Inhalt
1 Einleitung 3
2 Was ist Mord 3
3 Idas Tod 5
3.1 Darstellung von Idas Tod im Roman drei Perspektiven 5
3.2 Darstellung von Idas Tod in Fassbinders Fernsehverfilmung 9
4 Fazit Ein Vergleich zwischen Schrift und Bild 12
5 Literaturverzeichnis 13
3
1 Einleitung
Was haben Medien mit Gewalt zu tun und umgekehrt Gewalt mit Medien? Es gibt keinen Zweifel: Gewalt ist ein äußerst explosives Thema, auch in der Literatur. Gewalt ist in sämtlichen Dichtungsarten zu finden, in der Epik, in der Dramatik, in der Lyrik und in historischen Romanen. Die verschiedensten Ausdrucksformen sind emotional wirkungsvolle Mittel, um unter anderem einen Roman spannend oder einen Film nicht langweilig zu gestalten. Alfred Döblin verzichtet in seinem Werk Berlin Alexanderplatz auch nicht auf Gewaltdarstellungen. Der Held des Romans, Franz Biberkopf, ist nach seinem Gefängnisaufenthalt den verwirrenden Eindrücken der Großstadt ausgesetzt. Er versucht ein Mitglied der Gesellschaft zu sein, aus der er vier Jahre ausgeschlossen war. Jedoch wird nicht das Einzelschicksal im Vordergrund dieser Arbeit stehen, sondern die Tat, die Biberkopf ins Gefängnis gebracht hat: Idas Tod. Wie wird ihr Todesfall veranschaulicht und bewertet? Welche Bedeutung hat ihr Tod für Franz Biberkopf? War es Totschlag, Mord oder ein Unfall? Um diese Fragen zu beantworten, werden ausgesuchte Textstellen analysiert. Dabei stellt nicht nur der Erzähler seine Perspektive dar, sondern auch Franz Biberkopf selbst bewertet seine eigene Handlung. Wie rechtfertigt Franz sich und sein Vergehen?
Zu Beginn der Arbeit werde ich den Begriff Mord erläutern, um Franz Handlung beurteilen zu können. Zum einen steht die Romandarstellung im Mittelpunkt dieser Arbeit, zum anderen wird Fassbinders Fernsehproduktion hinzugezogen. Inwiefern können Bilder die Aussagekraft von Worten ablösen? Gibt es Unterschiede in der Intention oder haben Leser und Zuschauer unterschiedliche Eindrücke von Idas Tod?
2 Was ist Mord?
Mord ist ein Vergehen. Diese Art gegen das Gesetz zu verstoßen, gab es bereits in der Vergangenheit, gibt es in der Gegenwart und wird in der Zukunft noch weiter in Erscheinung treten. Um zu klären, was genau Mord bedeutet, muss man diesen Begriff von verschiedenen Seiten betrachten.
Das Kapitalverbrechen Mord wird im § 211 des Strafgesetzbuches folgendermaßen definiert:
Mörder ist, wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebes, aus Habgier
oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit
gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu
verdecken, einen Menschen tötet. 1
1 Strafgesetzbuch mit Erläuterungen. 24., neubearbeitete Auflage. München: Verlag C.H. Beck 2001. S. 782.
4 Mord wird dabei als eine Handlung beschrieben, die mit Vorsatz ausgeführt wurde. Im Strafrecht der Bundesrepublik Deutschland ist Mord hinsichtlich Tatmotiv, Tatausführung oder Tatzweck durch besondere Merkmale gekennzeichnet. Dies unterscheidet ihn vom Totschlag der als vorsätzliche Tötung ohne die strafschärfenden Attribute des Mordes bezeichnet wird. Diese rechtliche Definition hat sich in den letzten Jahrhunderten in den wesentlichen Punkten nicht geändert. Schon in der im Jahr 1532 erschienen „Constitutio Criminalis Carolina“, dem ersten deutschen allgemeinen Strafgesetzbuch, wurde festgelegt, dass ein Mord ein mit Überlegung gefasster Vorsatz der Tötung ist. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde der Mord vom Totschlag aufgrund der Heimlichkeit der Tatausführung oder der Gesinnung des Täters unterschieden. Das änderte sich jedoch mit der Carolina. Im Artikel 137 der „Constitutio Criminalis Carolina“ wurde der Totschlag als eine im Affekt begangene Tat beschrieben, die aber trotzdem gewollt war. 2 Als Folge dessen waren auch die Strafen unterschiedlich. Der Totschläger wurde mit dem Schwert und der Mörder mit dem Rad gestraft. Diese Art der Bestrafung ist in der heutigen Zeit nicht mehr existent. Mord wird mit lebenslangen Freiheitsentzug geahndet und der Totschlag mit einer Haftstrafe ab fünf Jahren bis lebenslänglich. Diese Definitionen verdeutlichen, dass die Bezeichnung Mord eindeutig festgelegt ist. Es ist auch erkennbar, dass sich diese Erläuterungen, vom inhaltlichen Aspekt aus betrachtet, in den vergangenen Jahrhunderten verändert und weiterentwickelt haben. Die Carolina stellte im 16. Jahrhundert eine Verbindung von fortschrittlichen Lehren italienischer Kriminalisten und übertragenem deutschen Rechtsgut dar. Das Strafsystem wurde im Interesse der Allgemeinheit entwickelt. Heute ist es eine Notwendigkeit, um die Grundrechte, die in der Verfassung der BRD fest verankert sind, von jedem Bürger zu schützen.
Die Betrachtung des Mordes mit Hilde des Strafrechts ist nur ein Weg, dessen Bedeutung zu klären. Menschen bedienen sich nicht juristischer Definitionen. Mord wird in der Gesellschaft als eine Bluttat, Meuchelei und oft als Abschlachtung bezeichnet. Das spiegelt sich auch in der Literatur wieder. Das Strafgesetz kann lediglich eine Basis für die Interpretation literarischer Texte sein. Es hilft uns, Delikte gegen Leib und Leben richtig einzuordnen.
2 Vgl. Dr. Jur. H. C. Hermann, Conrad: Deutsche Rechtsgeschichte. Band 2. Neuzeit bis 1806. Karlsruhe: Verlag
C.F. Müller 1966. S. 409.
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Maria Brüggert, 2007, Mord? Totschlag? Unfall? Darstellung und Bedeutung von Idas Tod in Alfred Döblins "Berlin Alexanderplatz" - Ein Vergleich zwischen Roman und Fassbinders Verfilmung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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