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Der Entwicklungsfall Südkorea

Title: Der Entwicklungsfall Südkorea

Seminar Paper , 2008 , 44 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Sarah-Anne Niggemann (Author)

Politics - Topic: Development Politics
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Sozialwissenschaftler benutzen viele Definitionen, um beispielsweise Länder zu kategorisieren. Die Republik Korea nannte man erst ‚newly industrialized country’ oder ‚Tigerstaat“ (als einen von vier ‚kleinen Tigern“ neben Hongkong, Taiwan und Singapur), dann ‚advanced economy’ und High Income Nation. Mit diesen Begriffen versucht man, der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung des Landes gerecht zu werden, die innerhalb weniger Jahrzehnte aus einem bettelarmen Land ein OECD-Mitglied gemacht hat.
Das kleine Land auf der südlichen Hälfte der koreanischen Halbinsel im Pazifik hat eine beispiellose Entwicklung vollzogen: Die Wachstumszahlen der Wirtschaft waren enorm und die Exportlastigkeit erstaunte die Wirtschaftswissenschaftler, die solche Prozentsätze bisher nur bei Ländern erlebt hatten, die sehr viel bevölkerungsärmer waren. Die Politikwissenschaftler mussten sich die Frage nach einem Zusammenhang zwischen autoritären Systemen und der Entwicklungsleistung neu stellen, da die Republik Korea (im Folgenden: Südkorea) den längsten Zeitraum seiner Geschichte – immer von wenigen Wochen der Liberalisierung unterbrochen – von Militärs regiert und gelenkt worden ist. Seit seiner Gründung hat das Land neun offizielle Präsidenten an der Spitze der Regierung stehen sehen und neun Verfassungsänderungen erleben müssen. Drei der Präsidenten der Anfangsjahre, in deren Regierungszeit Südkoreas Aufstieg von einem der ärmsten zu einem der reichen Ländern der Erde fällt, hatten sehr autokratische Züge an den Tag gelegt, weswegen man auch von drei Diktaturen sprechen kann.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Geschichte

2.1 Rahmenbedingungen und Strukturen der Anfänge

2.2 Folgen der Fremdherrschaft und Fremdeinflüsse

2.2.1 Konfuzianismus

2.2.2 Japanisches Erbe

2.2.3 US-Besatzung und -Hilfe

2.2.4 Systemkonkurrenz mit dem Norden

3 Entwicklungsdiktatur

3.1 Das Militär als Entwicklungsvorantreiber

3.2 Die Rolle des Staates im Entwicklungsprozess

3.2.1 Importsubstitution (Rhees nationalistische Phase)

3.2.2 Exportorientierte Entwicklung (Parks und Chens diktatorische Phase)

3.2.3 “getting the prices right” versus” getting the prices wrong”

3.3 Die Chaebŏl

3.4 Repression

3.5 Erfolge

3.6 Kosten und Folgen der Entwicklung

3.6.1 Änderung der sozialen Verhältnisse

3.6.2 Umwelt

4 Südkorea als ein Vorzeigeland der Modernisierungstheorie

4.1 Die Modernisierungstheorie

4.2 Anwendung der Theorie auf Südkorea

4.3 Kritik an der Modernisierungstheorie im Bezug auf Südkorea

5 Was macht das Südkoreanische Modell aus?

5.1 Wichtige Komponenten des Erfolgs

5.2 Gesonderter Blick auf den Konfuzianismus

5.2.1 Konfuzianismus als Entwicklungsmotor

5.2.2 Konfuzianismus als Entwicklungshemmnis

6 Ist das südkoreanische Modell übertragbar bzw. wiederholbar?

7 Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Diese Arbeit untersucht den rasanten sozioökonomischen Aufstieg Südkoreas zwischen 1948 und 1987, einem Zeitraum, der primär durch autoritäre Militärregime geprägt war. Ziel ist es, die Gründe für diesen beispiellosen Transformationsprozess vom bettelarmen Agrarstaat zum Industriestaat nachzuzeichnen, das „Modell Südkorea“ zu analysieren und kritisch zu erörtern, inwiefern dieser Weg als Vorbild für andere Entwicklungsländer dienen kann.

