Gliederung
Teil I: Zugang zum Thema 6
1. Einleitung 6
1.1 Problemstellung 6
1.2 Aufbau 8
1.3 Forschungsstand 8
Teil II: Zahlen und Fakten 12
2. Statistik 12
2.1 Häufigkeit des Konsums alkoholischer Getränke 13
2.2. Art der konsumierten Getränke 14
2.2.1 Konsumfertig gemischte bier- bzw. weinhaltige Mischgetränke 14
2.2.2 Bier 14
2.2.3 Spirituosen 15
2.3 Konsummuster 16
Teil III: Begrifflichkeiten 17
3. Das Jugendalter 17
3.1 Historische Betrachtung 17
3.2 Definition und Abgrenzung 18
3.2.1 Abgrenzung Kindheitsalter - Jugendalter 19
3.2.2 Abgrenzung Jugendalter - Erwachsenenalter 21
3.2.3 Die „Peer-Group“ 22
4. Alkohol - was ist das? 24
4.1 Wirkung des Alkohols 24
4.1.1 Wirkung auf den Organismus 25
4.1.2 Wirkung auf das Verhalten 26
5. Alkoholmissbrauch und -sucht 26
2
6. Verlaufsphasen des Alkoholismus 28
6.1 Voralkoholische Phase 28
6.2 Einstiegsphase 28
6.3 Kritische Phase 28
6.4 Chronische Phase 29
7. Haupttypen von Alkoholkranken 29
8. Faktoren des jugendlichen Alkoholkonsums 29
8.1 Ursachen 29
8.2 Konsum im sozialen Umfeld 32
9. Datenerhebung 34
9.1 Qualitative Interviews 34
9.2 Warum narratives Interview? 34
9.3 Biographisches Interview 35
9.3.1 Narratives Interview 35
9.3.1.1 Darstellungsformen in Erzählungen 36
9.3.1.2 Phasen des narrativen Interviews 37
9.3.1.3 Leitfrageninterview 39
Teil V: Auswertung der Interviews 40
10. Typenbildung 40
10.1 Alkoholabstinenz 40
10.2 Erstkonsum in der Herkunftsfamilie 40
10.3 Konsum in der Gleichaltrigengruppe 41
11. Auswertung der Interviews im Hinblick auf die zu planende Präventionsmaßnahme 42
Teil VI: Prävention 44
12. Was ist Prävention? 44
3
13. Arten von Prävention 44
13.1 Primärprävention 44
13.2 Sekundärprävention 45
13.3 Tertiärprävention 45
14. Außerschulische Präventionsarbeit 46
Teil VII: Präventionsmaßnahme: Dem Alkohol (k)eine Chance 47
15. Situations- und Problembeschreibung 47
16. Planung der Maßnahme 48
16.1 Der geeignete Ort 48
16.2 Festlegung der Ziele 48
16.2.1 Zielebenen 48
16.2.2 Zielbereiche 49
16.3 Festlegung der Inhalte 49
16.4 Didaktisch-methodische Vorgehensweise 50
16.5 Auswahl der geeigneten Lehr- und Lernmittel 56
16.6 Zeitplanung 56
16.7 Teilnehmer 56
16.8 Vorbereitung der Veranstaltung 57
17. Erfolgssteuerung in der Trainingsphase - Maßnahmen zur prozessorientierten und
ergebnisorientierten Erfolgssteuerung 58
17.1 Prozessbegleitende Erfolgssteuerung begleitende Beobachtung und Einflussnahme im
laufenden Prozess 58
17.2 Ergebnisorientierte Erfolgssteuerung 59
18. Zusammenfassung 60
18.1 Fazit 61
18.2 Ausblick 61
Teil IX: Literaturverzeichnis 62
Selbstständig erschienene Literatur: 62
Unselbstständig erschienene Literatur: 65
4
Teil X: Anhang 69
A 1 : Transkriptionsregeln 69
A 2 : Transkribiertes Interview Kim 69
Interviewsituation 77
Strukturelle Beschreibung 77
5
Teil I: Zugang zum Thema
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
Alkoholische Getränke - besonders Bier und Wein - stellen, uralte Genussmittel dar, die schon seit Jahrtausenden von Menschen hergestellt und konsumiert werden. Alkohol ist die weltweit am häufigsten konsumierte psychoaktive Substanz und auch die Alkoholabhängigkeit ist weltweit eine der häufigsten Erkrankungen (vgl. Bellutti 2006, S. 63).
