Gliederung
1 Vorbemerkung 2
2 Begriffsklärung 2
2.1 Begriffsklärung anhand der Schritte und Merkmale eines Projekts (GUDJONS)
2.2 Weitere Begriffsklärungen
2.3 Bandbreite des Begriffs „Projekt“ (WELLENHOFER)
3 Historische Entwicklung des Projektunterrichts 7
3.1 Pragmatismus in den USA
3.2 Vorbilder und Vorgänger in Deutschland
3.3 Nachkriegszeit bis heute
4 Begründung für den Projektunterricht (GUDJONS BÖNSCH) 13
4.1 Bildungspolitische Begründung
4.2 Psychologische Begründung
4.3 Pädagogische Begründung
4.4 Sozialisationstheoretische grundschulpädagogische gesellschafltiche Begründung
5 Ziele und pädagogische Intentionen des Projektunterrichts (GERR) 16
6 Voraussetzungen für die Verwirklichung des Projektunterrichts 18
6.1 Organisatorische (äußere) Voraussetzungen
6.2 Personale (innere) Voraussetzungen
7 Projektphasen (FREY) 19
8 Vorteile des Projektunterrichts gegenüber dem Lehrgang 21
9 Probleme und Grenzen des Projektunterrichts 22
10 Schlußbemerkung 24
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Projektunterricht
1 Vorbemerkung
Projekte sind im Berufsleben allgegenwärtig: So spricht man zum Beispiel von industriellen Forschungsprojekten, von öffentlichen Bauprojekten oder Finanzprojekten. Auch im privaten Bereich werden Projekte durchgeführt. In Projekten wird geplant, vorgeschlagen, beraten, Ziele werden angegangen und zu Ende gebracht.
Seit den 80er Jahren hat die Projektidee ein Come-back auch in der Schule erlebt. Im neuen Lehrplan für die Grundschulen, der bereits in Arbeit ist, wird das Projekt ein verpflichtender Baustein für jede Jahrgangsstufe sein. Wie sieht nun die Theorie aus, auf die sich die Projektidee beruft?
2 Begriffsklärung
Der Begriff des Projekts kann aus dem lateinischen Verb „proicere“ abgeleitet werden, das vorwerfen, entwerfen, hinauswerfen bedeutet.
Im Deutschen Sprachgebrauch besitzt es die Bedeutung von Entwurf, Plan, Vorhaben, oder, nach von HENTIG „vorausgeworfenes Wagnis“.
Das Wort „Projekt“ impliziert also bereits die Absicht, den Plan oder den Entwurf auch zu verwirklichen, es schließt die Lösung des Plans schon mit ein.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wird der Begriff „Projekt“ auch im pädagogischen Sinn gebraucht.
Der pädagogische Begriff des Projekts ist allerdings unpräzise, eine klare Definition ist nicht möglich. Es herrscht Uneinigkeit über den Begriff des Projekts als Unterrichtsform vor:
• Projektunterricht (GUDJONS, DUNCKER/GÖTZ, HÄNSEL) • Projektmethode (FREY): FREY knüpft damit an den von DEWEY und KILPATRICK geprägten Begriff an. • Projekt (OTTO)
Am besten kann der pädagogische Begriff des Projekts über seine Merkmale erschlossen werden.
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2.1 Begriffsklärung anhand der Schritte und Merkmale eines Projekts (GUDJONS)
„Projektunterricht ist nicht an die exakte Einhaltung aller 10 Merkmale gebunden, aber umgekehrt kann ein Unterricht, in welchem sich diese Merkmale gar nicht finden, nicht Projektunterricht genannt werden.“ (GUDJONS)
Schritt 1:
Eine für den Erwerb von Erfahrungen geeignete, problemhaltige Sachlage auswählen.
Merkmal 1: Situationsbezug und Lebensweltorientierung
• Der Sachverhalt sollte aus dem direkten Erfahrungsbereich der Schülerinnen und Schüler stammen (tatsächliche, erfahrbare, aktuelle Situation).
