I
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Abkürzungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis V
Tabellenverzeichnis V V
1 Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Zielsetzung 2
1.3 Vorgehensweise und Aufbau 3
2 Demografischer Wandel in Deutschland 5
2.1 Begriffsbestimmung: Demographie und Bevölkerungswissenschaft 5
2.2 Die Geburtenentwicklung 5
2.3 Die demographische Alterung 8
2.4 Die Lebenserwartung 11
2.5 Wanderung/ Migration 13
2.6 Die Bevölkerungsentwicklung bis 2050 Eine Modellrechnung 15
3 Demographischer Wandel und gesetzliche Regelungen 22
3.1 Verlängerung der gesetzlichen Arbeitszeit auf 67 Jahre 22
3.2 Kritische Betrachtung der Rente mit 67 23
3.3 Tarifvertragliche Regelungen für ältere Mitarbeiter 25
3.4 Kritische Betrachtung der tariflichen Regelungen 29
4 Demographischer Wandel in deutschen Unternehmen 31
4.1 Begriffliche Abgrenzung von Erwerbspersonen/ Erwerbspotenzial 31
4.2 Veränderung des Erwerbspotenzials in Deutschland 31
4.3 Fachkräftemangel deutscher Unternehmen 35
4.4 Altersstruktur deutscher Unternehmen 36
4.5 Zusammenfassung und Problematik für Unternehmen 39
5 Demographischer Wandel als unternehmerische Herausforderung 41
5.1 Paradigmenwechsel in der Personalabteilung 41
5.2 Differenzierung alter und junger Arbeitnehmer 43
5.3 Leistungsfähigkeit im Alter 44
5.3.1 Die physische (körperliche) Leistungsfähigkeit 46
5.3.2 Die geistige (kognitive) Leistungsfähigkeit 49
I
I
5.3.3 Die psychische Leistungsfähigkeit 51
5.3.4 Schlussbetrachtung der Leistungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer 53
5.4 Ausgewählte Instrumente der Personalentwicklung 54
5.4.1 Laufbahn- und Nachfolgeplanung 55
5.4.2 Job Rotation, Job-Enlargement und Job-Enrichment 59
5.4.3 Coaching und Mentoring 60
5.4.4 Trainee-Programme 64
5.5 Neue Arbeitszeitmodelle 66
5.5.1 Traditionelle Teilzeit: 66
5.5.2 „mobilZeit“ die neue Generation der Teilzeit 67
5.5.3 Formen von mobilZeit: 69
5.5.4 Beraterverträge als gleitender Übergang in den Ruhestand 71
5.6 Prävention und Gesundheitsförderung 72
5.6.1 Arbeitsunfähigkeit im Unternehmen 76
5.6.2 Der Gesundheitszirkel als organisationsgestaltende Maßnahme 77
5.6.3 Maßnahmen zur Stärkung des Muskel-Skelett Systems 79
5.6.4 Gesunde Ernährung zur Steigerung der Lebensqualität 80
5.7 Diversity (dt. Vielfältigkeits ) Management 81
5.7.1 „Fairness- and Discrimination“ Ansatz 82
5.7.2 „Access- and Legitimacy“ Ansatz 83
5.7.3 „Learning and Effectiveness“ Ansatz 83
5.7.4 Schlussbetrachtung der Diversity-Ansätze 84
5.8 Employer Branding gegen Mangel an Fach- und Führungskräften 85
5.8.1 Personalimage als Erfolgsfaktor 85
5.8.2 Konzeptionelle Umsetzung des Employer Brandings 86
5.8.3 Instrumente des Employer Brandings 89
5.8.4 Kernbotschaften des Employer Brandings 89
5.8.5 Schlussbetrachtung Employer Branding 90
6 Zusammenfassung und kritische Würdigung 91
Anhang 95
Quellenverzeichnis 101
II
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung Abs. Absatz AG Arbeitgeber AN Arbeitnehmer Art. Artikel Aufl. Auflage BAuA Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin Bev. Bevölkerung BiB Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung BMAS Bundesministerium für Arbeit und Soziales BMELV Bundesministerium für
BRD Bundesrepublik Deutschland Bsp. Beispiel bzw. beziehungsweise ca. circa, zirka, ungefähr DEBA Deutsche Employer Branding Akademie Destatis Statistisches Bundesamt DGB deutscher Gewerkschaftsbund DGFP e.V. Deutsche Gesellschaft für Personalführung e.V. DIHK Deutsche Industrie und Handelskammer dt. deutsch e.V. eingetragener Verein etc. et cetera, und so weiter Eurostat Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaften GG Grundgesetz
III
ggf. gegebenenfalls
Hrsg. Herausgeber hrsg. herausgegeben i.d.F. in der Fassung i.d.R. in der Regel IAO Institut Arbeitswirtschaft und Organisation IAT Institut für Arbeit und Technik Jg. Jahrgang KAPOVAZ Kapazitätsorientierte variable Arbeitszeit min. mindestens Mio./ Mill. Millionen o.ä. oder ähnlich o.Ä. oder Ähnliche(s) o.a. oder auch o.V. ohne Verfasser PE Personalentwicklung S. Seite StBA Statistisches Bundesamt Tbl./ Tab. Tabelle TzBfG Teilzeit- und Befristungsgesetz u.ä. und ähnlich u.Ä. und Ähnliche(s) u.a. unter anderem UN United Nations Var. Variante vgl. vergleiche WHO World Health Organization z.B. zum Beispiel z.T. zum Teil
