Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis VI
Abbildungsverzeichnis ............................................................... VIII
Vorwort 1
I Einleitung Was ist Mobbing Ursachen und Folgen 2
1. Begriffsdefinition 2
2. Ursachen von Mobbing 4
2.1 Motive des Mobbing-Täters 4
2.2 Das Mobbing-Opfer 7
2.3. Weitere Ursachen 9
2.3.1 Gesellschaftliche Ursachen 9
2.3.2 Betriebliche Ursachen 10
2.3.2.1 Organisation der Arbeit 11
2.3.2.2 Ursachen in der Sozialstruktur 11
3. Folgen von Mobbing 13
3.1 Folgen auf der individuellen Ebene 14
3.1.1 Auswirkungen auf der privaten und familiären Ebene 17
3.2 Betriebs- und volkswirtschaftliche Folgen 19
II Arbeits- und zivilrechtliche Aspekte des Mobbing im
Individualarbeitsrecht 22
1. Einleitung 22
2. Überblick 22
2.1 Schadensersatz für Mobbinghandlungen 23
3. Ansprüche bei Mobbing durch Kollegen gegen Kollegen 24
3.1 Deliktische Ansprüche 24
3.2 Besonderheiten der deliktischen Haftung 26
3.3 Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts 27
3.4 Schmerzensgeld 29
- II -
3.5 Unterlassungsanspruch 29
3.6 Widerruf ehrenverletzender Erklärungen 29
4. Ansprüche gegen den Arbeitgeber bei Mobbing durch Kollegen 30
4.1 Haftung für Verrichtungsgehilfen 831 BGB 31
4.2 Haftung für Organisationsverschulden 32
4.2.1 Haftung aus Vertrag 32
4.2.2 Haftung aus Delikt 32
4.3 Vertragliche Schadensersatzansprüche 280 I BGB 33
4.3.1 Eigene Haftung 33
4.3.2 Haftungszurechnung 33
4.4 Schmerzensgeldansprüche 34
4.4.1 Definition von Schmerzensgeld 34
4.5 Ersatz des immateriellen Schadens und Schmerzensgeld 35
4.6 Gestaltungsrechte 35
4.6.1 Eigenkündigung des Arbeitnehmers 35
4.6.2 Kündigung des Mobbingtäters durch den Arbeitgeber 37
4.6.3 Zurückbehaltungsrecht des Arbeitnehmers 37
4.6.4 Beschwerderecht des Arbeitnehmers 38
5. Ansprüche und Möglichkeiten des Arbeitgebers wegen Mobbing
am Kollegen 39
5.1 Arbeitgeberseitige Kündigung des Mobbingtäters 40
5.1.1 Außerordentliche Kündigung 40
5.1.2 Ordentliche arbeitgeberseitige Kündigung 40
5.2 Ultima ratio der Kündigung und mildere Mittel 41
5.2.1 Abmahnung des Arbeitnehmers 41
5.2.2 Versetzung Umsetzung des Arbeitnehmers 42
6. Ansprüche des Gemobbten bei Mobbing durch den Arbeitgeber 43
6.1 Deliktische Ansprüche 43
6.1.1 Verjährung deliktischer Ansprüche 43
6.2 Vertragliche Ansprüche 44
6.2.1 Verletzung der Fürsorgepflicht 44
- III -
6.3 Ersatz des immateriellen Schadens und Schmerzensgeld
Höhe des Schmerzensgelds 45
6.4 Gestaltungsrechte des Arbeitnehmers 46
6.5. Vorgehen gegen arbeitgeberseitige Kündigungen 46
6.5.1 Wirksamkeit der Kündigung 47
7. Beweisfragen Beweislast 48
III Kollektivrechtliche Aspekte von Mobbing 50
1 Überblick 50
2. Hilfe des Betriebsrats für Mobbingopfer 50
3. Beschwerderecht des Arbeitnehmers aus 85 BetrVG 50
4. Sanktionen gegen den Betriebsrat bei Mobbing 51
5. Betriebsvereinbarungen gegen Mobbing 52
IV Sozialrechtliche Aspekte des Mobbing 53
1. Mobbing und Arbeitslosenversicherung 53
