Europa-Universität Viadrina Seminar: Einführung in die polnische Kulturgeschichte
Wintersemester 2001/2002
Eingereicht von Friedel Taube
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2.1 Der Wiener Kongress (allgemein und gesamteuropäisch) 2.1.1 Ziele des Wiener Kongresses 2.1.2 Territoriale Veränderungen (gesamteuropäisch) 2.2 Die polnische Frage auf dem Wiener Kongress 2.2.1 Polenpläne der Siegermächte vor dem Kongressbeginn 2.2.2 Der polnisch-sächsische Konflikt und dessen Lösung 2.2.3 Die territoriale Neuordnung Polens 2.3 Die neu entstandenen Teile 2.3.1 Die Verfassung des Königreichs Polen 2.3.2 Die Verfassung der Freien Republik Krakau
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Der erste Pariser Friede beendete 1814 die Befreiungskriege der europäischen Staaten gegen das Expansionsbestreben des französischen Kaisers Napoleon. Bei dem Friedensschluss wurde vereinbart, in Wien einen Kongress der europäischen Staatsoberhäupter abzuhalten, auf dem über die politische und territoriale Neuordnung Europas beraten werden sollte. 1 Am Wiener Kongress nahmen neben den Siegermächten Großbritannien, Russland, Preußen und Österreich Vertreter aus fast allen Herrscherhäusern Europas teil – 90 souveräne Fürsten, 53 mediatisierte Fürsten, 215 Häupter anderer Fürstenfamilien, Vertreter des Papstes, des
Sultans, der Schweizer Kantone und verschiedene andere Interessensgruppen.
Gastgeber Österreich entsandte als führenden Vertreter Klemens Fürst von Metternich, Russland Zar Alexander I, Preußen Karl August Fürst von Hardenberg, Großbritannien Robert Stewart Castlereagh und Frankreich schickte Charles Maurice de Talleyrand zu den Verhandlungen nach Wien. Diese fünf Politiker legten innerhalb von neun Monaten, zwischen September 1814 und Juni 1815, jene europäische Ordnung fest, die daraufhin für 60 Jahre das Bild des Kontinents prägen sollte.
Besonders interessant ist hierbei die Rolle Polens auf dem Wiener Kongress. Immerhin war es ein Land, dass seit der Dritten Polnischen Teilung kein souveräner Staat mehr war und dessen Bewohner mit größten Hoffnungen dem Kongress entgegensahen.
Wie kam es, dass Polen auch aus den Wiener Verhandlungen wieder als Verlierer herausging? Wie konnte es kommen, dass trotz des zunächst vorhandenen entschiedenen Willen der westlichen Großmächte, Polen einen souveränen Staat zu geben, es Russland gelang, Polen dem Zarenreich quasi einzuverleiben?
Mit diesen und ähnlichen Fragestellungen möchte ich mich in dieser Hausarbeit befassen. Um herauszustellen, welche Rolle Polen im Kräftemessen der Großmächte auf dem Wiener Kongress spielte, ist es zunächst einmal nötig, einen Überblick über den gesamteuropäischen Einfluss des Wiener Kongresses zu geben (2.1). Erstens möchte ich zeigen, welche Ziele er verfolgte (2.1.1) und zweitens, welche gebietsmäßigen Veränderungen sich für die Staaten Europas, besonders für die Großmächte, ergaben (2.1.2.)
Im zweiten Teil des Hauptteils stelle ich dar, wie die Pläne der Großmächte bezüglich Polens aussahen (2.2.1), wie die Verhandlungen rund um die polnische Frage aussahen (2.2.2) und welche Ergebnisse diese letztendlich hatten (2.2.3).
Um abschließend noch einen groben Einblick über das Wesen der beiden auf dem Kongress geschaffenen Staatengebilde auf polnischen Gebiet zu geben, nehme ich im dritten Teil eine kurze Analyse der Verfassungen des Königreichs Polen (2.3.1) sowie der Freien Republik Krakau (2.3.2) vor.
2.1.1 Ziele des Wiener Kongresses
Oberstes Ziel des Kongresses, der im September des Jahres 1814 zusammentrat, war die territoriale Neuordnung Europas nach dem endgültigen Sieg gegen Napoleon. Für die Zukunft sollte außerdem garantiert werden, dass Umwälzungen innerhalb eines Landes nicht wieder einen neuen Beherrscher wie Napoleon hervorbringen könnten. Die Herrscher waren sich darüber einig, dass jegliche revolutionäre Bestrebungen, getragen durch das Gedankengut der Französischen Revolution, gefährlich seien und deshalb in Zukunft im Keime erstickt werden
Um die Ordnung langfristig zu sichern, sollte ein machtpolitischer Ausgleich auf dem Kontinent herbeigeführt werden. Daher verteidigten die europäischen Machthaber die Rechtmäßigkeit (/HJLWLPLWlW) der monarchischen Herrschaft von Gottes Gnaden durch die angestammten Fürstenhäuser. Die Wiederherstellung (5HVWDXUDWLRQ) der alten Ordnung erschien besonders Österreich und Russland als der geeignete Weg, stabile Verhältnisse zu schaffen. Die Pflicht zur gegenseitigen Hilfe (6ROLGDULWlW) der Fürsten sollte revolutionäre Bewegungen in den einzelnen Ländern verhindern und die neue Ordnung sichern.
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Arbeit zitieren:
Friedel Taube, 2002, Polen auf dem Wiener Kongress, München, GRIN Verlag GmbH
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