Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Entwicklungslinien der Willensforschung 4
2. Theorie und Empirie zur Willensforschung 8
2.1 Das Rubikon Modell der Handlungsphasen 8
2.2 Studie von Gollwitzer (1991 ): „Erinnern kongruenter Information“ 13
2.3 Studie von Brandstätter, Lengfelder Gollwitzer (2001 ): 19
3. Zusammenfassung und Ausblick 20
Literaturverzeichnis 21
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Einleitung
Der Begriff „Motivation“ gehört seit langem zu denjenigen psychologischen Fachbegriffen, die auf umfassende Weise Eingang in die Alltagssprache gefunden haben. Es gibt kaum einen Bereich des Alltagslebens, in dem nicht motivationale Verhaltenserklärungen gang und gäbe sind. So spricht man z.B. davon, dass „Mitarbeiter X hoch motiviert ist“ oder „Schüler Y nicht motiviert ist zu lernen“. Was ist damit gemeint? Man möchte damit die hohe bzw. niedrige Bereitschaft einer Person andeuten, eine anstehende Aufgabe anzupacken und diese zügig durchzuführen (Brandstätter & Gollwitzer, 2005, S. 201). In der wissenschaftlichen Psychologie werden unter dem Terminus „Motivation“ diejenigen Prozesse und Phänomene verstanden, die mit dem Setzen von Zielen („goal setting“) aufgrund deren Wünschbarkeit und Realisierbarkeit zu tun haben (Heckhausen, 2006, S. 281). Die Frage ist jedoch, wie man es überhaupt anstellt, ein gesetztes Ziel zu realisieren, dessen Ausführung einen eher abschreckt. Alltagssprachlich wird davon gesprochen, man müsse sich eben „zusammenreißen“ und dürfe sich nicht „gehen lassen“. Als Oberbegriff für diese Vorgänge wird sowohl im alltäglichen wie auch im wissenschaftlichen Gebrauch der Begriff Wille oder auch Volition gebraucht. Damit ist die Möglichkeit gemeint, aufgrund bestimmter Binnenprozesse eine Handlungsausführung trotz innerer Widerstände und erlebter Anstrengung bis zur Zielerreichung aufrecht zu erhalten (Rheinberg, 2000, S. 171). Der Begriff Volition bezieht sich also auf Prozesse und Phänomene, die mit der konkreten Realisierung von Zielen im Handeln zu tun haben (Heckhausen, 2006, S. 281). Die Begriffe der Motivation und der Volition ergänzen sich also gegenseitig, wobei die Volition ein Teil der Motivation und dieser im Handlungsverlauf nachgelagert ist. In der vorliegenden Arbeit soll in einem ersten Abschnitt auf die wichtigsten Entwicklungslinien der Willensforschung eingegangen werden, wobei im weiteren Verlauf deutlich werden sollte, dass einige Überlegungen der traditionellen deutschen Willenspsychologie zur Bedeutung des Willens in modernen willenspsychologischen Theorien (z.B. den Zieltheorien) mit großem Gewinn wiederaufgenommen wurden.
In einem weiteren Abschnitt wird auf das von Heinz Heckhausen (1989; Gollwitzer, 1991) und seinen Mitarbeitern Mitte der 1980er Jahre entwickelte Rubikon Modell der Handlungsphasen eingegangen. Dieses stellt sich als eine ausschließlich motivationale Theorie dar. Es kennt jedoch auch volitionstheoretische Annahmen, also Hypothesen, die sich darauf beziehen, wie man die Zielrealisierung willentlich
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vorantreiben kann. Den modelltheoretischen Ausführungen schließen sich dann zwei empirische Studien an, die auf das Rubikonmodell Bezug nehmen und dessen Annahmen testen.
In der ersten Studie von Gollwitzer aus dem Jahr 1991 wird der Tatsache Rechnung getragen, dass dem Abwägen und Planen eine jeweils andere kognitive Orientierung zukommt. So wird der Frage nachgegangen, ob in den Bewusstseinslagen des Abwägens und Planens jeweils aufgabenkongruente Information effektiver aufgenommen wird als aufgabeninkongruente Information. Dabei sollte sich zeigen, dass dem so ist.
