Unternehmenskooperationen im Bereich Forschung und Entwicklung
INHALTSVERZEICHNIS
INHALTSVERZEICHNIS I
ABBILDUNGSVERZEICHNIS III
1 EINLEITUNG 1
2 EINFÜHRUNG IN DAS THEMA „KOOPERATIONEN“ 3
2.1 Entwicklung des Kooperationsbegriffs 3
2.2 Wichtige Erkennungsmerkmale von Kooperationen 4
2.3 Die einzelnen Kooperationsarten 6
3 FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG 11
3.1 Definition Forschung und Entwicklung 11
3.2 Phasen der Forschung und Entwicklung 12
3.2.1 Grundlagenforschung 12
3.2.2 Angewandte Forschung 12
3.2.3 Entwicklung 13
4 FORSCHUNGS- UND ENTWICKLUNGSKOOPERATIONEN 14
4.1 Konfigurationsmerkmale von F E-Kooperationen 14
4.2 Gegenstand von F E-Kooperationen 15
4.3 Richtung der F E-Kooperationen 16
4.3.1 Horizontale F E-Kooperationen 16
4.3.2 Vertikale F E-Kooperationen 16
4.3.3 Diagonale F E-Kooperationen 17
4.4 Intensität von F E-Kooperationen 18
4.4.1 Nicht koordinierte Einzelforschung mit Erfahrungs- und Ergebnisaustausch 18
4.4.2 Koordinierte Einzelforschung mit planmäßigen Erfahrungs- und Ergebnisaustausch 19
4.4.3 Zusammenarbeit von F E-Abteilungen 20
4.4.4 Gründung eines Joint Ventures 20
4.5 Räumliche Entfernung des F E-Kooperationspartners 21
4.6 Dauer der F E-Kooperation 21
4.7 Zutrittsmöglichkeiten zu F E-Kooperationen 22
5 BEDEUTUNG VON VERTRAUEN IN F E-KOOPERATIONEN 23
5.1 Definition 23
5.2 Wissen 24
5.3 Quellen von Vertrauen 25
I
Unternehmenskooperationen im Bereich Forschung und Entwicklung
5.4 Weitere Vertrauensinhalte 26
5.5 Entstehung und Erhaltung von Vertrauen 27
5.6 Vertrauensbewusste Kooperation und Kontrolle 28
5.7 Kritische Würdigung von Vertrauen in F E-Kooperationen 29
6 CHANCEN UND RISIKEN VON F E-KOOPERATIONEN 32
6.1 Ziele und Vorteile von F E-Kooperationen 32
6.2 Risiken 36
7 EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG VON
F E-KOOPERATIONEN 39
7.1 Ziel und Konzeption der empirischen Untersuchung 39
7.2 Ergebnisse der schriftlichen Befragung 41
7.2.1 Allgemeiner Teil 41
7.2.2 Merkmale der F E-Kooperation 43
7.2.3 Grundsätzliche Aspekte der Kooperationsentscheidung 47
7.2.4 Nutzung von Informationsquellen bezüglich der Partnerwahl 50
8 FAZIT UND AUSBLICK 54
9 LITERATURVERZEICHNIS 56
10 ANHANG 60
Anlage 1 : Fragebogen 60
Anlage 2 : Fallbeispiele von Kooperationsformen 64
II
Unternehmenskooperationen im Bereich Forschung und Entwicklung
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abbildung 1 : Die einzelnen Kooperationsarten
Abbildung 2 : Morphologischer Kasten zur Bestimmung der F E
Kooperationsformen
Abbildung 3 : Kooperationsformen nach ihrer Richtung
Abbildung 4 : Wissen und Vertrauen
Abbildung 5 : Unterschiedliche Arten von Vertrauen
Abbildung 6 : Umsatz der Unternehmen