  • Analyse der historischen Rahmenbedingungen und Fremdeinflüsse (Kolonialismus, US-Besatzung, Koreakrieg).
  • Untersuchung der Struktur des Entwicklungsstaates, der Rolle der Chaebŏl und der exportorientierten Wirtschaftspolitik unter Park Chung-Hee.
  • Diskussion der sozialen und ökologischen Kosten des Wirtschaftswunders.
  • Einordnung Südkoreas in die Modernisierungstheorie und Reflexion über die Übertragbarkeit des Modells.

Auszug aus dem Buch

3.2 Die Rolle des Staates im Entwicklungsprozess

Der Hauptakteur im südkoreanischen Entwicklungsprozess war der Staat. So wird Südkorea auch als Entwicklungsstaat (developmental state) bezeichnet, ein Terminus, der von Chalmers Johnson zunächst auf Japan angewandt wurde, jedoch heute auch bezogen auf die Republik Korea, Taiwan und Singapur Verwendung findet. Der Entwicklungsstaat zeichnet sich dadurch aus, dass er dem Staatsziel der ökonomischen Entwicklung alle anderen Ziele unterordnet und die Lenkung des Marktgeschehens einer Bürokratie anvertraut. Dazu bemerkt Daniel Metraux erklärend:

„A government-led economic development policy during the 1960s was necessary because the less experienced and capital-poor private entrepreneurs lacked the wherewithal to develop several critical industries that were necessary to the nation’s economic growth.” (Metraux 1992: 149).

Dem südkoreanischen Staat kam nicht erst mit dem Beginn des Entwicklungsstaates unter Park, sondern schon von Anfang an eine große Rolle zu: (So) „läßt sich feststellen, daß infolge der Landreform und der soziostrukturellen Hinterlassenschaften der Kolonialherrschaft ein Machtvakuum in der südkor. Gesellschaft entstand, das die hohe Autonomie und Autorität des Staates gegenüber der Gesellschaft begründete.“ (Messner 1994: 177).

In der Park-Ära und darüber hinaus übte der Staat direkt und indirekt Einfluss auf das Wirtschaftsgeschehen aus. Direkt geschah dies über den Monopolbesitz im Bereich Telefon und Postdienst, Ginseng- und Tabakherstellung, Kohlebergbau, Erdöl- und Stahlindustrie, und der chemischen Industrie, sowie im Bankenwesen und über Kapitalbeteiligungen (oft Mehrheitsbeteiligungen) an vielen Unternehmen (vgl. Eli 1979: 21). Da die großen Banken entweder staatlich oder staatlich kontrolliert waren, konnte die Regierung auch über Finanzströme wachen und diese lenken und somit Investitionsentscheidungen beeinflussen. Indirekten Einfluss gewann der Staat wiederum durch gewisse Planungs- und Kontrollinstrumente. Schlüsselpositionen waren mit loyalen Technokraten besetzt und Park übte persönlich Druck auf Entscheidungsträger aus. Außerdem war die die Wirtschaftsplanungsbehörde EPB unter anderem für die „Administration von Entwicklungshilfe, Krediten, Direktinvestitionen und Technologietransfer aus dem Ausland zuständig“ (Köllner 1996: 488). Auch so hatte der Staat Einfluss- und Steuerungsmöglichkeiten. Des Weiteren nutzte die Regierung Wechselkursbestimmungen und Währungsabwertungen, um ihre Ziele zu verfolgen (vgl. Menzel 1985: 98ff.).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Definitionsproblematik des südkoreanischen Aufstiegs ein und umreißt die zeitliche sowie thematische Eingrenzung der Analyse auf die diktatorischen Jahre bis 1987.

2 Geschichte: Dieses Kapitel beleuchtet die historischen Voraussetzungen Südkoreas, einschließlich der repressiven japanischen Kolonialzeit, der US-Besatzung und der tiefgreifenden Folgen des Koreakriegs für die gesellschaftliche Struktur.