In Deutschland trinken mehr als zehn Millionen Menschen Alkohol in gesundheitlich riskanter Form und überschreiten damit regelmäßig die empfohlenen Grenzen des Konsums. Als alkoholabhängig gelten circa 1,6 Millionen Menschen, 20 Prozent im Alter von 12 bis 25 Jahren trinken in Deutschland regelmäßig Alkohol. Sie folgen dabei einer in der Gesellschaft weit verbreiteten unkritisch positiven Einstellung zum Alkohol. Der Pro-Kopf-Verbrauch eines Deutschen liegt bei zehn Liter reinem Alkohol pro Jahr. Somit liegt Deutschland im oberen Drittel des internationalen Vergleichs. Alkoholische Getränke sind in Deutschland zu anderen Lebenshaltungskosten relativ billig (vgl. Tücke/Burger 2007, S. 379).
Alkohol wird häufig nicht als Droge, sondern als Genussmittel angesehen - er ist integraler und ritualisierter Bestandteil unserer Kultur (Tossmann/Weber 2001, S. 15). Dies gilt selbst dann, wenn der Alkoholkonsum dazu dient, einen Rauschzustand hervorzurufen (vgl. Albrecht/Groenemeyer/Stallberg 1999, S. 174). Alkohol wird von Angehörigen aller gesellschaftlichen Schichten in nahezu allen Lebenssituationen, auch weitgehend unabhängig vom Alter, getrunken. Eine positive, sozial erwünschte Wirkung des Alkohols besteht in der Steigerung des Wohlbefindens, der Erhöhung der Stimmung und Kontaktfähigkeit sowie der Minderung von Hemmungen, Unsicherheiten und Ängsten. Besonders bei Familienfeiern, Partys, Vereinsgesellschaften und Betriebsausflügen wird das „Über-den-Durst-Trinken“ von den meisten Menschen für legitim gehalten (vgl. Hurrelmann/Bründel 1997, S. 174f.).
Bereits Kinder erfahren in frühen Jahren Alkoholgenuss als sozial eingewobenes und akzeptiertes Genussmittel. Bereits in der Herkunftsfamilie, der Verwandtschaft und im gesamten Bekannten-
6
kreis der Eltern erfahren sie die hohe Bedeutung des Konsums dieses Stoffes - er gehört zur Normalität des Alltags. Für Jugendliche erhält Alkohol seine hohe Attraktivität durch das ihm zugeschriebene Reifeversprechen: Er verheißt soziale Anerkennung, soll die Kontaktaufnahme erleichtern, entspannend und konfliktlösend sein. Es wundert daher nicht, dass das Einstiegsalter ständig sinkt und derzeit bei etwa 14 Jahren liegt. Alkoholtrinken bis zum Rausch ist gesellschaftlich akzeptiert.
In den vergangenen Jahren hat der frühe und riskante Alkoholkonsum unter Kindern und Jugendlich stark zugenommen, unter anderem hat sich die Zahl der Teenager, die mit einer Alkoholvergiftung in eine Klinik eingeliefert wurden, innerhalb weniger Jahre fast verdoppelt (vgl. Drogenbeauftragte der Bundesregierung 2007, S. 29), auch die folgenden Fälle von Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen sind ein Kennzeichen dieser Entwicklung. „Koma-Saufen“, „Binge-Drinking“ 1 , Flatratepartys usw. sind in aller Munde. Fast jeder kennt den 16jährigen Gymnasiasten aus Berlin, der sich mit angeblich 50 Tequila ins Koma trank und in der Woche vor Ostern starb (Hunfeld 2007, S. 37). In Wittenberg fanden Passanten im Juli 2007 einen 16jährigen hilflos auf einer Straße liegend - Diagnose 4,3 Promille Alkohol im Blut. In Berlin wurde ein 15jähriges Mädchen mit einem Alkoholpegel von 4,1 Promille ins Krankenhaus eingeliefert (Lendorff 2007). Die hier aufgezählten Fälle sind bei Weitem keine Einzelfälle. Ausgehend von den vermehrten Fällen jugendlichen Alkoholmissbrauchs in Deutschland soll in der vorliegenden Arbeit untersucht werden, ob 16jährige Mädchen aus einer Großstadt in Sachsen die Erfahrungen teilen können, die weiter oben bereits genannt wurden. Daraus resultierend sollen folgende Fragen im Rahmen dieser Forschungsarbeit beantwortet werden: Trinken die Befragten überhaupt Alkohol? Wie sehen die interviewten 16jährigen Mädchen ihren Alkoholkonsum? Welche alkoholischen Getränke konsumieren sie? Wann und warum trinken sie? Welche Rolle spielen die Familie und die Peers? Die Datenerhebung im Rahmen dieser Arbeit erfolgte mittels narrativer Interviews.
