Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Giuseppe Verdi und Arrigo Boito 3
2.1. Der reife Verdi und seine Zeit 3
2.2. Komponist und Librettist 5
3. Die Opern 6
3.1. Otello 6
3.1.1. Die Zusammenarbeit: Die Entstehung des Otello 6
3.1.2. Musik 10
3.1.3. Beispiele 11
3.2. Falstaff 13
3.2.1 Entstehung 13
3.2.2 Musik 15
3.2.3 Beispiele 16
4. Zusammenfassung 17
Quellenangabe 18
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1. Einleitung Die fast zwei Jahrzehnte andauernde Zusammenarbeit des italienischen Librettisten Arrigo Boito mit einem der größten italienischen Musikdramatiker, Giuseppe Verdi, ist wohl als eine der fruchtbringendsten Zusammenarbeiten in der Geschichte der Oper zu betrachten. Nach seinem Großerfolg Aida ließ sich Verdi, nach über fünfzig Jahren Opernschaffen im Alter von 66 Jahren auf einen regen Austausch mit dem jungen Komponisten und Librettisten ein, woraus vor allem die beiden Werke Otello und Falstaff als krönender Abschluss seiner Karriere hervorgingen.
Der großen Bewunderung Verdis für Shakespeare und dessen Dramatik ist es zu verdanken, dass er sich von Freunden und Fürsprecher noch einmal zu einer Komposition überreden lässt. Einer Oper nach einer Vorlage des großen englischen Dramatikers. Die Bedingung war jedoch, dass es ein Libretto gab, das Shakespeare in seiner Tiefe erfasste und mit dem es möglich war eine Oper für diesen Stoff zu komponieren.
Boito entpuppte sich als der Dramatiker, den Verdi gesucht hatte und es entstand eine intensive Schaffensphase und Freundschaft zwischen Komponist und Librettist über Jahre hinweg, aus der die beiden letzten Opern des reifen Verdi hervorgehen, auf die hier näher eingegangen werden soll.
Vor allem an Verdis Otello soll die herausragende Zusammenarbeit dieser beiden Männer gezeigt werden, die Text und Musik so meisterhaft vereinten und denen es gelang, ein Drama sowie eine Komödie Shakespeares in Form einer italienischen Oper auf die Bühne zu bringen und dennoch alle Formen und Spannungen der Dramenkunst zu erhalten.
Hierbei sollte insbesondere die enge Verstrickung von Wort und Ton hervorgehoben werden sowie die meisterhafte Charakterdarstellung der Figuren, in all ihren Facetten beschrieben. Nur selten basierte die Arbeit eines Komponisten mit seinem Librettisten auf soviel gegenseitiger Achtung und Verständnis für das Gebiet des anderen und brachte, trotz großer Gegensätze, schon durch ihren Altersunterschied bedingt, dennoch solche Art von spannungsvollen Musikdramen hervor.
2. Giuseppe Verdi und Arrigo Boito
2.1. Der reife Verdi und seine Zeit
Giuseppe Verdi (1813-1901) hatte im Jahre 1879 schon 26 Opern geschrieben. Er hatte es längst weit über die Grenzen Italiens hinaus zu Ruhm und Ehre als Musikdramatiker gebracht und seine letzte Oper Aida war als großer Erfolg auf allen bedeutenden Bühnen Europas
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gefeiert worden. Für Verdi sollte diese Oper den Abschluss seiner langen Karriere als Komponist bilden.
Er zog sich, enttäuscht von der Politik und der Monarchie, nun ganz auf seinen Landsitz Sant’ Agatha zurück und wirkte dort ausschließlich als Großgrundbesitzer in der Landwirtschaft.
Sein ganzes Leben lang hatte Verdi sein Schaffen seinem Land gewidmet. Unter der Besetzung Italiens aufgewachsen, waren seine Opern, besonders deren Chöre, immer für das italienische Volk, ihr Nationalgefühl und den Widerstand geschrieben worden. Vor allem mit der strengen Zensur der restauratorischen Besatzungsmacht kam Verdi mit seinen Werken immer wieder in Berührung.
Nachdem Italien befreit und ein Königreich geworden war, hatten sich die Zustände für die Bevölkerung nicht wesentlich verbessert. Verdi sah daher seine Pflicht darin, sich als Gutsherr für die Bauern einzusetzen, denn in Italien herrschten diesbezüglich große Missstände vor.
Verdi hatte immer behauptet, dass er sich für die Kunst, Bräuche und auch die Musik anderer Länder sehr wohl interessierte, sich aber keinesfalls darin auskannte.
