1. Einleitung
Dieses Sprichwort zeigt, wie tief die „Überzeugung einer nie endenden Verbesserung“ (Imai 2002, S. 31) in der japanischen Mentalität verankert zu sein scheint. Diese Überzeugung, die sich auf alle Bereiche des täglichen Lebens erstreckt, wird unter dem Begriff KAIZEN zusammengefasst, der im Weiteren näher erläutert wird.
2. KAIZEN
2.1 Definition
KAIZEN bedeutet übersetzt kontinuierliche Veränderung (KAI) zum Besseren (ZEN). Im
japanischen Sprachgebrauch bezieht sich KAIZEN auf jede Art der Verbesserung, sowohl im Privat- als auch im Arbeitsleben.
Nach Auffassung von Masaaki Imai, dem Gründer des KAIZEN Institutes 1 , von dem auch das grundlegende Werk „KAIZEN - der Schlüssel zum Erfolg im Wettbewerb“ stammt, ist
KAIZEN im Unternehmensbereich als „das wichtigste japanische Managementkonzept“
anzusehen, das das ständige Streben nach Qualitätssicherung und -verbesserung bein- haltet. Zudem ist er davon überzeugt, dass KAIZEN den „Schlüssel zum Wettbewerbsvorteil der Japaner“ darstellt.
KAIZEN im Unternehmen ist dadurch gekennzeichnet, dass sich die stetigen
Verbesserungen auf sämtliche betriebliche Vorgänge erstrecken, d.h. von der Idee zu einem Produkt, über die Fertigstellung, die Vermarktung bis hin zur Kundenpflege und, dass sämtliche Hierarchieebenen, d.h. Arbeiter, Führungskräfte und Geschäftsleitung, in die Prozesse involviert werden.
Jeder Beschäftigte, der an seinem Arbeitsplatz oder -umfeld ein Problem erkennt, soll die Möglichkeit haben, dieses Problem auch zu lösen, ohne negative Auswirkungen in Bezug auf sein Ansehen oder sein berufliches Fortkommen befürchten zu müssen. Im Gegenteil, es ist sogar sehr erwünscht, dass die Mitarbeiter, egal welcher Hierarchieebene sie angehören, im Hinblick auf das Erkennen von Verbesserungsmöglichkeiten und dem Erarbeiten von Lösungen wachsam sind und bleiben, getreu der KAIZEN-Botschaft, dass „kein Tag ohne irgendeine Verbesserung im Unternehmen“ (Imai 2002, S. 31) vergehen soll.
1 Das KAIZEN Institut ist eine weltweit (in Sachen KAIZEN) aktive Organisation zur Beratung von
Unternehmen, die mit Standorten in Europa, Asien und Amerika vertreten ist (www.kaizen-institute.com).
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Dass das in japanischen Unternehmen in dieser Form offensichtlich möglich ist, liegt sicher darin begründet, dass KAIZEN, wie bereits oben angedeutet, in Japan nicht nur als ein Managementkonzept anzusehen ist, welches bei Bedarf aus dem Hut gezaubert wird, sondern vielmehr eine Art Lebenseinstellung darstellt, die sich eben nicht nur auf den Arbeitsplatz bzw. das Unternehmen beschränkt, sondern sich auch auf den privaten Bereich, d.h. auf das soziale und häusliche Leben, ausweitet.
2.2 Rahmenbedingungen
2.2.1 Prozessorientierung
KAIZEN verlangt eine konsequente Prozessorientierung und damit gleichzeitig auch die
Abkehr von einer in erster Linie ergebnisorientierten Denkweise. Das Hauptaugenmerk bei einer prozessorientierten Ausrichtung liegt auf den Arbeitsprozessen, um bereits an dieser Stelle Verbesserungspotentiale zu erkennen und Verbesserungen auch in die Tat umsetzen zu können.
Ein Unternehmen, welches auf KAIZEN ausgerichtet ist und damit auch prozessorientiert handelt, verspricht sich durch verbesserte Prozesse letztendlich auch bessere Ergebnisse als bei einer rein ergebnisorientierten Unternehmenskultur.
Eine prozessorientierte Einstellung setzt allerdings auch eine starke Mitarbeiterorientierung voraus, auf die im weiteren Verlauf noch näher eingegangen wird, denn die Mitarbeiter sind diejenigen, die die Verbesserungspotentiale in Bezug auf die Arbeitsprozesse erkennen sollen, um sie, wenn möglich, schließlich auch zu verbessern.
2.2.2 Kundenorientierung
„Der nächste Prozess ist der Kunde“ (Imai 2002, S. 95):
Das oberste Ziel, das KAIZEN verfolgt, ist die Zufriedenstellung der Kunden. Dabei wird auch kein Unterschied gemacht, ob es sich um externe Kunden oder um einen internen Kunden (nachgelagerte Abteilung innerhalb des Unternehmens) handelt.
Es hat absolute Priorität, die Bedürfnisse der Kunden adäquat zu erfüllen. Und so werden von Unternehmensseite auch nur die Produkte bzw. Dienstleistungen angeboten, die die Kunden tatsächlich nachfragen.
2.2.3 Mitarbeiterorientierung
Um das Ziel der Kundenzufriedenheit zu erreichen, spielen die Mitarbeiter des Unternehmens eine entscheidende Rolle, aber nicht nur die, sondern auch die Zulieferer und deren Mitarbeiter. Kurz gesagt: Bei KAIZEN steht der Mensch im Mittelpunkt.