1 Damit ist der Konsum von mehreren Gläsern alkoholischer Getränke hintereinander innerhalb kurzer Zeit gemeint.
7
1.2 Aufbau
Der Einleitung folgt ein statistischer Teil (Teil II), der zeigt, wie weit Alkoholkonsum bei Jugendlichen verbreitet ist, wie viel sie trinken und welche Art von alkoholischen Getränken sie konsumieren. Teil III befasst sich mit Begrifflichkeiten wie Jugendalter, Alkohol, Alkoholismus und insbesondere Jugendalkoholismus. Dabei ist es von besonderer Bedeutung das Jugendalter zum einen vom Kindheitsalter und zum anderen vom Erwachsenenalter (Punkt 3) abzugrenzen. Des Weiteren wird untersucht, welche Rolle die Peer-Group auf dem Weg zum Erwachsenwerden spielt. Der nächste Themenkomplex (Punkt 4) ist der Substanz Alkohol und ihrer Auswirkung auf Organismus und Verhalten gewidmet. Es werden auch die Verlaufsphasen des Alkoholismus und die Haupttypen von Alkoholkranken nach Jellinek vorgestellt, sowie die möglichen Ursachen für den Jugendalkoholismus. In Teil IV werden die in der empirischen Untersuchung verwendeten Methoden vorgestellt und erläutert. Teil V der vorliegenden Arbeit ist der Auswertung der Interviews gewidmet. Teil VII der vorliegenden Arbeit beinhaltet die von mir geplante Präventionsmaßnahme für den außerschulischen Bereich. Teil VIII fasst die Erkenntnisse der Arbeit zusammen, beantwortet die in der Einleitung gestellte Forschungsfrage und es wird ein Blick in die Zukunft gewagt.
1.3 Forschungsstand
Zum Thema Alkoholmissbrauch/Risikoverhaltenweisen bei Jugendlichen existieren viele Studien, die meist den jugendlichen Konsum unterschiedlicher psychoaktiver Substanzen betrachten. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) beobachtet seit 1973 die Entwicklung des Alkoholkonsums bei Jugendlichen. In der letzten Wiederholungsbefragung 2004 wurde neben Tabakkonsum und Gebrauch von illegalen Substanzen, auch der Konsum des Alkohols bei Personen im Alter von 12 bis 25 Jahren untersucht. Die Erhebung der Daten erfolgte mittels computergestützten Telefoninterviews. Obwohl Deutschland in der Spitzengruppe beim Pro-Kopf-Alkoholkonsum liegt, konnte für die Gruppe der Jugendlichen in den letzten 30 Jahren eine positive Veränderung beobachtet werden - der Alkoholkonsum, insbesondere der von Bier, ist seit 1973 rückläufig (vgl. BzgA 2004, S. 19). Nach den Ergebnissen der Drogenaffinitätsstudie der BzgA hatten 61 Prozent der 12- bis 25jährigen schon einmal einen Alkoholrausch (vgl. BzgA 2004, S. 27). Formen intensiven Alkoholkonsums, wie z. B. Binge-Drinking, kommen sehr viel häufiger bei männlichen Personen vor als bei weiblichen (vgl. BzgA 2004, S. 25). Die Gruppe
8
der 16- bis 19jährigen trinkt am meisten regelmäßig Alkohol und sie sind auch häufiger betrunken. Mädchen und Jungen haben ihre ersten Rauscherfahrungen im gleichen Alter. Das Durchschnittsalter beträgt für Mädchen 15, 6 Jahre und für Jungen 15,5 Jahre. Die Untersuchung zeigte auch, dass mit Einführung der Alkopops Jugendliche häufiger und auch mehr Alkohol trinken. Der Anteil ist von 30 Prozent im Jahr 2001 auf 34 Prozent im Jahr 2004 gestiegen. Eine sehr häufige Freizeitaktivität ist das Zusammensein mit Freunden an Orten, an denen Alkohol ständig präsent ist, wie z.B. die Peer-Group oder das Besuchen von Partys. Als Hauptmotiv jugendlichen Alkoholkonsums gaben 67 Prozent der Befragten an, dass Alkohol die Stimmung fördert, wenn man mit anderen Menschen zusammen ist (vgl. BzgA 2004, S. 5f.).
