Inhaltsverzeichnis:
1. EINLEITUNG 3
1.1 GEGENSTAND DER ARBEIT 3
1.2 WISSENSCHAFTLICHE UNTERSUCHUNGEN 4
2. SUETON UND SEINE KAISERVITEN 5
2.1 DE VITA CAESARUM 5
2.2 GLIEDERUNG UND DARSTELLUNG DES KAISERLICHEN LEBENS 6
3. DAS PRIVATLEBEN UND DER ALLTAG 8
3.1 SEXUALITÄT 8
3.2 SPIEL- UND TISCHKULTUR 11
3.3 KÖRPERPFLEGE 13
3.4 BILDUNG 14
3.5 CHARAKTEREIGENSCHAFTEN 16
3.6 TAGESABLAUF 17
4. SCHLUSS 19
5. BIBLIOGRAPHIE 21
5.1 QUELLEN: 21
5.1 LITERATUR: 21
2
1. Einleitung
1.1 Gegenstand der Arbeit
Divitiarum et pecuniae fructum non alium putabat quam profusionem. 1
Wenn römische Imperatoren in ihren Eigenarten und Gewohnheiten beschrieben werden, wie hier Kaiser Nero (54 – 68 n. Chr.) bei Sueton, handelt es sich dabei in Grundzügen nicht selten um ein mehr oder weniger verstecktes Spiegelbild der öffentlichen Meinung. Diese bildete sich hauptsächlich das stadtrömische Volk aufgrund der Art und Weise, wie ihre Kaiser sie regierten 2 . Gemessen an den damaligen Wertvorstellungen, den mos maiorum 3 , und Verdiensten für den Staat, der res publica 4 ,
wurden prägnante Ereignisse oder Charakteristika der Herrschaftszeit propagiert und somit besonders in der Literatur und in der Architektur mit ihren Inschriften hervorgehoben und überliefert. Verloren gehen uns aber bei einem solchen Prozess der Geschichtsschreibung gewiss viele Auskünfte über das alltägliche Leben der Kaiser, die dem Bedürfnis nach Überlieferung der Menschen nicht standhielten. So werden banale Lebensgewohnheiten oder Vorgänge, die für einen Römer selbstverständlich und folglich nicht erwähnenswert galten, nur nebenbei schriftlich vermerkt. Größere Aufmerksamkeit als dem einfachen Mann widmete man den Angehörigen der Oberschicht, besonders aber den Kaisern. Sie wurden als Amtpersonen in einer strengen Einheit von öffentlichem Bemühen und personeller Erhabenheit (maiestas), die ihrer Position als Staatsmann gerecht wird, gesehen. Meistens sogar wurden die Gestalten der Cäsaren als eine rein öffentliche Macht ohne jeglichen „privaten“ Bereich gesehen 5 .
Einblicke in ihren Alltag dienten nicht nur als Bestätigung der geformten Meinung, sondern befriedigten auch schlechthin die Neugierde der unwissenden Bevölkerungsschicht.
1 Suet., Nero 27,1. Den Nutzen von Reichtum und Geld glaubte er in nichts anderem als in der Verschwendung.
2 Durch Schenkungen machten sich die Kaiser beim Volk beliebt.
3 Die mos maiorum galt als die Grundlage des traditionellen Handelns in allen Lebensbereichen. Manchmal auch mos patrius (z.B. Cic. rep. 5,1) genannt, bezeichnet sie den „Kernbegriff des römischen Traditionalismus“ als ein verpflichtender Brauch zu einem bestimmten Verhalten in privaten und öffentlichen Abläufen. Vgl. Der Neue Pauly, hg v. H. Cacik / H. Schneider, s. v. mos maiorum, Stuttgart 1996 - 2007.
4 „Die öffentliche Sache“ als ein Sammelbegriff für allgemeine Interessen, die die Gesamtheit aller Bürger umfasst. Vgl. DNP, s. v. res publica.
5 vgl. Ovid, Tristien IV 4,15 f.
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Das Fach der Klassischen Philologie hat sich zur Aufgabe gesetzt, erhaltene Texte zu analysieren und zu einer objektiven Rekonstruktion der antiken Welt, den wissenschaftlichen Grundsätzen entsprechend, beizutragen. Dabei werden unter Umständen Texte verschiedener Autoren über ein gewisses Thema verglichen und auf ihren Wahrheitsgehalt hin untersucht. In meinem Themenbereich des Alltags der römischen Kaiser bei Sueton, werde ich nicht grundlegend den Beweis für die Richtigkeit seiner Beschreibungen suchen, denn genauso wichtig wie der Vergleich ist die Darlegung und Beschreibung eines Gegenstandes, wie ihn ein einzelner Autor vollzieht und vermittelt. In groben Zügen werde ich versuchen zu skizzieren wie Sueton an den Alltag der Kaiser herangeht, ihn beschreibt und vor allem was er dem Leser vermitteln will. Auf dieser Grundlage könnte man nun in einem weiteren Schritt Vergleichstexte heranziehen und den Wahrheitsgehalt, die Verlagerungen von inhaltlichen Dingen auf andere Ebenen und die Fehlinterpretation von Suetons Quellen analysieren.
