Open Innovation beschreibt allgemein die Öffnung des Innovationsprozesses von Unternehmen durch die aktive und strategische Nutzung der Außenwelt. Der Kunde soll nicht weiter als passiver Empfänger einer Leistung sondern als aktiver Wertschöpfungspartner in den Produktentstehungsprozess eingebunden werden.
Während bereits einzelne Firmen mit der Integration ihrer Konsumenten in den Wertschöpfungsprozess beginnen, gilt dies nur in geringem Ausmaß für den medizintechnischen Sektor. Indessen bietet vor allem die Medizintechnikbranche möglicherweise großes Potential für eine intensive Kooperation zwischen Patienten und Unternehmen, da sich medizintechnische Innovationen nicht nur auf die Höhe der Gesundheitsausgaben, sondern auch auf die bestehenden Leistungsstrukturen und die Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen auswirken können.
Bei einer Betrachtung der Verteilung von Medizintechnik über die Altersstruktur wird ferner deutlich, dass sich vor allem ältere Menschen für eine Entwicklungskooperation mit den Herstellerunternehmen anbieten. Zum einen gewinnen die Potentiale des Alters - im Zuge des demografischen Wandels - stärkere Bedeutung für die Gesellschaft, zum anderen verfügen vor allem ältere Menschen über teilweise ausgeprägtes Anwenderwissen mit medizintechnischen Produkten.
In der vorliegenden Arbeit soll die Möglichkeit einer Einbeziehung älterer Konsumenten in die Innovationsprozesse der Medizintechnikbranche mittels Open Innovation diskutiert werden.
Eingangs werden die theoretischen Grundlagen bezüglich Open Innovation, Alter(n) sowie Medizintechnik dargestellt.
Anschließend werden diese Grundlagen zusammengeführt und die signifikanten Merkmale auf eine nützliche und effektive Kombinierbarkeit hin überprüft. Zum einen wird die grundsätzliche Einbindung älterer Menschen in Open-Innovation-Prozesse untersucht, zum andern wird die Anwendung von Open Innovation im medizintechnischen Sektor bewertet.
Abschließend wird anhand der Erkenntnisse ein Geschäftsmodell entwickelt. Dieses soll eine Umsetzung des Open-Innovation-Prinzips in Verbindung mit der Entwicklung einer Open-Innovation-Plattform darstellen. Auf dieser Plattform sollen vor allem mit älteren Menschen innovative Produkte für den Bereich
Medizintechnik bewertet, entwickelt und optimiert werden können.
Die Arbeit entstand am Lehrstuhl für Technologie- und Innovationsmanagement der RWTH Aachen und wurde von Prof. Dr. Frank Piller betreut.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Open Innovation
2.1 Commons-Based Peer Production
2.1.1 Die Motivation
2.1.2 Die Beteiligung
2.1.3 Die Koordination
2.2 Phasenmodell des Innovationsprozesses
2.3 Eigentumsrechte
3 Alter(n) - Wesentliche Dimensionen alternder Menschen
3.1 Der demografische Wandel
3.2 Verschiedene Definitionen des Alters
3.2.1 Chronologisches Alter
3.2.2 Biologisches Alter
3.2.3 Psychologisches Alter
3.2.4 Soziologisches Alter
3.3 Soziale Teilhabe im Alter
4 Medizintechnik
4.1 Charakterisierung der Branche Medizintechnik
4.2 Entwicklungspotentiale in der Medizintechnik
4.3 Besonderheiten des Gesundheitsmarkts in Deutschland
5 Verknüpfung der theoretischen Grundlagen und Ableitung der Hypothesen
5.1 Ältere Menschen als Kooperationspartner in Open-Innovation-Systemen
5.1.1 Beteiligung älterer Menschen
5.1.2 Integration älterer Menschen
5.1.3 Freiwilliges Engagement älterer Menschen
5.1.4 Motivation älterer Menschen
5.1.5 Zusammenfassung der Ergebnisse
5.2 Medizintechnik in Open-Innovation-Systemen
5.2.1 Medizintechnik im linearen Phasenmodell
5.2.2 Medizintechnik und Schutzrechte
5.2.3 Medizintechnik und Kundenintegration
5.2.4 Zusammenfassung der Ergebnisse
6 Ableitung eines Geschäftsmodells
6.1 Executive Summary
6.2 Produktidee
6.3 Unternehmerteam
6.4 Markt und Wettbewerb
6.5 Strategie und Marketing
6.6 Geschäftssystem, Personal und Organisation
6.7 Realisierungsplan
6.8 Risiken
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten, ältere Konsumenten mittels Open Innovation aktiv in die Innovationsprozesse der Medizintechnik einzubinden. Dabei soll geklärt werden, welche Voraussetzungen bei Senioren bestehen und wie durch die Entwicklung eines Geschäftsmodells in Form einer Open-Innovation-Plattform die Qualität und Effektivität medizintechnischer Innovationen unter Berücksichtigung der Besonderheiten des Gesundheitsmarktes gesteigert werden kann.
