Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNGSGEDANKE 1
2 ENTSTEHUNG DER POLIS BEI PLATON 2
2.1 DEBATTE UM DIE GERECHTIGKEIT 2
2.2 VIER ENTWICKLUNGSSTUFEN 3
2.2.1 Gesunder Stadtstaat 3
2.2.2 Üppiger Stadtstaat 4
2.2.3 Gereinigter Stadtstaat 5
2.2.4 Schöner Stadtstaat 8
2.3 ZIELE UND LEISTUNGEN DER IDEALEN POLIS 9
3 ENTSTEHUNG DER POLIS BEI ARISTOTELES 10
3.1 DEBATTE UM DAS HÖCHSTE GUT 10
3.2 DREI FORMEN DER GEMEINSCHAFT 12
3.2.1 Haus 12
3.2.2 Dorf 13
3.2.3 Stadtstaat 13
3.3 ZIELE UND LEISTUNGEN DER IDEALEN POLIS 14
4 SCHLUßBEMERKUNG 15
5 QUELLEN 17
1 Einleitungsgedanke
Platon (427 v. Chr. - 347 v. Chr.) 1 und Aristoteles (384 v. Chr. - 322 v. Chr.) 2 , bedeutende Philosophen des Altertums, haben sich beide sehr intensiv mit den Problemen des Staatswesens befaßt. Aristoteles war bereits mit 17 Jahren Schüler an Platons Akademie in Athen. Er lernte dort Platon und dessen Theorie der idealen Polis 3 kennen, und entwickelte seinen eigenen eher praxisorientierten Ansatz über die unterschiedlichen Formen politischer Gemeinschaft. 4
Sich mit beiden Philosophen und ihren Gedanken zu beschäftigen, ist sinnvoll, da letztere vielen nachfolgenden politischen Denkern als Grundlage für ihre eigenen Theorien dienten. Dadurch erhalten Werke wie “Der Staat” 5 oder “Politik” 6 ihre Bedeutung für die Gegenwart. Ohne die “Gründerväter der politischen Theorie” Platon und Aristoteles zu verstanden zu haben, fehlt einem wohl auch ein umfassendes Verständnis für ihre Nachfolger. Ein Vergleich zwischen Aristoteles und Platon bietet sich zum einen deshalb an, weil beide sich intensiv mit ähnlichen Fragestellungen auseinandergesetzt haben. Beispielsweise wie sollte die Stadtgemeinschaft gegliedert sein? Welche Einrichtungen und Strukturen sind notwendig, um Sicherheit, Überleben und ein gutes Leben der Bürger zu gewährleisten? Zum anderen ist es interessant zu sehen, inwiefern Aristoteles Platons Gedanken aufgreift, aber auch kritisiert, verbessert und seine eigene Theorie entwickelt. Theorien zu verwerfen, zu modifizieren und neue zu entwickeln ist ein auch heute wichtiger Vorgang, um die politische Wissenschaft voranzutreiben. Ziel meiner Arbeit ist es, zu zeigen, worin die Unterschiede, worin die Gemeinsamkeiten bei Entstehung, Struktur, Leistung und Zielsetzung der Polis des Lehrers im Vergleich zur Polis seines Schülers liegen. Den Schwerpunkt habe ich auf den Vergleich der Entstehung gelegt, da diese von beiden Philosophen ausführlich und detailliert beschrieben wird und sich deshalb Gemeinsamkeiten und Unterschiede gut aufzeigen lassen. Zudem läßt sich das jeweilige Menschenbild und die Vorstellung
1 Vgl. Rufener, Rudolf u.a. (Hrsg.): Platon. Der Staat. München, 1998, 2. Aufl., Vorspann.
2 Vgl. Gigon, Olof (Hrsg.): Aristoteles. Politik. München, 1998, 8. Aufl., Vorspann.
3 Polis (griechisch) bedeutet Stadtstaat; es finden sich Werke, in denen der Begriff mit Staat oder mit Stadt übersetzt worden ist.
4 Ebd.
5 S. Rufener, Rudolf u.a. (Hrsg.): Platon. Der Staat. München, 1998, 2. Aufl.
6 S. Gigon, Olof (Hrsg.): Aristoteles. Politik. München, 1998, 8. Aufl.
1
von politischem Leben und politischer Ordnung beider Philosophen exemplarisch anhand dieses Vergleichs herausarbeiten.