Abbildung 7 : Anzahl der Mitarbeiter
Abbildung 8 : Branchenzugehörigkeit der Unternehmen
Abbildung 9 : Beurteilung des Gesamterfolgs der Kooperation
Abbildung 10 : Phase des Forschungs- und Entwicklungsprozesses
Abbildung 11 : Verflechtung der Kooperation
Abbildung 12 : Geographische Auslegung der Kooperation
Abbildung 13 : Leitkriterien für Partnerunternehmen
Abbildung 14 : Bedeutung der Ziele der F E-Kooperation
Abbildung 15 : Bedeutung von Informationsquellen
Abbildung 16 : Nutzung des Internets zur Informationsbeschaffung
Abbildung 17 : Bedeutung des Internets zur Informationsbeschaffung
III
1 EINLEITUNG
Fundamentale wirtschaftliche, gesellschaftliche und auch politische Veränderungen haben in den letzten Jahren die Bedingungen, unter denen Unternehmen operieren, stark beeinflusst. Schlagworte wie Globalisierung, verkürzte Produktlebenszyklen, steigender Wettbewerbsdruck fallen bei fast allen Autoren ebenso wie die Konzentration auf Kernkompetenzen und die Beschleunigung der Marktbedingungen. 1
Die Wettbewerbsfähigkeit und somit der wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens ist immer stärker durch hohe Flexibilität des Gesamtunternehmens und kurze Durchlaufzeiten in den Entwicklungsphasen geprägt. 2 Als Folge der zunehmenden internationalen Konkurrenz kommt es zu einer Verkürzung der Produktlebenszyklen. Neue Produkte müssen in immer kürzer werdenden Zeitabständen entwickelt und auf dem Markt positioniert werden. Ein ständig wachsender Anteil des Umsatzes wird dadurch mit sogenannten „jungen Produkten“ erzielt. Daher sind im Laufe der Jahre die Anforderungen an die Abteilungen für Forschung und Entwicklung (F&E) in den Unternehmen stark angestiegen. Oftmals sind einzelne Unternehmungen durch erhöhten Kapitalbedarf, aber auch durch die Existenz von Mitarbeiterkapazitäten mit dem notwendigen Knowhow für F&E überfordert. Die fortschreitende Entwicklung geht dahin, dass sich die Unternehmen auf die Dinge konzentrieren, die sie besonders gut können; also auf ihre Kernkompetenzen. 3 Diese Konzentration auf die Kernkompetenzen, die Stärkung der
Wettbewerbsfähigkeit, Zeitersparnis und die Nutzung von Synergieeffekten lassen immer mehr Unternehmen kooperieren. Die zunehmende Bedeutung von
Kooperationen wird auch durch Publikationen und Studien betreffend dieser Thematik unterstrichen, die oftmals zu dem Ergebnis kommen, dass die Häufigkeit von Kooperationen in den letzten Jahren stark angestiegen ist. 4 Jedoch hängt der Erfolg einer Kooperation von sehr vielen Faktoren ab. Neben der Existenz von Knowhow, Finanzkapital und ähnlicher Unternehmenskultur usw., muss auch ein hohes Maß an Vertrauenspotential vorhanden sein, um eine Kooperation erfolgreich zu