2. Rechtsweg bei Streitigkeiten aus dem sogenannten Ein-Euro-Job 55
3. Eingliederungsvereinbarungen bei Hartz 4 56
4. Sozialrechtliches Mobbing 57
V Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) 60
1. Einleitung 60
2. Präventionspflichten nach dem AGG 61
3. Rechtliche Mobbingprävention 62
4. Benachteiligungsformen 62
4.1 Rechtfertigung einer Benachteiligung 63
5. Rechte der Beschäftigten 63
VI Intervention und Prävention 65
1. Was ist Intervention 65
2. Individuelle Interventionen 65
- IV -
2.1 Individuelle Interventionen aus betroffener Sicht 65
2.1.1 Eigenkompetenzen stärken 65
2.1.2 Hilfsangebote in Anspruch nehmen 66
2.1.3 Neue berufliche Perspektiven suchen 67
3 Betriebliche Interventionen 67
3.1 Moderation 67
3.2 Outplacement 68
3.3 Mediation 69
4 Was ist Prävention 70
4.1 Das Betriebsklima 70
4.2 Die Vorbildfunktion des Vorgesetzten 70
4.3 Transparenz der Arbeitsorganisation 71
4.4 Konfliktfähigkeitstraining 71
4.5 Abschluss einer Betriebsvereinbarung zum Mobbing 73
4.6 Kündigung und Präventionsverfahren für schwerbehinderte
Beschäftigte 75
5. Maßnahmen gegen Mobbing in der praktischen Umsetzung 76
5.1 Beispiele aus der Praxis 76
5.2 Schlussfolgerung 77
Zusammenfassung 78
Anhang .......................................................................................... 80 80
Literaturverzeichnis 86
- V -
Abkürzungsverzeichnis
Abs. Absatz
a.F. Alte Fassung
AG Arbeitgeber
AiB Arbeitsrecht im Betrieb, Zeitschrift
AN Arbeitnehmer
ArbG Arbeitsgericht
ArbuR Arbeit und Recht
Art. Artikel
BAG Bundesarbeitsgericht
BC Bilanzbuchhalter und Controller, Zeitschrift
BetrVG Betriebsverfassungsgesetz
BGB Bürgerliches Gesetzbuch
BGH Bundesgerichtshof
bzw. beziehungsweise
DB Der Betrieb, Zeitschrift
DstR Deutsches Steuerrecht
ff. fortfolgende
GG Grundgesetz
ggf. gegebenenfalls
i.V.m. in Verbindung mit
KSchG Kündigungsschutzgesetz
LAG Landesarbeitsgericht
LSG Landessozialgericht
NJW Neue Juristische Wochenschrift, Zeitschrift
Nr. Nummer
NZA Neue Zeitschrift für Arbeitsrecht
NZA-RR Neue Zeitschrift für Arbeitsrecht Rechtsprechungs-
Report
OLG Oberlandesgericht
- VI -
PersR Der Personalrat, Zeitschrift
pVV positive Vertragsverletzung
Rn. Randnummer, Randnummern
SG Sozialgericht
SGB Sozialgesetzbuch
usw. und so weiter
vgl. vergleiche
z.B. zum Beispiel
ZTR Zeitschrift für Tarif-, Arbeits- und Sozialrecht des
öffentlichen Dienstes
- VII -
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Mobbing-Motive: mögliche Ziele von Mobbing-Tätern 5
Abbildung 2: Mobbing-Motive: mögliche Ängste von Mobbing-Tätern 6
Abbildung 3: Vom potientellen Opfer ausgehende viktimologische Anreize 8
Abbildung 4: Folgen der Schikane 13
Abbildung 5: Auswirkungen auf die private und familiäre Situation 18
Abbildung 6: Anspruchsgrundlagen 23
- VIII -
Vorwort
Die Arbeit entstand in meinem 8. Fachsemester in der Zeit vom 10.11.2006 bis 10.02.2007. Literatur und Rechtsprechung konnten bis Januar 2007 berücksichtigt werden.
