Christian Albrechts - Universität zu Kiel
Historisches Seminar SS 05
PS: Die Schleswig-Holsteinische Erhebung 1848-1851
Referent: Hilthart Pedersen
Hausarbeit
zur Schleswig-Holsteinischen Erhebung
1848-1851
Die Bedeutung der ausländischen Offiziere in der
Schleswig-Holsteinischen- und der Dänischen Armee
Hilthart Pedersen
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 2
1.1 Ausländische
Offiziere... 3
1.2
Die nationale Herkunft und Dienstrang ... 4
1.3
Besetzung des Oberkommandos der Schleswig-Holsteinischen Armee:... 5
1.4
Behandlung und Ansehen der preußischen Soldaten in Schleswig-Holstein
7
2.
Oberkommandierende und andere Offiziere der Schleswig-Holsteinischen
Armee ... 8
2.1
General Eduard von Bonin... 8
2.2
Carl Heinrich von Delius. Generalstabschef u. Hauptmann ... 9
2.3
Oberst Freiherr v. d. Tann aus Bayern und die Freikorps ... 9
2.4 Generalleutnant
Karl
Wilhelm von Willisen... 11
2.5
Oberkommandierende der Bundestruppen... 13
2.5.1
Friedrich Heinrich Ernst von Wrangel ... 13
2.5.2
Karl Ludwig Ernst von Prittwitz ... 14
2.5.3
Hardesvogt v. Krogh ... 16
3.
Oberkommandierende der dänischen Armee ... 17
3.1
Frederik Adolf Schleppegrell ... 17
3.2
Christian Julius de Meza ... 18
3.3
Olaf Rye ... 19
3.3 Hans
Helgesen... 20
4. Die Rolle bedeutender Kontingente ausländischer Truppen im Krieg ... 21
5. Probleme der Schleswig-Holsteinischen Armee ... 22
5.1 Das Verhältnis der preußischen Offiziere zu den schleswig-holsteinischen
Offizieren ... 23
6. Tabellen... 25
7. Literatur... 26
Abkürzungen: Schleswig-Holsteinische Armee: SHA
1
1. Einleitung
Die Armee der Schleswig-Holsteinischen Erhebung von 1848-51 hätte nicht
erfolgreich ihre Feldzüge führen können ohne die Beteiligung der ausländischen
Offiziere und Truppenteile. Durch die fähigen Truppenteile den Krieg zu gewinnen,
war durchaus möglich, wurde aber von den preußischen Oberkommandieren, die nur
zögerlich und aus außenpolitischen Rücksichten handelten, vereitelt. In dieser Arbeit
will ich diese zentralen Personen der ausländischen Offiziere, die meist aus Preußen
bestanden analysieren. Ich werde hier ihren persönlichen Charakter, insofern er das
Kriegsgeschehen beeinflusste, ihre markanten Handlungen und Unterlassungen, die
den Handlungslauf des Krieges bestimmten, untersuchen. Weiter werde ich auch auf
verschiedene Truppenteile wie der Freikorps eingehen. Ich will hiermit der
Fragestellung nachgehen welche konkrete Rolle die ausländischen Offiziere auf
beiden Seiten hatten.
Auch werde ich die bedeutendsten ausländischen Offiziere der dänischen Armee hier
genauer untersuchen, wobei die meist aus Norwegen stammenden Offiziere
wesentlich den Kriegsverlauf mitbestimmten und ein Großteil der führenden
Offiziere im dänischen Heer eben auch von Ausländern besetzt war.
Im folgenden untersuche ich anhand der Darstellungen wichtiger Persönlichkeiten,
die für den Verlauf des Krieges von Bedeutung sind die Frage nach der Rolle des
Einzelnen und dessen Verantwortlichkeit für das damalige Zeitgeschehen als
einzelne handelnde, entscheiden Person. Besonders im Kriege kann hier
veranschaulicht werden inwiefern die Fähigkeit oder das Auftreten einer Einzelnen
Persönlichkeit entscheidend das Zeitgeschehen beeinflussen und mitbestimmen.
