Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
1.1 Untersuchungsgegenstand 3
1.2 Was ist interkulturelle Kompetenz? 3
2 Messung 6
2.1 Notwendigkeit der Messung interkultureller Kompetenz 6
2.2 Gegenstand der Messung 6
2.3 Problematik der Messung 8
3 Methoden 9
3.1 Paper - Pencil Tests 9
3.2 Assessment - Verfahren 13
3.3 Vergleich 16
4 Konzepte 18
4.1 Zugrunde liegende Konzepte 18
5 Schlussbetrachtung 20
6 Anhang 22
7 Literatur 30
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1 Einleitung
1.1 Untersuchungsgegenstand
In Zeiten zunehmender Globalisierung und sich ständig wechselnden Lebensbedingungen sehen sich Menschen vielfach vor neue Herausforderungen gestellt. Die sogenannte „multikulturelle“ Gesellschaft ist dabei ein sich vom reinen, gern benutzten und modischen Begriff zur Realität zu entwickeln.
Sei es nun im privaten Umfeld, auf der Arbeit, oder in diversen öffentlichen Einrichtungen, überall scheinen sich die kulturellen Grenzen zwischen den Menschen aufzuheben. Wir kaufen unsere Lebensmittel im türkischen Gemüseladen, gehen beim Italiener essen, lassen uns japanische Kampfkünste antrainieren und arbeiten im Büro in multikulturellen Teama zusammen. Diese vielschichtigen und oft unbewussten Kontakte erfordern sowohl Toleranz gegenüber der jeweils anderen Kultur, als auch Einfühlungsvermögen und eine gewisse Kompetenz im Umgang mit anderen Erwatungshaltungen und Wertschätzungen. Diese nennt sich „interkulturelle Kompetenz“, welche Fähigkeiten beinhaltet, die dem Individuum einen Umgang mit Individuen anderer Kulturen in verschiedenen Situationen erleichtert.
Im Rahmen dieser Hausarbeit soll die „interkulturelle Kompetenz“ näher beleuchtet werden, wobei es darauf ankommt, darzustellen, was überhaupt unter diesem Begriff zu verstehen ist. Wichtiger als die bloße Begriffsklärung ist jedoch in der vorliegenden Hausarbeit die Frage nach der Messbarkeit interkultureller Kompetenz, also ob, wie und warum überhaupt eine Messung dieser Fähigkeit vorgenommen werden kann oder sollte. Dabei wird im folgenden Bezug genommen auf zwei mögliche Verfahren interkulturelle Kompetenz zu messen und wie die Messergebnisse schließlich genutzt werden. Des Weiteren werde ich auf die den Verfahren zugrunde liegende Konzepte von interkultureller Kompetenz und Besonderheiten dieser Verfahren eingehen.
Abschließend möchte ich im Rahmen einer Schlussbetrachtung eine grobe Zusammenfassung des Themas und eigene Kommentare zu Vor- und Nachteilen der Verfahren und grundsätzlichen Problemen bei der Messung interkultureller Kompetenz einbringen.
1.2 Was ist interkulturelle Kompetenz?
Der Begriff interkulturelle Kompetenz setzt sich aus mehreren Wörtern zusammen, daher sollte man fragen: Was ist Kultur, was ist Kompetenz und was ist interkulturell?
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Das Wort Kultur (lat.: cultura ), bedeutet übersetzt Ackerbau und wurde neben dem Gebrauch im landwirtschaftlichen Sinne auch in der Bedeutung von „Verehrung“ gebraucht 1 . Nach theoretischen Überlegungen von G. Hofstede 2 ist Kulturerwerb eine „mentale
Programmierung“, Kultur wird demnach erlernt und nicht ererbt, das bedeutet, dass jeder Mensch im Laufe des Sozialisationsprozesses gewisse für sich eigentümliche „Denk-, Fühl-und Handlungsmuster“ erlernt. Hofstede grenzt den Kulturbegriff weiter ein, indem er sie von der Natur des Menschen und seiner Persönlichkeit abgrenzt. „Die menschliche Natur ist das, was allen Menschen gemeinsam ist, …, wir haben sie mit unseren Genen geerbt; …“, während die „Persönlichkeit eines Individuums dessen einzigartige persönliche Kombination mentaler Programme“ darstellt, „die es mit keinem anderen Menschen teilt“ 3 . Diese Charaktereigenschaften können entweder ererbt oder durch die Kultur geprägt sein. Der Begriff Kultur umfasst also in Abgrenzung zu den Begriffen menschliche Natur und Persönlichkeit die Gesamtheit der für eine Gemeinschaft typischen und anerkannten Lebensformen, Wertordnungen und Handlungsmuster. Daher kann man von der Kultur eines Landes, einer Familie, einer Schule, eines Betriebes usw. sprechen.