1 Vgl. exemplarisch Justus (1999), S. 15, Kropeit (1999), S. 1, Rotering (1990), S. 2, Bihn (1997), S. 1f.
2 Vgl. Rotering (1990), S. 2
3 Vgl. Kropeit (1999), S. 1
4 Vgl. Rotering (1990), S. 142, Sell (1995), S. 20, Kropeit (1999), S. 269 , Dathe (1999), S. 22
1
gestalten. Speziell bei Kooperationen im Bereich F&E spielt das Vertrauen eine sehr wichtige Rolle. Innerhalb einer solchen Kooperation wird nämlich nur schwer durch vertragliche Konstrukte gesichertes Wissen ausgetauscht. Daher wird das Thema Vertrauen einen wichtigen Teil in unserer Hausarbeit einnehmen. Das Ziel dieser vorliegenden Hausarbeit ist es, die Merkmale von F&E-Kooperationen zu nennen und sowohl die Chancen als auch die Risiken einer solchen Zusammenarbeit herauszuarbeiten. Unsere aus der Literatur gewonnen Erkenntnisse werden dann durch eine Fragebogenaktion empirisch überprüft. In Kapitel 2 wird zuerst der Begriff der Kooperation definiert, um dann die wichtigsten Erkennungsmerkmale von Kooperationen zu erörtern. Außerdem werden in diesem Kapitel die verschiedenen Kooperationsarten vorgestellt. Anschließend steht in Kapitel 3 der F&E Begriff im Vordergrund und es werden die einzelnen Phasen von F&E genannt. In Kapitel 4 wird dann mit Hilfe eines morphologischen Kastens die einzelnen Konfigurationsmerkmale von F&E-Kooperationen erläutert, um sich dann in Kapitel 5 der Vertrauensproblematik zu widmen. Durch ein hohes Maß an Vertrauen können Konflikte innerhalb einer Kooperation reduziert werden. Diese Konflikte, aber auch die Chancen von F&E-Kooperationen werden in dem darauffolgenden Kapitel 6 genauer illustriert. Es gibt auf der einen Seite mehrere Gründe und Vorteile, warum Unternehmen kooperieren. Jedoch existieren aber auf der anderen Seite auch Konfliktpotentiale und Nachteile, die sich negativ auf den Erfolg einer Kooperation auswirken können.
Um unsere in den vorangegangenen Kapiteln erarbeiteten theoretischen Grundlagen empirisch zu überprüfen, wurde eine Umfrage durchgeführt. Dazu wurde ausgewählten Unternehmen per E-mail einen Fragebogen zugesandt, welcher im Anhang dieser Arbeit zu finden ist. Die Ergebnisse dieser Umfrage werden in Kapitel 7 präsentiert.
Zum Abschluss dieser Hausarbeit werden die gewonnenen Erkenntnisse kurz zusammengefasst, um letztendlich einen Ausblick auf die Zukunft von F&E-Kooperationen zu nehmen.
2
2 EINFÜHRUNG IN DAS THEMA „KOOPERATIONEN“
2.1 Entwicklung des Kooperationsbegriffs
Im Gegensatz zur umgangssprachlichen Interpretation des Kooperationsbegriffs als eine Form der Zusammenarbeit zwischen Personen, Gruppen und Institutionen, wird in unserer Arbeit eine differenziertere Analyse des doch recht „verwaschenen“ Begriffs anhand bestimmter Merkmale vorgenommen, um einen Konsens zu erreichen.
Unsere Hausarbeit wird sich auf die ökonomische Perspektive beschränken, andere Sichtweisen werden außer acht gelassen. Diese wirtschaftlichen Kooperationen kann man in inner-, zwischen- und überbetriebliche Kooperation unterteilen. Wir werden uns im folgenden hauptsächlich mit zwischenbetrieblichen Kooperationen befassen. Durch eine kurze Vorstellung unserer Literaturanalyse wollen wir verschiedene betriebswirtschaftliche Definitionen vorstellen und prägnante Merkmale von zwischenbetrieblichen Kooperationen herausarbeiten: Bidlingmaier definiert den Begriff folgendermaßen:
„Zwischenbetriebliche Kooperation liegt immer dann vor, wenn zwei oder mehrere Unternehmen aufgrund freiwilliger vertraglicher Abmachungen gewisse Aufgaben gemeinschaftlich erfüllen, in der Erwartung, hierdurch einen -gegenüber dem jeweils individuellen Vorgehen- höheren Grad der Zielerfüllung zu erreichen.“ 5