• Der Gegenstand der Projektarbeit sind Aufgaben oder Probleme, die sich aus dem Leben ergeben und sind nicht an Fachwissenschaften gebunden. • Hoher Stellenwert praktischer Arbeit und sinnlicher Erfahrung. • Grundsätzlich kann jeder Gegenstand Ausgangspunkt eines Projekts werden.
Merkmal 2: Orientierung an den Interessen der Beteiligten
• Das Wecken von Interessen der Schülerinnen und Schüler ist der erste Schritt. • Der Inhalt des Projekts soll sich an Erfahrungen, Interessen und der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler orientieren.
• Offenheit für im Verlauf des Projekts neu entstandene Interessen.
Merkmal 3: Gesellschaftliche Praxisrelevanz
• Forderung nach gesellschaftlicher Relevanz des Unterrichtsgeschehens: Orientierung an den Problemen der Lebenswirklichkeit, Relevanz für das künftige Leben der Schülerinnen und Schüler, Auswirkungen auf das alltägliche Leben. • Der Projektunterricht darf nicht der völligen Beliebigkeit oder Zufälligkeit verfallen. • Stärkt den gesellschaftlichen Bezug schulischen Lernens.
• Ergebnisse sollen der Öffentlichkeit präsentiert werden. Kenntnisnahme, Beurteilung und Kritik von anderen Personen.
• Vermeiden bloßer Bastelarbeit und Freizeitbeschäftigung.
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Schritt 2: Gemeinsam einen Plan zur Problemlösung entwickeln
Merkmal 4: Zielgerichtete Projektplanung
• Sorgfältige Planung der Abfolge der Arbeitsschritte, der Verteilung von Tätigkeiten und der Zeit. • Mitbestimmung der Schülerinnen und Schüler bei der Entscheidung über Ziele und den dazu zu erwerbenden Qualifikationen.
• Ständiger Vergleich des Verlaufs der Arbeit mit dem ursprünglichem Projektplan.
Merkmal 5: Selbstorganisation und Selbstverantwortung
• Lehrkraft und Schülerinnen und Schüler machen sich gemeinsam sachkundig. • Schülerinnen und Schüler bestimmten (zumindest teilweise) Ziele, Inhalte und Methoden. • Lehrkraft hat vermittelnde, beratende und helfende Rolle inne und gibt Hilfe bei äußerer Strukturierung des Planungsprozesses. • Die Planung muß offen und revisionsfähig bleiben.
Schritt 3: Sich mit dem Problem handlungsorientiert auseinandersetzen
Merkmal 6: Einbeziehen vieler Sinne
• Verbindung von geistiger und körperlicher Arbeit.
• Ganzheitliches Erleben von Theorie und Praxis, Denken und Handeln, Schule und Leben, Verstand und Sinnlichkeit.
• Die Wirklichkeit wird nicht nur beredet, sondern handelnd unter Einbeziehung möglichst vieler Sinne erfahren und gestaltet.
Merkmal 7: Soziales Lernen
• Wesentliche Merkmale für soziales Lernen: Kommunikationsfähigkeit, Kontaktfähigkeit, Kooperationsfähigkeit, Konfliktfähigkeit, Toleranz üben.
• Projektunterricht erfordert Kommunikation, Kooperation, gegenseitige Rücksichtnahme, solidarisches Arbeiten, Umgehen mit eigenen Emotionen und den Emotionen anderer -voneinander und miteinander wird gelernt.
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• Lehrkraft muß demokratische Verhaltensweisen ermöglichen.
Schritt 4: Die erarbeitete Problemlösung an der Wirklichkeit überprüfen
Merkmal 8: Produktorientierung
• Sichtbares Arbeitsergebnis am Ende des Projekts (Produkt, Aktion). • Andere angestrebte Ziele: Persönliche Erfahrungen, veränderte Haltungen und Einstellungen. • Nicht das Produkt ist entscheidend, sondern die Qualität des Prozesses, der zum Produkt geführt hat
• Ergebnis dient auch der Selbstbeurteilung.