IV
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 : Geburtenentwicklung in Deutschland von 1950 bis 2006 6
Abbildung 2 : Geburtenrate im internationalen Vergleich (2006 ) 7
Abbildung 3 : Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland 1950 9
Abbildung 4 : Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland 2005 10
Abbildung 5 : Altersaufbau in Deutschland, Vergleich 1910 / 1950 / 2005 / 2050 17
Abbildung 6 : Altersaufbau unserer Gesellschaft (absolut und prozentual) 18
Abbildung 7 : Bevölkerungsvorausberechnungen von Eurostat/ StBA/ United Nations 20
Abbildung 8 : Bevölkerung im Erwerbsalter nach Altersgruppen 32
Abbildung 9 : Entwicklung der Bevölkerung im Erwerbsalter (absolut und prozentual) 33
Abbildung 10 : Unternehmensbefragung: Sind offene Stellen derzeit nicht besetzbar? 35
Abbildung 11 : Veränderung der betrieblichen Altersstrukturen 38
Abbildung 12 : Leistungsfähigkeit in Zusammenhang mit ausgeführten Tätigkeiten 48
Abbildung 13 : Arbeitsformen von mobilZeit 68
Abbildung 14 : Kosten der Arbeitsunfähigkeit nach Diagnosegruppen 75
Abbildung 15 : Arbeitsunfähigkeit nach Altersgruppen 2005 76
Abbildung 16 : Verteilung der Arbeitsunfähigkeitstage nach Diagnosegruppen 79
Abbildung 17 : Phasenmodell des Employer Brandings 88
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1 : Durchschnittliche Lebenserwartung Neugeborener von 1997 2006 12
Tabelle 2 : Wanderungssaldo Deutschlands von 1991 bis 2006 14
Tabelle 3 : Replacement Migration - Eine Zielprojektion 15
Tabelle 4 : Die Stärken jüngerer und älterer Arbeitnehmer im Vergleich 46
Tabelle 5 : Vergleich von Einzel , Gruppen- und Systemcoaching 62
Tabelle 6 : Vergleich interner oder externer Coach 62
Tabelle 7 : Nutzen des Mentoring für Mentee, Mentor und Unternehmen 64
Tabelle 8 : Kurzfristige und mittel / langfristige Zielsetzung eines Trainee-Programms 65
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1 Einleitung
1.1 Problemstellung
Die Arbeitswelt wandelt sich: Globalisierung, immer kürzere Halbwertszeit von Wissen, Vergreisung sowie auch eine deutlich bemerkbare Schrumpfung unserer Bevölkerung. Weltweit werden Unternehmen von dieser Entwicklung betroffen sein, insbesondere Betriebe in der Bundesrepublik Deutschland. Die Bevölkerung Deutschlands wird von gegenwärtig rund 82 Millionen bis zum Jahr 2050 auf knapp unter 69 bis 74 Millionen Einwohner abnehmen (nach Angaben der 11. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des StBA) 1 . Eine so deutliche Abnahme der Einwohnerzahl bedeutet zwangsläufig natürlich auch einen schwerwiegenden Rückgang der Erwerbspersonen in Deutschland. Für Unternehmen besagt die zukünftige Abnahme der Einwohnerzahl, dass sie mit einer Schrumpfung und zusätzlich mit einer Veränderung des Erwerbspotenzials in Deutschland umgehen müssen. Das Resultat dieser Entwicklung ist, dass in Zukunft zu wenig nachrückende Arbeitskräfte geboren werden und die Anzahl älterer Arbeitskräfte immer weiter zunehmen wird. Diese Entwicklung stellt in den kommenden Jahren eine sehr große Herausforderung, wenn nicht sogar „die größte Herausforderung“ für die Personalverantwortlichen deutscher Unternehmen dar.
Ein Anlass für Katastrophenszenarien ist heute aber noch nicht gegeben. Die demografische Entwicklung stellt für Unternehmen lösbare Probleme dar. Allerdings ist es wichtig, dass schon heute die personalpolitischen Weichen für die kommenden schwierigen Zeiten gestellt werden. Die Art und Weise wie Betriebe in Zukunft die demografische Veränderung am Arbeitsmarkt erfolgreich bewältigen, kann sogar mittel- bis langfristig einen nachhaltigen Effekt auf den Unternehmenserfolg haben.
1 Vgl. o.V. vom 07.11.2006 online: Im Jahr 2050 doppelt so viele 60-Jährige wie Neugeborene, (Hrsg.) StBA: Pressemitteilung Nr. 464, http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Navigation/Statistiken/Bevoelkerung/ Bevoelkerungsstand/Bevoelkerungsstand.psml, 14.11.2007.
