Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG 3
GEOGRAPHISCHER UND SOZIALER HINTERGRUND DER HEXENJAGDEN 5
MAGIE IM ALLTAG GEGEN ENDE DES 15 JAHRUNDERTS AM BEISPIEL DER STADT
INNSBRUCK 7
ENTSTEHUNGS- UND WIRKUNGSGESCHICHTE DES „MALLEUS MALEFICARUM“ 11
GESCHICHTLICHE EINORDNUNG 12
UNMITTELBARE REZEPTION 15
DRUCKER DRUCKORT UND ERSCHEINUGSDATUM DER ERSTAUSGABE 16
JAKOB SPRENGER MITAUTOR ODER NICHT 17
Warum ist es wichtig ob Jakob Sprenger ein Mitautor des Hexenhammers war oder nicht 17
SCHLUSSFOLGERUNG 21
BIBLIOGRAPHIE 22
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EINLEITUNG
Nach einem allgemeinen Blick auf die Geschichte der Hexenprozesse in meiner Arbeit möchte ich auf den Hexenhammer, die Zeit seiner Entstehung und seine Wirkung auf die Hexenprozesse eingehen. Dabei soll auch verdeutlicht werden, woher Heinrich Institoris seine Ideen und Lehren nimmt, die er in seinem Werk bis zur letzten Konsequenz weiterentwickelt hat. Dabei soll auch ein eingeheder Blick auf die direkte Vorgeschichte der Entstehung des Buches geworfen werden, vor allem die Hexenprozesse in Innsbruck, bei welchen Heinrich Institoris den Vorsitz inne hatte (und mit denen er dermaßen gründlich scheiterte, dass der damalige Bischof, Georg Golser, ihn des Landes verwies), werden hierbei näher untersucht. Ein weiterer wichtiger Punkt, ist jener der angeblichen Mitautorschaft von Jakob Sprenger, denn es ist durchaus sehr umstritten, ob Sprenger jemals an dem Buch beteiligt war oder nicht. Dennoch wurde er von Heinrich Institoris als Autor genannt. Dabei stellen sich folgende Fragen:
1. Wenn Jakob Sprenger wirklich einen nennenswerten Beitrag zum Hexenhammer geleistet hat, wieso hat keine entsprechenden Maßnahmen gesetzt, um sicher zu stellen, dass auch sein Name damit in Verbindung gebracht wird? Schließlich ist die erste Edition des Buches, die beide Personen (also Institoris und Sprenger) als Autoren angibt, erst nach deren Tod erschienen.
2. Wenn Sprenger nicht daran beteiligt war, wie stand er dann zu dieser Vereinnahmung durch Heinrich Institoris?
3. Warum hat Institoris den Namen Sprenger – vorausgesetzt dieser war nicht am Buch beteiligt – genannt? Wollte er seinem Werk damit eine Autorität verleihen, die ihm ansonsten gefehlt hätte?
Nach einer genaueren Beschäftigung mit diesen Fragen, möchte ich mich einem weiteren Punkt widmen und zwar dem Mythos, dass der Hexenhammer quasi der Startschuss für die damals großangelegte Hexenjagd war. Das Malleus Maleficarum
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hatte zwar einen nicht zu leugnenden Einfluss auf die Geschehnisse, allerdings war
es „nur“ ein Produkt seiner Zeit. Die Lehren, die darin verbreitet werden, gab es alle
schon, im Hexenhammer wurden sie lediglich bis zu ihrer tödlichen Konsequenz zu
Ende gedacht.