Entscheidend beeinflußt wurde das Denken beider Philosophen sicherlich auch durch die jeweiligen gesellschaftlichen und politischen Ereignisse. Platon beispielsweise wuchs zur Zeit des Peloponnesischen Krieges auf, der Athen in schwere innenpolitische Krisen warf. 7 Möglicher Anlaß für Platon sich bereits in seinen ersten Schriften mit den Problemen des Staatswesens zu befassen. Da für diese Arbeit keine Sekundärliteratur verwendet wird, werde ich den geschichtlichen Hintergrund im folgenden vernachlässigen.
2 Entstehung der Polis bei Platon
2.1 Debatte um die Gerechtigkeit
Zwischen Kephalos, Polemarchos, Thrasymachos und Platon entbrennt im Haus des Polemarchos eine heftige Debatte über die Definition von Gerechtigkeit. Kephalos, der Vater des Polemarchos, ist der Meinung, Gerechtigkeit bestehe für den einzelnen Menschen darin, die Wahrheit zu sagen und seine Schulden zu bezahlen. 8 Polemarchos hingegen ist der Ansicht, Gerechtigkeit bedeute, seinen ”Freunden Gutes anzutun, aber nichts Schlechtes” 9 , den Feinden hingegen zu schaden. Thrasymachos definiert das Gerechte als ”Vorteil des Stärkeren”. 10 Platon weist argumentativ nach, daß alle drei Definitionen nicht zutreffend sind. Platon möchte prüfen, ob seine These, daß gerechtes Handeln sich für den einzelnen eher lohnt als ungerechtes Handeln, und daß nur der glücklich wird, der gerecht ist, zutrifft. Außerdem möchte er eine richtige Definition der Gerechtigkeit aufstellen. Da ihm dies am Kleinen, am einzelnen Menschen schwer fällt, behauptet er, die Gerechtigkeit lasse sich besser an etwas Großem, also am Stadtstaat, nachweisen. 11 Zu diesem Zweck macht sich Platon, nach der vorangegangenen Untersuchung der Gerechtigkeit am einzelnen (1.Buch), Gedanken über Sinn, Entstehung und Formen der Polis (2. und 3. Buch). Platon setzt dabei allerdings ohne (wissenschaftlichen) Beweis voraus, daß ein Analogieschluß von seinem gedanklich konstruierten
7 Vgl. Platon. Der Staat. Vorspann.
8 Vgl. ebd., S. 18f.
9 Ebd., S. 20ff.
10 Ebd., S. 32ff.
11 Vgl. ebd., S. 78f.
2
Staatsgebilde auf den einzelnen Bewohner möglich und wahr ist. Das heißt, Stadtstaat und Mensch haben demnach eine ähnliche innere Struktur. Die Polis ist der ”großgeschriebene Mensch”.
2.2 Vier Entwicklungsstufen
Zu Beginn seiner Ausführungen definiert Platon den Begriff ”Stadtstaat” ganz allgemein als einheitliche Siedlung, bestehend aus vielen Genossen und Helfern. Er unterscheidet im weiteren zwischen vier Entwicklungsstufen des Stadtstaates. Die erste Stufe ist der gesunde Stadtstaat, die zweite der üppige Stadtstaat, die dritte der gereinigte Stadtstaat und die vierte ”Endstufe”, der schöne Stadtstaat. Jeder Entwicklungsstufe liegen verschiedene Bedürfnisse und Motivationen zugrunde.
2.2.1 Gesunder Stadtstaat
Warum Menschen sich überhaupt zu einem Stadtstaat zusammenschließen, begründet Platon schlicht mit der Aussage, daß ”keiner von uns sich selbst genügen kann, sondern jeder viele andere nötig hat”. 12 Eben dieser Aspekt des gegenseitigen materiellen Nutzens führt zur Gründung der ersten Form, dem gesunden Stadtstaat. Platon argumentiert rein pragmatisch, der Stadtstaat entsteht aus logischer und wirtschaftlich berechnender Überlegung der Menschen, als Folge einer Kosten-Nutzen-Rechnung. Daß Menschen sich aber vor allem oder zumindest auch aus emotionalen Gründen, aus Angst vor Vereinsamung, dem Wunsch nach Liebe, Sex, Familie, etc. zusammenschließen, bezieht der Philosoph nicht in seine Überlegung mit ein.