Eine weitere Untersuchung führte die Psychologin Nora Bellutti mit 17- bis 20jährigen Jugendlichen durch. Es wurden 162 SchülerInnen befragt und die Datenerhebung erfolgte mittels eines Fragebogens (vgl. Bellutti 2006, S. 85). Die Konsumfrequenz lag im mittleren Bereich, d. h. dass die große Mehrheit (77 Prozent) der Befragten konsumiert ein- bis zweimal pro Woche Alkohol. 20 Prozent trinken weniger als einmal im Monat und nur drei Prozent mehr als dreimal pro Woche. Zudem wurde das Konsumverhalten der befragten Jungen und Mädchen getrennt voneinander betrachtet; es wurden deutliche Unterschiede sichtbar. Die Anzahl der Mädchen die nur einmal pro Monat Alkohol trinken, ist mehr als doppelt so hoch, wie die der befragten männlichen Altersgenossen. 17 Prozent der Mädchen trinken ein- bis dreimal in der Woche Alkohol; Jungen konsumieren deutlich mehr Alkohol in der angegebenen Zeit (37 Prozent) (vgl. Bellutti 2006, S. 102 ff.). In dieser Studie kam Bellutti zu dem Ergebnis, dass Jungen deutlich häufiger Alkohol konsumieren als Mädchen; sie trinken eine größere Menge an einem normalen Ausgeh-Abend und üben auch das Binge-Drinking öfters aus als Mädchen. Mädchen bevorzugen eher alkoholhaltige Mixgetränke, wobei Jungen eher zu Bier greifen (vgl. Bellutti 2006, S. 122 ff.).
Die “Health Behaviour in School-aged Children”-Studie ist ein internationales Forschungsvorhaben, das seit 1982 in vierjährigem Turnus durchgeführt und von der Weltgesundheitsorganisation unterstützend begleitet wird. Auch in der Bundesrepublik Deutschland wurden in verschiedenen Bundesländern 2 über 20.000 10- bis 16jährige Jugendliche befragt. In der HBSC-Studie, die einzige Studie die repräsentative Angaben über den Substanzkonsum im frühen Jugendalter (vgl. Settertobulte/Richter 2007, S. 8) liefert, wurde neben Tabak und Cannabiskonsum auch auf die
2 Nordrhein-Westfalen, Hessen, Sachsen, Berlin, Hamburg
9
Konsummuster und Trends von Alkohol eingegangen - der Schwerpunkt der Befragung lag beim regelmäßigen Konsum (vgl. Richter/Settertobulte 2003, S. 105).
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass erste Erfahrungen mit Alkohol vor dem 20. Lebensjahr gemacht werden; das Einstiegsalter hat sich weiter nach vorn verlagert. Die Frage nach dem Alter des ersten Alkoholkonsums beantworteten die befragten 15jährigen durchschnittlich mit 13,2 Jahren (vgl. Settertobulte/Richter 2007, S. 15). In der oben genannten Altersgruppe in Deutsch-land ist der Konsum von Alkohol sehr weit verbreitet (vgl. Richter/Settertobulte 2003, S. 105). Knapp die Hälfte der befragten Jugendlichen hat bereits Erfahrungen mit Alkohol gesammeltdiese Erfahrungen beschränken sich meist nur auf einen Experimentier- oder Probierkonsum. Dennoch gibt es eine Teilgruppe von Jugendlichen, die regelmäßig Alkohol trinkt (13 Prozent) (vgl. Langness/Richter/Hurrelmann 2003, S. 307f.). Auffallend ist, dass die Konsumhäufigkeit von Alkohol stark vom Geschlecht abhängig ist. Jungen trinken häufiger regelmäßig Alkohol, berichten häufiger von ihren Alkoholerfahrungen und erleben ihren ersten Alkoholrausch früher als Mädchen der gleichen Altersstufe. Betrachtet man die Ergebnisse für den Konsum der einzelnen Getränkearten, so zeigt sich, dass Bier bei den männlichen Befragten das beliebteste Getränk ist. Alkopops und andere alkoholhaltige Getränke, wie Wein/Sekt und Spirituosen, werden von 9,6 Prozent der Jungen und 5,8 Prozent der Mädchen regelmäßig konsumiert. Die Jugendlichen wurden in der HBSC-Studie gefragt, ob sie schon einen Alkoholrausch hatten. Das in der Studie ermittelte durchschnittliche Alter der ersten Trunkenheit liegt bei 15jährigen bei 13,9 Jahren. Auffällig ist, dass Jugendliche recht kurz nach der ersten Alkoholerfahrung auch soviel trinken, dass sie betrunken sind. Bereits fünf Prozent der 11jährigen Jungen hatten in ihrem Leben einen Alkoholrausch; bei den weiblichen Altersgenossen sind dies lediglich 1,7 Prozent (vgl. Settertobulte/Richter 2007, S. 20f.). Die Studie zeigt auch, dass der sozioökonomische Status der Jugendlichen eine eher untergeordnete Rolle beim Substanzkonsum einnimmt (vgl. Richter/Settertobulte 2003, S. 113 - 119).
