Einleitung
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Einleitung
Eine Welt ohne Flugzeuge ist heute nicht mehr vorstellbar. Ob als Verkehrsmittel für
Menschen in Beruf und Freizeit, als Transportmittel für Güter oder als Militärtechnik, überall
ist das Flugzeug unentbehrlich geworden.
Vor über 100 Jahren gelang den Gebrüdern Wright der erste längere gesteuerte Motorflug.
Die technische Verwirklichung des ,,Traums vom Fliegen" veränderte nach und nach das
Leben und den Alltag der Menschen. Die Luftfahrt verlor rasch ihre Wirkung als Sensation
und wurde schon wenige Jahre nach den ersten erfolgreichen Motorflügen militärisch genutzt.
Das Militär wurde bereits in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg zum bestimmenden und
von den Herstellern umworbenen Abnehmer von Flugzeugen. Die expandierende militärische
Nachfrage nach Flugzeugen während des Ersten Weltkrieges lies die Produktion innerhalb
weniger Jahre explosionsartig wachsen. Wurden in den Jahren von 1911 bis 1914 insgesamt
1954 Flugzeuge in Deutschland hergestellt, so waren es im Jahr 1918 bereits 14365 Stück
(Appel 1993, S. 14). Am Ende des Krieges waren in den Industrieländern, allen voran
Deutschland und Großbritannien, leistungsfähige Flugzeugindustrien entstanden.
Nach Kriegsende gab es in Deutschland keine Nachfrage nach Militärflugzeugen mehr.
Deutschland hatte als militärischer Verlierer des Krieges die Vorgaben der Versailler Verträge
und deren Folgebestimmungen zu erfüllen. Deutschland durfte auf unbestimmte Zeit keinerlei
Luftstreitkräfte mehr unterhalten und das gesamte militärische Flugmaterial musste den
Alliierten ausgeliefert oder vernichtet werden (Bach 2003, S. 210). Die Kapazitäten der stark
expandierten Flugzeugindustrie mussten nun den Bedingungen der Friedenszeit angepasst
werden.
Hier stellt sich nun die Frage, wie die Industrie die Umstellung auf die Zivilluftfahrt be-
wältigte. Gab es Alternativen dazu? Welche Rolle spielte der Staat dabei? Welche Nutzer
wurden anvisiert? Und wie erging es den Passagieren an Bord der ersten Verkehrsmaschinen?
Welche Rolle spielten die Passagiere in den Anfangsjahren der Zivilluftfahrt?
Im Folgenden soll versucht werden, Antworten auf dieses Fragen zu finden und Zusammen-
hänge aufzuzeigen.
Quellenlage
Zur Geschichte der Luftfahrt für den Zeitraum von 1900 bis 1945 gibt es eine große Fülle von
Veröffentlichungen. Einen breiten Raum nehmen dabei Biographien berühmter Protagonisten
Die Luftfahrt im Ersten Weltkrieg
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der Luftfahrt, im Sinne einer Heldengeschichtsschreibung verfasste Chronologien und
Darstellungen zur Luftfahrzeugtechnik ein.
Es finden sich deutlich weniger Publikationen, die nach wissenschaftlichen Kriterien und auf
Grundlage von Archivstudien erarbeitet worden sind. Für die vorliegende Arbeit wurden u.a.
die Dissertationen von Appel
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und Bach
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ausgewählt. Sie untersuchen die Entwicklung der
Luftfahrtindustrie im und nach dem Ersten Weltkrieg, die Bach in Interpendenz mit der
Entwicklung der Militär- und Zivilfliegerei untersucht. Appel legt den Schwerpunkt seiner
Arbeit auf die Beziehungen zwischen öffentlicher Hand und den privatwirtschaftlichen
Luftverkehrsunternehmen. Eine wirtschaftshistorische Abhandlung zur Geschichte des frühen
deutschen Luftverkehrs insbesondere der rivalisierenden Unternehmen Lufthansa und
Verkehrsflug bietet Fischer
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. Er verknüpft politische Geschichte, die
Unternehmensgeschichte sowie volk- und betriebswirtschaftliche Aspekte miteinander. In
diesen drei Arbeiten gehen die Autoren kaum bis gar nicht auf die Rolle der Passagiere als
erste zivile Nutzer der neuen Technik ein. Deshalb wurden weitere zum Teil
populärwissenschaftliche Veröffentlichungen zu Rate gezogen, die stärker auf die ersten
Passagiere und deren Bedeutung in der Entwicklung der Luftfahrt eingehen
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.
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Die Luftfahrt im Ersten Weltkrieg
Über das in zahlreichen Veröffentlichungen zur Geschichte der Luftfahrt gepflegte Bild der
heldenhaften, idealistischen Flugpioniere wird oft vergessen, dass das Flugzeug schon früh-
zeitig zum Gegenstand kommerzieller Interessen und zum Geschäft wurde. Bedenkt man den
finanziellen Aufwand zur Entwicklung und Herstellung eines Flugzeuges und der nötigen
Infrastruktur, überrascht dieser Umstand nicht. Schon die Gebrüder Wright, denen der erste
gesteuerte Motorflug zugeschrieben wird, versuchten, ihre technischen Neuentwicklungen für
militärische Zwecke an die Vereinigten Staaten und an die europäischen Großmächte zu
verkaufen (Bach 2003, S. 8).
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Appel, Bernd-Marian (1993): Entwicklungsbedingungen für Luftverkehrsunternehmen in Deutschland 1919-1926.
2
Bach, Martin (2003): Luftfahrtindustrie im Ersten Weltkrieg. Mobilisierung und Demobilisierung der britischen und deutschen
Luftfahrtindustrie im Ersten Weltkrieg.
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Fischer, Albert (2003): Luftverkehr zwischen Markt und Macht (19191937). Lufthansa, Verkehrsflug und der Kampf ums Monopol.
4
Grant, R. G. (2003): Fliegen. Die Geschichte der Luftfahrt.
Allen, Oliver E. (1981): Die ersten Fluggesellschaften.
Behringer, Wolfgang; Ott-Koptschalijski, Constance (1991): Der Traum vom Fliegen. Zwischen Mythos und Technik.
Marschik, Matthias (2002): Heldenbilder. Kulturgeschichte der österreichischen Aviatik.
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