Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Historische Zusammenhänge und Grundlagen der Familie 5
2.1. Begriffliche Klärung 5
2.2. Funktionen der Familie 5
2.3. Sozial-kultureller Hintergrund 7
2.4. Historischer Hintergrund - Strukturen und Wandel der Familie 8
3. Pluralität und Funktionswandel 11
3.1. Formen der modernen Familie 15
3.2. Funktionserweiterung der Familie 18
3.3. Verwandtschaftssysteme und ihre neue Bedeutung 20
4. Fazit 21
Anhang 22
Literaturverzeichnis 25
3
Verfall der Familie?!
1. Einleitung
Familie im Hinblick auf die spezifischen Wandlungsprozesse, denen sie im Zuge der Modernisierung unterliegt, möchte ich zum Gegenstand meiner Abhandlung machen. Häufig wurde die These vertreten, die Familie befände sich in einer anhaltenden Krise, die oftmals als ein Strukturverfall der Familie angesehen wird. In vielen Publikationen über die Familie seit den sechziger Jahren taucht diese These über den Strukturverfall der Familie und damit zusammenhängend die Frage auf, ob sich die Familie seit Beginn des gesellschaftlichen Wandels hin zur Moderne in einer stetigen Krise befindet.
Ich habe mich mit dieser Thematik beschäftigt und vertrete die Ansicht, dass gerade die veränderten Bedingungen, die die Umstrukturierung der Gesellschaft hin zur Moderne mit sich gebracht hat, die Familie tatsächlich einem enormen Wandlungsprozess unterliegt. Dieser resultiert wohl in erster Linie aus der heutigen Pluralisierung der Lebensformen und damit einhergehend den erschwerten Definitionsbedingungen einer geltenden Familienform.
Im ersten Teil dieser Arbeit beschäftige ich mich mit der Familie allgemein. Wie ihre Definition im Makrosoziologischen und Mikrosoziologischen ist, welche Funktionen sie besitzt und ihren Sozial-Kulturellen Grundlagen. Des weitern möchte ich kurz auf den sozial-geschichtlichen Hintergrund der Familie eingehen und dabei ihre Strukturen, sowie ihren Wandel betrachten. Im nachfolgenden Teil möchte ich mich mit der Pluralität der Lebensformen und dem meiner Meinung nach nicht gerechtfertigten Begriff, der im Zusammenhang genannt wird, dem totalen Strukturverfall und Funktionsverlust der Familie beschäftigen. Anschließend werde ich untersuchen, inwieweit sich Funktionen der Familie gewandelt oder verändert haben und was mit dieser Entwicklung einhergeht, sowie die Bedeutung der Verwandtschaft.
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2. Historische Zusammenhänge und Grundlagen der Familie
2.1. Begriffliche Klärung
Die Ehe ist nach traditioneller und im Zivilrecht vorherrschender Vorstellung eine rechtlich legitime Lebens- und Sexualgemeinschaft zweier verschiedengeschlechtlicher Partner, mit dem Vorsatz, Kinder in die Welt zu setzen.
Nach Rosemarie Nave - Herz 1 gibt es keine einheitliche Auffassung, was man als Familie bezeichnet. Die Wörter Familie und Verwandtschaft werden oft synonym bebraucht. Aus der gesamtgesellschaftlichen Sicht wird die Familie als eine soziale Institution bezeichnet. Sie erbringt bestimmte gesellschaftliche Leistungen, wie z.B. die Erziehung von Kindern. Sie hat grundlegende Bedeutung für das menschliche Zusammenleben. Die Institutionalisierung jeder Ehe bzw. Familie wird durch gesellschafts-, kultur- und landschaftsspezifische Bräuche, Riten und Kulthandlungen der Öffentlichkeit kundgetan und verankert. Mikrosoziologisch gilt die Familie als ein besonderes gesellschaftliches Teilsystem, oder als eine Gruppe. Sie ist gekennzeichnet durch eine festgelegte Rollenstruktur der Mitglieder und durch Interaktionsbeziehungen.
2.2. Funktionen der Familie
Die Familie wird als ein wichtiges Teilsystem der Gesellschaft verstanden. In der Familiensoziologie sieht man die Familie als „Keimzelle der Gesellschaft“ an. An ihr richtet sich alles weitere Leben aus und sie ist primär, die das Individuum durch den spezifischen Prozess der frühkindlichen Sozialisation in seinem gesamten Wertempfinden und seinen Verhaltensorientierungen prägt. „Der Sozialisationsprozess umfasst alle Aktivitäten, die geeignet sind, das „soziale Wesen“ zu schaffen.“ 2
Der Sozialisationsbegriff ist bekannt durch Emil Durkheim, der die Erziehungsaufgabe als „methodische Sozialisation“ bezeichnet hatte. In Deutschland verwendet man den Begriff erst seit Mitte der 60er Jahre, und er ergänzt den pädagogischen Begriff der Erziehung.
