Wintersemester 1992/93
Hauptseminar Fachdidaktik : Languages in Multicultural Societies. The USA
Die älteste Minorität in den USA : American Indians
Marcus Knoche
Abgabedatum : 1. 4. 1993
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Inhaltsverzeichnis
Einleitung ... 3
Die indianische Minorität in der USA: Eine kurze Beschreibung der US - Politik ... 4
Englisch als Mittel zur "forced assimilation"... 8
Erste Verbesserungen , Urbanisierung und Selbstorganisation ... 11
Situation der Indian students und 'Minority Studies Programs' ... 14
Linguistische Projekte und 'Cultural Retention Programs' ... 17
Literaturverzeichnis... 19
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Einleitung
Während der Lektüre von Büchern über Gegenwart und Vergangenheit der amerikanischen
Ureinwohner bin auf sehr viele Punkte gestoßen , die einer näheren Erläuterung wert gewesen
wären , gerade weil mir etwaige Vorkenntnisse des Lesers oder der Leserin nicht bekannt sind
, ich selbst mich jedoch auch vorher schon lange mit diesem Themenkomplex
auseinandergesetzt habe ; deshalb war mir bei manchen Ereignissen nicht klar , ob sie als
Allgemeinwissen vorausgesetzt werden können oder nur Interessierten bekannt sind. Ich habe
jedoch die wichtigsten Ereignisse, die mir zum Verständnis der Situation der indigenen
Bevölkerung Nordamerikas als notwendig erscheinen, wenigstens kurz erläutert. Besonders
Ereignisse in der Anfangszeit der Kolonialisierung Amerikas konnten von mir aufgrund des
immensen Platzes, den eine angemessene Schilderung beanspruchen würde, nicht in ihrer
Fülle von mir erwähnt werden. Deshalb habe ich mich in meiner Arbeit auf die notwendigsten
Details konzentriert. Wer jedoch eine bequeme Lösung des Problems, wie verschiedene
Kulturen in einem Land friedlich koexistieren können, erwartet, muß enttäuscht werden. Viele
Ansätze zur Eingliederung der amerikanischen Indianer stecken noch in den Kinderschuhen,
und nicht zuletzt deshalb ist in diesem besonderen Fall eine Assimilation problematisch, weil
traditionalistisch eingestellte Teile der indianischen Bevölkerung die Eingliederung in ein
Gesellschaftssystem, das von ihnen abgelehnt wird , überhaupt nicht wünschen (wofür ich in
meiner Arbeit auch Verständnis zu erwecken hoffe).
Wie wahrscheinlich oft bei der Beschäftigung mit dem Thema Minoritäten/ Muiltikulturelle
Gesellschaften stehen am Ende mehr Probleme als Lösungsmöglichkeiten. Dies sollte aber
nicht von einer notwendigen Beschäftigung mit diesem Problem abschrecken; nur weil es
keine einfachen Lösungen gibt, heißt das noch lange nicht, daß es überhaupt keine gibt. Viele
Lösungsansätze (bes. die von mir beschriebenen 'Cultural Retention Programs) benötigen
auch einfach einen bestimmten Zeitraum, um greifen zu können.
Ich habe mich in einem Teil meiner Arbeit mit der zwangsweisen Einführung der englischen
Sprache als Mittel zur Assimilation beschäftigt, weil gerade hier gezeigt wird , wie auf den
ersten Blick negative Auswirkungen später zu einem Vorteil für die Betroffenen werden
können.
Die amerikanische Urbevölkerung, allgemein im Deutschen ,,Indianer genannt", bevorzugt
selbst die Bezeichnung 'American Indians', da 'Native Americans' auch die Urbevölkerung
Hawaiis und Alaskas mit einbeziehen würde. Einige betrachten sogar diese Bezeichnung als
im Ansatz rassistisch , da sie sich aufgrund der Verschiedenartigkeit der einzelnen Stämme
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als eigenes Volk betrachten , genau wie z. B. Holländer und Spanier als 'Weiße' bezeichnet
werden , trotz ihrer unterschiedlichen Kulturen.
