Die Verantwortlichkeit für die Textabschnitte schlüsselt sich wie folgt auf:
Sven Damms: I.A.; II.A.; III.B.
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O. Einleitung
I. Jean Jacques Rousseau / Karl Heinrich Marx A. Jean Jacques Rousseau
B. Karl Heinrich Marx
II. Die Täuschung
A. Die Täuschung bei Jean Jacques Rousseau
B. Die Täuschung bei Marx
III. Ist der Sonderwille Wirtschaft die Religion des 21 Jahrhunderts? A. Sonderwille Religion vs. Sonderwille Wirtschaft
1. Betreiben Wirtschaft und Kirche noch heute Volkstäuschung? B. Unterliegt das Volk einer Täuschung durch sich selbst oder nicht?
1. Verhältnis von Krieg durch Täuschung bei Rousseau und Marx
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O. Einleitung
In dieser Arbeit soll die Befindlichkeit der Gemeinschaft im Staat und der nationalen Gesellschaft im Naturzustand untersucht werden. Die Betrachtung stützt sich dabei auf folgende Leitthese, die den Rahmen zu dieser Untersuchung bilden soll:
Wenn sich ein Volk in einem Staat, anstatt in Frieden 1 zu leben in einem Kriegszustand 2 befindet, unterliegt es einer Täuschung durch sich selbst.
Um eine Argumentation aufzubauen und diese dann untermauern zu können, wird sich dieser Text auf zwei bekannte Philosophen aus der Vergangenheit beziehen. Namentlich soll es sich dabei um Jean Jacques Rousseau und Karl Heinrich Marx handeln, die im Verfolg genauer vorgestellt werden. Anhand ihrer Theorien möchten wir zeigen, wie solch eine Täuschung entstehen kann und welche Auswirkungen und Einflüsse, auf die Gemeinschaft, diese mit sich bringt. Ohne darauf jetzt schon genauer eingehen zu wollen, wird es vor der Betrachtung um die Erklärung des Gemeinwillens und des Sonderwillens gehen, um mögliche Ursachen und Anzeichen dafür zu finden.
Sollte sich im weiteren Verlauf zeigen, dass Menschen einer solchen Täuschung durch sich selbst unterliegen können, werden wir als weiteres versuchen, eine Verbindung zur Gegenwart herzustellen, um nach der heutigen Gültigkeit dieser Theorien zu forschen.
Im Laufe dieser Arbeit soll auch deutlich werden, dass verschiedene Völker den von Rousseau beschriebenen Naturzustand noch nicht verlassen haben können, da sie sich nur durch Täuschung in einem Staat wähnen, weil der Kriegszustand noch nicht überwunden wurde.
1 Mit Frieden ist hier der staatliche Zustand gemeint, den Jean Jacques Rousseau mit dem Wirksamwerden des Gesellschaftsvertrages erreichen will. Der begründete Gemeinwille führt die Menschen aus dem Naturzustand, mithin aus dem Kriegszustand.
2 Als Kriegszustand wird hier der Naturzustand, der im folgendem erklärt wird, bezeichnet. Für den Fall der vorliegenden Existenz eines Staates, handelt es sich um einen getäuschten Gesamtwillen, somit um einen „Scheinstaat“, also wiederum um den Naturzustand.
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Jean Jacques Rousseau war französischer Schriftsteller und Philosoph schweizerischer Herkunft. Er wurde am 28.Juni 1712 in Genf geboren und starb am 2.Juli 1778 in Ermenonville. Er führte ein stetes Wanderleben, das er in den „Confessions“ 1782 beschrieb. Rousseau gehörte zum Kreis der Enzyklopädisten 3 und wurde 1750 durch seine Preisschrift über den (negativen) Einfluss der Künste und Wissenschaften auf die Sitten berühmt („Discours sur les sciences et les arts“ 1750). Die darin erhobene Anklage gegen die Kultur, dass sie den Menschen einem naturnahen, glücklichen Urzustand entfremdet und ihm Unschuld, Freiheit und Tugend geraubt habe, ist der Beginn der modernen Kulturkritik. Die Schrift „der Gesellschaftsvertrag“ von 1762 betrachtet den Staat als eine freiwillige Vereinigung der Einzelwillen zu einem „Gesamtwillen“. Zusammengenommen war Rousseau ein Vorbereiter des Gefühlstandpunktes der Romantik. Er nahm weiteren Einfluss auf die moderne Pädagogik mit seinem Erziehungsroman „Emil oder über die Erziehung“ von 1762. Ebenso war er Wegbereiter der Französischen Revolution und der Demokratie durch seine idealistische Aufklärungsphilosophie und bedeutenden Staatstheorie. Er vertrat den Standpunkt einer natürlichen Religion, die keiner Vermittlung zwischen Gott und Menschen bedarf und die Erbsünde leugnet 4 .
