INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung 3
2. Zum Begriff „Stress“ 5
2.1. Stressentstehung und Stressempfinden 5
2.1.1. Stressoren 6
2.1.2. Subjektives Stresserleben 7
2.2. Stress und Stressoren im Arbeitsumfeld 7
3. Das Phänomen der Arbeitsplatzunsicherheit 8
4. Kennzeichnung des Stressors Arbeitsplatzunsicherheit 11
4.1. Merkmale des Stressors 12
4.1.1. Die Stress-Skala von Holmes und Rahe 13
4.1.2. Variablen subjektiver Arbeitsplatzunsicherheit 17
4.2. Auswirkungen von Arbeitsplatzunsicherheit als Stressor 19
5. Fazit 21
6. Anlage 22
6.1. Das S-O R-Modell 22
6.2. Übersicht und Klassifikation von Stressoren am Arbeitsplatz 23
6.3. Das Konzept der Arbeitsplatzunsicherheit von Greenhalgh und Rosenblatt 23
6.3. Das Konzept der Arbeitsplatzunsicherheit von Greenhalgh und Rosenblatt 24
6.4. Ergebnisse einer Betriebsräte-Befragung 24
6.4. Ergebnisse einer Betriebsräte-Befragung 25
6.5. Die Stress-Skala von Holmes Rahe 26
6.5.1. Struktur der Befragten 26
6.5.2. Social Readjustment Rating Questionnaire SRRQ 27
6.5.3. Social Readjustment Rating Scale SRRS 29
6.5.4. Life Changes Scaling across 30 years 29
6.5.4. Life Changes Scaling across 30 years 30
6.6. Auszug der Diskussionen über methodische Vorgehensweisen bei der
Befragung von subjektiver Arbeitsplatzunsicherheit 31
6.7. Telefonische Befragung des sozialwissenschaftlichen Umfragezentrums der
Universität Duisburg-Essen 32
6.7.1. Stichprobenstruktur der Befragten 32
6.7.2. Gesundheitliche Beschwerden und Wahrnehmung von
Arbeitsplatzunsicherheit 33
6.7.3. Gesundheitliche Beschwerden und Empfinden von Arbeitsplatzunsicherheit 34
Literaturverzeichnis 35
2
1. Einleitung
In Zeiten der Globalisierung sehen sich Betriebe oder Unternehmen vieler
Industrieländer immer häufiger gezwungen, u.a. durch Senkung der Kosten oder atypische Beschäftigungsverhältnisse ihre Rentabilität aufrecht zu erhalten, um auf
zunehmend unsicherer werdenden Märkten bestehen zu können. 1 Diese
Veränderungen haben enorme Auswirkungen auf die Beschäftigten und so ist u.a.
eine Zunahme von Belastungen zu verzeichnen. 2 Die allgemeine Erklärung für diese
Entwicklung lautet Stress, der in den letzten Jahren rasant und über alle Branchen
hinweg zugenommen hat 3 , und von der Weltgesundheitsorganisation zu einer der
großen Gefahren des 21. Jahrhunderts erklärt wurde. Zwar ist das Arbeits-leben rein
physisch gesehen durch umfassende Arbeitsschutzbestimmungen sicherer
geworden, auf der anderen Seite ist jedoch eine erhebliche Zunahme der
psychischen Belastungen
Arbeitsplatzunsicherheit, die „(…) zu einem der bedeutendsten Probleme im
gegenwärtigen Arbeitsleben geworden“ ist. 5
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Arbeitsplatzunsicherheit als Stressor.
Die Perspektive ist darauf gerichtet, inwieweit es sich bei Arbeitsplatzunsicherheit um
einen Stressor, also um „eine Stress verur-sachende Bedingung des Arbeitsplatzes
(…)“ 6 handelt und welche Auswirkungen daraus zu erwarten sind.