1.2 Wissenschaftliche Untersuchungen
Meine Arbeit stützt sich im Wesentlichen auf die Ausführungen von Otto Wittstock 6 , Helmut Gugel 7 und Wolf Steidle, der mit seinem Werk „Sueton und die antike Biographie“ von 1951 eine wichtige Grundlage für die weitere Suetonforschung geschaffen hat 8 . Diese Werke stehen in enger Diskussion mit einigen Abhandlungen über die „Gattung“ 9 der Biographie, da diese natürlich durch ihre Merkmale und der daraus resultierenden inhaltlichen Forderungen im Kontext des damaligen literarischen Verständnisses gesehen werden muss 10 . Das Standardwerk über das Privatleben römischer Kaiser ist von Alexander Demandt 11 . Es glänzt durch seine facettenreiche Auseinandersetzung mit dem Thema, indem es teilweise außergewöhnliche Episoden oder Verhaltensmuster römischer Imperatoren aus verschiedenen Textquellen aufnimmt 6 O. Wittstock, Sueton – Kaiserbiographien, Berlin 1993. [Wittstock].
7 H. Gugel, Studien zur biographischen Technik Suetons, in: Wiener Studien, Zeitschrift für klassische Philologie und Patristik, Beiheft 7, Graz 1977. [Gugel].
8 W. Steidle, Sueton und die antike Biographie, in: Zetemata, Monographien zur klassischen Altertumswissenschaft, Heft 1, München 1951. [Steidle].
9 Von Gattungen kann man noch nicht sprechen. Obwohl vorhandene Wesenszüge und Charakteristika sich im Wesentlichen glichen, fehlte es noch an einem einheitlichen Verständnis.
10 Zu nennen ist vor allem F. Leo, Die griech. - röm. Biographie, 1901.
11 A. Demandt, Das Privatleben der römischen Kaiser, München 1996. [Demandt].
4
und eine fabelhafte Beschreibung kaiserlicher Sitten liefert. Interessant ist dabei auch
die sehr gute Vermittlung des antiken Verständnisses eines besprochenen
Themenbereiches an den heutigen Leser.
2. Sueton und seine Kaiserviten
2.1 De vita Caesarum
Gaius Suetonius Tranquillus (ca. 70 - 145 n. Chr.) war wohl daran interessiert
verschiedene berühmte Manneswürden aus der damaligen Welt der lesenden
Bevölkerung 12 vorzustellen. Neben seinem Hauptwerk, den Kaiserviten 13 , sei noch sein
anderes Werk, De viris illustribus, ein Sammelwerk von Biographien berühmter
Persönlichkeiten, zu erwähnen 14 . Diese Form der Geschichtsschreibung wird heutzutage
als eine „kleine Geschichtsschreibung“ empfunden, da durch die biographische
Darstellung historisch sukzessiver Amtspersonen zwar faktische Zeitabschnitte
überliefert werden, jedoch ein ausreichend detaillierter Rahmen fehlt 15 . Daraus resultiert
meiner Meinung nach, dass Sueton nicht an erster Stelle an der Darstellung des
Zeitgeschehens, sondern an der Unterhaltung des Lesers durch Vermittlung von
Informationen interessiert war 16 . Die Geschichtsschreibung, wie zum Beispiel bei
Tacitus, galt als eine angesehene Gattung, die allein schon durch ihre Art glänzte.
Dennoch erlangten Suetons Kaiserviten große Aufmerksamkeit, da sie uns erhalten
12 Sueton wendete sich vorrangig an den Kreis der Senatoren und Ritter. Vgl. Wittstock S. 17.
13 Gaius Suetonius Tranquillus, De vita Caesarum. Durch seine Tätigkeiten am kaiserlichen Hof unter
Hadrian, gewann Sueton durch seine Posten a bibliothecis und ab epistulis tiefgründige Einblicke in wissenschaftliche Studien und den kaiserlichen Briefverkehr.