Das Wort Kompetenz ( lat. competens) bedeutet der Übersetzung nach geeignet oder zuständig und beschreibt in unserem Sprachgebrauch die „Fähigkeit einer Person, Anforderungen in bestimmten Bereichen zu entsprechen. Soziale Kompetenz bezieht sich auf den Umgang mit Menschen und bedeutet, in sozialen, gesellschaftlichen und politischen Bereichen urteils- und handlungsfähig zu sein“ 4 . Nach einer Definition der Uni Heidelberg, ist Kompetenz „eine erlernbare Fähigkeit und Zuständigkeit, unter Zuhilfenahme geeigneter Ressourcen zukünftige aufgabenspezifische Herausforderungen angemessen und reflektiert zu meistern“ 5 . Da Kompetenz erlernbar ist, kann jeder Mensch sie erwerben und ausbauen, allerdings nur im Rahmen seiner internen und externen Ressourcen, d.h. im Rahmen seines Habitus und seiner finanziellen und sozialen Voraussetzungen.
1 Ritter, J.: Historisches Wörterbuch der Philosophie.Völlig neu bearbeitete Ausgabe des „Wörterbuchs der philosophischen Begriffe“ von Rudolf Eisler, Basel
2 Hofstede, G.: Lokales Denken, globales Handeln, Interkulturelle Zusammenarbeit und globales Management, München 2001, S. 1-24.
3 Ebd., S.5 -6.
4 Schaub, H.; Zenke, K.G. : Wörterbuch Pädagogik, 6. Auflage, München 2004, S.326.
5 „Eine eigene Definition von Kompetenz“ http://www.ews.uni-heidelberg.de/~busse/k-meko-kompetenzdefjb.html
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Sowohl Kultur als auch Kompetenz sind erlernbar und nicht durch den Vererbungsprozess festgelegt. Denk-, Fühl- und Handlungsweisen, sowie Fähigkeiten bestimmte Aufgaben zu meistern entwickeln sich im Laufe der Sozialisation und können demnach von .Mensch zu Mensch unterschiedlich sein.
Wie aber lässt sich der Begriff der „interkulturellen Kompetenz“ in diesen Hintergrund einfügen? Der Begriff „interkulturell“ beschreibt einen aktiven Prozess der Interaktion zwischen den Individuen in einer Gesellschaft. Interkulturelle Interaktionen sind demnach dynamische und keine feststehenden Austauschprozesse zwischen Individuen verschiedener Kulturen. Als eine interkulturelle Erweiterung der sozialen Kompetenzen ist die „Interkulturelle Kompetenz“, also die Fähigkeit kulturelle Voraussetzungen und Einflussfaktoren in Interaktionssituationen mit anderen Kulturen sowohl bei sich selbst, als auch bei anderen wahrzunehmen, zu tolerieren und produktiv zu nutzen. Es soll eine „Anpassung an die jeweiligen kulturellen Gewohnheiten und Selbstverständlichkeiten des Partners“ stattfinden, „und zwar so, dass die Produkte dieser Zusammenarbeit für beide Seiten nützlich und Produktiv sind“ 6 . Diese Kompetenz ist eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Verständigung in einer fremdkulturellen Umgebung, sei dies am Arbeitsplatz oder im privaten Umfeld und impliziert neben Verständnis und Respekt gegenüber der anderen Kultur auch das Überwinden von Vorurteilen und Misstrauen sowie eine gewisse Skepsis gegenüber den eigenen kulturell geprägten Wahrnehmungen und Wertvorstellungen.
6 Thomas, A. / Kinast, E.-U./ Schroll-Machl, S.: Entwicklung interkultureller Handlungskompetenz von international tätigen Fach- und Führungskräften durch interkulturelle Trainings. In: Götz, K. (Hrsg.): Interkulturelles Lernen/ Interkulturelles Training. 4. Auflage, München/ Mering 2002, S. 97-121.