1
1.2 Zielsetzung
Diese Arbeit soll im Allgemeinen einen Beitrag zur Verbesserung der Wahrnehmung von Problemen, im Hinblick auf den demografischen Wandel in der Personalarbeit geben. Zunächst soll die demografische Entwicklung der deutschen Bevölkerung aufgezeigt werden. Mittels aktueller Daten soll der Rückgang der Geburten, die steigende Lebenserwartung und der Rückgang des Wanderungssaldos in Deutschland dargestellt werden. Das statistische Bundesamt prognostiziert anhand einer Bevölkerungsvorausberechnung die Bevölkerungsentwicklung bis ins Jahr 2050. Hier soll einen Einblick in denkbare Entwicklungsprognosen ermöglicht und auf die entstehenden Probleme, verursacht durch die demografischen Veränderungen, aufmerksam gemacht werden. Die Arbeit soll einen Einblick in gesetzliche, sowie tarifliche Regelungen für ältere Arbeitnehmer geben. Sie soll Teilbereiche aufzeigen, die sich auf Betriebsstrukturen und Belegschaften deutscher Unternehmen auswirken können. Durch eine kritische Betrachtung dieser rechtlichen und tarifrechtlichen Regelungen sollen mögliche Effekte auf Einstellungsverhalten von Unternehmen bzw. Austrittsverhalten von Mitarbeitern verdeutlicht werden. Die Arbeit soll hervorheben, dass sich die rückläufige Bevölkerungsentwicklung in gleichem Maße bei der deutschen Erwerbsbevölkerung widerspiegelt. Die demografischen Veränderungen beeinflussen das Angebot an Fachkräften und ebenfalls den Altersdurchschnitt von Belegschaften. Unternehmerische Handlungsoptionen sollen hier als mögliche Lösungsansätze kurz aufgezeigt werden. Im weiteren Verlauf werden dem Leser diese Handlungsoptionen näher erläutert. Die Arbeit soll eine Orientierungshilfe sein, um der rückläufigen Entwicklung von Erwerbspersonen und die dadurch verursachte Knappheit an Fachkräften und Überalterung der Belegschaften nachhaltig entgegen zu wirken. Es werden Wege aufgezeigt, junge aber auch ältere Mitarbeiter im Unternehmen zielgerecht und effizient einzusetzen und diese Arbeitnehmer durch Karrieremodelle im Betrieb zu halten. Ein Prozess des lebenslangen Lernens ist für Unternehmen zukunftweisend. Hier setzt die Arbeit an leicht einsetzbaren und nachhaltig wirksamen Personalentwicklungsmethoden an und erläutert diese. Personalverantwortliche sollen erkennen, dass ältere Mitarbeiter für Unternehmen eine nicht zu unterschätzende Chance auf Weiterentwicklung und Wirtschaftlichkeit darstellen. Sie sollen zukünftig nicht mehr als Belastung angesehen werden. Aus diesem Grund ist es unumgänglich, das bisherige negative Bild des „Alten Mitarbeiters“ in ein besseres Licht zu rücken. Diese
2
Weiterbildung funktioniert jedoch nur wenn die Mitarbeiter ihre Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter behalten. Dies führt zu betrieblichen Präventionsmaßnahmen mit denen der Mitarbeiter für ein längeres Arbeitsleben fit gemacht werden kann. Diversity Management (dt. Vielfaltsmanagement) ist für Unternehmen ebenfalls ein sehr wichtiger Punkt, da sich betriebliche Strukturen hinsichtlich der Alters- und der Geschlechterverteilung ändern werden. Ebenso werden viele außereuropäische Mitarbeiter zur Kompensierung des in Europa bzw. in Deutschland drohenden Fachkräftemangels hinzukommen. Diese Vielfalt sollte nutzenbringend eingesetzt werden und nicht über Gleichstellungsaktivitäten unterdrückt werden. Neben der Einbindung vielfältiger Mitarbeiter in Unternehmen, wird in Zukunft die Beschaffung und Bindung junger Arbeitskräfte eine Schwierigkeit darstellen. Durch zielgerichtete Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung (Employer Branding) haben Unternehmen die Chance neue Arbeitskräfte zu beschaffen und an sich zu binden. Ein Arbeitssuchender muss von einer Organisation überzeugt werden, dass keine Zweifel darin bestehen, welches Unternehmen als späterer Arbeitgeber gewählt wird. In Zukunft wird es nur den attraktiven und interessanten Unternehmen nicht an qualifizierten Mitarbeitern fehlen. Durch den Employer Branding sollen Unternehmen Wege aufgezeigt werden, ihre Erfolge bei der Mitarbeitersuche zu steigern.
1.3 Vorgehensweise und Aufbau
Im Anschluss an die Einleitung erfolgt im Kapitel zwei die wissenschaftstheoretische Fundierung der Arbeit. Bei der Darstellung der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland bezieht sich die vorliegende Arbeit auf Gesamtdeutschland bzw. bei älteren Daten (vor der Wiedervereinigung 03. Oktober 1990) auf das alte Bundesgebiet und wenn vorhanden auch auf die neuen Bundesländer. Hierbei stellt der demografische Wandel drei grundlegende Bereiche dar, wie sich die Bevölkerung entwickelt hat und in Zukunft noch entwickeln wird. Geburtenhäufigkeit, Lebenserwartung und Wanderungen, an diesen Messgrößen wird der demografische Wandel in der BRD dargestellt und durch eine Vorausberechnung des statistischen Bundesamtes für die folgenden Jahre bis ins Jahr 2050 ausgeweitet und analysiert.
Kapitel drei stellt die gesetzliche Erhöhung des Renteneintrittsalter vor und tarifliche Regelungen für ältere Mitarbeiter. Diese haben zum Teil positive aber auch negative
3
Einflüsse auf das Verhalten von Personalverantwortlichen. Diese Regelungen werden dem Leser kurz geschildert und darüber hinaus wird auf den Nutzen und die Auswirkungen dieser Regelungen hingewiesen.
Kapitel vier informiert über die Probleme der deutschen Unternehmen, verursacht durch eine Verschlechterung der Arbeitsmarktbedingungen, hinsichtlich der demografischen Entwicklung. Der Einfluss des demografischen Wandels von der Überalterung bis hin zu fehlenden Nachwuchskräften wird hier erläutert.
Kapitel fünf stellt die Möglichkeiten für Unternehmen dar, die demografische Veränderung des Erwerbspotenzials nachhaltig, durch personalpolitische Maßnahmen zu beeinflussen. Um Probleme dieser Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt und in Unternehmen von vorne herein zu beheben, wird ein nötiger Paradigmenwechsel in der heutigen Personalarbeit behandelt, ohne den Betriebe noch viel früher an Arbeitskräftemangel leiden werden. Als Hilfe für einen Wertewandel in den Personalabteilungen wird der ältere Mitarbeiter definiert und die Leistungsfähigkeit im Alter analysiert. Nach dieser Analyse sollen mögliche Methoden und Instrumente der Personalentwicklung, der Gesundheitsförderung, des Diversity Management und des Employer Branding aufgezeigt werden. Diese werden für Unternehmen zukünftig richtungweisend sein um ausbalancierte Belegschaften zu ermöglichen.
In Kapitel sechs erfolgen eine Zusammenfassung der Resultate aus den vorangegangenen Überlegungen und deren kritische Würdigung der Ergebnisse.