1 Vgl.: Hellgren, K.; Näswall, K.; Sverke, M.: Arbeitsplatzunsicherheit: Überblick über den Forschungsstand, in: Fehlzeiten-Report 2005, Springer-Verlag, Berlin – Heidelberg; 2006,
S. 60
2
Vgl.: Renz, J.: Wahrnehmung und Auswirkungen von Arbeitsplatzunsicherheit, Philosophische Fakultät der Universität, Freiburg / Schweiz; 2003,
3 Vgl.: Ahlers, E.; Brussig, M.: Gesundheitsbelastungen und Prävention am Arbeitsplatz – WSI-Betriebsrätebefragung 2004, WSI Mitteilungen; 11/2004,
4 Vgl.: Litzcke, S.; Schuh, H.: Stress, Mobbing und Burn-out am Arbeitsplatz, Springer-Verlag, Heidelberg; 2005, S. 2 sowie ohne VerfasserIn-Angabe: WHO-Vorbereitungstreffen
zum Thema Arbeitsleben und psychische Gesundheit, Weltgesundheitsorganisation; 2005,
5 Hellgren, K.; Näswall, K.; Sverke, M.: Arbeitsplatzunsicherheit: Überblick über den Forschungsstand, a.a.O., S. 61 sowie Dragano, N.; Siegrist, J.: Arbeitsbedingter Stress Folge von betrieblichen Rationalisierungsprozessen – die gesundheitlichen Konsequenzen, in:
Fehlzeiten-Report 2005, Springer-Verlag, Berlin – Heidelberg; 2006, S. 167
6 Schramm, F.: Beschäftigungsunsicherheit. Wie sich die Risiken des Arbeitsmarktes auf die
Beschäftigten auswirken, Rainer Bohn Verlag, Berlin; 1992, S. 155
3
Im ersten Kapitel konzentrieren sich die Ausführungen auf den Stressbegriff. Es werden u.a. seine charakteristischen Merkmale wie Stressoren sowie Aspekte bei seiner Entstehung erläutert.
Das zweite Kapitel befasst sich mit dem Phänomen der Arbeitsplatzunsicherheit, das anhand des
Arbeitsplatzunsicherheit von Greenhalgh und Rosenblatt vorgestellt und eingegrenzt wird.
Im dritten Kapitel wird Arbeitsplatzunsicherheit als Stressor verortet und gekennzeichnet. Dabei werden zwei Instrumente aus der empirischen Forschung vorgestellt und interpretiert, um die aus den bisherigen Ausführungen gewonnenen Aspekte hinsichtlich Bewertung und Kennzeichnung zu konkretisieren.
Letztes Kapitel
Arbeitsplatzunsicherheit als Stressor ergeben können und die Ausführungen dieser Arbeit beschließen.
Es muss an dieser Stelle der Hinweis darauf erfolgen, dass in dieser Arbeit kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden kann. Sowohl bei Stress als auch bei Arbeitsplatzunsicherheit handelt es sich um zwei sehr komplexe und vielschichtige Begriffe, deren detaillierte Durchleuchtung sowie die umfassende Darstellung aller bisherigen Forschungsansätze zu diesen Begriffen den Rahmen der Arbeit bei Weitem sprengen würden.
4
2. Zum Begriff „Stress“
Bei dem Begriff Stress handelt es sich um einen von vielen Faktoren wechselseitig beeinflussten Begriff. Es bietet sich demnach an zunächst einen Blick auf grundsätzliche Stresstheorien zu richten, woraus Erklärungen über das Zustandekommen und Erleben von Stress generiert werden können. Im zweiten Abschnitt wird der Fokus auf das Arbeitsumfeld verlagert, das den Rahmen dieser Hausarbeit darstellt. Hierfür müssen sowohl einige Aspekte konkretisiert, als auch Arbeitsplatzunsicherheit als psychischer Stressor verortet werden.
2.1. Stressentstehung und Stressempfinden
Der Begriff Stress wurde 1936 von dem Biochemiker Hans Selye erstmals in die Psychologie eingeführt. Selye stellte fest, dass Organismen auf Umweltereignisse mit Alarmreaktionen reagierten, wodurch der Körper mit Energie versorgt und schnell (beispielsweise) auf Gefahren oder Bedroh-ungen reagieren kann. Bei diesem physiologisch orientierten Ansatz spielt die Qualität eines Reizes keine Rolle. Unter Stress wurde grundsätzlich die bloße Aktivierungsreaktion eines Organismus auf äußere Anforderungen und Bedrohungen verstanden, was Stress auf instinkthaftes Verhalten reduzieren würde. 7
Weitaus interessanter ist die transaktionale Stresstheorie von Richard S. Lazarus (1970), der sich im Unterschied zu Selye für psychologische Prozesse interessierte und Stress als Wechselwirkung zwischen Reizen oder Anforderungen der Umwelt und kognitive Verarbeitungsmechanismen von Personen definierte. 8 Daraus lassen sich zwei Ebenen erkennen, auf die im Folgenden jeweils eingegangen werden soll: die Ebene der Stressoren und die subjektive Ebene des Stresserlebens.