Im Rahmen dieser Arbeit werden rechtliche Aspekte von Mobbing sowie die Erscheinungsformen, Ursachen, Folgen, Präventions- und Interventionsmaßnahmen des Phänomens untersucht.
Mein besonderer Dank gilt Herrn Prof. Dr. Klees und Herrn Rechtsanwalt Pommer, die mich angeregt, ermutigt und betreut haben. Beide nahmen sich stets für Fragen Zeit und haben daher zu dieser Diplomarbeit maßgeblich beigetragen.
Dörnten, 12.02.2007
- 1 -
I. Einleitung. Was ist Mobbing, Ursachen und Folgen.
1. Begriffsdefinition
Eine genaue Definition ist notwendig, um Mobbing abgrenzen zu können zu anderen Vorhalten wie Hänseleien, Sticheleien oder nur von einer reinen Unverschämtheit.
Der Begriff „Mobbing“ leitet sich aus dem englischen Wort „mob“ ab. Es bedeutet „über jemanden lärmend herfallen“, „jemanden anpöbeln, attackieren oder angreifen“. Der Ursprung liegt im lateinischen: „mobile vulgus“. Übersetzt heißt dies:“ aufgewiegelte Volksmenge, auch Pöbel und Gesindel“.
In den fünfziger Jahren wurde der Begriff von Konrad Lorenz – einem österreichischen Verhaltensforscher - ins Deutsche eingeführt. Er hat das Angriffsverhalten einer Gruppe gegen einzelne Eindringlinge zum Schutz dieser Gruppe „Mobbing“ genannt. Der schwedische Arzt und Schuldirektor Peter- Paul Heinemann, hat den Begriff Mobbing 1969 in seine Arbeiten über Psychosoziale Gewalt unter Kindern übernommen. 1 Durch die Untersuchungen des deutschen Arbeitspsychologen Heinz Leymann in Schweden, bekam das Wort „Mobbing“ die Bedeutung, die es heute in Deutschland hat. 2
1 Vgl. Leymann, H.: Mobbing Psychoterror am Arbeitsplatz und wie man sich dagegen wehren kann, Reinbeck bei Hamburg 1994, S. 21
2 Vgl. Haben, U., Harms-Böttcher, A.: Das Hamsterrad Mobbing – Frauen steigen aus,
1. Auflage 2000, Berlin 2000, S. 11
- 2 -
In der Literatur finden sich vielfältige Definitionen. In meiner Diplomarbeit, beschränke ich mich auf die Definition von Heinz Leymann und der Definition des BAG, sowie des LAG Thüringen.
Definition von Leymann:
„Der Begriff Mobbing beschreibt negative kommunikative Handlungen, die gegen eine Person gerichtet sind ( von einer oder mehreren anderen) die sehr oft und über einen längerem Zeitraum hinaus vorkommen und damit die Beziehungen zwischen Tätern und Opfern kennzeichnen“. 3
Das Bundesarbeitsgericht hat „Mobbing“ in der Entscheidung zu einer Schulungsveranstaltung für Betriebsratsmitglieder aus dem Jahr 1997 definiert. Nach der Definition des Bundesarbeitsgerichts ist Mobbing „ das systematische Anfeinden, Schikanieren oder Diskriminieren von Arbeitnehmern untereinander oder durch Vorgesetzte“. 4 Eine sehr ausführliche Definition ist in der ersten landesarbeitsgerichtlichen Entscheidung zu finden. Das LAG Thüringen bestimmte 2001 Mobbing als „fortgesetzte, aufeinander aufbauende oder ineinander übergreifende, der Anfeindung, Schikane oder Diskriminierung dienende Verhaltensweisen (...), die nach ihrer Art und ihrem Ablauf im Regelfall einer übergeordneten, von der Rechtsordnung nicht gedeckten Zielsetzung förderlich sind und jedenfalls in ihrer Gesamtheit das allgemeine Persönlichkeitsrecht, die Ehre oder die Gesundheit des Betroffenen verletzen“. 5
3 Vgl. Leymann, H. (1994), S. 21
4 Vgl. BAG, Urteil vom 15.1.1997 – 7 ABR 14/96, AP BetrVG 1972 § 37 Nr. 118 = NZA 1997, 781 (781); ebenso LAG Thüringen 10.6.2004 – 1 Sa 148/01, ZTR 2004, 596 (597).