1 Schäfers, B. / Zapf, W: Handwörterbuch zur Gesellschaft in Deutschlands, Opladen: Leske und Budrich 1998
Die Sozialisation wird als eine wichtige Aufgabe der Familie angesehen. Seit den 60er Jahren beschäftigt sich die Familiensoziologie mit der Sozialisation. Ich möchte auf Grund der Vielfalt nur eine kurze Zusammenfassung einiger Punkte geben.
Der komplexe Sozialisationsprozess lässt sich in folgende Phasen einteilen. (nach D.Claessens, 1979)
Die erste Phase wird als Stabilisation bezeichnet. Das bedeutet, dass der Mensch die Fähigkeit für die Übernahme von Werten und Rollen entwickelt. Die zweite Phase ist die Enkulturation. Diese Phase besteht aus der Vermittlung von gesellschafts-, kultur- und schichtspezifischen Wert- und Normensystems sowie der Vorbereitung auf die Übernahme von sozialer und außerfamiliärer Rollen. Eine weitere Phase definiert Classens als sekundäre soziale Fixierung. Das bedeutet, dass die Individuen soziale Rollen übernehmen, die sich mehr durch die Berufsrolle auszeichnen.
Neben der inhaltlichen Unterscheidung der einzelnen Phasen, gibt es die Unterscheidung in primäre und sekundäre Sozialisationsinstanz. Zur primären zählt die Familie und zur sekundären Instanz zählen Schule, Beruf und Massenmedien. Die Familie sollte uns das geben, was wir in keinem anderen Teilbereich der Gesellschaft finden könne: Intimität, Wärme, Geborgenheit und die Chance zur individuellen Ausprägung der eigenen Persönlichkeit.
Die Familie erfüllt somit eine wichtige Funktionen in der Gesellschaft. Die Zentralfunktionen sind Reproduktion- und Sozialisationsarbeit und emotionale Stabilisation.
Die Familie ist damit auch ein Sinnvermittler und bildet ein Relais zwischen öffentlichen und individuellen Orientierungen. 3
In zahlreichen Publikationen über die Familie wird über ein Strukturverfall und Funktionsverlust der Familie geschrieben. Das möchte ich im späteren Teil meiner Abhandlung noch erörtern.
3
Vgl. H.Knoblauch, A. Keppler-Seel: in Luckmann, Thomas (Hg.), 1998: Moral im Alltag. Sinnvermittlung und moralische Kommunikation in intermediären Institutionen. Gütersloh. S.49)
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2.3. Sozial-kultureller Hintergrund
Entsprechend der genannten Funktionen der Ehe und Familie und ihre Bedeutung für die Gesellschaft an sich sind es die sozio-kulturellen Normen, Werte und Rechtsvorschriften die von der Familie ausgehen, bzw. sie tragen. Sie bilden Grundpfeiler der Ethik, Kultur und des Rechtes.
In der Bundesrepublik und in vielen anderen Ländern der Erde, gilt die Monogamie. Gemeint ist eine lebenslange Gemeinschaft. Selbst die Bundesregierung orientiert sich bei ihrer Familienpolitik an dem überlieferten und weiterhin von der Gesellschaft bejahten Leitbild, der lebenslangen ehelichen Gemeinschaft. Des weiteren gilt das Inzest-Tabu. Das ist ein Verbot von sexuellen Beziehungen zwischen Kindern und Eltern sowie zwischen Geschwister. Der Verwandtschaftsgrad bis zu dem dieses Tabu greift ist allerdings sehr kulturspezifisch und damit verschieden.
Anschließend an das Inzest-Tabu gilt der Grundsatz der Exogamie. Das bedeutet, dass sich die Partnerwahl ausschließlich außerhalb der Verwandtschaft vollzieht. 4
Die Exogamie und das Inzest-Tabu tragen dazu bei, dass der soziale Verkehrskreis erweitert und sich die soziale Mobilität damit erhöht. Zu dem minimiert sich die Krankheitswahrscheinlichkeit durch familiäres Genmaterial. Ein wichtiger Indikator für den Erwachsenen-Status in jeder Gesellschaft ist das Heiratsalter. Jede Gesellschaft legt dies unterschiedlich fest. In Deutschland gilt seit dem 01.01.1975 die Neuregelung der Volljährigkeit. Die Ehemündigkeit bei Männern wurde von 21 auf 18 Jahren herabgesetzt und bei Frauen von 16 auf 18 heraufgesetzt. Somit sind die Ehemündigkeit und Volljährigkeit jetzt bei beiden Geschlechtern identisch.
Die Gleichberechtigung von Frau und Mann ist im Grundgesetz (Artikel 3) verankert. Es konnte auch seit 1950 allgemein ein Wandel von der patriarchalischen zur partnerschaftlichen Ehe und Familie festgestellt werden, aber im Berufsleben,
4 Im Gegensatz zur Endogamie, der Heirat innerhalb der eigenen Blutverwandtschaft. In den früheren Oberschichten z.B. Adel, übliches, bis in die Gegenwart beobachtbares Verhalten.
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Arbeit zitieren:
Sandra Zehl, 2002, Verfall der Familie?!, München, GRIN Verlag GmbH
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