Für Benisch steht die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit im Vordergrund: „...........Kooperation bedeutet die Zusammenlegung einzelner
Unternehmensfunktionen zu dem Zweck, die Leistung der beteiligten Unternehmen zu steigern und dadurch deren Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.“ 6
Düttmann betont in seiner Definition die freiwillige Zusammenarbeit von Unternehmen:
„Die wirtschaftliche Kooperation ist die bewusste, zwischenbetriebliche und freiwillige Zusammenarbeit selbständiger Unternehmen mit der Absicht, ohne Aufgabe der grundsätzlichen unternehmerischen Entscheidungsfreiheit in
5 Bidlingmaier, zitiert aus Rotering (1990), S. 39
6 Benisch (1973), S. 67
3
bestimmten betrieblichen Teilbereichen gemeinsame wirtschaftliche Ziele zu realisieren.“ 7
Wöhe definiert Kooperationen wie folgt:
„...als eine Verbindung von bisher rechtlich und wirtschaftlich selbständigen Unternehmen zu größeren Wirtschaftseinheiten, ohne dass dadurch die rechtliche Selbständigkeit und die Autonomie der einzelnen Unternehmen im Bereich wirtschaftlicher Entscheidungen aufgehoben werden muss.“ 8
Einen weiteren interessanten Aspekt der essentiellen Notwendigkeit von Kooperationen für ganz bestimmte Ziele liefert die Definition von Picot/Reichenwald/Wigand:
„Die Kooperation ist eine Form der freiwilligen zwischenbetrieblichen Zusammenarbeit von mindestens zwei Unternehmen unter Wahrung wirtschaftlicher und rechtlicher Selbständigkeit. Auf Basis einer Kooperationsvereinbarung findet eine zweckorientierte Zusammenarbeit statt, die eine gemeinsame Erreichung eines oder mehrerer übergeordneter und nur gemeinsam erreichbarer Ziele anstrebt.“ 9
2.2 Wichtige Erkennungsmerkmale von Kooperationen
Vergleicht man diese verschiedenen Definitionen miteinander, so werden folgende elementare Merkmale herauskristallisiert:
Zusammenarbeit von Unternehmen
Dieses Charakteristikum ist bereits oben kurz erwähnt worden. Bei zwischenbetrieblichen Kooperationen muss es sich um eine Zusammenarbeit zwischen- und nicht innerhalb von Unternehmen handeln. 10
Selbständigkeit
Dieses Attribut läßt sich weiter in eine rechtliche und eine wirtschaftliche Selbständigkeit differenzieren. 11 Die rechtliche Selbständigkeit von Unternehmen ist solange gegeben, wie es seine eigene Rechtspersönlichkeit beibehält.
7 Düttmann (1989), S. 73
8 Vgl. Wöhe (1990), S. 399
9 Vgl. www.kooperationswissen.de
10 Vgl. Kropeit (1998), S. 25
11 Vgl. Justus (1999), S. 25; Düttmann (1989), S. 71 f.; Fratschner (1995), S. 161
4
Übereinstimmend wird in der Literatur die rechtliche Selbständigkeit als ein unentbehrliches Abgrenzungskriterium gefordert. 12 Im Gegensatz dazu existiert mit Bezug zu der wirtschaftlichen Selbständigkeit kein solcher Konsens. Aulinger und Kropeit u.a. schreiben, dass die wirtschaftliche Selbständigkeit nicht eingeschränkt wird 13 , jedoch wird eine uneingeschränkt wirtschaftliche Selbständigkeit in der Mehrheit der Literatur als nicht realisierbar angesehen. 14 Wir denken, dass die individuelle Entscheidungsfreiheit zumindest in den von der Kooperation betroffenen Aufgabenbereichen zugunsten von Kollektiventscheidungen partiell aufgehoben wird. Dieser Gegebenheit des partiellen Verlustes der wirtschaftlichen Selbständigkeit wird auch als „Paradoxon der Kooperation“ 15 bezeichnet, welches aussagt, dass jede Ausweitung des Handlungsspielraumes zu einer Einschränkung der
Entscheidungsfreiheit an anderer Stelle führt. 16
Freiwilligkeit des Zusammenschlusses
Ein weiteres Charakteristikum der Kooperation ist die Freiwilligkeit der Zusammenarbeit, d.h. eine kollektive Arbeit unter Zwang 17 ist nicht als Kooperation anzusehen.
