Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung - 2 -
2. Der Abendmahlskelch in der protestantischen und
römisch-katholischen Kirche - 2 -
3. Die Bedeutungsebenen des Kelches - 4 -
3.1. Die institutionalisierte Bedeutung des Kelches - 4 -
3.2. Die individuelle Bedeutung des Kelches - 5 -
3.3. Die latente Bedeutung des Kelches - 6 -
4. Die Verbindung des Kelches mit außerreligiösen Systemen - 7 -
4.1. Die Gralslegende in der Unterhaltung - 7 -
4.2. Der Kelch im täglichen Leben - 9 -
5. Verortung des Kelches innerhalb des Christentums - 10 -
6. Die religionsgeschichtliche Entwicklung in Bezug auf
die Bedeutung des Kelches - 11 -
7. Fazit - 12 -
8. Zitierte Literatur - 13 -
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1. Einleitung
Diese Arbeit ist im Rahmen des religionswissenschaftlichen Proseminars „Was ist ein religiöses Symbolsystem“ entstanden, welches sich mit einer systematischen Erschließung des Begriffes einerseits und den Theorien von religiösen Symbolsystemen andererseits befasst. Durch die Beschäftigung mit klassischen Texten zum Thema und Einarbeitung in alternative Ansätze soll das zentrale Konzept der Religionstheorie erschlossen werden.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Symbol des Kelches im Christentum als ausgewähltes Beispiel und geht dabei insbesondere auf die verschiedenen Bedeutungsebenen, sowohl innerhalb als auch außerhalb des christlichen Symbolsystems, ein. In Bezug auf die geschichtliche Entwicklung liegt der Fokus insbesondere auf der Verwendung und Weiterverarbeitung des Kelchsymbols in der Unterhaltung, als auch auf die Veränderungen die sich mit der Entdeckung der Immunschwächekrankheit AIDS für das zentrale Symbol des Christentums ergaben.
2. Der Abendmahlskelch in der protestantischen und römisch-katholischen
Kirche Als sakrales Gerät kommt dem Kelch in Form eines Abendmahlskelches sowohl in der protestantischen, als auch in der römisch-katholischen Kirche eine große Bedeutung zu. Der Kelch wird in der christlichen Abendmahls-/Eucharistiefeier zur Aufnahme des Weines verwendet und vermittelt als Gefäß-, Opfer-, Trinkschale das Blut Christi an die Gemeinschaft (Berger 1992: 1384). Die Verwendung eines Kelches beim Abendmahl geht unter anderem auch auf die biblischen Berichte über das letzte Mahl Jesu am Vorabend seines Todes mit seinen 12 Aposteln zurück. Bei der Eucharistiefeier ist Jesus in den Gaben Brot und Wein gegenwärtig.
Bis ins 19. Jahrhundert wurde das Abendmahl in allen Kirchen mit Wein gefeiert, durch eine einsetzende Bewegung in Rücksicht auf Kinder und Alkoholkranke wurde später teilweise kein Wein sondern Traubensaft zum Abendmahl ausgeteilt. In der römisch-katholischen Kirche beispielsweise werden Brot und Wein durch die Konsekration des Priesters in den realen Leib und das reale Blut Christi verwandelt. In den Kirchen ist man sich aber nach wie vor uneinig über die wörtliche oder symbolische Deutung der Einsetzungsworte.
Der Kelch wurde aus den alltäglichen Trinkgefäßen der Antike entwickelt und ist oft kostbar gestaltet (Berger 1992: 1384). Es handelt sich um einen becherartigen Behälter (die sog. Kuppa), einen Ständer, seinerseits gegliedert in einen Fuß und
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einen in der Mitte mit einem Knauf, dem sog. Nodus versehenen Schaft (zum besseren Halt des Kelches in der Hand). Der Fuß und der Schaft können unterschiedlich gestaltet sein: dabei wird das obere Ende des Fußes (der Fußhals) entweder mit dem unteren Ende des Schaftes so verschmolzen dass Fuß und Schaft ohne Trennung in einander übergehen oder durch ein trennendes Glied von ihm geschieden. Die Form des Kelches wurde nicht kirchlich bestimmt, sondern entwickelte sich allmählich aufgrund praktischer Erwägungen (Braun: 2). Zwischen anfänglich flachen Trinkschalen und dem zweihenkligen Pokal setzte sich der henkellose Kelch durch (Berger: 1384). Auch dieser erfuhr im Wandel der Zeit teilweise starke Veränderungen durch den Einfluss des Zeitgeschmacks (Berger: 1384).
Bestand der Abendmahlskelch zunächst auch verschiedensten Materialen, wie z. B. Glas, Edelstein, Holz, Elfenbein oder Metall, so wurden später aus Ehrfurcht nur noch besonders wertvolle Metalle wie Gold oder Silber zur Herstellung verwendet. Im Mittelalter wurden so beispielsweise Glas, Holz und Kupfer verboten (Berger: 1384) – auch bei Vergoldung (Braun: 3). Zinn wurde bei Armut geduldet, aber eine Vergoldung innen in jedem Falle gefordert (Berger: 1384). So muss notwendigerweise die Kuppa an der Innenseite veredelt sein (Braun: 3). Wichtig ist vor allem das Material der Kuppa, der Fuß sowie der Schaft können aus einem anderen Metall bestehen (Braun 1930: 3).