14 Gaius Suetonius Tranquillus, De viris illustribus. Überliefert sind davon leider nur einige
Dichterbiographien (z.B. von Terenz und Horaz) und ein Teil über Grammatiker und Rhetoren. De viris illustribus bezeichnet auch weitere schriftliche Aufzeichnungen und Ausführungen verschiedener Persönlichkeiten, die seit hellenistischer Zeit angefertigt wurden und „dem exemplarischen, persönlichkeitsorientierten Denken der Römer entsprachen.“ (Gugel S. 12). Zur Geschichte und Entwicklung der antiken Biographie vgl. Gugel S. 11 ff.
15 Wie oben schon erwähnt wendet sich Sueton an den gehobenen Adelsstand, dem das geschichtliche
Umfeld sicherlich nicht fremd gewesen sein dürfte. Sueton verzichtet deshalb auf detailliertere Ausführungen nach Art eines Geschichtsschreibers. Vgl. Wittstock S. 17.
„In konsequenter Folge unternimmt Sueton zum erstenmal in der römischen Literatur eine chronologisch zusammenhängende Reihe geschichtlicher Persönlichkeiten, eben die zwölf Kaiser von Caesar bis Domitian, zu schaffen, damit aber gleichzeitig auch die Geschichte dieser Zeit in der Form von Biographien als durchgehende Einheit darzustellen“ Gugel S. 145.
16 Viele wissenschaftliche Arbeiten versuchten schon eine Darlegung über die Intension Suetons.
5
geblieben sind, und, abgeschrieben bis ins Mittelalter, als Vorlage anderer berühmter Werke diente, wie zum Beispiel der Vita Karoli Magni von Einhard 17 .
2.2 Gliederung und Darstellung des kaiserlichen Lebens
Nach einem ziemlich einfachen Schema untergliedert Sueton seine Kaiserviten (von Gaius Julius Caesar bis Domitian) 18 . Man kann sagen, dass sich thematische Abschnitte, wie z.B. Kindheit und Karriere, in einem immer wiederkehrenden Muster durch das gesamte Werk ziehen. Steidle widerspricht aufkommenden Meinungen, dass „Sueton einem starren Schematismus verfallen sei, der ihn das vorliegende Material geordnet und mit keiner anderen darstellerischen Absicht als der möglichster der Klarheit und Vollständigkeit vorbringen läßt“ 19 : „Sueton reiht also auch im einzelnen nicht einfach aneinander, sondern schafft Zusammenhang und ist um Abwechslung und Steigerung bemüht.“ 20 Somit bildet sich ein globales Charakter- und Verhaltensbild eines jeden Kaisers. Im Folgenden werden diese Abschnitte Rubriken genannt. Die erste Rubrik, das Leben bis zu Beginn der Herrschaft, folgt noch einem chronologischen Ablauf. Die zweite hingegen bricht durch ihr Wesen aus diesen zeitlichen Rahmen aus und beschreibt Charakterzüge, Eigenarten und das tägliche Privatleben der Herrscher. Die dritte Rubrik erhellt in der Regel die Geschehnisse bis zum Tode, wobei gewisse Vorzeichen darauf schon vorher angedeutet werden. Eine klare Darlegung über den Aufbau des Werkes haben wir von Sueton selber. In der Augustusvita heißt es 21 : Quoniam qualis in imperiis ac magistratibus regendae per terrarum orbem pace belloque re publica fuerit, exposui, referam nunc interiorem ac familiarem eius vitam quibusque moribus atque fortuna domi et inter suos egerit a iuventa usque ad supremum vitae diem 22 . Explizit wird hier die Trennung des Stoffes in verschiedene Bereiche des Lebens angesprochen. Es wird eine Polarisierung verschiedener Begriffe
17
Zu Einfluss und Wirkung der Kaiserviten Suetons Wittstock S. 17 f. und Steidle S. 9 f.
18 Viele Wissenschaftler, z.B. Gugel, sprechen von einer „Rubrizierung“ in „sachlich zusammengehörige Abschnitte“, vgl. Gugel S. 23. Es fehlen die jungen Jahre Caesars.
19 Gugel S. 23.
20 Steidle S.81.
21 Suet., Augustus 61,1.
22 Nachdem ich dargelegt habe, wie er sich in militärischen und zivilen Ämtern sowie bei der Verwaltung des Weltreiches in Friedens- und Kriegszeiten verhielt, will ich nunmehr von seinem Privat- und Familienleben berichten, welches seine Lebensgewohnheiten waren und was sein Schicksal daheim und unter seinen Angehörigen von der Jugend bis hin zu seinem Tode gewesen sind.
6
Quote paper:
Markus Rinner, 2008, Das Privatleben der Kaiser in Suetons Viten, Munich, GRIN Publishing GmbH
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