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2 Messung
2.1 Notwendigkeit der Messung interkultureller Kompetenz
Jede Fähigkeit kann in der Regel gemessen und bewertet werden, so kann man z.B. Lesekompetenz oder mathematische Fertigkeiten wie in PISA (Programme for International Student Assessment) testen und auswerten. Man gelangt dadurch zu Ergebnissen, die miteinander verglichen werden können und Defizite bestimmter Gruppen sichtbar machen. Ebenso besteht auch die Notwendigkeit einer Messung interkultureller Kompetenz, um diese zu kategorisieren und miteinander zu vergleichen. Nur durch den Vergleich mit anderen Ergebnissen können Defizite festgestellt und Ansätze für weitere Schulungen oder Weiterbildungen gefunden werden.
Interkulturelle Kompetenz ist durch unsere schnelle, pluralistische und multikulturelle Gesellschaft ein Begriff der sich ständig weiterentwickelt. Um interkulturell kompetent in bestimmten Situationen handeln zu können bedarf es mehr als Sprach- und Völkerkunde, man befindet sich in einem lebenslangen Lernprozess, welcher ohne geeignete Messverfahren ungerichtet verlaufen würde. Die Messung interkultureller Kompetenz dient zum einen einer genauen Begriffsdefinition, da sich diese gemeinsam mit globalen Lebensumständen und sozialen Verhältnissen ständig ändert; und zum anderen einem zielgerichteteren und erfolgreicheren Aufbau von Trainingskonzepten, Seminaren und Fortbildungen, die sich mit dem Erwerb oder der Verbesserung von interkultureller Kompetenz beschäftigen. Aus den Messergebnissen können nicht nur die Kompetenzgrade einzelner Individuen abgelesen werden, sie zeigen darüber hinaus auch mögliche Ansatzpunkte für Innovationen, die z.B. in Betrieben interkulturelle Kompetenz fördern könnten.
2.2 Gegenstand der Messung
Da die interkulturelle Kompetenz viele verschiedene Dimensionen umfasst, kann auch der Gegenstand der Messung unterschiedlich sein. Institutionen und Projekte, die sich bisher mit interkultureller Kompetenz und interkulturellem Lernen beschäftigt haben - es handelt sich hierbei um ein noch sehr vages und unerforschtes Terrain - besaßen ein unterschiedliches Verständnis von den Bestandteilen interkultureller Kompetenz, was zwangsläufig zu divergierenden Gegenständen einer Messung führte. Auf einzelne Messmethoden soll hier nicht weiter eingegangen werden, da im Folgenden detaillierter darauf Bezug genommen wird.
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Allerdings kann man einen allgemeinen Rahmen abstecken, der im groben jene Gegenstände enthält, die Bestandteil einer Messung interkultureller Kompetenz sein können. Grundbaustein aller Untersuchungen ist meistens eine Erfassung der biographischen Daten des Individuums (Hintergrundinformationen über demographische und persönliche Bedingungen) und der vorliegenden Sprachkompetenz (Verstehen, Sprechen, Lesen und Schreiben). Darüber hinaus können Daten erhoben werden, indem den Teilnehmern ausgewählte Fragen gestellt werden. Dies können sowohl offene Fragen oder solche mit vorgegebenen Antworten sein. Je nach Untersuchungsmethode werden die Fragen innerhalb einer vorgesehenen Zeit schriftlich oder mündlich beantwortet - vor Ort oder zu Hause. Dabei kann es sich um Fragen zu persönlichen Gewohnheiten, Einstellungen, Erfahrungen im Hinblick auf fremdkulturelle Kontakte und eigenes sowie fremdes Verhalten handeln, je nach dem in welchem Kontext eine Messung durchgeführt wird und welches Konzept ihr zugrunde liegt.