Besonders hier kann verdeutlicht werden, dass es mehr der einzelne General im Zuge
seiner Truppen und den Erwägungen und Spielräume die er seitens seiner Regierung
innehat, für die Geschehnisse verantwortlich sind, als irgendwelche tiefgründigen
Prozesse. Der entscheidende General ist genau ein Teil des ganzen
Geschichtsprozesses. Aber es in dem Moment wo eine wichtige Entscheidung zu
treffen ist, die jeweiligen Umstände in dem sich der General gerade befindet, oder sei
es auch ein Staatsmann. Weiter von oben betrachtet, erscheint es als ein Prozess
soziokultureller und politischer Entwicklungen. Die Handlung und Tat oder die
2
jeweilige Entscheidung für das Gegenteil ist der Moment der Entwicklung in der
Geschichte. In diesem Sinne werden solche Ereignisse hier behandelt, politische
Entscheidungen und andere, die für die Staatenwelt wichtig sind und mehr durch das
Individuum bestimmt sind als durch so genannte Prozesse. Und wenn ins Detail der
gesellschaftlichen Prozesse schauen, dann stoßen wir nämlich wieder auf das
entscheidungs- und handlungsstarke Individuum, wie die Generale der dänischen und
Schleswig-Holsteinischen Armee mit ihren jeweiligen Rahmenbedingungen vor Ort.
Ferner ist wichtig die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis der ausländischen
Offiziere untereinander zu ihren jeweiligen einheimischen Vorgesetzten und
Untergebenen. Mit diesen Darstellungen einzelner Persönlichkeiten soll hier
gleichzeitig die Probleme einer solch bunten gemischten Armee, und auch
Gegensätze bei Preußen und Schleswig-Holsteinern aufgezeigt werden, im Zuge
einer Darstellung ihrer entscheidenden Eingriffe in den Krieg. Eben durch ihre durch
notwendig Handlungen oder Unterlassungen derer aufgrund von Weisungen aus
Frankfurt oder Berlin trugen sie entscheidend zum Verlauf des Krieges bei und des
Schicksals Schleswig-Holsteins bei, so wie es auch Otto Fock ausdrückt im Beispiel
von Bonin wie ich n och erläutern werde.
1.1 Ausländische
Offiziere
Die meisten ausländischen Offiziere der Schleswig-Holsteinischen Armee stammten
aus Preußen (Tabelle 1). Doch im Bundeskontingent, den Bundestruppen zur
Unterstützung der schleswig-holsteinischen Sache, waren auch viele Offiziere aus
den verschiedensten Teilen Deutschland kommend, in der Armee des Bundesheeres,
aber auch in der Schleswig-holsteinischen Armee. Offiziere wie aus Oldenburg,
Hessen, Sachsen-Weimar, Schwarzburg-Rudolstadt oder Hannover (Tabelle 3) waren
in der Schleswig-Holsteinischen Armee. Einerseits sind diese Offiziere aus der
preußischen Armee beurlaubt worden, und die Schleswig - Holsteinischen Armee
lief Gefahr, diese durch einen Rückruf Preußens wieder zu verlieren. Andererseits
waren viele Offiziere auch Ehemalige, Ausgeschiedene aus der Preußischen Armee,
oder in den Ruhestand versetzte Offiziere, die meist lange nicht mehr eine Tätigkeit
bei der Armee ausgeführt hatten. Im Laufe des Krieges dominierten die
Einheimischen die höchsten und niedrigsten Offiziersränge wie Oberst,
Oberstleutnant und Sekondleutnant, sowie die kleinen Truppengattungen der
3
Artillerie und Kavallerie, und stellten die überwiegende Anzahl der
Brigadekommandeure. Die Preußen dominierten die mittleren Offiziersränge wie
Major, Hauptmann und Premierleutnant. Die Infanterie wurde stark geprägt von
Preußen und Angehörigen anderer deutschen Staaten. Des Weiteren stellte Preußen
die überwiegende Anzahl der Bataillons- und Kompaniekommandeure.
