Inhaltsverzeichnis und Gliederung
Inhaltsverzeichnis und Gliederung 2
Literaturverzeichnis und Aufstellung der Anlagen 3
Vorwort in eigener Sache 5
I. Einführung 6
II. Ein Museum, das keines ist 7
II.1. Rundgang 7
II.2. Der Rütelin im Sehturm 10
II.3. Im Hörturm 12
II.4. Der Schatzraum 14
III. Die Multimediapräsentation eines mittelalterlichen Textes 16
III.1. Schrift und Bild 16
III.2. Die Verbindung von Hören, Sehen und Computeranimation 18
III.3. Zusammenfassung 18
2
Literaturverzeichnis und Aufstellung der Anlagen
Aufgrund der Besonderheit der mangelnden Sekundärliteratur habe ich mir gestattet, das von mir verwendete Material in der Anlage beizufügen und in den Fußnoten jeweils auf diese zu verweisen.
Zeitungsmaterial: Anlage
-Rhein-Neckar-Zeitung vom 16.08.2001 2
-Badisches Tagblatt vom 18.08.2001 2 b
-Rhein-Neckar-Zeitung vom 20.08.2001 3
-Hildesheimer Zeitung vom 24.08.2001 4
-Frankfurter Neue Presse vom 18.08.2001 5
-Darmstädter Echo vom 20.08.2001 6
-Neue Zürcher Zeitung vom 19.09.2001 7
-Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 21.08.2001 9
Internetmaterial:
http://perso.wanadoo.fr/aplush/nibelungenmuseum 1
http://www.swr.de/rp/treffpunkt/freizeit /2001/10/04/ beitrag4.html 1 a
-http://www.worm-city.de/museum.htm 2 a
-http://www.uni-bayreuth.de/departments/aedph/2001 8
-http://www.welt.de/daten/2001/08/20/0820ku276062.thx 10
-http://km2.net/aplush/nibelungemuseum/Pressemitteilung 11
http:www.pm-magazin.de/de/medientipps 12
http://www.servus.at/ILIAS/flusser.htm 5
-http://www.schmidt.uni-halle.de/essays/texte/scheff2.htm 13
Material, vom Museum angeboten A-D
„Das Buch des anonymen Dichters“, Museumsführer, X
Nibelungenmuseum-Betriebs-GmbH
3
Sowie
-Belting, Hans: Das Bild als Text. Wandmalerei und Literatur im Zeitalter Dantes. In: Belting, Hans/Blume, Dieter (Hg.): Malerei und Stadtkultur in der Dantezeit. München 1989
-De Boor, Helmut: Das Nibelungenlied. 22. Auflage. Wiesbaden: Heinrich Albert Verlag 1996
-Wenzel, Horst: Hören und Sehen. Schrift und Bild. Kultur und Gedächtnis im Mit telalter. München: Beck Verlag 1995
4
Vorwort in eigener Sache
„Ze Wormez bî dem Rîne si wonten mit ir chraft
in diente von ir landen vil stolziu ritterscaft...“ 1
Sollte der zum Besuch des Nibelungenmuseums Geneigte diese Worte im Ohr haben, während er über die Rheinbrücke und durch das Nibelungentor die Stadtgrenze zu Worms passiert, würde es ihn nicht weiter verwundern, dass diese Stadt voll ist von Kriemhildsstuben, Nibelungenhotels, Brünnhildsklausen, Siegfriedsalleen, Gernotsecken. Immerhin jedoch gibt es ein richtiges Denkmal am Rheinufer, just an der Stelle, an welcher der legendäre Schatz der Nibelungen von Hagen, dem Grimmen und dort Verewigten, versenkt worden sein soll. Ein wenig in die Jahre gekommen zwar, doch liebevoll gepflegt und immer wieder erwähnt, präsentiert sich Hagen dem Spaziergänger, genau wie all´ jene Relikte der burgundischen Zeiten, in denen die Stadt der Mittel- und Ausgangspunkt des gnadenlosen Umgangs mit dem eigenen und dem Leben anderer war, schrecklicher Leiden, die in einem Blutbad sondergleichen endeten - so zumindest nach dem zum deutschen Nationalepos erkorenen Nibelungenlied.