In der zweiten Studie von Brandstätter, Lengfelder & Gollwitzer (2001) mit dem Titel: „Implementation Intentions and Efficient Action Initiation“ wird gezeigt, dass schwierig zu erreichende Ziele durch das Fassen von Vorsätzen entscheidend begünstigt werden. Der Vorsatzeffekt lässt sich, wie in der Studie gezeigt wird, selbst bei Personen beobachten, die bekannt dafür sind, dass sie Schwierigkeiten mit der Umsetzung von Zielen in Handeln haben, wie z.B. Opiatabhängige im Entzug. Am Ende der Arbeit steht eine Zusammenfassung der gewonnenen volitionspsychologischen Erkenntnisse sowie ein kurzer Ausblick auf künftige Forschungsarbeit in diesem Gebiet.
1. Entwicklungslinien der Willensforschung
Schon in der Antike und bis in die heutige Zeit hinein wurden psychologische Sachverhalte wie Erkennen, Fühlen und Wollen in drei große Bereiche des Seelenlebens eingeteilt, in Kognition, Emotion und Motivation. Gelegentlich wurde eine dieser Funktionen noch weiter ausdifferenziert, z.B. im Falle des Erkennens. Hier wurde eine Unterteilung in Empfinden, Wahrnehmen und Denken vorgenommen. Nur das Wollen wurde zwar von jeher als Erlebnisform besonderer Art angesehen, erfuhr aber dennoch häufig eine Reduzierung auf eines der beiden anderen Forschungsgebiete. Nachdem es im 18. Jahrhundert von Seiten der Empiristen vereinzelt Bestrebungen gegeben hatte, das Wollen ganz zum Verschwinden zu bringen, indem psychologische Sachverhalte nicht mehr metaphysisch sondern mit Hilfe des Kausalprinzips zu erklären versucht wurden, erschien auch das Wollen als Erklärungsbegriff verzichtbar zu werden. Dies wurde damit begründet, dass es sich beim Willen in Wirklichkeit um ein Assoziationsprodukt der menschlichen Vorstellungskraft handelt und damit dem Denken zuzuordnen sei. Im Folgenden werden nun die grundlegenden Positionen der Willensforschung
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überblicksartig skizziert, um ihre jeweiligen Beiträge für die moderne Willenspsychologie aufzuzeigen.
Die heterogenetischen Willenstheorien, die vor etwa einem Jahrhundert von einer Mehrheit der Psychologen favorisiert wurden, leugneten zwar nicht die Phänomene des Wollens, führten sie aber auf andere Erscheinungen zurück. Vom heutigen Standpunkt aus betrachtet lassen sich -- je nach vermuteter Quelle, aus der Willenserlebnisse entspringen -- drei Theoriestränge unterscheiden. So gab es beispielsweise die Gefühlstheorien des Willens, die Empfindungen zur Grundlage von Willenserlebnissen machten, die auf dem Wege der Introspektion (Selbstbeobachtung) zu erforschen waren. Vertreter dieser Position waren u.a. Herrmann Ebbinghaus (1850-1909), Hugo Münsterberg (1863-1916) und Oswald Külpe (1862-1915). Demgegenüber standen die intellektualistischen Willenstheorien, die den: „Willen (…) als spezifischen Verlauf intellektueller Vorgänge ansahen, durch die sich unsere Zustimmung zu einem Ziele in Handlung umsetzt und mit denen das intellektuelle Seelenleben aus seiner reinen Innerlichkeit zur Einwirkung auf die Umgebung heraustritt (Meumann, 1913, S. 347)“. Schließlich waren die Vertreter der sogenannten autogenetischen Willenstheorie der Auffassung, dass alle Prozesse der Informationsverarbeitung von Willenshandlungen geleitet sind. Einer der berühmtesten Vertreter dieser Position, der Psychologe Wilhelm Wundt (1832-1920), sah den Willensvorgang als eine eigenständige Synthese aus vorangegangenen Affekten an, die sich ursprünglich in äußere pantomimische Ausdrucksbewegungen auflösten. Zudem sprach er von Motiven, die in einen Vorstellungsbestandteil in Form von Beweggründen und in einen Gefühlsbestandteil von der Art einer inneren Triebfeder zerfallen. Damit unterschied er im Grunde schon zwischen Motivations-und Willensvorgängen (Heckhausen, 2006, S 15). Die phänomenologischen Willenstheorien waren hingegen Ergebnis
phänomenologischer Analysen, die u.a. der amerikanische Psychologe William James (1842-1910) an anekdotischem Material durchführte. Im Gegensatz zu seinen deutschen Fachkollegen war James jedoch nicht so sehr daran interessiert, was der „Wille“ wirklich ist. Ihm ging es vielmehr darum zu erforschen, in welchen Situationen man so etwas wie „Willen“ zur Erklärung heranziehen kann (Heckhausen, 2006, S. 16). Angeregt durch eigene Erlebnisse interessierte ihn jener Punkt im Handlungsverlauf, wo durch einen inneren Entschluss oder eine innere Zustimmung die abwägende Bewusstseinslage („deliberative state“) der Motivation willentlich beendet wird und sich ein Mensch auf eine bestimmte Handlungsalternative festlegt.