Beschränkung von Teilaufgaben
Bei zwischenbetrieblichen Kooperationen werden spezielle Teilaufgaben determiniert und dann gemeinschaftlich erfüllt. 18
Ziele von Kooperationen
Kooperationen unterstützen die gemeinsame Zielerreichung von mindestens zwei Unternehmen, daher müssen die gemeinsamen Ziele auch miteinander harmonieren. „Das Erreichen des Ziels eines Partners fördert automatisch auch das Erreichen des Ziels des anderen Partners - und umgekehrt.“ 19
Nun wurden die prägnantesten Merkmale des Kooperationsbegriffs beschrieben und abschließend soll dieser Terminus für diese Hausarbeit folgendermaßen definiert werden:
12 Vgl. Düttmann (1989), S. 73; Wöhe (1990), S. 399; Kropeit (1999), S. 27; Rotering (1990), S.41
13 Vgl. Aulinger: www.aulinger.com: Unternehmenskooperationen: Eine Einführung; Kropeit (1999), S. 25
14 Vgl. Fratschner (1995), S. 161 f.; Justus (1999), S. 25 f.; Götzelmann (1992), S. 91
15 Boettcher, in Justus (1999), S. 26
16 Vgl. Justus (1999), S .26
17 Beispiele sind finanzielle Abhängigkeiten, Zusammenarbeit aufgrund staatlicher Zwänge, usw., vgl. Düttmann (1989), S. 71 f.; Fratschner (1995), S. 162
18 Vgl. Kropeit (1998), S. 25; Klanke (1995), S. 15 f.
19 Aulinger: www.aulinger.com : Unternehmenskooperationen: Eine Einführung, Kapitel 2
5
„Die zwischenbetriebliche Kooperation ist eine freiwillige Zusammenarbeit selbständig bleibender Unternehmen mit der Intention, gemeinsam (durch Ressourcenbündelung) einen höheren Grad der Zielerfüllung anzustreben, der bei einer individuellen Vorgangsweise nicht möglich wäre.“
2.3 Die einzelnen Kooperationsarten
Einführung
Kartelle, Joint Ventures, Konsortien, es existieren eine Vielzahl von Begriffen, um eine Kooperationsart zu beschreiben. In dem folgenden Abschnitt nennen und beschreiben wir kurz die einzelnen Arten von Kooperationen und deren wichtigsten Merkmale. Erwähnen möchten wir noch explizit den Unterschied zwischen den Begriffen Kooperationen und Konzentrationen, die teilweise in der Literatur nicht exakt von einander abgegrenzt werden. Kooperationen sind dadurch gekennzeichnet, dass die Teilnehmer rechtlich und zum größten Teil auch wirtschaftlich selbständig bleiben, bei Konzentrationen 20 verlieren die Partner einer Unternehmensverbindung ihre wirtschaftliche Selbständigkeit und teilweise müssen sie auch noch ihre rechtliche Selbständigkeit aufgeben. 21 Ist unserer Hausarbeit haben wir uns auf die Kooperationsarten beschränkt.
20 Konzentrationsarten sind z.B. Konzerne und Fusionen
21 Vgl. Wöhe (1990), S. 406 f.
6
Interessengemeinschaften
Darunter versteht man eine vertraglich festgelegte Zusammenarbeit zwischen Unternehmen mit der Absicht, durch diese Kooperation die Durchsetzung bestimmter gemeinsamer Interessen zu realisieren. Sie entstehen normalerweise durch die horizontale Zusammenfassung von Unternehmen auf einer vertraglichen Basis.