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in dieser Arbeit allein die männliche Form verwendet. Gemeint sind jeweils sowohl die männliche als auch die weibliche Form der genannten Begriffe (wie z.B.: Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer/ Angestellte und Angestellter, usw.).
4
2 Demografischer Wandel in Deutschland
2.1 Begriffsbestimmung: Demographie und Bevölkerungs-
wissenschaft
Die Begriffe Demographie und Bevölkerungswissenschaft werden in unterschiedlicher Weise gebraucht.
„Das Wort Demographie - als der engere Begriff - entstammt dem Griechischen und bedeutet „Volk beschreiben“. Demographie beschreibt also mit Zahlen und Kennziffern, wie sich die Bevölkerungszahl und ihre Strukturen (Alter, Geschlecht, Familienstand, Lebensform, Nationalität, Kinderzahl, Region, Gesundheitszustand u.ä.) durch demographische Verhaltensmuster / Ereignisse (Kinder haben, heiraten, sich scheiden lassen, umziehen, sich gesund erhalten oder sterben) verändern.“ 2
Bevölkerungswissenschaft ist dagegen der weitläufigere Begriff. Bevölkerung wird hier in den Zusammenhang der gesellschaftlichen Verhältnisse gestellt. Untersucht werden die vielfachen Wechselwirkungen zwischen der Bevölkerung und anderen gesellschaftlichen Bereichen wie soziale Sicherungssysteme, Wirtschaft, Politik, Technik oder Umwelt. 3
2.2 Die Geburtenentwicklung
Die Geburtenentwicklung in der Bundesrepublik Deutschland ist rückläufig. Seit Anfang der 70er-Jahre („Pillenknick“) sank der Anteil der Geburten fortwährend.
In der folgenden Grafik (siehe Abb.1/ S.6), ist die Geburtenentwicklung in den letzten Jahren sehr genau zu erkennen. Gegenläufig zu den Geburten im Jahr 1950, bei dem Ost- und West-Deutschland zusammen ca. 1,12 Millionen Geburten zu verzeichnen hatten, waren es 2006 nur noch etwa 670.000, was eine Reduzierung um
2 O.V.: Bevölkerung: Fakten/ Trends/ Ursachen/ Erwartungen - Die wichtigsten Fragen, in: (Hrsg.) BiB, Sonderheft der Schriftenreihe des BiB, 2. Aufl., Wiesbaden 2004, S.7.
3 O.V.: Bevölkerung: Fakten/ Trends/ Ursachen/ Erwartungen - Die wichtigsten Fragen, in: (Hrsg.) BiB, Sonderheft der Schriftenreihe des BiB, 2. Aufl., Wiesbaden 2004, S.7.
5
ca. 40 Prozent darstellt. Seit Beginn der Siebziger liegt die Geburtenziffer 4 dauerhaft unter dem Wert von 2,1 Kindern pro Frau. Nur eine Geburtenziffer über 2,1 würde jedoch eine gleich bleibende bzw. steigende Bevölkerungszahl garantieren. Von 100 Frauen werden derzeit nur noch 134 Kinder, also pro Frau nur noch ca. 1,34 Kinder geboren. Das ist zu wenig, um Lebensqualität, soziale Sicherheit und Wachstum zu erhalten. 5
Abbildung 1: Geburtenentwicklung in Deutschland von 1950 bis 2006
6 Quelle: Eigene Darstellung, basierend auf Daten des StBA .
Interessant ist auch die Entwicklung der Geburtenziffern weltweit. Anhand der Geburtenzahlen im internationalen Vergleich (siehe Abb.2/ S.7) ist erkennbar, wie Deutschland im Vergleich zu europäischen bzw. außereuropäischen Ländern eine der schlechtesten Geburtenziffern aufweist. Deutschland gehört mit einer zusammengefassten Geburtenanzahl von deutlich unter 1,5 Kindern pro Frau bereits seit Jahren zu den Staaten mit der niedrigsten Geburtenhäufigkeit. Europa ist der einzige Kontinent, auf dem es 2050 weniger Menschen geben wird als heute. Die Geburtenraten sind in Europa momentan am niedrigsten, daher wird die europäische
4 Zahl der Kinder, die eine Frau im Alter von 15 Jahren im Verlauf ihres weiteren Lebens bekommen würde, wenn sie sich hinsichtlich ihres Geburtenverhaltens so verhalten würde wie alle betrachteten Frauen von 15 bis 49 Jahren des entsprechenden Berichtsjahres.
5 Vgl. o.V.: Familie ja, Kinder nein. Was ist los in Deutschland? - Monitor Familiendemographie, Ausgabe 1-3; (Hrsg.) Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Berlin 2005, S.6.
6 Vgl. o.V. vom 25.11.2007: Zusammenfassenden Übersichten für Eheschließungen, Geborene und Gestorbene (Excel-Datei); (Hrsg.) StBA, Wiesbaden 2007.
6
Bevölkerung laut der mittleren Vorausberechnung der Vereinten Nationen um 67 Millionen Menschen abnehmen. Das fortwährende Wachstum der Weltbevölkerung, wird nur noch von den Entwicklungsländern gestützt. Allein dort wird die Zahl der Menschen von heute 5,4 Milliarden auf 7,9 Milliarden im Jahr 2050 zunehmen. In den 50 ärmsten Ländern der Welt, wird sich die Bevölkerung sogar mehr als verdoppeln. 7
Abbildung 2: Geburtenrate im internationalen Vergleich (2006)
8 und des Omnia-Verlag 9 (außereuropäische Länder enthalten für Quelle: Eigene Darstellung basierend auf Daten der Eurostat das Jahr 2006 vorausberechnete Werte).