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Er stellte jedoch bald fest, dass es diesen Punkt nicht immer geben muss, da allein die Vorstellung der auszuführenden Handlung ausreicht, um die zuvor gebildete Handlungsabsicht tatsächlich auszuführen. Dieses Phänomen, welches er das ideomotorische Grundprinzip nannte, schien den eigentlichen Willensakt überflüssig zu machen. Doch wurde schon bald klar, dass James nicht den Willensakt selbst beschrieben hatte, da es bei seinem Beispiel (dem quasi automatisch ablaufenden Aufstehensprozess aus dem Bett an einem Wintertag) nur um den Zeitpunkt ging, eine nicht in Frage stehende Bewegungshandlung auszuführen und nicht um eine echte Willensentscheidung. Doch blieb es sein Verdienst, auf metavolitionale Prozesse hingewiesen zu haben, wonach durch reine Vorstellungslenkung (z.B. „Ich darf hier nicht länger liegenbleiben“) eine bereits gebildete Handlungsabsicht zur Ausführung gebracht wird. Außerdem sah James die wollende Person in der Phase des Abwägens durch zwei sich gegenseitig neutralisierende Tendenzen beeinflusst, die zu überwinden ein Gefühl von Anstrengung auslösten. Dabei handelte es sich um die Ungeduld mit dem Zustand des Abwägens und die Furcht vor dem Unwiderruflichen. Ein Gefühl der Anstrengung verband er zudem mit Situationen, in denen nach einem Abwägeprozess verschiedene Alternativen als gleich vorteilhaft bewertet wurden aber eine Entscheidung zu treffen war (Heckhausen, 2006, S. 16).
Die experimentelle Willenspsychologie
Die experimentelle wissenschaftliche Psychologie interessierte sich zunächst wenig für die Analyse zielorientierten Handelns. In Wilhelm Wundts Leipziger Labor ging es hauptsächlich um die Erforschung der Sinneswahrnehmung. Erst in der Habilitationsschrift von Oswald Külpe (1889) und in seinem kurz darauf erschienenen Lehrbuch „Grundriss der Psychologie“ (1893), gewann der Begriff des Willens an Bedeutung. Darin vertritt Külpe die Ansicht, dass es im Prinzip „…keinen Gegenstand psychologischer Forschung gibt, der nicht der experimentellen Forschung zugänglich wäre“ (Külpe, 1893, S. 12). Damit erklärte er Willensprozesse ausdrücklich zu einem Gegenstand der experimentellen Psychologie. Systematische Überlegungen zu einer experimentellen Analyse des Willens wurden dann von Narziß Ach (1871-1946) angestellt. Ach (1905, 1910, 1935) prägte die Bezeichnung der sogenannten determinierenden Tendenzen, die ohne im Bewusstsein gegeben zu sein, Verhaltensprozesse zielgerichtet leiten. Damit waren Realisierungstendenzen gemeint, die ausgehend von einer Intention, in einer bestimmten Weise zu handeln, auf die Verwirklichung der Absicht drängen. Nach
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Arbeit zitieren:
Wasa Hansen, 2007, Die Psychologie des Willens, München, GRIN Verlag GmbH
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