Der Kelch wird seiner Würde entsprechend mit figuralem oder sonstigem Schmuck (Ornamenten oder christlichen Symbolen) verziert, wobei insbesondere zu beachten ist, dass die Handhabung des Kelches nicht unbequem gemacht wird und sich die Verzierungen außerdem nicht in der Vordergrund drängen bzw. nicht willkürlich angebracht sind. Es wird auf harmonische Verhältnisse geachtet und in der Gestaltung der Verzierungen sollte Zurückhaltung herrschen (Braun 1930: 3).
In diesem Zusammenhang ist insbesondere hinzuweisen auf die Gestaltung und Verzierung des Kelches mit Edelsteinen, welche vor allem in der römisch- katholischen Kirche weit verbreitet ist. Doch Edelsteine waren im Christentum nicht von jeher ein positiv besetztes Symbol: im Kampf gegen weltlichen Luxus wurden sie in der Literatur oft negativ bewertet; der Edelstein als Inbegriff des weltlichen Gutes macht den Menschen „unfrei, erniedrigt ihn, verweichlicht und verfälscht“ (Meier 1977: 69).
Werden in der Literatur Edelsteine oftmals in die Nähe von heidnischem Aberglauben und Prunksucht gerückt, so gibt es in der Bibel unterschiedliche Aussagen dazu: dem kostbaren Schmuck der Hure beispielsweise steht in der
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Apokalypse das kostbar geschmückte Jerusalem gegenüber oder dem goldenen Kalb im Alten Testament der Reichtum der Priesterkleidung (ebd.: 70-71). So wie der Edelstein Luxus und Prunk symbolisiert, kann er durch seine irdische Schönheit also ebenso zur himmlischen Schönheit verweisen und von der Schönheit der Welt Teilhabe an der göttlichen Weisheit gewähren (ebd.: 32).
Während Edelsteine vor allem als Amulette in unterschiedlichsten antiken Kulturen in Gebrauch waren, so wurde er im Christentum in geweihter Form erst spät als unheilabwendend und segenbringend verwandt (Meier 1977: 71). Einzelne Steine enthalten sowohl edelstein-spezifische Merkmale (wie zum Beispiel Farben, Lichtwirkung, Form, Größe, Fundort, Entstehung, medizinische und magische Wirkungen, Wert, Besitzer usw.) oder aber, richtet sich das Interesse nicht auf einen besonderen Stein, so führen sie durch einen generellen Zugang über sich hinaus in eine zweite geistige Dimension (ebd.: 139).
Der Kelchgebrauch geht im Gottesdienst mit unterschiedlichen Utensilien einher (Kelchtuch, Patene, Palla, Korporale, Kelchvelum etc.). Insbesondere in der evangelischen Kirche kam es im 20. Jahrhundert zu der sog. Kelchbewegung, in welcher die Einführung von Einzelkelchen gefordert wurde. Ende des 20. Jahrhunderts kamen in diesem Zuge auch Plastikgläser zur einmaligen Nutzung in den Handel.
3. Die Bedeutungsebenen des Kelches
3.1. Die institutionalisierte Bedeutung des Kelches
Dem Kelch kommt insbesondere bei der Feier des Abendmahls oder Eucharistie eine besondere Bedeutung zu: mit dem Essen und Trinken von Brot und Wein wird in der Eucharistiefeier an das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern erinnert und die Repräsentanz der geistlichen Realität Christus versinnbildlicht (Bieritz 1986: 5). In diesem letzten Mahl teilt Jesus die Gaben Brot und Wein, wobei das ausgeteilte Brot den Leib Jesu als den in den Tod gegebenen und der Wein sein Blut repräsentiert. Das Brot des Abendmahls ist somit Teilhabe am Leib Jesu und der Becher/Kelch Anteil am Blut Christi (Delling 1977: 53) und an seinem Leiden. Der Partizipierende hat mit dem Empfang des Bechers aber auch Anteil an dem in Christi Tod gewährten Heil (ebd. 54). Auch steht das Abendmahl als vollziehbare unblutige Wiederholung bzw. Vergegenwärtigung des Kreuzopfers Christi, welche damit ein Gott dargebrachtes Sühnopfer ist (Messopfer) (Schnurr 1986: 11). Weiterhin steht der Kelch symbolisch für das Leiden Christi – dieser spricht in der Ölbergszene von dem Kelch der ihm bevorstehenden Leiden (Becker 1992: 252).
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Quote paper:
Alexandra Schulz, 2007, Der Kelch als christliches Symbol, Munich, GRIN Publishing GmbH
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