In Europa wird in größeren Abständen eine bevölkerungsepidemologische Studie 3 bei schulpflichtigen Jugendlichen mit dem Thema psychoaktive Substanzen durchgeführt, in deren Rahmen SchülerInnen neunter und zehnter Klasse befragt werden. Deutschland hat im Jahre 2003 erstmals an dieser Studie teilgenommen. Es wurden SchülerInnen aus Bayern, Berlin, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen zum Konsum psychoaktiver Substan-
3 EuropäischeSchülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen (ESPAD
10
zen befragt (vgl. Kraus/Heppekausen/Barrera/Orth 2004, S. 3). Auch das IFT hat herausgefunden, dass der Alkoholkonsum bei SchülerInnen der neunten und zehnten Klasse weit verbreitet ist. Nur drei Prozent der Befragten gaben an, noch nie Alkohol konsumiert zu haben. Die Trinkfrequenz der Jungen ist höher als die der Mädchen. Des Weiteren wurden die Schülerinnen und Schüler dazu befragt, wie hoch der Konsum der Alkoholika bei ihrer letzten Trinkgelegenheit war - die Befragen gaben einen eher geringen Konsumumfang an. Wie bereits bei den vorher vorgestellten Untersuchungen, wurde auch hier herausgefunden, dass Jungen häufiger größere Mengen jeden alkoholischen Getränks trinken als Mädchen. 74,7 Prozent der SchülerInnen gab an, dass sie mindestens einmal in ihrem Leben betrunken waren. Bei der Jungen liegt der Anteil um einige Prozentpunkte (77,5 Prozent) höher, als bei den Mädchen (72,1 Prozent). Bei der Frage nach dem ersten Alkoholkonsum zeigte sich, dass die Hälfte der Befragen bis zum Alter von 12 Jahren bereits Erfahrungen mit Alkohol gemacht hat (vgl. Kraus/Heppekausen/Barrera/Orth 2004, S. 47 - 55).
11
Teil II: Zahlen und Fakten
2. Statistik
In diesem Abschnitt soll verdeutlicht werden, wie präsent Alkohol für Jugendliche in Deutsch-land ist. Dabei soll gezeigt werden, wie oft junge Erwachsene Alkohol konsumiert, welche Art von Alkohol sie trinken und wie viel sie trinken. Männliches und weibliches Geschlecht sollen einmal getrennt voneinander und zum anderen gesamt betrachten werden. Alkohol ist bei Jugendlichen neben Nikotin die am weitesten verbreitete Substanz: 92 Prozent der befragten Jugendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren haben nach Datenlage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Erfahrungen mit Alkohol (vgl. BzgA 2001, S. 9)
Das folgende Diagramm zeigt, dass der Anteil der 12 - 25jährigen die schon sechs Mal und mehr betrunken waren von 1997 bis 2004 bei beiden Geschlechter angestiegen ist. Der Anteil der weiblichen Trinker hat sich von 1997 bis 2004 also verdoppelt (vgl. Dahlkamp/Kaiser/Ludwig 2006, S. 87).
Abbildung 1: Anteil junger Menschen mit Rauscherfahrung
25
20
15
10
5
0
(eigene Zusammenstellung aus: BzgA 2007, S. 8)
12
2.1 Häufigkeit des Konsums alkoholischer Getränke
Das Alter stellt ein sehr bedeutsames Merkmal für die Höhe des Alkoholkonsums dar. Der regelmäßige (wöchentliche) Konsum mindestens eines alkoholischen Getränken liegt in den ersten Monaten dieses Jahres bei 22 Prozent. Sowohl bei 16-/17 jährigen männlichen, als auch bei weiblichen Jugendlichen ist der wöchentliche Alkoholkonsum besonders ausgeprägt. Diejenigen die noch nie Alkohol probiert haben, sind bei 12- bis 15jährigen am häufigsten zu finden. Die Abbildung 1 zeigt, dass deutlich mehr männliche als weibliche Jugendliche (27 Prozent) mindestens einmal pro Woche alkoholische Getränke zu sich nehmen (vgl. BzgA 2007, S. 8).
Abbildung 2: Häufigkeit des Alkoholkonsums im Jahr 2007 (in Prozent) (eigene Zusammenstellung aus: BzgA 2007, S. 8)
2.2. Art der konsumierten Getränke
2.2.1 Konsumfertig gemischte bier- bzw. weinhaltige Mischgetränke
Die befragten männlichen Jugendlichen konsumieren mehr diese Art von Alkoholika als ihre weiblichen Altersgenossen, wobei der Konsum bei den 16-/17jährigen besonders ausgeprägt ist. (46 Prozent) Auch die weiblichen 16-/17jährigen sind die Gruppe, die am ehesten bier- bzw. weinhaltige Mischgetränke konsumiert. 73 Prozent der 12 - 15jährigen trinkt nie vorgefertigte Alkoholika (vgl. BZgA 2007, S. 10).