Seine Bewunderung galt dem damals berühmten Rossini, in dessen Schatten Verdi sich immer gestellt hatte sowie den beiden Dramatikern Dante und Shakespeare. Alle drei waren in Porträts in seinem Schlaf- und Arbeitszimmer über dem Klavier verewigt. Für Verdi zählte nur, auch in seinen Kompositionen, die italienische Tradition der Oper. Inwieweit er sich dennoch von anderen Einflüssen leiten ließ, kann heute nicht mehr nachgewiesen werden, in jedem Fall kannte Verdi alle großen Werke seiner Zeit, z.B. Meyersbeers und Wagners.
Zudem begann die Kunst dieser Zeit sich immer mehr an anderen Völkern zu orientieren, der Austausch der Länder war nie größer gewesen und alles, auch die Oper, strebte dem Neuen entgegen.
An den insgesamt 28 Opern, die Verdi im Laufe seines Lebens geschrieben und zur Aufführung gebracht hatte, waren viele Entwicklungen der Zeitgeschichte, aber auch des erfahrungsreicheren Komponisten abzulesen.
Neben den vielen musikalischen und dramatischen Besonderheiten, die das verdische Werk auszeichnen, ist vor allem die intensive Auseinandersetzung und Darstellung menschlicher Konflikte zu nennen. Spätestens mit der Triologie (Il Trouvatore, La Traviata, Rigoletto) stellte Verdi seine Charaktere als vielseitige, vom Schicksal in die eine oder andere Richtung
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geformte Personen dar, die nicht mehr, wie üblich in Opern, deutlich in ein Gut und Böse eingeteilt werden konnten.
Nach seinem Erfolg mit Aida (UA 1872 in Europa) betrachtete Verdi sein Werk als vollendet. Es gab keine zwingenden Aufträge und für sein Volk hatte er genug geschrieben. Der Tod des Dichters Alessandro Manzoni, der ein guter Freund Verdis war, bewegte ihn dazu 1874 erneut zur Feder zu greifen und ihm ein Requiem zu widmen.
Die nächsten Jahre war Verdi damit beschäftigt, seine erfolgreichen Opern überall in Europa zu dirigieren. Zu anderen Aufführungen reiste er nur noch wenig und wies darüber hinaus jede weitere Anfrage nach einer neuen Oper vehement ab.
Durch sehr geschickte Gesprächsführung schaffte es sein guter Freund Giulio Ricordi 1879 Verdi mit seinem Idol Shakespeare zu locken. Belanglos wurde über den Otello Rossinis gesprochen, dem laut Verdi ein schlechtes Libretto zu Grunde gelegen hatte. Dabei fiel der Name Arrigo Boito, der als außergewöhnlicher musikdramatischer Librettist bekannt war, und wohl die beste Wahl für eine Shakespeare Vertonung wäre. Schon am nächsten Tag gelang es Ricordi Verdi das Szenarium Boitos zu zeigen. Dennoch wird der Entstehungsprozess von Verdis nächster Oper der längste seiner Karriere sein.
2.2. Komponist und Librettist
Arrigo Boito und Giuseppe Verdi hatten schon einmal zusammen gearbeitet. Zur Weltausstellung 1862 in London komponierte Verdi, als „Ersatz“ für Rossini gewählt, eine Kantate, zu der der damals zwanzigjährige Boito den Text schrieb.
Diese Werk war schnell vergessen und das Verhältnis der beiden kühlte sich ab, da sich Boito verstärkt den Befürwortern des wagnerschen Musikdramas anschloss, was Verdi als Angriff auf das eigene Werk auffasste.
Arrigo Boito (1842-1918) war ein gebildeter, bescheidener und feinfühliger Mensch; alles Eigenschaften, die Verdi an ihm sehr schätzte. Mit seiner Oper Mefistofeles trat Boito als Komponist an die Öffentlichkeit. Das Werk erlebte seinen Erfolg jedoch erst mit der überarbeiteten, zweiten Fassung im Jahr 1875.
Als Komponist lag Boitos Vorteil darin, dass er ein Libretto auch musikalisch verstand. Zudem wurde ihm ein außergewöhnliches Verständnis für Dramen und deren Aufbau sowie ihrer Umsetzung nachgesagt. Boito selbst wagte sich lange Zeit nicht an einen Shakespeare Stoff heran. Er erkannte die Meisterschaft des Dichters und sah die Schwierigkeit im Bewältigen der verschiedenen Handlungsstränge und Charaktertiefen. Shakespeare erschien ihm ungeeignet bzw. unbezwingbar für ein Libretto.
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Franziska Weise, 2008, Verdis spätes Opernschaffen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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