Universität Erfurt, Wintersemester 2007/2008
Hausarbeit im Rahmen des Proseminars: Die Moralphilosophie von David Hume
Dritter Abschnitt und Anhang III: Über die Gerechtigkeit und Einige
weitere Überlegungen zur Frage der Gerechtigkeit
Vorgelegt von:
Sophie Müller
Studienrichtung: Germanistik (HF), Philosophie (NF)
Semester: 1, Eingereicht am: 03.03.2008
2
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 2
2. Über die Gerechtigkeit ... 3
3. Zusammenfassung... 8
1. Einleitung
David Hume (1711 - 1776), englischer Philosoph, einer der Hauptvertreter des englischen
Empirismus, war ein überragender Charakter der schottischen Aufklärung im 18. Jahrhundert.
Selbst Schopenhauer äußerte sich über Humes Leistung:
,,Aus jeder Seite von David Hume ist mehr zu lernen, als aus Hegels, Herbarts und
Schleiermachers sämtlichen philosophischen Werken zusammengenommen." [Arthur
Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, Zweiter Band, Zum vierten Buch, Kapitel
46
]
Sein Werk ,,Eine Untersuchung über die Prinzipien der Moral" bezieht sich auf die Tugenden,
welche das Leben der Menschen prägen.
Die Tugenden oder auch lobenswerte Eigenschaften genannt, unterteil man in: 1. derartige,
welche für uns individuell angenehm sind (Fröhlichkeit, Mut), 2. für andere angenehm sind
(Bedürfnis-/Anspruchslosigkeit, Wohlerzogenheit), 3. für uns nützlich sind (Wille, Eifer,
Verstand) und 4. für andere nützlich sind (Gerechtigkeit, Menschenliebe, Wohlwollen).
Letzte, auch soziale Tugenden genannt, sind die Höchsten und Wichtigsten nach Hume. Grob
gesehen, kann man Tugenden in zwei Hauptgruppen unterteilen. Zum einen sind dies die
,,natürlichen" Tugenden, welche dem Menschen von Natur aus gegeben sind bzw. man von
Geburt an besitzt. Zum anderen gibt es die ,,künstlichen" Tugenden, welche der Mensch
selbst hervorruft. Der zuletzt genannte Typ, umfasst alle Handlungsweisen, diese mit den
Regeln übereinstimmen und vom Menschen zum Schutz der Gemeinschaft eingeführt wurden
(S.101).
Im dritten Kapitel beschäftigt sich Hume näher mit ,,künstlichen" Tugenden und
infolgedessen ausgiebig mit der Gerechtigkeit. Er will zeigen, warum es sich bei der
3
Gerechtigkeit um eine ,,künstliche" Tugend handelt und welche Funktion ihr in der
Gesellschaft zugeschrieben wird. Die Hausarbeit beschäftigt sich mit der Sicht/Auffassung
Humes über die Gerechtigkeit. Im Mittelpunkt stehen Fragen, wie z.B.: Was versteht David
Hume unter Gerechtigkeit? Wie setzt er sie mit der Gemeinschaft in Beziehung? Unter
welchen Bedingungen ist Gerechtigkeit sinnvoll?
2. Über die Gerechtigkeit
,,Daß aber der öffentliche Nutzen der alleinige Ursprung von Gerechtigkeit ist und daß
Erwägungen über die wohltätigen Folgen dieser Tugend die alleinige Grundlage ihres Wertes
sind; diese interessantere und wichtigere Behauptung verdient eher unsere Prüfung und
Untersuchung." (vgl. S.101)
Mit diesem Ausspruch führt uns David Hume in sein philosophisches Werk ,,Eine
Untersuchung über die Prinzipien der Moral" ein und beginnt, seine Überlegungen über die
Gerechtigkeit darzulegen. In seinen Argumentationen wird deutlich, dass es keine greifbare
Definition für Gerechtigkeit gibt, wobei es sich allerdings schnell erkennen lässt, was für eine
Rolle die Gerechtigkeit bei ihm spielt. Hume ist der Ansicht, dass die Eigentumsregeln den
Wert der Gerechtigkeit bilden. Es gibt keinen natürlichen Grund den Eigentumsregeln treu zu
sein, wobei er der Auffassung ist, dass die Eigentumsregeln aus diesem Grunde anerkannt
werden und auf diese Weise in einer Gemeinschaft funktionieren. Ein solcher Fall kann nur
eintreten, wenn bestimmte Regeln befolgt werden. Das ist der Grund dafür, warum Menschen
die Gerechtigkeit als eine Art ,,künstliche Tugend" eingeführt haben, so Hume. Von jedem
soll diese ,,künstliche Tugend" angesteuert werden. Im Vordergrund soll die Bemühung des
Einzelnen stehen, wodurch man zu Eigentum und somit zu Wohlstand in der Gemeinschaft
gelangt. Die Arbeit, als Ausdruck des Fleißes jedes einzelnen Individuums, soll belohnt
werden, sodass sich letzten Endes der Wohlstand der Gemeinschaft erhöht. Hierbei ergibt sich
allerdings bereits ein Problem. Was ist mit den Begrenzungen von notwendigen und
bedeutenden Gebieten der Menschen? Die Normen besagen, dass es jedem Einzelnen in der
Gemeinschaft erlaubt ist, sein Land von dem seines Nachbarn abzugrenzen, sodass seine
Ernte gesichert ist. Aber für Hume spielt das keine Rolle. Die Regeln sollen für alle
Menschen von Nutzen sein. Die Gerechtigkeit beginnt da, wo der öffentliche Nutzen seinen
Ursprung hat. Stellt sich nur noch die Frage, worauf der Nutzen der Gerechtigkeit liegt.