Abbildung 3: Konsum bier- bzw. weinhaltiger Getränke im Jahr 2007 (in Prozent) (eigene Zusammenstellung aus: BzgA 2007, S. 8)
2.2.2 Bier
Der Bierkonsum liegt bei männlichen Jugendlichen um einiges höher als bei ihren weiblichen Altersgenossen. Männliche Jugendliche im Alter von 16/17 Jahren haben einen sehr hohen monatlichen Bierkonsum (76 Prozent), aber auch von den weiblichen Befragten trinkt jede 2007 mindestens einmal pro Monat Bier. Die Gruppe der männlichen, aber auch weiblichen 12 -15jährigen trinkt weniger oder nie (vgl. BzgA 2007, S. 11).
14
Abbildung 4: Häufigkeit des Bierkonsums 2007 (in Prozent) (eigene Zusammenstellung aus: BzgA 2007, S. 8)
2.2.3 Spirituosen
Der Anteil der Jugendlichen die mindestens einmal pro Monat Spirituosen liegt im Jahr 2007 bei 21 Prozent.
Rund ein Viertel der befragten Jugendlichen konsumieren mindestens einmal pro Monat Alkohol in Form von Spirituosen.
Jeder zweite der 16-/17jährigen konsumierten diese „harten“ Alkoholika, im Gegensatz dazu liegt der Anteil der 12 - 15jährigen nur bei neun Prozent. Jedes dritte Mädchen trinkt ebenfalls mindestens einmal monatlich Spirituosen (vgl. BzgA 2007, S. 13).
15
Abbildung 4: Spirituosenkonsum im Jahr 2007 (in Prozent) (eigene Zusammenstellung aus: BzgA 2007, S. 8)
2.3 Konsummuster
Im Hinblick auf die Konsummuster können bei Jugendlichen drei etwa gleich starke Typen kate-gorisiert werden. 30 Prozent der befragten 12- bis 25jährigen trinken einmal wöchentlich, also regelmäßig Alkohol. 36 Prozent konsumieren unregelmäßig Alkohol und 34 Prozent trinken selten oder nie Alkohol. Im Alter von 12 bis 16 Jahren bilden sich die regelmäßigen Konsummuster heraus, die bis zum 21. Lebensjahr weitgehend konstant bleiben, um bis zum 25. Lebensjahr noch einmal auf 44 Prozent zu steigen.
Die Konsummuster der weiblichen und männlichen Befragten weisen deutliche Unterschiede auf. Junge Männer trinken fast doppelt so viel wie ihre weibliche Altersgenossen. 12 Prozent der jungen Frauen waren in ihrem Leben sechs Mal oder öfters betrunken, wobei der Prozentsatz der männlichen Jugendlichen mehr als doppelt so hoch ist (27 Prozent) (vgl. Laging 2004, S. 113).
16
Teil III: Begrifflichkeiten
3. Das Jugendalter
3.1 Historische Betrachtung
In der heutigen Zeit ist es selbstverständlich von Jugend, Jugendphase oder Jugendalter zu sprechen. Sozialhistorische Analysen belegen, dass die Jugend als eigenständige Lebensphase bis zur letzten Jahrhundertwende nicht bekannt (vgl. Hurrelmann 1994, S. 26) war - als biologische Phase hat sie es immer gegeben. Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts hat sich die der Erwachsenenphase vorgelagerte Lebensphase in ein frühe und späte Phase aufgespaltet, wobei die späte Phase den Namen „Jugendphase“ erhielt (vgl. Hurrelmann 1994, S. 26). Zu diesem Zeitpunkt umfasste diese Phase nur einen kurzen Zeitraum von etwa vier bis fünf Jahren. Sie lag zwischen dem „Eintreten der Geschlechtsreife und dem Austreten aus dem beruflichen Bildungssystem“ (Hurrelmann 1994, S. 26). Aufgrund der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen muss von einer längeren Spanne ausgegangen werden (ca. zehn Jahre), der eine Phase, die Adoleszenz (vgl. Weiss 1991, S. 121), von ca. fünf Jahren nachgelagert ist (vgl. Hurrelmann 1994, S. 26). Im Laufe der Zeit kam es zu einer gesellschaftlichen Abgrenzung der Lebensphase „Kind“ von der des Erwachsenen. Die Zeit vor der Industrialisierung war dadurch geprägt, dass eine einheitliche Orga-nisationsform für das Zusammenleben vorherrscht; Jung und Alt lebten im gleichen Haus, hatte viele gleiche Aufgaben und Beschäftigungen und teilten ganz ähnlich strukturierte Sozialkontakte.