1
Tabelle 1: Ausländische Offiziere der Schleswig-Holsteinischen Armee
2
Datum
Gesamtzahl der Offiziere
Davon Ausländer (davon Preußen)
31. Dez. 1848
305
149 (123)
31. Dez. 1849
502
279 (204)
14. Jan. 1849
890 506
(303)
3
1.2 Die nationale Herkunft und Dienstrang
Tabelle 2: Die nationale Herkunft des schleswig-holsteinischen Offizierskorps, 1848-1851
4
Herkunft
Schleswig-Holstein Preußen
Übrige
Dienstgradgruppe
Total Anteil Total
Anteil
Total Anteil
Generäle 5
50,0%
4 40,0%
1 10,0%
Obristen 11
64,7%
4 23,5%
2 11,2%
Oberstleutnante 18
66,6%
5 18,5%
4 14,8%
Majore 31
43,6%
33
46,5%
7 9,7%
Hauptleute und Rittmeister
50
20,3%
134
54,5%
62 25,2%
Premierleutnants 59
28,5%
90
43,5%
58 28,0%
Sekondleutnants 313
50,1%
186 29,8%
126 20,1%
Offizierskorps, gesamt
487
40,5%
456 37,9%
260 21,6
%
Somit ist der weitaus größte Teil des Offizierskorps wie auch die höchsten Ränge aus
Schleswig-Holstein kommend. Während Preußen die mittleren Ränge dominiert
(Tabelle 2).
Zentral ist die Frage nach der Rolle und Bedeutung der ausländischen Offiziere,
besonders den Preußen, schon immer seit den Zeitzeugen gewesen. Seither hatte es
1
SCHLÜRMANN, Jan, S. 397.
2
Ebda, S. 56.
3
STOLZ, Gerd, Die schleswig-holsteinische Erhebung., S. 56.
4
Übernommen aus SCHLÜRMANN, Jan, S. 382.
4
den Anschein, dass die personelle Dominanz erheblich die Schleswig-Holsteinische
Armee und den Krieg geprägt hatte, besonders durch die Tatsache gestützt, dass von
vier Oberbefehlshabern, drei Preußen waren, und der letzte, v. Willisen die Armee
geradezu miserabel geführt hatte und in einem desolatem Zustand gebracht hatte. Ein
Umstand, der die Einstellung der Schleswig- Holsteiner zu den Preußen, besonders
der preußischen Armeeführung, aber auch deren Regierung in einem schlechten
Licht erblicken ließ. Es ist ja auch die zahlenmäßige Dominanz bis zu 50 % in
einigen Perioden durch viele Zeitzeugen reichlich belegt. Dies lässt den Schluss zu
wie Jan Schlürmann folgert
5
, dass Preußen und andere ,,Ausländer" alle Bereiche
der Armee nicht auf gleiche Weise prägten.
1.3
Besetzung des Oberkommandos der Schleswig-Holsteinischen
Armee:
Das Oberkommando führte im ganzen Krieg unterschiedliche Offiziere die nach den
Waffenstillständen ausgewechselt wurden. Nach Niederlegung des Amtes durch den
Prinzen zu Noer, kam der preußische General v. Bonin an die Spitze, sowohl des
Kriegsdepartments, als auch als kommandierender General zu Felde. Dies war vor
allem dadurch begründet, dass er große Popularität und Zustimmung in der
Öffentlichkeit gefunden hatte.
6
Somit gestalteten v. Bonin und sein Adjutant
Hauptmann v. Delius die Schleswig-Holsteinische Armee neu, mit einem neuem
,,Gesicht" und neuem ,,Geist", die ein qualitativer und quantitativer Gegensatz zum
Beginn des Krieges war. Von Bonin war aber für die Statthalterschaft
7
Schleswig-
Holsteins ein größeres Risiko, da er immer noch in preußischen Diensten stand. Der
General aber versuchte seine Position als Befehlshaber der Schleswig-Holsteinischen
Armee auf dem Wege zu sichern, dass er in Berlin darum bat, aus preußischen
Diensten auszuscheiden, und wieder in dessen Diensten einzutreten, wenn der Krieg
gegen Dänemark beendet sei. Doch er bat wohl deswegen nicht um eine feste
Anstellung bei der Statthalterschaft, weil ihm dies nicht in Berlin gewährt wurde und
er so aus Berlin zurück in preußische Dienste gerufen wurde.