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Die Philosophie des KAIZEN, d.h. die Bereitschaft Verbesserungspotentiale im Unternehmen zu erkennen und Verbesserungen durchzuführen, muss von sämtlichen Mitarbeiter aller Hierarchieebenen, vom Arbeiter bis zum Top-Management, getragen werden, damit sie zu einem Unternehmenserfolg führt.
Die Mitarbeiter werden regelrecht dazu motiviert und trainiert, Probleme oder Situationen, die zu Problemen führen könnten, zu erkennen (japanisch: „warusa-kagan“), sie zu lösen und diese Lösungen weiter zu verbessern (= KAIZEN zu denken).
Ein strikt hierarchisches Denken in einem KAIZEN-Unternehmen ist mit KAIZEN-Gedanken demnach kaum vereinbar, obwohl es sehr wohl auch dort verschiedene Hierarchieebenen gibt. Die folgende Tabelle soll darüber Aufschluss geben, wer in einem KAIZEN-Unter- nehmen welche Rolle spielt.
Abb. 1: Die Hierarchie der Beteiligung an KAIZEN (Imai 2002, S. 35)
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In einer westlich geprägten Unternehmenskultur ist es eher unüblich, sämtliche Mitarbeiter, mehr oder weniger, in wichtige Entscheidungsprozesse, die das Unternehmen insgesamt betreffen, einzubeziehen. In solchen Unternehmen ist dies in der Regel Sache der obersten Führungsetage.
2.3 KAIZEN vs. Innovation: Japanisches und westliches Management im
Vergleich
Imai beantwortet die Frage nach dem wichtigsten Unterschied zwischen japanischem und westlichem Management folgendermaßen: „Japanisches KAIZEN und die damit verbundene prozessorientierte Art zu denken gegenüber dem westlichen innovations- und ergebnis- orientierten Denken“ (Imai 2002, S. 17).
Abb. 2: Merkmale von KAIZEN und Innovation (Imai 2002, S. 58)
Die Aufzählung der Merkmale von KAIZEN und Innovation zeigt, dass die Unterschiede beider Managementkonzepte gravierend sind, was aber nun nicht bedeutet, dass sie sich gegenseitig ausschließen, im Gegenteil, sie können sich sogar ergänzen.
Im Gegensatz zur westlichen Managementkultur weiß die japanische durchaus, beide Konzepte in Kombination sinnvoll zu nutzen. Wenn durch KAIZEN an einem vorhandenen Standard keine Verbesserung mehr möglich ist, so ist es an der Zeit, eine Innovation durchzuführen. Es entsteht ein neuer Standard, den es wieder gilt, stetig zu verbessern bis
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auch dieser nicht mehr verbesserungsfähig ist. Daraufhin folgt eine weitere Innovation und so fort.
Kommt ein Unternehmen an einen Punkt an dem eine Innovation notwendig wird, so ist es ratsam, diese von der KAIZEN-Strategie begleiten zu lassen, um ein aufgrund der Innovation installiertes System zu erhalten und zu verbessern. „Jedes System ist ab dem Zeitpunkt seiner Etablierung dem Verfall preisgegeben“(Imai 2002, S. 61). Oder in anderen Worten: “Bereits zur Erhaltung des Status Quo bedarf es schon beständiger Anstrengungen“ (Imai 2002, S. 61).
3. KAIZEN durch Total Quality Control (Umfassende Qualitätskontrolle)
„Total Quality Control (TQC) ist eine das gesamte Unternehmen umfassende Qualitätsstrategie, die sich an den Kundenbedürfnissen ausrichtet“ (Kamiske 1993, S. 140): Eine TQC ist insofern eine umfassende Qualitätsstrategie bzw. -kontrolle, als dass diese Art der Qualitätskontrolle von sämtlichen Mitarbeitern während eines gesamten Wert- schöpfungsprozesses durchgeführt wird. TQC beinhaltet Qualitätssicherung, Kosten- senkung, Erfüllung des Produktionsprogramms, Einhaltung von Lieferterminen, Arbeits- sicherheit, Entwicklung von neuen Produkten, Produktivitätsverbesserung und Beziehungen zu Lieferanten.
Die Qualität, d.h. in diesem Zusammenhang die Verbesserung der zuvor genannten Bereiche, ist sehr wichtig, sogar so wichtig, dass sie einen höheren Stellenwert einnimmt als der Gewinn. Aber was heißt überhaupt „Qualität“? Nach Definition von Imai ist Qualität im weitesten Sinne alles, was verbessert werden kann.
Im Zusammenhang mit der KAIZEN-Strategie meint man nicht die Qualität von Produkten, sondern die Qualität der Menschen. „Die drei Grundpfeiler des Geschäftslebens sind Hardware, Software und „Humanware“. Nur wenn die Humanware funktioniert, können Hardware und Software für ein Geschäft in Betracht gezogen werden. Qualitätsbewusstsein bei Menschen erreichen heißt, sie KAIZEN-bewußt zu machen“ (Imai 2002, S. 383). Professor Masumasa Imaizumi vom Musashi Institute of Technology, der die Qualität (der Produkte, der Dienstleistungen und der Arbeit), Quantität, Liefertermine (Zeit), Sicherheit, Kosten und Arbeitsmoral als die entscheidenden Elemente ansieht, die es in einem Unternehmen zu managen gilt, ist der Ansicht, dass man letztendlich „nur“ über die Qualität Kunden zufrieden stellen und an sich binden kann.
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Quote paper:
Dorothee Bausch, 2005, Kaizen - ein kurzer Überblick, Munich, GRIN Publishing GmbH
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DOI
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