Inhalt
A Einleitung 1
B Der Plotinische Stufenbau 2
1. Die erste Hypostase: Das Eine 2
2. Die zweite Hypostase: Der 3
3. Die Weltseele als Mittelglied zwischen mundus intelligibilis und mundus sensibilis 5
4. Der Kosmos und die einzelnen Seelen 6
5. Die 7
C Der Mensch und seine Bestimmung 8
1. Der Abstieg der Einzelseele 8
2. Umkehr zum Einen 9
D Schlussfolgerungen 10
Literatur 11
2 NA
A. Einleitung
Plotin ist einer der Begründer und der bedeutendste Denker des Neuplatonismus. Seine Philosophie beruht sich auf die gesamte antike Philosophie, aber erfolgt unter dem Einfluss Platons. Plotin schätzt Platon hoch und hält seine Philosophie für die richtige, da Platon die Idee von der absoluten Transzendenz des Einen über Sein und Vernunft und die Idee der Wirklichkeit als Dualismus zwischen der übersinnlichen und der sinnlichen Welt vertreten hat. Obwohl die intelligible und die sinnliche Welt in einer gegenseitigen Beziehung stehen und das gesamte Bild der Wirklichkeit als Dualismus erscheint, ist Plotins Metaphysik eher monistisch konzipiert, indem „alle Sphären einem einheitlichen System angehören und nach einem und zwar nach dem Ersten sich richten“ (Plotin, 55). Das Prinzip der Einheit steht im Mittelpunkt und wird als Voraussetzung der Vielheit begriffen.
Die Philosophie Plotins steht in der Tradition griechischer Metaphysik, indem sie sich mit der Frage nach der !$, nach dem Urgrund der Einheit des Ganzen, beschäftigt. Dieser Urgrund ist das Eine (), das unbedingte und absolute Prinzip allen Sein. Plotin hebt die Bedeutung dieses Prinzips hervor und deduziert die Welt aus dem abstrakten und bestimmungslosen Einen. Das Eine ist sogleich das Gute und das Göttliche, während das Seiende als stufenweises Hervorgehen aus dem Einen verstanden wird. Aus dem jenseitigen Einen entstehen die Vernunft ( #"), die Weltseele, der endliche Kosmos und die Materie (*). Jede Stufe der Wirklichkeit entsteht durch Emanation aus der vorigen Stufe, und die nachfolgende Stufe ist jeweils unvollkommener als die vorige. Jede Stufe repräsentiert die Einheit für jede nachfolgende, und so bildet die Reihe der Wesen eine konsequente Hierarchie: „Alle seienden Dinge lassen so, solange sie Bestand haben, aus ihrem Wesen notwendig ein Existentes zur Wirklichkeit werden, welches außen um sie liegt und abhängt von der Gegenwart ihrer Kraft, als ein Abbild gleichsam der Urbilder aus denen es hervorwuchs …“ (Plotin, 47).
Der Anfang und das Ziel aller Philosophie ist für Plotin die Gottheit, die höchste Stufe, und darüber hinaus der Gedanke der Rückkehr zum Einen. Das Seiende zeichnet sich durch eine dialektische Rückkehr aus dem irdischen in den göttlichen Zustand aus. Durch die innerseelische Geistigkeit nehmen die Menschen an der Idee Gottes teil und sind stets mit dem Absoluten verbunden. Es handelt sich bei Plotin um die Sehnsucht nach einem Zustand der Ruhe und Wahrheit, um philosophische Mystik. Entscheidend ist der Weg zum Ursprung zu finden, und damit zur unio mystica.
1
B. Der Plotinische Stufenbau
Das metaphysische Modell Plotins ergibt sich als System der Wirklichkeit, das auf Stufen oder Hypostasen harmonisch strukturiert, und aus einem absoluten Urgrund abgeleitet ist. Urgrund allen Sein ist das Eine, die oberste transzendente Einheit, die sowohl jenseits des Seins als auch des Denkens steht. Außer dem Einen erkennt Plotin zwei weitere Stufen in der intelligiblen Welt, der #" und die Weltseele. Alle drei Hypostasen sind hierarchisch
geordnet und jeder kommt ein unterschiedlicher Vollkommenheitsgrad zu. Alles Seiende ist bei Plotin ein Resultat des Schauens. Das Eine ist auf sich selbst gerichtet und bringt den
#"
hervor: „Insofern das Eine sich selbst zuwendet und erblickt, ist
es Nous. (V1, 7, 4). Denn mit dem Erblicken ist für Plotin bereits Andersheit gesetzt, und diese Andersheit nennt Plotin Nous. Nous wäre auf diese Weise nichts anderes als ein Aspekt des Hen“ (Schubert, 60). Der
#".
ist das Zweite nach dem Einen und sogleich das erste
Seiende. Er ist dem Einen ähnlich und beinhaltet alles Seiende. Der
#"
und überdies jede Wesenheit ist auf die obere Hypostase gerichtet, bekommt daraus die Kraft ihrer eigenen Wesen und zeugt ihrerseits eine weitere Stufe. So schaut der
#"
das Eine und erzeugt die
Seele, und weiterhin, indem die Seele auf den
#"
blickt, erzeugt sie die Natur und die einzelnen Seelen. Die letzte Stufe ist die Materie, die
*,
wonach kein weiteres Zeugen möglich ist. Die
*
ist ein Grenzbegriff, reine Potentialität, das Nichtseiende und gleichzeitig das Prinzip des Bösen.
Das Seiende umfasst ausschließlich die Stufen des #", der Seele, und der Natur: „Die
Welt ist das Seiende. Sie ist nicht in sich gegründet, sondern ein Zwischensein, ausgebreitet zwischen dem Überseienden und dem Nichtseienden“ (Jaspers, 46). Das Seiende ist sowohl intelligibler als auch sinnlicher Natur, und breitet sich zwischen dem Einen und der Materie aus. Sowohl das Eine als auch die
*,
der Begriff des Stoffes, sind reine Abstraktionen, zwei absolute Gegensätze, die außerhalb der gesamten Wirklichkeit stehen. Die Seele steht in der Mitte der Hierarchie und vermittelt zwischen der
mundus intelligibilis
der Vernunft und der
mundus sensibilis
der Natur. Sie ist der Weltschöpfer für die zeitliche Welt, aber zugleich bleibt in sich immateriell und ewig.
1. Die erste Hypostase: Das Eine
Der Urgrund allen Sein, das Eine, entzieht sich jeder Beschreibung und kann nur auf dem Weg der Negation angedeutet werden. Das Eine ist kein Sein, kein Seiende, kein Leben, kein Wesen, kein Denken: „...denn deshalb können ja alle Dinge von Jenem stammen, weil Jenes durch keinerlei Form eingenommen ist. Denn Jedes ist nur Eines; wäre es alles, so
2
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Gabriela Bara, 2006, Die Wirklichkeit und ihre Hypostasen in Metaphysik Plotins, Munich, GRIN Publishing GmbH
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