3 Entwicklungsdiktatur: Hier wird die Ära der Militärdiktatur unter Park Chung-Hee analysiert, wobei besonders die staatliche Lenkung der Wirtschaft, die Rolle der Chaebŏl und die damit verbundenen sozialen und ökologischen Kosten im Fokus stehen.

4 Südkorea als ein Vorzeigeland der Modernisierungstheorie: Dieses Kapitel prüft, inwiefern die südkoreanische Entwicklung die Hypothesen der Modernisierungstheorie stützt oder in Frage stellt, insbesondere im Hinblick auf den Zusammenhang von Wirtschaftswachstum und Demokratisierung.

5 Was macht das Südkoreanische Modell aus?: Diese Analyse synthetisiert die ökonomischen und soziokulturellen Faktoren des Erfolgs, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Einfluss des Konfuzianismus als Motor oder Hemmnis liegt.

6 Ist das südkoreanische Modell übertragbar bzw. wiederholbar?: Hier wird die kontroverse wissenschaftliche Debatte über die Nachahmbarkeit des südkoreanischen Weges aufgegriffen, wobei kulturelle Unterschiede und die veränderten internationalen Rahmenbedingungen kritisch reflektiert werden.

7 Fazit: Das Fazit fasst die Transformation Südkoreas zum demokratischen OECD-Staat zusammen und diskutiert abschließend die zukünftigen Herausforderungen sowie die politische Entwicklung des Landes nach 1987.

Schlüsselwörter

Südkorea, Entwicklungsstaat, Wirtschaftswunder, Militärdiktatur, Modernisierungstheorie, Park Chung-Hee, Chaebŏl, Konfuzianismus, Exportorientierung, Demokratisierung, Politische Repression, Strukturwandel, Soziale Kosten, Umweltbelastung, Industrialisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den rasanten ökonomischen Aufstieg Südkoreas während der autoritären Regime zwischen 1948 und 1987 und untersucht die dabei angewandten Entwicklungsstrategien.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die Rolle des Staates im Entwicklungsprozess, der Einfluss der Geschichte und des Konfuzianismus, die Exportstrategie der Regierung sowie die sozialen und ökologischen Kosten der Industrialisierung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist es, das „Modell Südkorea“ zu identifizieren und zu klären, warum das Land so erfolgreich industrialisieren konnte und ob dieser Prozess als Vorbild für andere Nationen dienen kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche und historische Analyse, gestützt auf Fachliteratur, Wirtschaftsdaten und entwicklungstheoretische Konzepte, um den Transformationsprozess theoretisch einzuordnen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil wird detailliert die Struktur der „Entwicklungsdiktatur“ unter Park Chung-Hee, die Kooperation zwischen Staat und Großkonzernen (Chaebŏl) sowie die Einordnung Südkoreas in die Modernisierungstheorie und die Debatte um die Übertragbarkeit des Modells erörtert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Wichtige Begriffe sind Entwicklungsstaat, Exportorientierung, Chaebŏl, Industrialisierung und Demokratisierung im südkoreanischen Kontext.

Welche Rolle spielte der Konfuzianismus in der südkoreanischen Entwicklung?

Der Konfuzianismus wird zwiespältig betrachtet: Einerseits als Motor durch hohe Bildungsorientierung und Akzeptanz von Hierarchien, andererseits als Hemmnis, da er ursprünglich nicht auf die rationale Marktökonomie des Westens ausgerichtet war.

Ist das südkoreanische Modell auf andere Länder übertragbar?

In der Wissenschaft ist man sich uneinig. Viele Experten bezweifeln die Übertragbarkeit, da der Erfolg stark an die spezifischen historischen, kulturellen und geopolitischen Bedingungen Südkoreas im 20. Jahrhundert geknüpft war.

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Details

Title
Der Entwicklungsfall Südkorea
College
University of Koblenz-Landau
Grade
1,0
Author
Sarah-Anne Niggemann (Author)
Publication Year
2008
Pages
44
Catalog Number
V91650
ISBN (eBook)
9783638052153
Language
German
Tags
Entwicklungsfall Südkorea Korea Entwicklung Entwicklungsland Entwicklungsdiktatur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sarah-Anne Niggemann (Author), 2008, Der Entwicklungsfall Südkorea, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91650
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