Durch die Industrialisierung und die Verstädterung unterschieden sich die Tätigkeits- und Handlungsbereiche der Kinder und Erwachsenen immer mehr voneinander. Die Erwachsenen bauten sich zunehmend ihre wesentlichen sozialen Beziehungen außerhalb des familiären Bereichs auf. Dies führte dazu, dass Kinder und Erwachsene in ihren alltäglichen Handlungsabläufen vonein-ander getrennt wurden. In den städtischen Regionen wurde dieser Schritt durch ein „neues soziales und pädagogisches Verständnis von Kindsein begleitet und beschleunigt“ (Hurrelmann 1994, S. 27). Somit wurde die „Jugend“ zunächst zu einem historischen Produkt des Bürgertums, das wohlhabend genug war, um eine längere Zeit bis zum Eintritt in das Berufsleben zu finanzieren und dort „forcierte sich auch das idealistische Bild von der Jugend als eine psychosoziale Reifezeit“ (Hurrelmann 1994, S. 30).
17
Jugendliche galten somit nicht mehr als „kleine Erwachsene“, sondern als Individuen, die noch nicht erwachsen sind und sich in einer eigenständigen Phase ihrer Entwicklung befinden (vgl. Hurrelmann 1994, S. 27).
In den 1950er und 1960er Jahren ist die Jugendphase in den Ländern des industrialisierten Westens zu einer allgemeinen gesellschaftlichen Kategorie geworden (vgl. Hurrelmann, 1994, S. 30). Durch den langen Zeitraum der Schulpflicht (in Deutschland: 10 Jahre) ist gewissermaßen ein „Minimum an Jugend für die Angehörigen aller Bevölkerungsgruppen und -schichten garantiert“ (vgl. Hurrelmann, 1994, S. 30). Somit ist die Jugendphase über viele Jahre hinweg durch den Besuch einer Schule geprägt (vgl. Hurrelmann 1994, S. 30).
3.2 Definition und Abgrenzung
Viele wissenschaftliche Disziplinen, wie Soziologie, Politik, Pädagogik, Biologie, Medizin, Rechtswissenschaft u.a. (vgl. Oerter/Montada 2002, S. 259), beleuchten das Jugendalter aus unterschiedlichen Perspektiven. In der Literatur lässt sich keine einheitliche Definition des Jugendalters bzw. der Jugend finden. Dennoch gibt es einen Aspekt, in dem sich die Forscher einig sind: Jugend stellt eine eigenständige Phase im Lebenslauf des Individuums dar, „die durch das Zusammenspiel biologischer, intellektueller und sozialer Veränderungen zur Quelle vielfältiger Erfahrungen wird“ (Oerter/Montada 2002, S. 258). Beginn und Ende sind nicht eindeutig definiert, weil die einzelnen Biographien viel zu unterschiedlich sind (vgl. Raithel 2001, S. 11). Die Altersspanne bei den einzelnen Wissenschaftlern reicht von 11 bis 18 bzw. 21 Jahre (vgl. Oerter/Montada 2002, S. 259) oder von 12 bis 18 bzw. 25 Jahre (vgl. Weiss 1991, S. 121). Das Jugendalter, Zeit des Überganges vom Status Kind zum Status des Erwachsenen, ist dadurch gekennzeichnet, dass der Jugendliche vorübergehend eine Randstellung einnimmt und sein Status unbestimmt ist und sich rasch verändert; eine Ursache für die vielen Schwierigkeiten des jungen Menschen in diesem Altersabschnitt (vgl. Weiss 1991, S. 122).
Klaus Hurrelmann beleuchtet die einzelne Phasen der Biographie näher und anstelle die Phasen zu definieren, versucht er das Jugendalter vom Kindheitsalter und dem Erwachsenenalter abzugrenzen (vgl. Hurrelmann 1994, S. 31ff.).
18
3.2.1 Abgrenzung Kindheitsalter - Jugendalter
Die Entwicklungs- und Persönlichkeitspsychologie nennt mehrere Aspekte, die für eine Unterscheidung zwischen Kinder- und Jugendalter stehen (vgl. Hurrelmann 1994, S. 31). Zentrales Merkmal der Jugendphase ist das Eintreten der Geschlechtsreife bzw. Pubertät, das mit ca. 13 Jahren erfolgt (vgl. Baackes 1993, S.37). Die genitale Reifung beginnt bei Mädchen ein bis zwei Jahre früher als bei Jungen. Bei Mädchen äußert sich die Geschlechtsreife durch ein Wachstum der Brüste oder durch die Entwicklung der pubertären Behaarung und erste Anzeichen bei Jungen sind das beschleunigte Wachstum von Testes und Scrotum 4 (vgl. Baackes 1993, S. 95). Die Ausbildung der Geschlechtsreife stellt einen wichtigen Einschnitt in der Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen dar, die eine völlig neue Form der Verarbeitung von Entwicklungsanforderungen mit sich bringt (vgl. Hurrelmann 1994, S. 31). Durch die Geschlechtsreife kommt es zu einem schlagartigen Ungleichgewicht zwischen der psychischen und physischen Struktur der Persönlichkeit.