Ursache für die niedrige Geburtenrate in Europa und vor allem in der Bundesrepublik, ist der Übergang von weitgehend agrarischen zu industriellen Gesellschaften, der zu mehr Wohlstand, einem insgesamt höheren Lebensstandard undauch bei den Frauen - den Wunsch nach Selbstverwirklichung geführt hat. Die steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen, sowie ein höherer Stellenwert von Freizeit wirken sich negativ auf das generative Verhalten aus. Entscheidungen werden zunehmend für Freizeit und Beruf gefällt, nicht aber zugunsten der Familienplanung. 10 Die Gründe der Präferenzverschiebungen sind dabei u.a. in den veränderten sozialen Rahmenbedingungen zu suchen, da sich durch Übertragung sozialer Pflichten von der Familie auf den Staat der Nutzen eigener Kinder als Absicherung
7 Vgl. Schwentke, B. vom 28.3.2007 online: Demografie der Armut, http://www.zeit.de/online/2007/11/demografie, 20.11.2007.
8 Vgl. o.V. online: Geburtenhäufigkeitsziffern nach Folge und Alter, nach Generation, (Hrsg.) Eurostat, http://epp.eurostat.ec. europa.eu/portal/page?_pageid=1996,45323734&_dad=portal&_schema=PORTAL&screen=welcomeref&close=/popula/pop/de mo/demo_pop&language=de&product=EU_MASTER_population&root=EU_MASTER_population&scrollto=386, 15.11.2007.
9 Vgl. o.V. online: Die Regionen der Welt: http://www.omnia-verlag.de/weltimwandel/php/start.php?id=827&bc=-3063-827, (hrsg.) Omnia Verlag, Stuttgart 2007, 15.11.2007.
10 Vgl. Prezewowsky, M.: Demografischer Wandel und Personalmanagement - Herausforderungen und Handlungsalternativen vor dem Hintergrund der Bevölkerungsentwicklung, (Hrsg.) Ackermann, K.-F.; Wagner, D.,1. Aufl., Wiesbaden 2007,S.23 f.
7
für Not, Krankheit und Alter verringert hat. 11 Zudem kann man den Geburtenrückgang auch auf ein besseres Wissen über Empfängnisverhütung zurückführen. Diese Tatsachen wirken sich als ganzes auf die Geburtenentwicklung in der Bundesrepublik aus. Es ist schwer zu sagen, ob es sinnvolle Maßnahmen zur Steigerung der Geburtenrate gibt bzw. noch geben wird. Nur durch eine eventuell noch größere Unterstützung seitens des Staates über finanzielle Mittel (z.B. das 2007 eingeführte Kindergeld/ durch Angebotserhöhung von Kindergrippenplätzen) oder durch Maßnahmen von Unternehmen, mit der Möglichkeit für Mütter, Kinder und Karriere zu vereinen („work-life-balance 12 “), könnte eine Zunahme der Geburtenrate erreicht werden. Über grundlegende Verhaltensänderungen seitens Staat, Unternehmen und der Bevölkerung wäre eine Umkehr der Entwicklung vorstellbar. Diese für die Geburtenrate positive Entwicklung würde jedoch erst mit erheblichem Vorlauf wirksam werden.
Grundsätzlich ist zu erkennen, dass in Deutschland nicht nur die Geburtenhäufigkeit seit 1970 rapide zurückgeht, sondern dass Deutschland auch eine der niedrigsten Geburtenraten weltweit aufweist. Die rückläufige Geburtenzahl ist jedoch nicht der alleinige Verursacher des Bevölkerungsrückgangs. Werden Geburtenhäufigkeit und Sterbefälle gegenübergestellt, wird das ganze Ausmaß von zu wenig geborenen Kindern erst sichtbar: Im Jahr 2006 beispielsweise, starben 149.000 Menschen mehr als geboren wurden 13 .
2.3 Die demographische Alterung
Wie im Kapitel 2.2 bereits dargestellt, werden immer weniger Kinder geboren, was zwangsläufig zu einer drastischen Überalterung unserer Bevölkerung führen wird. Unter Überalterung wird die Veränderung der so genannten Alterspyramide hin, zu einem höheren mittleren Bevölkerungsalter und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Gesellschaft, verstanden. Die Veränderung der Alterspyramide lässt sich am Besten an einer Darstellung aufzeigen (siehe Abb.3/ S.9).
11 Vgl. Baade, D.: Demographischer Wandel und internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands - Eine Analyse basierend auf Porters Ansatz, 1. Aufl., Wiesbaden 2007, S.13.
12 Mit „work-life-balance“ ist die Harmonie zwischen beruflichen und privaten Interessen gemeint, wobei die Gewichtung individuell sehr verschieden sein kann. Unternehmen können durch gezielte Maßnahmen für ihre Mitarbeiter zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben positiv auf dieses Gleichgewicht einwirken (flexible Arbeitszeiten/ Kinderbetreuung/ usw.).
13 Vgl. o.V. vom 05.06.2007: 2006 Geburten, Sterbefälle und auch Bevölkerung gingen zurück, (Hrsg.) StBA: Pressemitteilung Nr. 228, http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2007/06/PD07__228__126, templateId=renderPrint.psml, 20.11.2007.
8
Abbildung 3: Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland 1950
14 Quelle: Altersaufbau der Bevölkerung Deutschlands, 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung.
Wie in der Abbildung 3 aus dem Jahr 1950 zu erkennen ist, stellt sich die Gesamtstruktur der Grafik sehr ausgewogen dar. Sie stellt noch, wie der Namen schon besagt, die Form einer Pyramide dar. Der größte Anteil in der Bevölkerung wird von den 20-64-Jährigen eingenommen. Der Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt hier bei ca. 60 Prozent, über 65 Jahre waren zu dieser Zeit gerade einmal 10 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die restlichen 30 Prozent werden von den 0-19-Jährigen eingenommen. 15
Betrachtet man hingegen die Bevölkerungspyramide von 2005 (siehe Abb.4/ S.10), kann man die Veränderungen hinsichtlich der Altersstruktur in Deutschland erkennen: Aus der damaligen Pyramide wurde eine „dickbäuchige Weinflasche“. Im Altersaufbau von 2005 ist es möglich, zwei deutliche Einschnitte in der Darstellung
14 Vgl. o.V. vom 31.08.2007 online: Animierte Alterspyramide der BRD - 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des StBA (Var. 1-W2),(Hrsg.) StBA, http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/ Bevoelkerung/VorausberechnungBevoelkerung/InteraktiveDarstellung/Content75/Bevoelkerungspyramide1W2,templateId=rend erSVG.psml, 10.11.2007.