4
In seinen Ausführungen legt er dar, dass Gerechtigkeit nützlich als auch nutzlos, in der
Gemeinschaft, sein kann. Um einige Umstände besser zu verdeutlichen, stellt er ausgewählte
Situationen dar, in denen Gerechtigkeit als nutzlos angesehen wird.
In der ersten Situation geht er davon aus, dass eine Gemeinschaft unter keinen Sorgen oder
Ängsten lebt und jede soziale Tugend aufblühen kann. Zudem leben die Menschen im
Einklang mit der Natur (S.101). Anhand dieser Beschreibung schließt Hume: in dieser
Sachlage kann Gerechtigkeit überhaupt nicht von Nutzen sein, denn jeder Mensch hat von
allem genug. Daher wäre kein Eigentum nötig. Es gäbe keine Unterscheidung von Recht und
Eigentum. Entspricht dies etwa der Wirklichkeit? Den Bereich der materiellen Güter werden
abgedeckt, wobei jedoch erkennbar ist, dass sich Hume sehr stark auf den Eigentumsbegriff
fixiert und andere Faktoren, die eine entscheidende Rolle spielen könnten, außer Acht lässt.
In einer weiteren Situation beschreibt Hume eine Welt, wo die Menschen, in einer
Gemeinschaft wohlwollend zueinander sind und eine einzige Familie bilden. Jeder vertraut
dem anderen. Es wird sich untereinander geholfen, indem man z.B. gibt, was man geben
kann. In so einer Gemeinschaft ist kein Mensch nur auf sein eigenes Interesse konzentriert.
Die Gerechtigkeit ist für Hume in diesem Sinne nutzlos, wo die Menschen perfekt
wohlwollend zueinander leben. Die Gerechtigkeit wäre demnach, nach seinen Betrachtungen,
ebenfalls unnütz. Durch das umfangreiche Wohlwollen, würde der Nutzen der Gerechtigkeit
aufgehoben werden. Überflüssig wäre ebenso eine Trennung von Eigentum und Schranken
(S.103).
In der letzten Situation mangelt es der Gemeinschaft an allem. Hume nimmt an, es sei
durchaus möglich, dass Menschen in eine derartig solche Notlage geraten könnten. Strenge
Gesetze der Gerechtigkeit würden aufgehoben werden und es würde nicht verhindert werden
können, dass die Menschen zugrunde gehen.
Stärkere Motive (z.B. Notwendigkeit, Selbsterhaltung) könnten in den Vordergrund rücken,
befürchtet Hume. In den von Hume extremen, vorgestellten Situationen, müssen die
Menschen anders handeln als üblich. Genau diese Handlungsweisen sollen als gerechtfertigt
angesehen werden.
Anhand seiner Hypothesen versucht Hume zu beweisen, dass es in der Gemeinschaft, in der
er lebt, solche utopischen Situationen nicht gibt. Deshalb ist die Gerechtigkeit in der
Wirklichkeit von Nutzen. In seinen Auseinandersetzungen zieht er auch Situationen aus dem
Alltag heran, z.B. von verheirateten Personen. Im Ganzen meint Hume, sei in einer solchen
Lage, das Band der Freundschaft stark genug, um die Eigentumstrennung abzuschaffen. Aber
0 comments