5 Vgl. LAG Thüringen, Urteil vom 15.2.02001 – 5 Sa 102/00, NZA-RR 2001, 577.
- 3 -
2. Ursachen von Mobbing Ist das Klima am Arbeitsplatz gut, fühlen sich alle Mitarbeiter wohl, niemand denkt an „Mobbing“. Anders wird es sein, wenn sich das Arbeitsklima verschlechtert. In solchen Situationen entsteht Mobbing, entwickeln sich Mobbing-Täter und Mobbing-Opfer.
Doch wie kommt es dazu?
Es muss sich etwas geändert haben. Wäre die Situation dieselbe geblieben, hätte es auch keine Veränderung im Verhalten der Mitarbeiter gegeben. 6 Doch welche Ursachen spielen eine Rolle, warum geschieht Mobbing?
2.1 Motive des Mobbing-Täters
Warum mobbt ein Täter?
Zuschlag ist der Überzeugung, dass die Beantwortung dieser Frage zwingend ist, um Maßnahmen gegen Mobbing einzuleiten. Er beschreibt die Motive des Mobbing-Täters nach (positiven) Zielsetzungen, Ängsten vor eigenem Versagen, Erleiden von Verlusten, usw. 7 Einige seiner Beispiele werden in der folgenden Tabelle beschrieben, um die verschiedenen Motive deutlich zu machen.
6 Vgl. Zuschlag, B.: Mobbing – Schikane am Arbeitsplatz, 3. überarbeitete Auflage, Göttingen 2001, S. 31
7 Vgl. Zuschlag, B. (2001), S. 35
- 4 -
Abb. 1: Mobbing-Motive: mögliche Ziele von Mobbing-Tätern
Eigene Darstellung in Anlehnung an Zuschlag
Quelle: Zuschlag, B. (2001), S. 35/36.
- 5 -
Die Übersicht zeigt, dass alle Menschen, egal in welcher Hierarchieposition sie sind, unterschiedliche Ziele verfolgen.
Doch können Taten auch dann „Mobbing“ sein, wenn sie nicht absichtlich geschehen? 8
Motive folgen z.B. aus Ängsten:
Abb. 2: Mobbing-Motive: mögliche Ängste von Mobbing-Tätern Eigene Darstellung in Anlehnung an Zuschlag Quelle: Zuschlag, B. (2001), S. 37/38.
- 6 -
Täter haben die verschiedensten Persönlichkeitsstrukturen. Werden sie mit ihren Opfern konfrontiert, erschrecken sie und bestreiten jegliche böse Absicht. Oft empfinden sie sich selbst als Opfer. Dann wissen sie über das Fehlverhalten des „Gemobbten“ zu berichten. 9
Mobbing erfolgt im sozialen Zusammenhang. Stets sind mehrere Parteien beteiligt und sie können eingeteilt werden in folgende Rollen:
• einen Haupttäter
• einige Mittäter
• viele Dulder
Der Haupttäter demonstriert durch Mobbing seine Stärke und Macht und sichert so seine Position. Der Hauttäter genießt in seiner Gruppe eine Führungsposition. Die Mittäter möchten einen Teil der Macht für sich beanspruchen. Sie mobben mit, um dem Anführer zu gefallen und auf der sicheren Seite zu stehen. Oft sind Mittäter selbst einmal Opfer gewesen. Die Dulder schauen zu, ohne einzugreifen. Manche mit Freude, andere mit Schrecken. Häufig liegt der Grund dieses Verhaltens in der Angst, selber Opfer zu werden. Dann übersteigt die Angst das Mitleid für die Opfer. 10
2.2. Das Mobbing-Opfer
Grundsätzlich kann nach den bisherigen Erkenntnissen jeder ein Mobbing- Opfer werden.
