Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Fundumstände 3
3. Die Bronzestatue 4
4. Zur Benennung der Bronze 6
5. Zur Datierung 8
6. Zur Meisterfrage 8
7. Zusammenfassung 9
8. Literatur 10
9. Fußnoten 11
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1. Einleitung
Die griechische Plastik des 5. Jahrhunderts v.Chr. ist der heutigen Forschung meist nur durch die in römischer Zeit angefertigten Marmorkopien und durch die Erwähnung einiger Künstler und ihrer Werke in der antiken Literatur erschließbar. Umso wertvoller sind deshalb die relativ seltenen Zufallsfunde von griechischen Originalen, die einen direkten Blick auf die Plastik dieser Epoche gewähren.
Der sogenannte „Gott aus dem Meer“ ist ein solcher Zufallsfund: eine griechische Bronzestatue im Original. Wie die meisten Bronzeoriginale handelt es sich um einen Gewässerfund – über Jahrtausende vor dem Zugriff der Menschen geschützt.
Mit seiner Entdeckung in den 1920er Jahren begann eine heftige Kontroverse um den „Gott aus dem Meer“. Unbestritten blieb allein die Tatsache, daß es sich bei dem Fund um ein vorzügliches Originalwerk griechischer Toreutik handelt, bestens erhalten und sehr aufwendig gearbeitet. Kontrovers und vor allem leidenschaftlich gestaltete sich jedoch primär die Diskussion um die Benennung dieser Statue – Fragen, die die Datierung und die Meisterzuschreibung betreffen, folgten und wurden ebenfalls heftig diskutiert. Zu einem endgültigen – und vor allem allgemein anerkannten – Schluß ist die Forschung bis heute nicht gekommen, so daß sich die Fragestellungen in den letzten Jahrzehnten kaum verändert haben. In der folgenden Arbeit sollen einleitend kurz die Fundumstände dargestellt werden. Es folgt eine Beschreibung der Bronzestatue, die die Basis für die anschließende Frage nach der Benennung bilden soll. Abschließend wird dann auf die Datierung und die Meisterzuweisung eingegangen.
2. Die Fundumstände
Im September 1928 ließ die griechische Regierung vor der Nordküste Euböas am Kap Artemision eine etwas überlebensgroße Bronzestatue aus dem Meer heben, deren linker Arm bereits 1926 von griechischen Fischern dort geborgen werden konnte und ins Athener Nationalmuseum gelangt war.
Die Statue fand sich in einer Tiefe von rund 42 m, etwa 600 m vom Land entfernt. Bis auf das Attribut, das die rechte Hand umschlossen hielt, die Füllung der Augenhöhlen, die Wimpern sowie die – vermutlich in Silber und in Kupfer gearbeiteten – Einlagen der Augenbrauen,
Lippen und Brustwarzen ist die 2,09 m 1 messende Bronzestatue fast vollständig erhalten. An
gleicher Stelle konnte zwei Monate später das bronzene Vorderteil eines Pferdes und die
unvollständige Bronze eines reitenden Knaben geborgen werden 2 . Des weiteren fand man u.a.
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zahlreiche kleine Bleiplatten 3 von der einstigen Verkleidung eines Schiffsrumpfes, einen
Bleianker, mehrere Steinmühlen sowie Keramikscherben, so daß man von einem Schiffsuntergang an dieser Stelle ausgehen muß.
Dahin gehend sind auch die, bei der Reinigung entdeckten, angesinterten Reste eines
geflochtenen Seils in der Hüftgegend der Großbronze zu deuten 4 . Anscheinend war die Statue
mit einem Seil gesichert, vermutlich beim Transport auf dem Schiff. Weitere Informationen über das Schiff konnten leider nicht gesammelt werden. Über Herkunft und Zielhafen lassen
sich nur Vermutungen anstellen 5 . Es steht aber außer Frage, daß es sich um einen
Kunsttransport des 2. bzw. frühen 1. Jahrhunderts v.Chr. gehandelt hat.
Die Bronzestatue befindet sich heute unter der Inventarnummer 15161 im Athener Nationalmuseum.
3. Die Bronzestatue
Die mit einer Höhe von 2,09 m etwas überlebensgroße Bronzestatue zeigt einen unbekleideten, bärtigen Mann athletischen Körperbaus, aufrecht stehend mit weit ausschreitenden Beinen und gewaltig ausholenden, fast waagerecht gehaltenen Armen. Die Statue wurde im sogenannten Hohlgussverfahren hergestellt und ist im Gegensatz zum bronzenen „Wagenlenker von Delphi“, der aus vielen getrennt gegossenen Einzelteilen
besteht, in einem Stück gegossen worden 6 .
Die Oberfläche ist äußerst fein – jedoch nicht scharfkantig – modelliert und besticht durch ihre Detailfreude. So sind an Händen, Armen, Füßen und Beinen die Adern angegeben, das Wadenbein ist nachgezeichnet und auch die Muskelangaben sind äußerst fein gearbeitet. Das linke Bein ist in Bewegungsrichtung vor-, das rechte mit einer Seitwärtsdrehung zurückgestellt. Beide Beine sind im Kniegelenk leicht gewinkelt, das linke deutlich mehr als das rechte. Der vorgestellte linke Fuß setzt mit der ganzen Sohle auf, wobei die Zehen erhoben sind, als ob sie nach einem ausgeführten Schritt noch abgerollt werden müssen. Der rechte Fuß – seitwärts zur Bewegungsrichtung gedreht – setzt nur mit den Zehen auf, die Ferse ist vom Boden gehoben. Diese Bein- und Fußstellung verleiht der Statue einen fast
federnd wirkenden, „bewegten“ 7 Stand.
Der linke Arm ist auf Schulterhöhe gerade nach links gestreckt und gibt zusammen mit der Bein- und Fußstellung des linken Beines die Bewegungsrichtung an. Die linke Hand ist flach gestreckt und bildet eine Verlängerung des Armes. Überhaupt wirkt der linke Arm im Verhältnis zu Beinen und Rumpf stark überlängt. Der rechte Oberarm ist auf Schulterhöhe entgegen der Bewegungsrichtung zurückgestreckt und wirkt wie eine lineare Fortsetzung des
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Ute Bartelt, 1997, Der Gott aus dem Meer, Munich, GRIN Publishing GmbH
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