15 Ebenda.
9
zu erkennen. Der erste Einschnitt ist das Resultat der niedrigen Geburtenrate während des Zweiten Weltkriegs. Die zweite Einkerbung ist bei den unter 30-Jährigen zu erkennen und lässt sich auf eine in den siebziger Jahren stark zurückgegangene Geburtenrate („Pillenknick“ - Einführung der Antibabypille 1961 in Deutschland) zurückführen. Dazwischen befinden sich die so genannten „Baby-Boomer“ bei denen in den fünfziger und sechziger Jahren die Geburtenziffer je Frau noch über 2,1 Kinder lag. 16
Abbildung 4: Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland 2005
17 Quelle: Altersaufbau der Bevölkerung Deutschlands, 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung. Die deutsche Bevölkerung ist in den letzten 55 Jahren zwar um 13,1 Millionen Menschen angestiegen, doch die Altersstruktur wurde durch zurückgehende Geburten drastisch verändert. Durch die fortschreitende Alterung der „Baby-Boomer“ steigt die Bevölkerungsschicht der über 65-Jährigen von 10 Prozent um fast das doppelte auf 19 Prozent im Jahr 2005 an. Ähnlich wie die Zunahme der über 65-
16 Vgl.o.V. vom 31.08.2007 online: Animierte Alterspyramide der BRD - 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des StBA (Var. 1-W2),(Hrsg.) StBA, http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/ Bevoelkerung/VorausberechnungBevoelkerung/InteraktiveDarstellung/Content75/Bevoelkerungspyramide1W2,templateId=rend erSVG.psml, 10.11.2007.
17 Ebenda.
10
Jährigen, ist bei den 0-19-Jährigen eine Schrumpfung um 10 Prozent zu erkennen,
da die Geburtenrate seit 1970 stetig abgenommen hat und zu wenige Kinder nachgekommen sind. 18
Doch nicht nur eine zurückgegangene Geburtenrate in Deutschland, sondern auch eine gestiegene Lebenserwartung, wie im Kapitel 2.4 erläutert wird, ist für die demografische Veränderung verantwortlich.
2.4 Die Lebenserwartung 19
Parallel zur niedrigen Geburtenrate geht seit rund einem Jahrhundert die Kindersterblichkeit zurück. Des Weiteren steigt die Lebenserwartung der deutschen Bevölkerung stetig an. „Die Lebenserwartung hat sich seit den ersten zuverlässigen Messungen im Jahr 1871 von 35 Jahren für Männer bzw. 38 Jahren bei Frauen bis heute mehr als verdoppelt.“ 20 Betrachtet man die Daten bei einem im Jahr 1970 ge-borenen Jungen, ist die Lebenserwartung im Durchschnitt bei annähernd 67 Jahren. Knapp 30 Jahre später hat dieser schon eine durchschnittliche Lebenserwartung von ca. 77 Jahren, das sind knapp 10 Jahre mehr als ein Säugling 1970 erwarten konnte. Ebenso verhält es sich mit Neugeborenen Mädchen, die 1970 im Schnitt ca. 74 Jahre alt wurden und 30 Jahre später hat sich ihre Lebenserwartung auf ca. 82 Jahre erhöht. Anhand der nachfolgenden Tabelle (siehe Tbl.1/ S.12) kann man eine fortwährende Verbesserung der Lebenserwartung Neugeborener erkennen. Die aktuellen Erhebungen von 2006 besagen, dass die durchschnittliche Lebenserwartung von Mädchen bei 82,1 Jahren und bei Jungen bei 76,6 Jahren liegt. 21
Die steigende Lebenserwartung ist durch Fortschritte in der Medizin, bessere Hygiene, bessere Ernährung, einen gesünderen Lebensstil und einem zunehmenden Wohlstand der Bevölkerung zu begründen. In den neuen Bundesländern war das
18 Vgl. o.V. vom 31.08.2007 online: Animierte Alterspyramide der BRD - 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des StBA (Var. 1-W2), (Hrsg.) StBA, http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/ Bevoelkerung/VorausberechnungBevoelkerung/InteraktiveDarstellung/Content75/Bevoelkerungspyramide1W2,templateId=rend erSVG.psml, 10.11.2007.
19 Die im Rahmen der Arbeit betrachtete Messgröße der durchschnittlichen Lebenserwartung sagt aus, wie viele Lebensjahre ein Neugeborenes Kind zu erwarten hätte, wenn das derzeitige Sterberisiko der Bevölkerung in den einzelnen Altersjahren während seines ganzen Lebens erhalten bliebe.
20 Prezewowsky, M.: Demografischer Wandel und Personalmanagement - Herausforderungen und Handlungsalternativen vor dem Hintergrund der Bevölkerungsentwicklung, (Hrsg.) Ackermann, K.-F.; Wagner, D.,1. Aufl., Wiesbaden 2007, S.24.
21 Vgl. o.V. vom 27.08.2007 online: Lebenserwartung der Menschen nimmt weiterhin zu, (Hrsg.) StBA: Pressemitteilung Nr. 336, http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2007/08/PD07__336__12621,templateId=rend erPrint.psml, 20.11.2007.