2. Der vorstaatliche Naturzustand
In den folgenden Teilen wird die Grundlage jeder Auseinandersetzung der Staat sein. Ein solcher ist nicht schon immer da, er muss erst gegründet werden. Wie und woraus entsteht ein Staat? Diese Fragen möchten wir nun als erstes beantworten. Im zweiten Diskurs „Über die Ungleichheit“ (1755), von Jean Jacques Rousseau, wird gezeigt aus welchem Zustand der Staat hervorgeht. Um einen kurzen Überblick dazu zu ermöglichen, werden wir nun eine kurze Zusammenfassung dessen geben. Der Naturzustand in dem alle Gesellschaft entsteht, wird bei Rousseau in drei Stufen unterteilt. Dadurch ist eine Entwicklung des Menschen im vorstaatlichen Zustand
3 die Mitarbeiter an der von Diderot angeregten, von ihm und d' Alembert herausgegebenen „Encyclopédie“, dem großen, maßgebenden Werk der französischen Aufklärung; u. a. J.-J. Rousseau, Voltaire, Baron Holbach, Montesquieu, E. B. de Condillac.
4 Aus: Bertelsmann Electronic Publishing - Verlagsprogramm
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ermöglicht. Es gibt also keinen einfachen Naturzustand, wie er in Hobbes oder Locke´s Theorien beschrieben wird.
Die erste Stufe des Naturzustandes ist eine Phase, in der sich die Menschen untereinander noch nicht kennen, sie leben alle für sich, in einem Wald. Jeder der Menschen ist tiernah aber frei, er sorgt für sich und für nichts anderes. Ist für die Befriedigung von Bedürfnissen jedoch ein anderer Mensch nötig, z.B. bei der Fortpflanzung, treffen sich zwei Menschen nur aus dem gleichen Interesse und haben danach aber keine weitere Verbindung untereinander, so wie vorher. „Während der Hunger und andere Begierden ihn abwechselnd verschiedene Existenzweisen erproben ließ, gab es eine Begierde, die ihn veranlasste, seine Art fortzupflanzen; und dieser blinde Hang brachte, bar jedes Gefühls, des Herzens, nur einem rein animalischen Akt hervor. War das Bedürfnis befriedigt, erkannten sich die beiden Geschlechter nicht mehr wieder, und selbst das Kind bedeutete der Mutter nichts mehr, sobald es sie entbehren konnte.“ (DüdU 5 S.175) Doch durch den einfachen Kontakt den die Menschen untereinander haben, sind sie sich doch nicht mehr so fremd. Sie erkennen, dass sie zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse zusammenhalten müssen. „Das war die Epoche einer ersten Revolution, welche die Gründung und die Unterscheidung der Familien hervorbrachte und eine Art von Eigentum einführte“ (DüdU S.181)
Die Menschen beginnen kleine freie Gruppen zu bilden, man könnte sagen von Hirten und Jägern, deren oberstes Ziel die gemeinsame Befriedigung der anfallenden Bedürfnisse ist. „Alles beginnt sein Gesicht zu verändern. Die Menschen die bis dahin in den Wäldern umhergeschweift waren, rücken - nach dem sie einen festeren Wohnsitz angenommen haben - langsam zusammen, vereinigen sich zu verschiedenen Trupps und bilden schließlich in jedem Land eine besondere Nation - durch Sitten und Charaktere geeint, nicht auf Grund von Vorschriften und Gesetzen, sondern auf Grund der gleichen Art des Lebens und der Nahrungsmittel und auf Grund des gleichen Einflusses des Klimas“ (DüdU S.187) Damit ist der Übergang von der ersten zur zweiten Stufe des Naturzustandes geschafft. Es ist eine Gemeinschaft entstanden, die nicht zum Wohl des einzelnen, sondern zum Wohle aller strebt. Dabei sind alle Menschen gleich und jeder strebt nur zum Wohle der Gesellschaft. Jeder der Menschen hat festgelegte und wichtige Aufgaben in eben dieser Gemeinschaft. „ Jeder begann die anderen zu beachten und selbst beachtet werden zu wollen, und die öffentliche Wertschätzung hatte einen Wert.“ (DüdU S.189) In dieser Phase gibt es keinen Neid keine Gier und auch keinen Krieg, es ist ein friedliches Zusammenleben von Menschen aus gleichen Interessen. Die Entwicklung des Menschen bleibt aber nicht an dieser Stelle stehen, da mit dem Einsetzen entwickelter und wirtschaftlicher Arbeitsteilung die dritte Stufe des Naturzustandes beginnt.
„Das ist präzise die Stufe auf der die meisten Wilden Völker die uns bekannt sind, angelangt waren; und weil man die Ideen nicht genügend unterschieden und nicht bemerkt hat, wie weit diese Völker schon vom ersten Naturzustand entfernt waren,
5 im folgendem so Abgekürzt, zitiert aus „Diskurs über die Ungleichheit“, siehe Literaturnachweis
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Quote paper:
Sven Damms, Jens Berger, 2002, Über Täuschung, Krieg und Frieden, Munich, GRIN Publishing GmbH
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