Merkmal 9: Interdisziplinarität
• Der Projektunterricht überschreitet mehrere Fachgrenzen, ist aber auch innerhalb eines Fachbereiches möglich.
• Das Problem/die Aufgabe muß in ihrem komplexen Lebenszusammenhang begriffen werden und im Schnittpunkt verschiedener Fachdisziplinen vorgestellt werden.
Merkmal 10: Bezug zum Lehrgang: Grenzen des Projektunterrichts
• Projektunterricht hat dort seine Grenzen, wo andere Unterrichtsformen ihren berechtigten Stellenwert haben.
• Lehrgang (KLAFKI) als notwendige Ergänzung zum Projektunterricht.
Ein Projektunterricht mit Ausprägung aller 10 Merkmale ist sehr utopisch.
Ein Unterricht, der wesentliche, am Projekt orientierte Elemente in sich trägt, sollte daher eher Projektorientierter Unterricht genannt werden.
Diese Art des Unterrichtens bleibt eine Möglichkeit für freies, selbstverantwortliches und selbstorganisierbares Lernen, bei dem die Art und Weise, wie das Lernen abläuft, mindestens ebenso zu bewerten ist wie ein vorzeigbares Produkt oder eine Aktion.
Definition des Projektunterrichts anhand der 10 Merkmale:
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„In einem Projekt geht es um die handelnd-lernende Bearbeitung einer konkreten Aufgabenstellung/eines Vorhabens mit dem Schwerpunkt der Selbstplanung, Selbstverantwortung und praktischen Verwirklichung durch die SchülerInnen.“ (GUDJONS)
Nach THEURER kann der oben aufgeführte Merkmalskatalog allerdings nicht die Frage beantworten, was Projektunterricht eigentlich ist. Sie führt folgende Gründe an:
• Die genannten Merkmale in oben aufgeführtem Merkmalskatalog sind sehr disparat. • Zwischen den Merkmalen besteht nicht immer eine klare inhaltliche Beziehung. • Der Merkmalskatalog ist eher eine Art „Sammelliste“, die erweitert oder gekürzt werden kann. • Viele Merkmale sind Ziele und Prinzipien eines jeden Unterrichts, wie etwa „soziales Lernen“ (Merkmal 7) oder „Situationsbezug“ (Merkmal 1). • Didaktische Übersetzung der Merkmale kann nicht geleistet werden.
2.2 Weitere Begriffsklärungen
HÄNSEL versucht, den Projektunterricht unter Einbeziehen von DEWEYs Vorstellungen zu definieren.
„Als Projektunterricht wird hier vielmehr eine Form praktischer pädagogischer Tätigkeiten von Lehrern und Schülern, kürzer: eine besondere Unterrichtsform bezeichnet, in der die Projektmethode ihren didaktisch konsequenten Ausdruck findet.“
Genauere Bestimmung des Projektunterrichts als besondere Unterrichtsform: Inhaltliche Bestimmung des Projektunterrichts:
Unterricht, in dem Lehrkraft und Schülerinnen und Schüler ein echtes Problem in gemeinsamer Anstrengung und in handelnder Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit zu lösen suchen, und zwar besser als dies in Schule und Gesellschaft üblicherweise geschieht.
Methodische Bestimmung des Projektunterrichts:
Geplanter Versuch, pädagogisches Experiment, das von Lehrkraft und Schülerinnen und Schülern in Form von Unterricht übernommen wird und das zugleich die Grenzen von Unterricht überschreitet, indem es Schule und Gesellschaft durch praktisches pädagogisches Handeln erzieherisch zu gestalten sucht.
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Quote paper:
Matthias Altmannsberger, 2001, Projektunterricht - eine umfassende Betrachtung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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