11
durch die Wiedervereinigung deutlich zu erkennen, da die Lebenserwartung im Jahr 1991, um ca. 4-5 Jahre, sprunghaft angestiegen ist. Dies ist größtenteils auf verbesserte Lebensqualität und mehr Wohlstand durch den Zusammenschluss von Ost und West zurückzuführen. 22 Von 1970 bis heute, ist in den alten Bundesländern ein konstanter Anstieg der Lebenserwartung um ca. 0,4 Jahre zu erkennen, ebenso seit 1991 im vereinten Deutschland.
Tabelle 1: Durchschnittliche Lebenserwartung Neugeborener von 1997-2006
Quelle: Eigene Darstellung, basierend auf Daten des StBA über die Durchschnittliche Lebenserwartung der Neugeborenen, Wiesbaden 2007.
Auch bei älteren Menschen ist die Lebenserwartung weiter angestiegen. Nach der neuen Sterbetafel 2004/06 beläuft sich die Lebenserwartung von 60-jährigen Frauen auf 24,5 weitere Jahre gegenüber 24,3 Jahren nach der Sterbetafel von 2003/05. 60jährige Männer können 2004/06 statistisch gesehen mit 20,6 weiteren Lebensjahren rechnen. Nach der Sterbetafel 2003/05 waren es durchschnittlich 20,3 Jahre. 23 Diese Daten der gesteigerten Lebenserwartung sind ebenfalls auf bessere medizinische Versorgung und einen höheren Lebensstandard der Menschen zurückführen und bestätigen den konstanten Anstieg der Lebenserwartung um fast 0,4 Jahre. Eine solche Entwicklung ist natürlich keineswegs unerfreulich, doch wirkt sie sich ebenso
22 Vgl. Ziegler, U.; Doblhammer, G.: Steigende Lebenserwartung geht mit besserer Gesundheit einher, http://www.demografische-forschung.org/archiv/defo0501.pdf, (Hrsg.) Hoem, J.M.; Vaupel, J. W.; Max-Planck-Institut für demografische Forschung in: Demografische Forschung - Aus Erster Hand, Rohstock 2005, Jahrgang 2, Nr.1, S.1f.
23 Vgl. o.V. vom 27.08.2007 online: Lebenserwartung der Menschen nimmt weiterhin zu, (Hrsg.) StBA: Pressemitteilung Nr. 336, http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2007/08/PD07__336__12621,templateId=rend erPrint.psml, 20.11.2007.
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drastisch wie die zurückgegangene Geburtenentwicklung, auf die Altersstruktur der Bevölkerung aus.
2.5 Wanderung/ Migration
Obwohl seit 1970 in Deutschland die Geburtenanzahl von Kindern niedriger ist, als die Zahl der gestorbenen Personen, stieg die Einwohnerzahl der BRD dennoch weiterhin an. Das ist unter anderem auf die Zu- und Abwanderung von Personen zurückzuführen.
Der Wanderungssaldo (Einwanderer minus Auswanderer) war seit 1954 meistens positiv. Das bedeutet: pro Jahr sind im Schnitt knapp 125.000 Personen mehr nach Deutschland gekommen als Deutschland verlassen haben. 75 Prozent der zuge-wanderten Personen sind ausländischer Herkunft. Zunächst kamen die Zuwanderer aus Italien, dann aus Spanien, Portugal, Griechenland oder aus dem ehemaligen Jugoslawien und schließlich auch aus der Türkei. Diese Tatsache bedeutet, dass in den letzten Jahrzehnten die Bevölkerungszahl Deutschlands ausschließlich durch Zuwanderungen aus dem Ausland und nicht durch Neugeborene angestiegen ist. Die Zuwanderer sind im Schnitt jünger als die Fortziehenden, daraus resultiert ein stetiger Verjüngungseffekt für die verbleibende ausländische Bevölkerung. Diese Gegebenheit hat die demografische Alterung der Gesamtbevölkerung in Deutschland zwar nicht aufgehalten aber verlangsamt. 24
Seit dem Jahr 2003 setzt bei den Zuwanderungen allerdings ein Rückgang ein. Die Bevölkerungszahlen 2003 und 2004 beispielsweise sind bereits leicht gesunken, da der Zuwanderungsgewinn schwächer ausgefallen ist und dadurch das Geburtendefizit nicht mehr ausgeglichen werden konnte. Die folgende Tabelle dokumentiert die rückläufige Entwicklung des Wanderungssaldos (siehe Tbl. 2/ S.14).
24 Vgl. Walla, W.; Eggen, B.; Lipinski, H.: Der demographische Wandel-Herausforderungen für Politik und Wirtschaft, Stuttgart
2006, S.56.
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Tabelle 2: Wanderungssaldo Deutschlands von 1991 bis 2006
Quelle: Eigene Darstellung basierend auf Daten des StBA, Wanderungen zwischen Deutschland und dem Ausland von 1991
25 bis 2006.
Gründe für die rückläufige Entwicklung der Zuwanderungen liegen in der teilweise fehlenden Attraktivität Deutschlands für hoch qualifizierte Ausländer. Andere Länder, mit denen Deutschland im Wettbewerb um qualifizierte Menschen steht, bieten oft lukrativere Verdienste bei geringeren Steuern und höherer Lebensqualität. Die zögerlich durchgeführten Bildungsreformen in Deutschland können zusätzlich noch als Problem genannt werden. Durch die zögerliche Umsetzung wird die Attraktivität Deutschlands für ausländische Studenten noch weiter geschmälert. 26
Bei der Betrachtung der Wanderungsdaten stellt sich vielen eine interessante Frage: „Kann durch Zuwanderung das Altern gestoppt werden?“
Das Schlagwort für diese Frage lautet „Replacement Migration“. Laut einer Publikation des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung ist diese Möglichkeit, die demografische Alterung zu stoppen, nicht realistisch umsetzbar. Im Rahmen ihrer
25 Vgl. o.V. vom 31.08.2007 online: Wanderungen zwischen Deutschland und dem Ausland von 1991 bis 2006, (Hrsg.) StBA, http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Bevoelkerung/Wanderungen/Tabellen/ Content50/DeutschlandAuslandDiagramm,templateId=renderPrint.psml, 20.11.2007.