Der gesamte Körper verändert sich in anatomischer, physiologischer und hormoneller Hinsicht, „was ein umfassende Anpassung auf körperlichen, seelischen und auch sozialen Ebenen notwendig macht“ (Hurrelmann 1994, S. 31). Zu Beginn der Jugendphase kommt es zu einer beschleunigten Größen- und Gewichtszunahme; bei Mädchen zwischen sieben und zehn Jahren und bei Jungen zwischen zehn und 16 Jahren (vgl. de Wit/van der Veer 1982, S. 45). Bei beiden Geschlechtern gibt es einen Wachstumsschub, der bei Jungen um das Alter von 14 bis 15 Jahren und bei Mädchen ca. zwei Jahre früher liegt (vgl. Oerter/Montada 2002, S. 276). Aus psychologischer Sicht unterscheidet sich das Jugendalter vom Kindheitsalter durch eine völlig andere physische, „physiologische und seelische ‚innere Realität’, die auf eine veränderte soziale „‚äußere Realität’“ trifft und diese auch zugleich mit beeinflusst“ (Hurrelmann 1994, S. 31f.). Auch die Kindheitsphase ist gekennzeichnet durch psycho-physische und psycho-soziale Veränderungen, aber in der Jugendphase treffen diese Prozesse der Auseinandersetzung auf Menschen, die viel selbständiger sind und die Anforderungen und Herausforderungen allein bewältigen müssen. Die Bewältigungsverfahren im Jugendalter sind im Gegensatz zur Kindheit völlig anders. In der Kindheit waren noch „Imitation und Identifikation mit den Eltern die vorherrschenden psychischen Mechanismen“ (Krüger 1994 S. 32), um mit den Anforderungen fertig zu werden, die aber mit dem Eintritt in die Jugendphase ins Abseits gedrängt werden. Die Überwindung in der Ju- 4 Hodenund Hodensack
19
Quote paper:
Anett Stromer, 2007, Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen – eine Möglichkeit der Präventionsarbeit, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Alkoholkonsum als Suchtproblem bei Jugendlichen - Möglichkeiten der Pr...
Pedagogy - Pedagogic Psychology
Examination Thesis, 115 Pages
Jugendliche und Alkoholkonsum - Gesundheitsförderung und Prävention
Termpaper, 19 Pages
Kindeswohl - ein unbestimmter Rechtsbegriff und Kindeswohlgefährdung a...
Internship Report, 20 Pages
Geschlechterunterschiede im Alkohol- und Alcopopskonsum Jugendlicher
Diploma Thesis, 128 Pages
Die Frage nach dem Widerstand innerhalb der Krankenpflege im Nationals...
Termpaper, 15 Pages
Bewältigung chronischer Krankheiten: Das Corbin-Strauss-Modell
Presentation (Elaboration), 17 Pages
Die Rolle des Jugendamtes als "Staatliches Wächteramt" bei K...
Termpaper, 34 Pages
Frühförderung für Kinder aus sozial benachteiligten Familien
Scholary Paper (Seminar), 19 Pages
Über das Berufsbild der Krankenschwetser/-pfleger - Selbstdarstellung...
Research Paper (Pre-University), 50 Pages
Mögliche Probleme und Modifikationen einer indizierten Alkoholpräventi...
Pedagogy - School System, Educational and School Politics
Bachelor Thesis, 68 Pages
Paul Watzlawik und der Konstruktivismus
Communications - Theories, Models, Terms and Definitions
Elaboration, 5 Pages
Anett Stromer's text Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen – eine Möglichkeit der Präventionsarbeit is now available as a printed book
Anett Stromer has published the text Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen – eine Möglichkeit der Präventionsarbeit
Anett Stromer has uploaded a new text
Möglichkeiten der Raucherprävention bei Jugendlichen
Pilotstudie zum einem Raucherp...
Friederike-Marianne Gawlik
Globale Jugend und Jugendkulturen
Aufwachsen im Zeitalter der Gl...
Dirk Villányi, Matthias D. Witte, Uwe Sander
Adoleszenz als Herausforderung...
Barbara Eckey, Achim Haid-Loh, Karin Jacob
Soziale Kompetenz für Jugendliche
Grundlagen und Training
Gert Jugert, Anke Rehder, Peter Notz, Franz Petermann
Partizipation von Kindern und Jugendlichen
Forschungsergebnisse und gesel...
Tanja Betz, Wolfgang Gaiser, Liane Pluto
0 comments