Doch ist die Wahrscheinlichkeit nicht bei allen Menschen gleich hoch. So gibt es z.B. „viktimologische 11 Anreize“, die zum Opfer prädestinieren. Diese müssen aber nicht automatisch dazu führen, dass diese Personen gemobbt werden. Dazu braucht es den bereiten Täter, sowie geeignete, innerbetriebliche Interaktionsbedingungen. 12
8 Vgl. Zuschlag, B. (2001), S. 37
9 Vgl. Brinkmann, Ralf.: Mobbing, Bossing, Bulling Treibjagd am Arbeitsplatz, 2. Auflage,
Heidelberg 2002, S. 100/101
- 7 -
Viktimologische Anreize, die vom Opfer ausgehen sind:
Abb. 3: Vom potentiellen Opfer ausgehende viktimologische Anreize
Eigne Darstellung in Anlehnung an Zuschlag
Quelle: Zuschlag, B. (2001), S. 41-42
- 8 -
Diese Beispiele geben nur einen Überblick und sind keinesfalls stets der Auslöser für Mobbing. Sie sollen vielmehr zeigen, welche verschieden Auslöser es gibt. Auslöser aber müssen bekannt sein, um eine erfolgreiche Mobbing- prävention durchführen zu können. Darauf gehe ich an anderer Stelle ein.
2.3 Weitere Ursachen
Neben den eben aufgeführten Ursachen gibt es weitere. Im Folgenden werden die gesellschaftlichen und betrieblichen Ursachen untersucht.
2.3.1 Gesellschaftliche Ursachen
Für Mobbing gibt es gesellschaftliche und wirtschaftliche Begünstigungsfaktoren. Zu den wichtigsten zählen der gesellschaftliche Strukturwandel durch die Industrialisierung, die diskriminierenden gesellschaftlichen Normen und Werte sowie die rezessive Wirtschaftslage. Die Industrialisierung führte zu einem gesellschaftlichen Strukturwandel und damit einher gehend einen immer schneller werdenden technischen und organisatorischen Wandel. In den Betrieben kam es zu veränderten Beziehungsstrukturen. Aus diesen entwickelte sich ein Wirtschaftssystem, das auf Wettbewerb und Konkurrenz basiert. In diesem Zusammenhang beschreibt Neuberger das Phänomen Mobbing. Er ist der Auffassung, dass Personen, die in einer Wirtschaftsordnung auf Eigennutz und Konkurrenz setzten, nicht plötzlich als pervers oder abartig zu stigmatisieren sind. Seiner Meinung nach, sind sie vielmehr diejenigen, die die Konstruktionsprinzipien des Systems am konsequentesten verinnerlichen und leben. Die Äußerung von Neuberger deutet auf den gesellschaftlichen Nährboden von Mobbing, sie soll aber die Eigenverantwortung von Mobbinghandlungen nicht mindern oder gar entschuldigen.