- Grundlagen des Open-Innovation-Ansatzes
- Soziologische und gerontologische Dimensionen des Alterns
- Besonderheiten und Potenzial der deutschen Medizintechnikbranche
- Konzeption einer Open-Innovation-Plattform für die Einbindung älterer Menschen
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Die Motivation
Die Motivation der Nutzer ist meist ihre Leidenschaft zum Produkt. Für sie steht Selbstbestätigung, Forschungsdrang oder wissenschaftlicher Ehrgeiz im Vordergrund. 11 Materielle und monetäre Anreize als Gegenleistungen vom herstellenden Unternehmen fehlen. Dieses Phänomen wird in der Literatur als ‚Free Revealing’ bezeichnet. Es bedeutet, dass viele Kunden bzw. Nutzer ihr Wissen unter bewusstem Verzicht auf Gegenleistung sowie Eigentums- und Verfügungsrechte an andere Akteure, insbesondere den Hersteller, weitergeben. 12 Einen Nutzen gewinnen die Akteure aus der Schaffung eines Guts, das entweder billiger ist als eine kommerzielle Alternative, oder aber besser und sonst nicht am Markt in dieser Form verfügbar ist. 13 Hinzu tritt oftmals ein intrinsischer Nutzen, der sich am Interaktionserlebnis des Kunden festmacht. Hierbei erfährt der Kunde durch die Ausführung der Tätigkeit ein nutzenstiftendes Gefühl von Spaß, Herausforderung und Kompetenz.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema Open Innovation ein und motiviert die Relevanz der Integration älterer Kunden in Innovationsprozesse, insbesondere im Bereich der Medizintechnik.
2 Open Innovation: Dieses Kapitel definiert den Begriff Open Innovation, erläutert das Commons-Based Peer Production-Modell sowie das Phasenmodell des Innovationsprozesses und thematisiert die Rolle von Eigentumsrechten.
3 Alter(n) - Wesentliche Dimensionen alternder Menschen: Es werden die demografischen Veränderungen sowie gerontologische Definitionen von Alter (chronologisch, biologisch, psychologisch, soziologisch) und soziale Teilhabe im Alter analysiert.
4 Medizintechnik: Dieses Kapitel charakterisiert die Branche der Medizintechnik, beleuchtet deren Entwicklungspotenziale und stellt die Besonderheiten des stark regulierten deutschen Gesundheitsmarktes dar.
5 Verknüpfung der theoretischen Grundlagen und Ableitung der Hypothesen: Die zuvor erarbeiteten Grundlagen werden kombiniert, um das Potenzial und die Voraussetzungen für die Einbindung älterer Menschen als Kooperationspartner in Open-Innovation-Systemen zu bewerten.
6 Ableitung eines Geschäftsmodells: Auf Basis der theoretischen Erkenntnisse wird ein Konzept für eine Open-Innovation-Plattform (OSSI) entwickelt, inklusive Strategie, Marketing, Geschäftssystem und Risikobewertung.
7 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die Einbindung 'aktiver' älterer Menschen als Wertschöpfungspartner ein erfolgversprechender Ansatz zur Steigerung der Innovationskraft in der Medizintechnik ist.
Schlüsselwörter
Open Innovation, Medizintechnik, Ältere Menschen, Innovationsprozess, Wertschöpfung, Gesundheitsmarkt, Commons-Based Peer Production, Kundenintegration, demografischer Wandel, Technologieakzeptanz, Geschäftsmodell, Plattformökonomie, Forschungs- und Entwicklung, Anwenderwissen, Senioren
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Einbindung älterer Menschen in den Innovationsprozess von Medizintechnikherstellern unter Anwendung des Open-Innovation-Ansatzes.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind Open Innovation, die verschiedenen Dimensionen des Alterns, die Struktur der Medizintechnikbranche sowie die Entwicklung eines Geschäftsmodells für eine Kooperationsplattform.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Möglichkeiten und Voraussetzungen aufzuzeigen, wie Senioren als aktive Partner in Open-Innovation-Systeme eingebunden werden können, um so Medizintechnikinnovationen effizienter zu gestalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Untersuchung, die bestehende Literatur zu Innovationsmanagement, Gerontologie und Medizintechnik verknüpft, um daraus Hypothesen abzuleiten und ein Geschäftsmodell zu konzipieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen von Open Innovation und Altersdimensionen, analysiert die Medizintechnikbranche und führt diese Erkenntnisse in einem Geschäftsmodell für eine Open-Innovation-Plattform zusammen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Schlagworte wie Open Innovation, Medizintechnik, aktive Senioren, Wertschöpfungspartner und Technologieakzeptanz.
Inwiefern ist das Alter für die Medizintechnik relevant?
Aufgrund des demografischen Wandels steigt die Inanspruchnahme medizintechnischer Leistungen durch ältere Menschen, weshalb diese eine besonders wichtige Nutzergruppe mit großem implizitem Anwenderwissen darstellen.
Warum ist eine Open-Innovation-Plattform für diesen Bereich sinnvoll?
Eine Plattform kann die Informationsasymmetrie zwischen den Herstellern und den oft älteren Nutzern reduzieren, was die Entwicklung marktgerechterer und benutzerfreundlicherer Produkte ermöglicht.
Welche Rolle spielen Schutzrechte bei Open Innovation in der Medizintechnik?
Patente sind zwar in der Branche üblich, können jedoch bei einem offenen, kollaborativen Ansatz ein Hindernis darstellen; daher wird diskutiert, unter welchen Umständen eine Öffnung sinnvoll ist.
Was unterscheidet das entwickelte OSSI-Geschäftsmodell von klassischen Ansätzen?
Das OSSI-Modell (Open Senior Service Innovation) stellt nicht den anonymen Nutzer in den Fokus, sondern zielt gezielt auf die Integration der wachsenden und technisch immer versierteren Gruppe älterer Menschen.
- Quote paper
- Erol Gürocak (Author), 2008, Open Senior Service Innovation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90547