7
Vgl.: Litzcke, S.; Schuh, H.: Stress, Mobbing und Burn-out am Arbeitsplatz, a.a.O., S. 6 S. 21f sowie Kolip, P.: Theorien und Modelle von Gesundheit und Krankheit, Institut Health und Pflegeforschung; 2006/2007,
8 Vgl.: Oppolzer, A.: Gesundheitsmanagement im Betrieb, VSA-Verlag, Hamburg; 2006, S. 91
sowie Litzcke, S.; Schuh, H.: Stress, Mobbing und Burn-out am Arbeitsplatz,
2.1.1. Stressoren
Unter Stressoren werden die Reize aus der Umwelt verstanden, die bei Individuen eine Stressreaktion auslösen (können). 9
Dabei kann eine grundsätzliche Unterscheidung zwischen physischen und psychischen Stressoren erfolgen. Physische Stressoren beinhalten Reize, die auf den Körper wirken. Als Beispiele sollen hier u.a. Lärm, Temperatur-schwankungen, Hunger oder schwere körperliche Arbeit genannt sein. Psychische Stressoren umfassen allgemein Über- oder Unterforderung, was weiter nach quantitativen (z.B. Zeitdruck, hohe Arbeitsintensität u.v.m.) oder qualitativen Diskrepanzen (z.B. geringer Handlungsspielraum, wider-sprüchliche Aufgaben etc.) differenziert werden kann. Hier ist eine weitere Unterscheidung nach psychosozialen Stressoren möglich, worunter beispielsweise soziale Konflikte wie Mobbing oder emotionale Belastungen wie Angstzustände (um nur einige zu nennen) zu verstehen sind. 10
Stressoren stehen in Wechselbeziehungen zueinander, können alleine oder gemeinsam auftreten, sich gegenseitig ergänzen oder verstärken sowie aus völlig verschiedenen Lebensbereichen stammen (Bsp. Arbeit oder Familie). 11 Die Stärke eines Stressors ergibt sich aus den Merkmalen Dauer, Vorhersag-barkeit, Kontrollierbarkeit und Intensität (i.S.v. Überforderung, wie sehr eine Person durch den Stressor an ihre Grenzen stößt). 12 Vor allem Stressoren, die nicht punktuell, sondern andauernd sind, bieten enormes Potenzial, chronisch zu werden. Hieraus kann sich im schlimmsten Fall eine sog. Stress-Spirale ergeben, wodurch der Stresszustand und die Stressreaktionen um ein Vielfaches verstärkt werden können. 13
Doch nicht jeder Stressor wirkt bei Individuen in derselben Art und Weise oder führt zu gleichen Stressreaktionen. 14 Die Wirkungsweise von Stressoren hängt ab vom subjektiven Stresserleben, was Thema im nachfolgenden Abschnitt sein wird.
