„Zeitbombe am Kapitalmarkt“ – „Carry Trades – a tsunami in the making“. Dies sind Artikelüber-schriften renommierter Wirtschaftszeitungen. Viele Marktakteure scheinen derzeit eine Bedrohung im vermeintlichen Arbitrageinstrument des Carry Trades zu sehen.
Kurz gesagt, entsteht ein (Devisen-) Carry Trade, wenn man in einem Land Geld billig leiht und es in einem anderen Land bei hoher Rendite investiert. Dieses Vorgehen hat 1998 unzählige Markt-akteure überrascht, als enorme Summen, welche Hedge Fonds und andere Akteure sich aus Japan geliehen haben, zurückgezahlt werden mussten und Aktien- sowie Devisenmärkte einbrachen. Derzeit befinden wir uns wieder in einer Krise (Subprime Krise), ausgelöst durch nicht zurückge-zahlte Kredite im amerikanischen Immobilienmarkt. Die Empfindlichkeit des Finanzmarktes scheint nun wieder ins Bewusstsein vielen Akteuren gerückt zu sein und sie erinnern sich an 1998 zurück, als sie viel Geld mit Carry Trades verloren haben.
Ziel dieser Arbeit ist, einerseits einen detailierten Blick auf Risiken zu richten, die Carry Trader tragen und andererseits auf die Risiken, denen Volkswirtschaften dadurch ausgesetzt sind. Für ein besseres Verständnis wird in Kapital zwei die theoretische Funktionsweise der Devisenmärkte kurz anhand von Beispielen dargelegt. In Kapitel drei wird die Strategie des Carry Trades erst sys-tematisch erläutert und danach ein Beispiel einer real durchgeführten Transaktion der Deutschen Bank aufgezeigt. Kapitel vier analysiert mögliche Auswirkungen auf die Finanzmarktstabilität durch solche Taktiken. In Kapitel fünf werden wichtige Risikoeinflussfaktoren zusammengetragen, die einen Hinweis auf gefährliche Ausmaße von Carry Trades geben können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Devisenmarkt und seine theoretische Funktionsweise
2.1 Charakteristika des Devisenmarktes
2.2 Arbitrage
2.3 Wechselkurs
2.4 Kaufkraftparität
2.5 Zinsparität
3 Carry Trades
3.1 Carry Trade – Eine Abweichung von der Theorie
3.2 Currency Harvest Strategie der Deutschen Bank
3.3 Weitere Formen eines Carry Trades
4 Auswirkungen auf die Finanzmarktstabilität
4.1 Interne Risiken eines Carry Trades
4.2 Externe Effekte durch Carry Trades
4.2.1 Finanzmarktinstabilität
4.2.2 Das Verhalten der Masse und die Zentralbanken
4.2.3 Kongruenzproblem zwischen Carry Trade und Termingeschäft
4.2.4 Finanztransaktionen vs. reale Werte
5 Risikoeinflussfaktoren
6 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob Carry Trades lediglich als Instrument zur Arbitrage zu betrachten sind oder ob sie ein substanzielles Risiko für die Stabilität der internationalen Finanzmärkte darstellen. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse interner Risiken für Anleger sowie externer Effekte für Volkswirtschaften, insbesondere im Kontext von Zinsdifferenzen und Wechselkursrisiken.
- Theoretische Funktionsweise von Devisenmärkten, Arbitrage und Zinsparität
- Systematische Erläuterung und Strategien von Carry Trades
- Analyse der Auswirkungen auf die Finanzmarktstabilität
- Identifikation zentraler Risikoeinflussfaktoren für Carry Trade Positionen
- Evaluierung von Carry Trades im Kontext aktueller Krisenszenarien
Auszug aus dem Buch
3.1 Grundfunktion eines Carry Trades
Ein Carry Trade entsteht, wenn sich ein Markteilnehmer kurzfristig verschuldet, um besser verzinste Investitionen zu tätigen. Meist werden Carry Trades mit Devisen durchgeführt (siehe 3.3). Es wird in einem Niedrigzinsland wie Japan oder der Schweiz ein Kredit aufgenommen (Spotgeschäft) und dieses Geld wird in der Währung eines Hochzinslandes wie die USA oder die Türkei (Swapgeschäft) „getragen“ (engl. (to) carry).