In der Regel wird unterschieden zwischen Paper-Pencil Befragungen, computergestützten, telefonischen, schriftlichen und Internetbefragungen .Eine weitere Möglichkeit stellen Untersuchungen von Gruppendiskussionen über ausgewählte Fragen dar, die dann im Anschluss ausgewertet werden können, wobei die Möglichkeit besteht sowohl intrakulturelle als auch interkulturelle Gruppen zu bilden und ihre Ergebnisse miteinander zu vergleichen. Neben diesen üblichen Untersuchungsmethoden können auch interaktionistische Vorgehensweisen gewählt werden, um Informationen über interkulturelle
Handlungskompetenzen von Individuen zu erhalten. Zum einen können Rollenspiele der Teilnehmer, auch unter Mithilfe der Interviewer, wertvolle Daten liefern, die allerdings von unbeteiligten und außen stehenden Beobachtern erfasst und ausgewertet werden müssen. Zum anderen besteht die Möglichkeit gängige Medien zu verwenden, um die Teilnehmer mit ausgewählten Situationen zu konfrontieren, wobei es sich vor allem um kurze Videofilme, Bilder oder Texte handelt, in denen diese Situationen dargestellt werden können.
In jedem Fall ist das Verhalten des Individuums Gegenstand der Messung und von besonderem Interesse, egal über welche Ansatzpunkte und Methoden dieses Verhalten nun untersucht wird. Die jeweilige Biographie, Wert- und Normenorientierungen, vermittelte Traditionen, geschilderte Erlebnisse und im Laufe des Lebens erworbene Kenntnisse können Aufschluss über mögliches Verhalten in interkulturellen Überschneidungssituationen liefern. Noch aussagekräftiger sind jedoch reale Interaktionssituationen, die zwar mit Hilfe von
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Rollenspielen nachgestellt werden können, aber eben doch nicht ganz der Realität entsprechen.
2.3 Problematik der Messung
Was interkulturelle Kompetenz bedeutet und wozu diese dienen kann oder soll, ist im vorangegangen Abschnitt erläutert worden, aber trotzdem scheint dieser Begriff äußerst unklar und kontextlos zu sein. Wie kann man diese spezielle Kompetenz auf das Alltagsleben anwenden? Woran lässt sich interkulturelle Kompetenz festmachen? Weise ich zum Beispiel einen hohen Grad an interkultureller Kompetenz auf, wenn ich die Sprache der anderen Kultur gut beherrsche und die Lebensverhältnisse der fremdkulturellen Individuen kenne? Oder gehört auch das Verständnis bestimmter kultureller Eigenarten, Bräuche, Sitten und Wertvorstellungen zu dieser Fähigkeit?
Genau diese Schwierigkeit, interkulturelle Kompetenz präzise zu beschreiben, macht auch ihre Messung kompliziert. Es ist nicht schwierig den Teilnehmern Fragen über ihre biographischen, sozioökonomischen und persönlichen Voraussetzungen zu stellen, aber die Auswertung und Einordnung der Antworten, besonders wenn es sich um offene Fragestellungen handelt, stellt eine Herausforderung dar. Es existiert kein grundsätzlich geltender Bezugsrahmen, in den die gewonnenen Ergebnisse eingeordnet werden können. Die Schaffung solcher Auswertungsschemata liegt demnach in den Händen der jeweiligen Forschungsgruppe, diese können daher nicht universal sein. Außerdem legt jede Projektgruppe eigene Zeitvorgaben, Räumlichkeiten und vor allem Teilnehmer fest, die die Messung und damit die zu erwartenden Ergebnisse verändern. Andere Faktoren, die die Messung problematisieren und besonders Messergebnisse verfälschen können, sind die Teilnehmer und Interviewer selber. Im Idealfall antwortet der Befragte auf vom Interviewer gestellte fragen ganz subjektiv und nach seinen eigenen Erfahrungen und Assoziationen. In realen Befragungssituationen finden sich aber des öfteren „Phänomene wie das Zustimmungsverhalten (Akquieszenz), die sozial erwünschte Antwort (social desirability) oder eine fehlende Kooperationsbereitschaft von Seiten des Befragten.“ 7 , welche empirisch nachgewiesen worden sind. Solche Verzerrungen der Ergebnisse einer Untersuchung, ob nun bei Befragungen oder im Rollenspiel, müssen im Rahmen der Untersuchungskonsruktion und der Untersuchungsdurchführung selbstverständlich berücksichtigt werden. „Das Interviewerergebnis wird dann aus Eigenschaften,
7 Schräpler, Jörg-Peter: Datengewinnung und ihre wissenschaftlichen Grundlagen, Ruhr- Universität Bochum und DIW Berlin, Version 1.0, S.73.
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Arbeit zitieren:
Kathrin Pflipsen, 2005, Interkulturelle Kompetenz, München, GRIN Verlag GmbH
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