Gelegenheitsgemeinschaften
Ar rb be ei it ts sg ge em me ei in ns sc ch ha af ft te en n A
Diese Art der Gelegenheitsgesellschaften ist ein häufig zeitlich befristetes Bündnis, welches das Ziel verfolgt, einen Auftrag im Kollektiv zu erfüllen. Speziell im Baugewerbe wird diese Form der Kooperation angetroffen, um gemeinsam Projekte, wie z.B. einen Straßenbau zu realisieren. 22 Sie werden gebildet, wenn ein Unternehmen auf Grund seiner fehlenden finanziellen- oder seiner produkttechnischen Kapazität nicht in der Lage ist, einen Auftrag alleine durchzuführen.
Ko on ns so or rt ti ie en n K
Konsortien sind ein vertraglich vereinbarter Zusammenschluss mehrerer Unternehmen (oft Banken), die zur Realisierung von exakt abgegrenzter Aufgaben gebildet werden. Nach Verwirklichung der Aufgabe lösen sich die Konsortien wieder auf. Sie werden mit dem Ziel der Risikostreuung und vor allem zur Durchführung von kapitalintensiven Geschäften und zur Verbesserung von Plazierungsmöglichkeiten gebildet. 23
Kartelle
Ein Kartell ist ein horizontaler 24 Zusammenschluss rechtlich und kapitalmäßig selbständig bleibender Unternehmen. Das Hauptziel von Kartellen stellt die Marktbeherrschung in Folge von der Beseitigung oder mindestens der Beschränkung des Wettbewerbs dar. Diese Beschränkung widerspricht jedoch den Zielen der marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung 25 und daher sind in Deutschland Kartelle auf Basis des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkung (GWB) prinzipiell
22 Vgl. Dathe (1999), S. 22; Wöhe (1990), S. 418 f.
23 Wöhe (1990), S. 421
24 Vereinigung auf gleicher Handels- und Produktionsstufe, ausführliche Darstellung folgt in Abschnitt 4.3.1
25 Der Wettbewerb stellt eine essentielle Voraussetzung der freien Marktwirtschaft dar.
7
verboten. Allerdings werden auf Antrag Ausnahmen gemacht, wie z.B. bei Kooperations- und Einkaufskartellen. 26
Gemeinschaftsunternehmen - Joint Ventures
Charakteristisch für Joint Ventures ist die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen mindestens zwei voneinander weiterhin völlig unabhängigen Unternehmen, die zur Realisation von bestimmten Zielen ein rechtlich selbständiges Unternehmen gründen, um damit Aufgaben im gemeinsamen Interesse auszuführen. Joint Ventures sind in der Regel zeitlich unbefristet und in generell horizontaler, vertikaler und diagonaler Ebene möglich. 27
Die vorgestellten Arten von Zusammenschlüssen werden auch als die „klassischen“ Formen der Kooperation beschrieben. 28 Nun werden wir uns noch drei weiteren Kooperationsbegriffen zuwenden, die sich erst in den letzten Jahren etablierten.
Strategische Allianzen
Strategische Allianzen werden als ein Zusammenschluss von mindestens zwei Unternehmen definiert, die häufig im Wettbewerb zueinander stehen, 29 und deren Allianz sich auf ein bestimmtes Geschäftsfeld bezieht. 30 Dieser Begriff kam Mitte der 80er Jahre in Mode und wurde maßgeblich durch Porter geprägt. 31 Durch diesen Zusammenschluss werden einzelne individuelle Fähigkeiten und Ressourcen gebündelt, um dadurch Wettbewerbsvorteile gegenüber Konkurrenten zu erzielen, z.B. durch eine effizientere F&E-Abteilung. Die in einer solchen Allianz verfolgte Strategie ist sehr häufig global ausgelegt, d.h. diese Form der Kooperation wird meist von international ausgerichteten Unternehmen praktiziert.