Dort wird das Geld in eine hochverzinste Anlage investiert, um von den hohen Zinsdifferenzen zu profitieren. Abbildung 3 verdeutlicht die auffallenden Zinsdifferenzen bei den Leitzinsen der verschiedenen (Hochzins-)Ländern zu den Niedrigzinsländern Schweiz und Japan. Da wie oben beschrieben die Zinsdifferenz durch einen anpassenden Wechselkurs kompensiert würde, würde es zu einem Nullgeschäft bzw. Verlustgeschäft kommen. Nach der Theorie müssten Hochzinsländer mit einer Abwertung und Niedrigzinsländer mit einer Aufwertung rechnen. Dies lässt sich leicht damit begründen, dass Anleger in Hochzinsländer für die erwartete Abwertung mit einem höheren Zins entschädigt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Relevanz von Carry Trades als potenziell bedrohliches Finanzinstrument vor dem Hintergrund der Subprime-Krise und historischen Markteinbrüchen.
2 Der Devisenmarkt und seine theoretische Funktionsweise: Dieses Kapitel legt die theoretischen Grundlagen des Devisenmarktes, einschließlich Arbitrage, Wechselkursnotierungen sowie der Kaufkraft- und Zinsparitätstheorie dar.
3 Carry Trades: Es werden die Funktionsweise von Carry Trades erläutert, die Strategie der Deutschen Bank analysiert und weitere Formen wie Gold- oder Bond-Carry-Trades vorgestellt.
4 Auswirkungen auf die Finanzmarktstabilität: Hier werden die internen Risiken für Anleger sowie die externen Auswirkungen auf die Finanzmarktstabilität durch spekulative Massenbewegungen und Marktinstabilitäten untersucht.
5 Risikoeinflussfaktoren: Das Kapitel identifiziert wesentliche Risikofaktoren wie Zinspolitik der Notenbanken, unbekannte Volumina, exogene Schocks und Marktvolatilität.
6 Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Carry Trades zwar kein reines Arbitrageinstrument sind, aber aktuell keinen direkten Krisenherd darstellen, wenngleich Risiken bei veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bestehen bleiben.
Schlüsselwörter
Carry Trade, Devisenmarkt, Arbitrage, Zinsparität, Finanzmarktstabilität, Währungsrisiko, Spekulationsblase, Zinssatz, Zentralbank, Leverage-Effekt, Liquidität, Volkswirtschaft, Marktvolatilität, Hedge Fonds, Subprime-Krise
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Carry Trades und hinterfragt deren Charakter als reines Instrument zur Arbitrage oder als potenzieller Auslöser für Finanzkrisen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Themen umfassen die Funktionsweise des Devisenmarktes, die spezifische Strategie von Carry Trades, Auswirkungen auf die Finanzmarktstabilität sowie Einflussfaktoren, die das Risiko dieser Geschäfte erhöhen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, ein detailliertes Verständnis für die Risiken zu schaffen, denen sowohl einzelne Carry Trader als auch gesamte Volkswirtschaften ausgesetzt sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine systematische theoretische Analyse der Devisenmarktmechanismen, untermauert durch Beispiele wie die Currency Harvest Strategie der Deutschen Bank und eine Break-Even Analyse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Herleitung der Marktmechanismen, eine detaillierte Erläuterung der Carry-Trade-Strategien sowie eine fundierte Risikobewertung unter Einbeziehung ökonomischer Stabilitätskriterien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Carry Trade, Finanzmarktstabilität, Arbitrage, Zinsparität und Spekulationsblasen stehen im Zentrum der terminologischen Auseinandersetzung.
Welche Rolle spielt die Zentralbank von Japan (BoJ) in der Arbeit?
Die BoJ wird aufgrund ihrer Niedrigzins-Politik als entscheidender Risikofaktor identifiziert, da eine Leitzinserhöhung Carry-Trade-Positionen massiv unter Druck setzen könnte.
Warum ist das "Trittbrettfahrerproblem" für Carry Trader kritisch?
Es beschreibt die Gefahr, dass Carry Trader zu spät aus ihren Positionen aussteigen, wenn die Kosten für Sicherungsgeschäfte bei Marktinstabilitäten stark ansteigen, was zu einem Einbruch führen kann.
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- Sebastian Heumüller (Author), 2007, Carry Trades - Reines Arbitrageinstrument oder neuer Krisenherd?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91840