Jeder Mensch hat laut Platon drei Grundbedürfnisse, die zum Überleben zwingend notwendig sind, nämlich das Bedürfnis nach Nahrung, Wohnung und Kleidung. Diese Bedürfnisse schaffen automatisch die kleine Stadtstaatgesellschaft, die den Bedürfnissen entsprechend mindestens aus Bauer, Baumeister, Weber und Schuster bestehen muß. Jeder dieser Bewohner der Polis trägt seiner Fähigkeit gemäß etwas zum Gemeinwohl aller und zur Lebenssicherung bei. Durch die von Platon propagierte Arbeitsteilung werden eine bessere Qualität und höhere Erträge erreicht, der Kreis der Bewohner muß von den vier oben genannten Berufen um Handwerker, Gehilfen und Händler erweitert werden. 13 Letztere sind notwendig, um begehrte
12 Ebd., S. 78f.
13 Vgl. ebd., S. 80.
3
Güter zur Bedürfnisbefriedigung aus umliegenden Stadtstaaten zu importieren. 14 Im Gegenzug müssen Güter, die sich zum Tausch mit diesen anderen Stadtstaaten eignen, produziert werden, also über den Eigenbedarf der Bürger hinaus. Um Kauf und Verkauf, den Austausch von Gütern innerhalb der Polis zu gewährleisten, entsteht ein ”Markt und, als gültiges Tauschmittel, das Geld”. 15
Es existieren also in dem gesunden Stadtstaat unterschiedliche Berufe, es gibt keine großen Vermögensunterschiede, folglich kaum Habsucht, und keine Hierarchien. Die Bewohner verbringen also ”ihr Leben friedlich und bei guter Gesundheit” und leben fröhlich miteinander, ”haben aber nicht mehr Kinder, als sie ernähren können, aus Furcht vor Armut und Krieg”. 16
2.2.2 Üppiger Stadtstaat
Eben der Wunsch nach Schutz und Sicherheit und der Wunsch nach weiteren Gütern, einer luxuriöseren Lebensweise motivieren die Menschen zur Gründung des üppigen Stadtstaates. Die Bewohner des gesunden Stadtstaates gelüstet es nach kulinarischen Köstlichkeiten, Unterhaltung und teuren Gegenständen. Folglich wird die Polis erweitert um Köche, Schauspieler, Schmuckhersteller und andere. Aufgrund der ausschweifenden Lebensweise werden erstmals Ärzte benötigt, die Erziehung nehmen den Eltern Ammen und Pflegerinnen ab. 17 Um die stark angewachsene Zahl der Bewohner ernähren und unterbringen zu können, muß das Territorium der Polis auf Kosten der Gebiete der benachbarten Stadtstaaten ausgeweitet werden. Falls die Nachbarn auch ”über das Maß des Notwendigen hinausgehen und sich dem unbegrenzten Erwerb von Gütern hingeben (...), werden wir (...) Krieg zu führen haben” folgert Platon. Dieser mögliche Territorialkonflikt bedingt die Notwendigkeit, ein Herr einzurichten, ”das auszieht und für das gesamte Hab und Gut (...) gegen die Angreifer kämpft.” 18 Diese äußeren Konflikte und die inneren Konflikte, die durch sich kristallisierende Besitz-, und Machtverhältnisse entstehen könnten, machen die Institutionalisierung von Herrschaft notwendig. Mit der Einführung des Wächters als Träger politischer Macht wird eine Hierarchie begründet. Die Wächter stehen nämlich über den übrigen Bürgern. Hauptproblem der üppigen Stadt ist die Herstellung einer
14 Vgl. ebd., S. 81f.
15 Ebd., S. 82.
16 Ebd., S. 84.
17 Vgl. ebd., S. 85f.
18 Ebd., S. 86.
4
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Elisabeth Falgner, 2000, Vergleich der platonschen Polis mit der aristotelischen Polis, Munich, GRIN Publishing GmbH
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