5
SCHLÜRMANN, Jan, S. 379.
6
Ebda., S.55.
7
Anstelle der provisorischen Regierung trat am 2. Oktober 1848 die Gemeinsame Regierung und ab
dem 26. März 1849 wurde eine Statthalterschaft eingesetzt, bestehend aus den Mitgliedern des Grafen
Reventlou-Preetz und der Vizepräsident der Nationalversammlung Beseler
(
TRINKLER, Sven, 26)
.
5
So ersuchte dieselbe Statthalterschaft am 8. April um seinen Rücktritt als
Oberbefehlshaber nach Monaten der Unschlüssigkeit seitens Bonins.
8
Fock weiß
auch zu berichten, dass v. Bonin selbst seine Entlassung verlangte, nach dem Vorfall
von der Verurteilung zweier Soldaten (über die Pontonniere), verurteilt zu langen
Zuchthausstrafen und deren nachfolgende Cassation. Diese zwei Soldaten reagierten
auf einen von Bonins Armeebefehl mit öffentlicher Kritik an dessen Befehl. So
warnte v. Bonin vom Standpunkt des preußischen Offiziers vor die Unterzeichnung
einer Adresse an die Schleswig-Holsteiner, die entgegen den preußische
Vorstellungen verlief;
9
anstatt dass er gleich alle politische Demonstrationen verbot.
So rief dies auch eine große Missbilligung hervor und wurde allgemein im Lande als
zu streng verfahren angesehen.
10
Zu beachten ist aber auch, dass Fock selbst jegliche
soldatische politische Demonstration missbilligte.
11
Deshalb verließ v. Bonin die
Schleswig-Holsteinische Armee und mit ihm einige sehr erfolgreiche Offiziere, denen
die Schleswig-Holsteinische Armee hauptsächlich ihre Siege des Jahres 1849 zu
verdanken hatte. Unter den Abgängern waren der Oberst v. Zastrow, der eigentliche
Organisator und Inspekteur der Schleswig-Holsteinischen Jägerkorps, Hauptmann v.
Blumenthal (Generalstab), Oberst v. Puttkammer (Kommandeur des 2. Jägerkorps,
Oberst v. Richter (Kommandeur der Artilleriebrigade) und andere Kommandeure der
Jägerkorps und Artillerienbrigaden.
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Hieraus kann gefolgert werden, welch eine
große Schwächung dieser Abgang an guten und tatkräftigen Offizieren für die
Schleswig-Holsteinische Armee bedeutet haben muss. Da konnte auch später
Generalleutnant Willisens Reformwerk der Armee auch nicht mehr helfen.
Die Wahl der Statthalterschaft für die neue Besetzung des Postens als
Oberbefehlshaber fiel im Spätsommer 1849 auf den Generalleutnant v. Willisen
während der Verhandlung um v. Bonins Nachfolgerschaft. Dieser war in dieser Zeit
von seinem Dienst beurlaubt und schied aus der Armee aus, nachdem ihm der Eintritt
in den aktiven Dienst der preußischen Armee verweigert wurde.
13
Mit Willisen trat
nun ab dem 9. April 1849 ein General an die Spitze der Schleswig-Holsteinischen
Armee, der von unten bis oben diese neu reformierte, neu strukturierte und ein neues
Reglement zum exerzieren einführte (mehr dazu unter 2.5 Generalleutnant Karl
8
SCHLÜRMANN, Jan, S. 147.
9
Fock, Erinnerungen, 159.
10
Ebda., S. 163.
11
Ebda., S. 162.
12
Ebda., S. 147.
13
Ebda., S. 148.
6
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