Da hier von Relikten die Rede ist, muß hinzugefügt werden, dass die Wormser in ihrer Verzweiflung ob des Nichtvorhandenseins spezifischer geschichtlicher Artefakte alles vermarkten und als „nibelungig“ präsentieren, was auch nur im Entferntesten mit dem Nibelungenlied in Zusammenhang gesetzt werden könnte.
Jetzt besitzen sie ein Nibelungenmuseum - eins der modernen Art, was äußerlich so gar nicht zum Habitus „derer von Burgund“ passt, sieht man einmal von den Kabinen aus Edelstahl ab, dessen Eigenschaften vielleicht so manches Schwert zur Mordwaffe mutieren ließen....
Direkt hinter und an der Stadtmauer gelegen, versteckt sich das Museum vor dem Ortsunkundigen. Es bedarf schon der Nachfrage, die auch prompt und freundlich beantwortet wird - die Wormser sind stolz auf ihr Museum.
Vor dem Museum stehend, erlebt der Besucher eine - individualgeschmacklich sicher verschiedenartig beurteilte - Symbiose aus Alt und Neu. 2
1 Das Nibelungenlied, 1. Âventiure, Str. 6, S. 4
2 Zur Anschaulichkeit: Anlage 1
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Vielleicht ist er dadurch jetzt, sofern er davon weiß, in der Lage, zu verstehen, warum sich viele der Wormser 1998 zu einem Bürgerentscheid formierten, der den Bau des Museums unterbinden wollte. Spätestens nach dem Rundgang kann er den Gedanken nachvollziehen, der so manchen Wormser veranlasste, sich dem Aufbegehren anzuschließen. Die Stadtmauer, die man während des Rundganges betritt und einen nicht unerheblichen Teil des gesamtmuseologischen Anliegens darstellt, war es, die geschützt werden sollte, immerhin eines jener Artefakte aus Wormser Kaiser-, Investiturstreit- und Lutherzeiten.
Immerhin gelang es den Gegnern des Museumsprojektes, ganz nach Art „küener recken strîten“, den Baufortgang für elf Monate zu stoppen; auf den in Anlage 2 enthaltenen Artikelausschnitt der Rhein-Neckar-Zeitung sowie auf den letzten Absatz des in Anlage 4 beigefügten Artikels der Hildesheimer Zeitung sei verwiesen.
Jetzt steht das Museum, wenn auch nicht minder umstritten, und all´ den bösen Zungen zum Trotz, die meinen, eine Museumsstätte, die sich der Veranschaulichung und Rezeption des deutschen Nationalepos widme, sei nicht von Wert und habe daher keine Daseinsberechtigung, kann der Besucher gespannt das Museum betreten und Teilnehmer einer Multimediashow werden, die einen einzigartigen Eindruck hinterlässt.
Nach dem ca. 70-minütigen Rundgang bleibt dann immer noch die Möglichkeit, ein Stück vom Schatz der Nibelungen zu erwerben und mit dem Geschmack von schmelzender Schokolade zum Dom zu wandern - denn der ist echt.
I. Einführung
Warum ist es so schwierig, darüber zu schreiben? Das Nibelungenlied ist bekannt, aber ob es je in der Art erlebt wurde, weiß keiner. Man durchwandert ein einem Liede, wenngleich Nationalepos der Deutschen, gewidmetes Museum ohne ein einziges, wirklich „primäres“ Exponat, recherchiert quasi ohne Sekundärliteratur, sucht die Stadt Worms nach Beweisen ab und findet stetige Hinweise auf „könnte hier...“, „ist wahrscheinlich hier...“, „...soll hier versenkt...“nichts, was bewiesen ist. Und schreibt dann über dieses Museum, das keines ist - zumindest nicht im herkömmlichen Sinne.