26 Vgl. Braun, M.: Demographischer Wandel auf Personalebene-Auswirkungen auf die strategische Personalentwicklung, Saarbrücken 2007, S.8.
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Weltbevölkerungsprojektionen wurde hier von der United Nation Population Division eine so genannte Zielprojektion vorgenommen. Es handelt sich hierbei um rein methodische Ziele, die nicht wirtschaftlich, sozial oder politisch begründet sind. Es ist ein Zahlenspiel, dessen Ergebnisse aber beeindrucken (siehe Tbl.3/ S.15). 27
Tabelle 3: Replacement Migration - Eine Zielprojektion
28 Quelle: Eigene Darstellung basierend auf Daten des BiB.
Diese Zahlen zeigen, wie unrealistisch es wäre, dem Problem Alterung mit verstärkter Zuwanderung begegnen zu wollen. Die damit entstehenden Probleme sind von keinem Land der Welt zu lösen. Zuwanderung kann also das Altern nicht aufhalten, sondern nur die Geschwindigkeit des Alterns vermindern.
2.6 Die Bevölkerungsentwicklung bis 2050 - Eine Modellrechnung
„Bevölkerungsvorausberechnungen zeigen, wie sich die Bevölkerungszahl und der Altersaufbau der Bevölkerung unter bestimmten Annahmen zur Entwicklung wesentlicher Komponenten der Bevölkerungsbewegung - Geburtenhäufigkeit, Sterblichkeit und Wanderungen - innerhalb eines festgelegten Zeithorizonts verändern“ 29 .
27 Vgl. o.V.: Bevölkerung: Fakten/ Trends/ Ursachen/ Erwartungen - Die wichtigsten Fragen, in Sonderheft der Schriftenreihe des BiB, (Hrsg.) BiB, 2. Aufl., Wiesbaden 2004, S.64.
28 Vgl. o.V.: Bevölkerung: Fakten/ Trends/ Ursachen/ Erwartungen - Die wichtigsten Fragen, in Sonderheft der Schriftenreihe des BiB, (Hrsg.) BiB, 2. Aufl., Wiesbaden 2004, S.63f.
29 O.V. vom 31.08.2007 online: Bevölkerungsvorausberechnung (Definition), (Hrsg.) StBA, http://www.destatis.de/jetspeed/ portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/abisz/Bevoelkerungsvorausberechnung,templateId=renderPrint.psml, 01.12.2007.
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Durch die 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des statistischen Bundesamtes ist die Möglichkeit gegeben, die Entwicklung der Bevölkerung bis zum Jahr 2050 zu betrachten (eine ausführlichere Definitionen und die Erklärung der Abwicklung einer Vorausberechnung des StBA können der Anhang 1 auf S.95 entnommen werden). Das statistische Bundesamt verwendet zwölf verschiedene Varianten, die auf verschiedene mögliche Entwicklungen der Bevölkerung eingehen. In dieser Arbeit wird aus vereinfachten Gründen von den Varianten 1-W1/ 1-W2 (mittlere Bevölkerung, Untergrenze/ Obergrenze) ausgegangen.
Die Versionen 1-W1 und 1-W2 basieren auf folgenden Punkten: 30
• Lebenserwartung neugeborener Jungen im Jahr 2050: 83,5 Jahre
• Lebenserwartung neugeborener Mädchen im Jahr 2050: 88,0 Jahre
• Geburtenhäufigkeit (Kinder je Frau) annähernd konstant bei 1,4
• jährlicher Wanderungssaldo (Personen) bei 100.000 Personen (Var. 1-W1)
• jährlicher Wanderungssaldo (Personen) bei 200.000 Personen (Var. 1-W2)
Die restlichen zehn Varianten können in Anhang 2 (S.97) und 3 (S.98) näher betrachtet werden. Die Prognosen der Bevölkerungsvorausberechnung unterscheiden sich lediglich hinsichtlich der geschätzten Lebenserwartung von Männern und Frauen oder bezüglich der Daten welche die Wanderungen und Geburtenraten betreffen. 31
Aufgrund der Varianten 1-W1 und 1-W2 wird sich nicht nur die Bevölkerungszahl reduzieren, sondern auch die Altersstruktur erheblich verändern. Werden die bisherigen reellen Messdaten des Jahres 2005 mit den vorausberechneten Daten des Jahres 2050 verglichen, wird die Auswirkung der zurückgegangenen Geburten und der konstant gebliebenen Zuwanderungen auf die Bevölkerungsstruktur, deutlich.
30 Eisenmenger, M.; Pötzsch, O.; Sommer, B.; in Zusammenarbeit mit Mitarbeiter/ -innen der Gruppe VI des StBA: 11. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung - Annahmen und Ergebnisse/ Entwicklung der Bevölkerung Deutschlands bis
2050, (Hrsg.) StBA, Wiesbaden 2006, S.30ff.
31 Ebenda.
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Abbildung 5: Altersaufbau in Deutschland, Vergleich 1910/ 1950/ 2005/ 2050
Quelle: Eisenmenger, M.; Pötzsch, O.; Sommer, B.; in Zusammenarbeit mit Mitarbeiter/ -innen der Gruppe VI des StBA: 11.
Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung - Annahmen und Ergebnisse/ Entwicklung der Bevölkerung Deutschlands bis
2050, (Hrsg.) StBA, Wiesbaden 2006, S.35.
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Diplom-Betriebswirt (FH) Achim Widmann, 2008, Die Folgen der demografischen Entwicklung für Unternehmen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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