Es bleibt abzuwarten , wie die Zukunft dieser Minderheit sich gestalten wird ; ich hoffe
jedenfalls, daß das momentane Interesse an diesem Thema nicht nur eine Modeerscheinung
ist, und ihr besonderes Anliegen nicht unter den ebenfalls berechtigten Forderungen anderer
Minderheiten in den USA untergeht.
Die indianische Minorität in der USA: Eine kurze Beschreibung der US - Politik
Die Politik der US-Regierung gegenüber der indigenen Bevölkerung Amerikas war stets von
einem Überlegenheitsgefühl der weißen Kultur ausgegangen. Dies zeigt sich bereits in der
auch von offiziellen Behörden verwandten Bezeichnung "The Great Father" für den
jeweiligen Präsidenten, der immer etwas Abstraktes im Hintergrund blieb.
"The best term for this persistent atttitude is paternalism, a determination to do what was
best for the Indian according to white norms, which translated into protection, subsistence
of the destitute, punishment of the unruly, and eventually taking the Indians by the hand
and leading them along the path to white civilisation and Christianity. The relationship
was sometimes described, as it was by Chief Justice John Marshall in 1832, as resembling
that of a ward and its guardian" (Prucha x).
Diese Einstellung zeigt sich auch in einem Bericht des Commissioner of Indian Affairs, Elbert
Herring, der im gleichen Jahr schreibt:
"If there by any human means of directing the intelligence of the Indian from its narrow
and contracted sphere, to enlarged and comprehensive views, it must exist in the
cultivation of knowledge, operating to expand and improve the mental faculties. [...] The
benighted regions of other parts of the earth have become gradually enlighted by the
prosecution of similar means, long continued; and the Picts of England, and Vandals and
Goths of continental Europe remain standing monuments of savage habits and heathenish
darkness, subdued and irridiated by the light of knowledge and the sun of Cristianity" (zit.
in Washburn Vol. I ,22).
Dabei war die Einstellung besonders der Weißen, die gewöhnlich keinen Kontakt zur
Urbevölkerung hatten, oftmals durchaus zwiespältig; auf der einen Seite der Indianer als
unverdorbener Naturmensch, der "edle Wilde", wie ihn auch J.F. Cooper in der Person des
Uncas in "The Last of the Mohicans" verewigt hat ; man bedauerte sein "unausweichliches"
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Verschwinden , ohne sich über die eigene Beteiligung an diesem Prozeß bewußt zu sein. Auf
der anderen Seite war die von offenem Rassismus geprägte Vorstellung "the only good Indian
is a dead one", was zur selben Zeit als geflügeltes Wort kursierte. Die von pathologischem
Hass gekennzeichneten Kolumnen eines "Humoristen" wie Bill Nye, der zwischen 1876 und
1883 als Journalist in Wyoming arbeitete, geben davon eine Vorstellung:
"Somehow live Indians do not look so picturesque as the steel engraving does. The smell is
not the same, either," he commented in one sketch. "A dead Indian is a pleasing picture...The
picture of a wild free Indian chasing the buffalo may suit some, but I still like life in art. I like
the picture of a broad-shouldered, well-formed brave as he lies with his nerveless hand across
a large hole in the pit of his stomach" (zit. in Dippie 134).