6
Weil jedoch nicht immer nur interessant sein muß, was zugleich herkömmlich ist, beschäftigt sich diese Arbeit mit den Dingen jenseits davon. Es sollen daher folgende Punkte besonders herausgestellt werden:
II. Ein Museum, das keines ist
Statt Wandeln zwischen Vitrinen virtuelle und visuelle Wahrnehmung - vor dem Hin-tergrund des Nibelungenliedes, seiner Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte, seinen Umsetzungen und Deutungen und dem Ansinnen des museologischen Programms (jeweils eingebunden in die einzelnen Kapitel)
Die Multimedia-Präsentation eines mittelalterlichen Textes unter Einbeziehung der Symbiose der Wechselwirkung von Hören und Sehen
Sollte für den Leser ein Museum beschrieben und untersucht worden sein, das seinen Platz trotz Umstrittenheit seiner Daseinsberechtigung unter all´ den Museen, die Geschichte und Tradition vermitteln, getrost einnehmen kann, das außerdem die Kluft zwischen Fiktion und Imagination geschickt zu überbrücken versteht, ist das Ziel dieser Arbeit erreicht.
II.1. Rundgang
Nach einer „Wegbeschreibung“ werden nachfolgend die einzelnen Stationen näher erläutert, um so eine Vorstellung zu erleichtern.
Am Eingang erhält der Besucher Kopfhörer und eine Art Walkman - für das Verständnis des Museumszweckes unerlässlich. Zu Beginn des Rundganges findet er sich einem riesigen „tannenzapfenartigen Gebilde“ 3 gegenüber, das von der „von der Decke baumelt: die Manifestation eines Leitgedankens des Ausstellungsprinzips“ 4 .
Es handelt sich dabei um das sogenannte Rütelin, das später noch näher beschrieben wird. Von hier aus geht es nur noch treppauf in den sogenannten Sehturm, einem von zwei in das Museum integrierten ehemaligen Wachtürmen, die Bestandteil der Stadtmauer sind, während der Ton einsetzt und die Stimme Mario Adorfs den Besucher begrüßt: „Willkommen in meiner neuen Bleibe.... Die Welt sah anders aus als heute, damals, vor achthundert Jahren, als ich die-
3 FAZv. 21.08.2001, S.2, Anlage 9
4 ebenda
7
se Geschichte aufgeschrieben habe. Ich? Ja, ich, der Dichter des Nibelungenliedes. Ich spreche zu euch aus dem Jenseits, aus dem Reich der Toten...“ 5
Unterbrochen von jeweils kurzen Momenten, in denen der Besucher sich zwischen Sendestationen - jeder „Haltepunkt“ bildet eine solche, an der die Texte wechseln - nach oben bewegt, sieht er Szenen aus Fritz Langs Film „Siegfrieds Tod“ von 1926 mittels kleiner Monitore, an der Wand hängend. Dabei wiederholt sich immer eine Szene pro Bildschirm, d. h. an der nächsten Sendestation präsentiert sich der darauffolgende Filmausschnitt.