10 Vgl. Krowatschek, D, Krowatschek, G.: Mobbing erfolgreich beenden; Hilfen für Opfer und Täter, 1. Auflage, Lichtenau 2006, S. 22-24
11 „ Die Viktimologie versteht sich als kriminalistische und psychologische wissenschaftliche Teildisziplin, die sich mit den Opfern von Straftaten befasst“.
http://de.wikipedia.org/wiki/Viktimologie, zuletzt besucht am 04.11.2006
12 Vgl. Zuschlag, B. (2001), S. 39-41
- 9 -
Bedeutung gewinnt der immer desolater werdende Arbeitsmarkt. Pawlowsky benennt ihn als Grund dafür, dass es am Arbeitsplatz zu einer Entwicklung vom Miteinander zum Gegeneinander kommt. Er beschreibt die Auswirkungen der Angst um den Arbeitsplatz und geht davon aus, dass der Kollege zum Konkurrenten wird, dem man Wissen vorenthalten muss, dem man wenig Kooperationsbereitschaft, ja sogar Feindseligkeiten entgegenbringt. Im Zuge einer rezessiven Wirtschaftlage kann Existenzangst so zu Mobbingprozessen führen.
Wertkonflikte bilden einen anderen wichtigen Faktor für die Etablierung von Mobbing. Sind in einem Betrieb einzelne Personen widersprüchlichen ökonomischen, ästhetischen, religiösen, sozialen und politischen Werten anhängig, entstehen Wertkonflikte. Sie werden verstärkt, wenn ein Individuum oder die Gesellschaft einem bestimmten Wert einen enorm hohen Wert beimisst, nichts anderes gelten lässt und ausschließlich danach strebt. Das Individuum oder die Gruppe versucht alle anderen Beteiligten mit allen Mitteln zur Übereinstimmung zu bewegen. Leymann berichtet von einem Klempner, der Mitglied in einer Sekte war und immer wieder versuchte seine Kollegen zu bekehren. Die Kollegen fühlten sich belästigt, doch es gab keine kollegialen Gespräche, so dass sich die Konflikte auf die private Ebene übertrugen. Der Konflikt eskalierte in gewalttätigen Drohungen, worauf sich der Betroffene versetzen ließ. 13
2.3.2 Betriebliche Ursachen
Wichtiger Faktor beim entstehen von Mobbing sind betriebliche Rahmenbedingungen. Sind diese ungünstig, kann Mobbing schnell entstehen.
13 Vgl. Kolodej, C.: Mobbing; Psychoterror am Arbeitsplatz und seine Bewältigung, Wien 1999, S. 50/51
- 10 -
2.3.2.1 Organisation der Arbeit Als ungünstige Umgebungsbedingungen sind arbeitsbedingte Belastungsfaktoren wie Lärm, Temperatur, Schmutz, Arbeitsstoffe und Unfallgefahr zu nennen. Eine wesentliche Belastung stellt auch der Mangel an visueller und akustischer Privatheit dar.
Starre Organisationsstrukturen, die eine steile Hierarchie haben und sich daher durch starke Kontrolle und Fremdbestimmtheit ausdrücken, sind als große Faktoren der Konfliktdeterminanten anzuführen. Der persönliche Handlungs- und Entscheidungsspielraum ist umso geringer, desto stärker der Mitarbeiter/ Mitarbeiterin überwacht und kontrolliert wird. Unzufriedenheiten,
Belastungsfaktoren und eingeschränkten individuellen Handlungsmöglichkeiten nicht direkt in Angriff genommen werden.
14
Die Mitarbeiter/innen haben nicht mehr das Gefühl, dass sie aktiv bei der Gestaltung der Arbeitssituation mitwirken können. Belastungsgefühle, Anspannungen und aufgestaute Aggressionen verlagern sich auf die Ebenen des zwischenmenschlichen Bereichs. Eine solche Firmenpolitik, mit einem solchen Arbeitklima schafft den Nährboden für Mobbing.
2.3.2.2 Ursachen in der Sozialstruktur
Für die Entstehung von Mobbing ist als wichtige Ursache, der Mangel an ethischen Normen und Werten zu sehen.
14 Vgl. Kolodej, C. (1999), S, 50-53
- 11 -
Quote paper:
Diplom-Wirtschaftsjurist (FH) Christian Kronjäger, 2007, Rechtsfragen des Mobbing im Arbeitsverhältnis - Ursachen und Folgen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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