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GEOGRAPHISCHER UND SOZIALER HINTERGRUND DER HEXENJAGDEN 1
Zunächst muss eine Untersuchung des sozialen Hintergrundes der Hexenverfolgungen feststellen, in welcher Art von Gemeinden Hexenprozesse über die Bühne gingen. Hierbei hat es den Anschein, dass die Hexenverfolgung vor allem ein ländliches Phänomen war. Die große Mehrheit der Hexen kam wohl aus kleineren Bauerndörfern. Zumeist wird die Konzentration der Hexerei in ländlichen Gebieten auf zwei Charakteristika zurückgeführt und zwar zum Einen der bei der ungebildeten und konservativen Bevölkerung tief verwurzelte Aberglaube und zum Anderen die niedrige Einwohnerzahl der Dörfer, welche es unmöglich machte, unerwünschten Personen einfach aus dem Weg zu gehen, da dort jeder jeden gekannt hat. Da in den Dörfern des frühen, neuzeitlichen Europas solche Bedingungen an der Tagesordnung waren, betrachtete man Hexerei als ein typisch ländliches Phänomen. Zwar stammte die Mehrheit der Hexen im frühneuzeitlichen Europa tatsächlich aus solchen Gebieten. Man darf aber dennoch die Tatsache, dass auch in Städten Hexen verfolgt wurden, nicht vernachlässigen. Es wurde sogar einige der bekanntesten Hexenprozesse in Städten geführt, man denke nur an die Hexenverfolgungen in Würzburg oder Bamberg. Manche dieser Fälle kann man allerdings nicht den Städten zuordnen, da dort oft nur die Prozesse stattfanden und die eigentliche Hexenjagd auf dem Land vonstatten ging. In Genf, wo im 16. und im 17. Jahrhundert mehrere Hexenprozesse über die Bühne gingen, stammten etwa 50% der Opfer aus den umliegenden Dörfern, in denen aber nur 20% der Bevölkerung dieses Kleinstaates leben.
Sieht man von solchen Fällen ab, dann bleibt immer noch eine große Anzahl von rein städtischen Prozessen und zwar besonders in Deutschland. Ein genauer Prozentsatz lässt sich zwar nicht errechnen, aber er dürfte trotzdem unverhältnismäßig hoch liegen.
Das soziale Umfeld einiger städtischer Hexenprozesse unterschied sich kaum vom ländlichen Milieu. Städte waren nur unwesentlich größer als Dörfer und die dortige Gesellschaft war genauso engmaschig wie auf dem Land.
Städte lieferten aber auch aus zwei weiteren Gründen einen äußerst fruchtbaren Boden für Hexenverfolgungen. Erstens konnten in einer Stadt eine Hexenjagd weit
1 Vgl. LEVACK, Brian P.: „Hexenjagd. Die Geschichte der Hexenverfolgungen in Europa“,
Neuausgabe in der Beck´schen Reihe, München 3. Auflage 2003, S. 128 - 132
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mehr Opfer fordern, da die Anzahl der Gemeindemitglieder, die in einem Dorf verfolgt werden konnte, ohne dass sich Widerstand regte, begrenzt war. Außerdem breiteten sich städtische Hexenjagden oft sehr viel schneller aus und sie forderten einen höheren Blutzoll.
Des Weiteren mögen die Besonderheiten des städtischen Lebens einzelne Personen dazu veranlasst haben, die Nachbarn sogar noch schneller der Hexerei zu verdächtigen, als dies auf dem Land der Fall war.
Im Europa der frühen Neuzeit gab es mehr als eine „Hexenwelt“. Einerseits waren Beschuldigungen in bäuerlichen Gegenden alltäglich und es kam regelmäßig zu einzelnen Hexenprozessen. Oftmals verbanden sich persönliche Spannungen auf fatale Weise mit dem bäuerlichen Aberglauben.
Es gab neben der ländlichen aber auch eine städtische Hexenwelt. Diese wurde auch vielen ländlichen Hexen zum Verhängnis, da diese oft ungebildeten Menschen sich beim Prozess mit gebildeten Richtern konfrontiert sahen, welche die Zeugenaussagen der Kläger – denen immer mehr Glauben geschenkt wurde, als den etwaigen Unschuldsbeteuerungen der Angeklagten – in einen dämonologischen Kontext stellten. Somit wurde der Gerichtssaal zu einem Ort, an welchem sich die elitäre Bildung der Richter und die Volkskultur der einfachen Leute begegneten. Das Gericht wurde zum Berührungspunkt der ländlichen und der städtischen Welt.
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Udo Seelhofer, 2008, War Jakob Sprenger ein Mitautor des Hexenhammers?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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