Man stelle sich dies so vor: Bei Passage einer beliebigen Station leuchtet ein „kleines grünes Licht“ am Walkman auf, das den Besucher auf den Start des an dieser Station Gesprochenen hinweist. Während er hört, sieht er parallel dazu die zum Text passende Filmszene, so z. B. Siegfried, der den Drachen Fafnir besiegt, und lauscht dem sich auf diese Passage beziehenden Erzähler, dem imaginären, „lebendig-toten“ Dichter. 6 Unmittelbar daran anknüpfend - der Besucher erfasst die Aufforderung zum Weitergehen, indem sich die Handlung auf dem Bildschirm wiederholt - besteht die Möglichkeit der zusätzlichen „Informationsbeschaffung“. Dies kann individuell vorgenommen werden, und zwar durch Betätigen einer Taste auf dem Walkman. Über die eigentliche Stoffvermittlung hinaus erfährt man dann beispielsweise, was ähnliche Heldensagen beinhalten, ob es mehrere dieser „Powerfrauen“ wie Brünnhild 7 gab oder aber Zusammenhänge zwischen dem anonymen Dichter und Bischof Wolfger von Passau, in dessen Auftrag das Werk entstanden sein soll. 8 Erwähnenswert ist auch eine Zusatzinformation bezüglich Fritz Lang, wobei hier der anonyme Dichter, ausgehend von einer Begegnung mit dem Filmemacher im Jenseits, von der Intention des Films und dem Missbrauch durch die Nationalsozialisten im Dritten Reich erzählt. 9
Hat der Besucher an allen elf um den Rütelin herum nach oben aufsteigenden Stationen Halt gemacht, geht es vorerst wieder ein Stück abwärts zur Stadtmauerpassage, die in den Hörturm führt. An dieser Stelle wird er konfrontiert mit dem Nachteil der Passage der einzelnen Sender, denn nun nimmt er in umgekehrter Reihenfolge und - abhängig von der individuellen Fortbewegungsgeschwindigkeit - durcheinander Bruchstücke des schon beim Aufstieg Gehörten wahr.
5 „Das Buch des anonymen Dichters“, Museumsführer, S. 29
6 siehe dazu „Das Buch des anonymen Dichters“, Museumsführer, S. 33
7 „Das Buch des anonymen Dichters“, Museumsführer, S. 38
8 ebenda, S. 44
9 ebenda, S. 39
8
Auf halber Höhe befindet sich der Austritt zum Wandelgang über die Stadtmauer, der Seh- und Hörturm miteinander verbindet. Seltsame Geräusche sind nun zu vernehmen, die sich vorerst nicht deuten lassen.
Nach Durchschreiten der nächsten Tür steht der Besucher inmitten des Hörturms.
Er erfährt nun mehr über die Handschriften des Nibelungenliedes; es ist die sogenannte „Schreibwerkstatt“.
Die Treppen, die nach oben führen, sind jeweils unterbrochen von Podesten, auf denen sich hölzerne, ob ihrer Form beeindruckende Stühle befinden, Throne, auf denen Platz zu nehmen ist, von denen jeder einzelne eine Station darstellt und Auskunft gibt über die Sprache des Nibelungenliedes und anderer Sagen, wie Edda, Völsungasaga, Parzifal und andere. Hier besteht ebenfalls die Möglichkeit, sich zusätzliche Informationen zugänglich zu machen.
Beeindruckend im Hörturm ist die - von ein paar Bildern mit mittelhochdeutschen Schriftzügen abgesehen - bildliche Leere. Dafür hört der Besucher umso mehr, wenn auch in mittelhochdeutsch, das simultan ins Neuhochdeutsche übersetzt ist und ihn bis in die Turmspitze begleitet.
Oben angelangt, öffnet sich dem Besucher ein Panoramablick, der die Stadt Worms in ihrer Ausdehnung präsentiert, jeweils in einzelne Himmelsrichtungen unterteilt.
Beim Abstieg und dem rückwärtigen Passieren der einzelnen Stationen tritt auch hier das Durcheinander auf, diesmal verstärkt durch die musikalische Untermalung der gehörten mittelhochdeutschen Texte bis hin zur Tür in den Wehrgang.
Jetzt löst sich auf, was beim ersten Mal so rätselhaft anmutete. Die Schießscharten der Stadtmauer sind mit Tafeln versehen, die das historische Worms zeigen. Dem jeweiligen Bild zuge-ordnet sind Toncollagen 10 , wie beispielsweise Pferdegetrappel, Waffengeklirr oder Bombergeschwaderlärm. Es bedarf schon einiger Konzentration, die Momentangeräusche der Stadt (immerhin befindet sich der Besucher im Freien) von denen des Kopfhörers zu trennen...
10 siehe dazu Anlage 6
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Quote paper:
Diplomgermanistin Dorothee Noras, 2002, "Mit lobelîchen êren unz an ir endes zît" oder: Das Museum, das keines ist, Munich, GRIN Publishing GmbH
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