Dennoch stimmten beide Seiten darin überein, daß der Indianer zum Untergang verurteilt war,
mag man es persönlich bedauern oder bejubeln; zu stark war der Druck der weißen
Zivilisation gegenüber einer altertümlichen und überholten Lebensweise. Deshalb auch
versuchte man , besonders die Plains-Indianer zu einer seßhaften Lebensweise zu zwingen:
"The Indian must be presented with the alternative of survival as a farmer or extinction as a
huntsman." [...] "The Indian will never be reclaimed till he ceases to be a communist," George
Ellis stated. "He will be a vagabond and a pauper so long as he is not an individual proprietor
and possessor, with a piece of land held by him in fee..."(Dippie 108)
In der Zeit vor 1880 versuchte man in einem Wechselspiel von diplomatischen
Verhandlungen und militärischem Druck mehr und mehr Land abzutrotzen; die letzte große
Auseinandersetzung , die von indianischer Seite gewonnen wurde, war die Schlacht am Little
Big Horn 1876, bei der von einer Übermacht von vereinigten Plains-Stämmen unter Führung
der Sioux (Dakota) die gesamte 7. Kavallerie von Custer vernichtet
wurde. Kurze Auseinandersetzungen danach waren nur noch ein letztes Aufflackern, und
jeder weitere Widerstand war zum Scheitern verurteilt. Der einzige Ort, an dem man danach
noch verschiedene Stämme an einem Ort antreffen konnte, waren Wild West-Shows und
Indian exhibitions. Auch in diese Zeit der intensivsten Unterdrückung indianischer
Lebensweise fällt das Aufkommen der Ghost-Dance- Bewegung des Paiute-Propheten
Wovoka (ca. 1856-1932). Die zentrale Aussage war , daß wenn nur genügend Indianer sich an
diesemTanz und den religiösen Riten beteiligen würden, die Weißen vom Kontinent
verschwinden würden , die Büffel und längst verstorbene Krieger zurückkehren würden und
das Land wieder in die Hände der Urbevölkerung zurückfallen würde. Obwohl diese
besonders in Reservationen verbreitete Bewegung völlig gewaltfrei war , wurde sie brutal
unterdrückt ; trauriger Höhepunkt war das Massaker am Wounded Knee 1890, bei dem
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größtenteils betrunkenene Soldaten vom gleichen Regiment Custers über 150 Sioux, darunter
44 Frauen und 18 Kinder , umbrachten.
Im August 1911 fand man nahe einem Schlachthaus in Oroville , Kalifornien , einen
verwirrten und ausgehungerten Indianer , der eine unverständliche Sprache redete. Wie sich
später herausstellte , war Ishi (so sein indianischer Name) der letzte Überlebende des Yahi-
Stammes (vgl. Dippie 207).
Der Mythos des "letzten Mohikaners" (die übrigens heute noch als Stamm existieren , trotz
dem von J.F. Cooper gewähltem Buchtitels) schien plötzlich wahr geworden. Nachdem er
seine ersten Nächte im örtlichen Gefängnis verbracht hatte , nahm in Alfred L. Kroeber vom
Museum of Anthropology unter seine Fittiche und bekam so die einmalige Gelegenheit , eine
ausgestorbene Kultur an ihrem letzten Vertreter zu studieren. Ishi hatte sich Zeit seines
Lebens mit seiner Familie vor den Weißen versteckt und nie Kontakt zur weißen Zivilisation
gehabt. Er starb 1916.
Auch Edward S. Curtis sah , daß die alte Kultur der Indianer im Aussterben begriffen war ,
und hielt die indianischen Zeremonien und Lebensweisen der verschiedenen Stämme auf
Photographien und schriftlich fest (es gibt sogar heute noch einen von ihm gedrehten kurzen
Filmüber die Lebensweise eines Stammes der Nordwestküste). Er war unter den Indianern ,
mit denen er sich beschäftigte , ein hochgeachteter Mann.
In den letzten beiden Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts beschäftigte sich die US-
Regierung näher mit dem Problem der indianischen Bevölkerung.
Joane Nagel unterteilt die U.S. - Indian policy ab 1880 in vier unterschiedlich geprägte
Phasen:
"1880-1933 Assimilation and Incorporation
1933-1946 Indirect Rule
1946-1960 Termination
1960-1980 Economic Development and Self-Determination"(Nagel 459)
Die erste Phase ist besonders von einer Ablehnung der Stammesidentität gekennzeichnet; der
General Allotment Act von 1887 wies einzelnen Stammesmitgliedern Parzellen des
Reservationslandes zu, unter der Bedingung, diese auch landwirtschaftlich zu nutzen.
Überschüssiges Land wurde zur Besiedlung durch Weiße freigegeben. "By 1887 the tradition
of negotiation with Indian tribes was dead..."(Spicer 'dimensions' 182). "American Indian
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