Die Unternehmen bleiben rechtlich und wirtschaftlich selbständig. Nur im Bezug auf die gemeinsame Zielerfüllung müssen die relevanten Geschäftsfelder untereinander koordiniert werden. 32
26 Vgl. § 5b + §5c GWB
27 Vgl. Kraege (1997), S. 71 f.
28 Vgl. Dathe (1999), S. 23
29 Die Unternehmen befinden sich auf der gleichen Wertschöpfungsstufe.
30 Vgl. Backhaus (1987), S. 127; Schäfer (1994), S.688
31 Vgl. Wriebe (2001), S.12
32 Vgl. Sydow (1991), S. 17 f.
8
Im Hinblick auf die zeitliche Dauer von strategischen Allianzen ist die Ansicht vorherrschend, dass sie zeitlich begrenzt sind. Hierbei ist aber zu berücksichtigen, dass häufig ein Ende der Zusammenarbeit nicht explizit festgelegt wird. Häufig existieren auch Optionen zur Verlängerung. 33
Unternehmensnetzwerke
Im Gegensatz zu strategischen Allianzen kooperieren bei dieser Form teilweise bis zu 100 Unternehmen zusammen. Sie stellen eine Art totale Kooperation dar, d.h. der Zusammenschluss beschränkt sich nicht auf einzelne Funktionsbereiche. Bei Bedarf werden unter den partizipierenden Unternehmen Informationen und Material ausgetauscht. Dieser Zusammenschluss ist auf einen langfristigen Zeitraum ausgelegt. Durch Änderung der gemeinsamen Ziele ist es möglich, dass sich die Zusammensetzung des Netzwerkes im Laufe der Zeit verändert. Ein weiterer Unterschied zu der strategischen Allianz ist die Richtung der Verbindung. Partnerunternehmen von Netzwerken sind weder aktuelle, noch potentielle Konkurrenten, d.h. sie kooperieren auf vertikaler Basis miteinander. 34
Aulinger 35 unterscheidet drei verschiedene Typen von strategischen Netzwerken:
• Gleichberechtigte Netzwerke:
Alle involvierten Unternehmen werden als gleichwertige Partner angesehen.
• Zentrierte Netzwerke
Die Partnerunternehmen kooperieren mit einem zentralen Unternehmen.
• Emergente Netzwerke
Dieser Netzwerktyp entsteht durch die Überlagerung von mehreren unabhängigen Kooperationen.
33 Vgl. Justus (1999), S. 30
34 Vgl. Wriebe ( 2001), S. 16 f.; Sydow (1991), S. 24
35 Vgl. Aulinger: www.aulinger.com: Unternehmenskooperationen: Eine Einführung, Kapitel 5
9
Coopetition
Diese neumodische Bezeichnung für Kooperationen entstand aus den Bestandteilen von „Cooperation“ und „Competiton“, und wurde von Ray Noorda, Gründer des Softwareherstellers Novel, kreiert. 36 Dieses „Kunstwort“ bezeichnet eine Strategie, nach der Anbieter auf einer Wertschöpfungsstufe 37 partiell vertrauensvoll miteinander kooperieren, zum Vorteil von beiden Partnern und zum Nutzen der Kunden. 38 Gerade bei F&E-Kooperationen wird oft von Coopetition gesprochen, wenn Unternehmen der gleichen Wirtschaftsstufe zusammen arbeiten. Speziell in dieser Kooperationsart spielt das Vertrauen auf Grund der sensiblen Daten, die die Partnerunternehmen austauschen müssen eine essentielle Rolle, um den Erfolg der Zusammenarbeit zu gewährleisten. 39
36 Vgl. Mohe (1999), S.14
37 Also eine Kooperation unter Konkurrenten.
38 Vgl. Dathe (1999), S. 22
39 Zum Vertrauen als Bindungselement wird ausführlich in Kapitel 5 eingegangen.
10
Quote paper:
Bernd Decker, 2002, Unternehmenskooperationen im Bereich Forschung und Entwicklung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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