9
Vgl.: Kolip, P.: Theorien und Modelle von Gesundheit und Krankheit, a.a.O., Folie 11
Allenspach, M.; Brechbühler, A.: Stress am Arbeitsplatz, Verlag Hans Huber, Bern; 2005, S. 37
sowie Litzcke, S.; Schuh, H.: Stress, Mobbing und Burn-out am Arbeitsplatz, a.a.O., S. 6
10 Vgl.: Ebenda, S. 6 sowie Kolip, P.: Theorien und Modelle von Gesundheit und a.a.O., Folie 11 sowie Oppolzer, A.: Gesundheitsmanagement im Betrieb, a.a.O., S. 91f
11 Vgl.: Allenspach, M.; Brechbühler, A.: Stress am Arbeitsplatz, a.a.O., S. 37 sowie Litzcke, S.; Schuh, H.: Stress, Mobbing und Burn-out am Arbeitsplatz, a.a.O., S. 6
12 Vgl.: Ebenda, S. 10 und 14
13 Vgl.: Oppolzer, A.: Gesundheitsmanagement im Betrieb, a.a.O., S. 91f
14 Vgl.: Litzcke, S.; Schuh, H.: Stress, Mobbing und Burn-out am Arbeitsplatz, a.a.O., S. 6 und
14
6
2.1.2. Subjektives Stresserleben
Stressentstehung hängt maßgeblich von zwei subjektiven, kognitiven Bewertungsprozessen ab: 15 Die primäre Bewertung richtet sich auf die Wahrnehmung und Beurteilung einer Situation, die durch einen Stressor entsteht. Dabei kommt es darauf an, ob diese situative Veränderung als Herausforderung, als Verlust oder als Bedrohung empfunden wird. 16 Darüber entscheidet die sekundäre Bewertung, die
Bewältigungsressourcen abhängt. Unter Ressourcen werden in diesem Kontext innere Personenmerkmale wie beispielweise die persönliche Verfassung, gemachte Erfahrungen, Veranlagung oder Kompetenzen sowie äußere Personenmerkmale wie der soziale Hintergrund, finanzielle Status oder die Gesundheit verstanden. 17 Erst wenn die Ressourcen nicht ausreichend sind oder als solche bewertet werden, kommt es zur Entstehung von Stress. Dass dies demnach nur bei Verlust oder bei Bedrohung der Fall sein kann, macht das Wort „Herausforderung“ deutlich, das bereits eine positive Einstellung hinsichtlich der Bewältigungsressourcen signalisiert. 18
Im Ergebnis kann es dabei zu unterschiedlichen Reaktionen (behavioral, physisch, psychisch 19 ) kommen, auf die an spätere Stelle genauer eingegangen werden wird (Abschnitt 4.2.).
Abschließend sein angemerkt, dass bisherige Ausführungen anhand eines S-O-R-Modells bildhaft dargestellt werden können (siehe Anlage 6.1.).
2.2. Stress und Stressoren im Arbeitsumfeld
Die Arbeitswissenschaften trennen eindeutig zwischen Arbeitsbelastung, worunter alle äußeren Einflüsse und Anforderungen der Arbeitswelt verstanden werden, und
15 Vgl.: Ebenda, S. 6ff, sowie Kolip, P.: Theorien und Modelle von Gesundheit und a.a.O., Folie 18. Anmerkung: Begriffe primär und sekundär stellen keine Hierarchie oder Reihenfolge dar.
16
Vgl.: Renz, J.: Wahrnehmung und Auswirkungen von Arbeitsplatzunsicherheit,
sowie Litzcke, S.; Schuh, H.: Stress, Mobbing und Burn-out am Arbeitsplatz, a.a.O., S. 6ff und 14
17 Vgl.: Ebenda, S. 9 sowie Oppolzer, A.: Gesundheitsmanagement im Betrieb, a.a.O., S. sowie Renz, J.: Wahrnehmung und Auswirkungen von Arbeitsplatzunsicherheit, a.a.O., 31f
sowie Hellgren, K.; Näswall, K.; Sverke, M.: Arbeitsplatzunsicherheit: Überblick über den Forschungsstand, a.a.O., S. 67ff
18 Vgl.: Litzcke, S.; Schuh, H.: Stress, Mobbing und Burn-out am Arbeitsplatz, a.a.O., S. 6ff und
14 sowie Oppolzer, A.: Gesundheitsmanagement im Betrieb, a.a.O., S. 89ff. Anmerkung: Es kann auch zwischen Eu-Stress (positiv) und Dis-Stress (negativ) differenziert
werden, was in dieser Arbeit jedoch keine Rolle spielen soll.
19 Vgl.: Hellgren, K.; Näswall, K.; Sverke, M.: Arbeitsplatzunsicherheit: Überblick über den Forschungsstand, a.a.O., S. 71
7
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Verena Traut, 2007, Arbeitsplatzunsicherheit als Stressor, Munich, GRIN Publishing GmbH
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