmen aufbauen bzw. zusammenschließen, die allein durch ihre Größe und nationale Ungebundenheit in der Lage sind, neue Interessensschwerpunkte und Fragen, losgelöst von staatlichen Einstellungen und Standpunkten, auf die Tagesordnung zu setzen.
Klas Roggenkamp - 3 -
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Klas Roggenkamp, 2000, Konzepte von Soft Power, Munich, GRIN Publishing GmbH
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