Altes Testament Einleitung II
Dirk Fuisting
Studienjahr 2006/2007
Lesejournal vom Exodus bis 2. Samuel
11.06.2007
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Altes Testament Einleitung II
Dirk Fuisting
Lesejournal
Das Buch Exodus
Benötigte Arbeitszeit: 6 Std.
Der zeitliche Rahmen des Buches Exodus beginnt mit dem Tod Josefs (vgl. Ex 1,6) und endet
mit dem Bau der Stiftshütte (vgl. Ex 25-40).
Vom Aufbau her liegt eine Zweiteilung vor: es beginnt wie bei einem Western im Fernsehen
mit dem Kampf zwischen Gut, dargestellt durch das Volk Israel, und Böse, dargestellt durch
Ägypten (vgl. Ex 1,1-15,21). Der zweite Teil beschreibt die Wanderung durch die Wüste (Ex
15,22-40,38).
Ein ständig wiederkehrendes Motiv in diesem Buch ist das Sprechen Gottes mit Mose (vgl. z.
B. Ex 6,2.10.28; 7,8; 8,16; 9,8.13; 10,1; 12,1).
Ein wichtiges Thema des Buches ist der Bundessschluss Gottes mit dem Volk Israel (vgl. Ex
19,3-8). Die nachfolgenden Gebote, die Gott den Israeliten gibt, sind der Maßstab, an dem das
Volk seine Treue zu Gott beweisen soll.
Ein wichtiger Rückgriff auf das Buch Genesis findet sich in Ex 1,9, wo der Pharao erkennt,
dass die Söhne Israels zu einem großen Volk geworden sind, was in Gen 12,2 von Gott
verheißen worden war.
Die Datierung des Exodus und der Landnahme Israels
Wann fand der Exodus und die Landnahme Israels statt? In 1 Kön 6,1 steht, dass der Exodus
476 Jahre vor dem Regierungsantritt Salomos, der auf ca. 1000 v. Chr. datiert wird, stattfand.
Demnach hätte der Exodus um 1450 v. Chr. stattgefunden, was auch zu Gal 3,17 passt.
Dagegen wird die Errichtung der Städte Pitom und Ramses (vgl. Ex 1,11) auf die
Regierungszeit Ramses II. (13. Jh. v. Chr.) datiert. J. J. Bimson macht in seinem Artikel ,,Die
Akte ,Exodus'" plausibel, dass die Zeit um 1450 v. Chr. aufgrund archäologischer
Erkenntnisse wahrscheinlicher ist.
1
Jericho war nämlich nur zu dieser Zeit eine stark
befestigte Stadt. Im 13. Jh. v. Chr. war Jericho nicht bewohnt, da zuvor nach archäologischen
Erkenntnissen die Stadtmauern eingestürzt waren (vgl. Jos 6,20) und danach ein Feuer die
Stadt zerstört hatte (vgl. Jos 6,24).
2
Inhalt des Buches Exodus
Die Hauptperson des Buches ist Mose. Über seine Herkunft und Kindheit berichtet das zweite
Kapitel des Buches Exodus. Er wird zu einer Zeit geboren, als den Israeliten befohlen war,
jeden neugeborenen Sohn in den Nil zu werfen, damit er stirbt (vgl. Ex 1,22). Moses Mutter
aber legt ihn in ein Schilfkörbchen am Ufer des Nil, wo er von der Tochter des Pharao
gefunden wird, die ihn wie ihren eigenen Sohn annimmt (vgl. Ex 2,1-10).
Als Mose erwachsen ist, zeigt sich sein aufbrausender, ja vielleicht sogar jähzorniger
Charakter. In einem Wutanfall erschlägt er einen ägyptischen Sklavenaufseher (vgl. Ex
2,11f.). Daraufhin flieht Mose nach Midian, wo er seine Hilfsbereitschaft unter Beweis stellt
und Zippora, die Tochter des Priesters von Midian, heiratet, die ihm einen Sohn gebiert, den
Mose Gerschom nennt (vgl. Ex 2,15-22).
In Midian ergeht die Berufung Gottes an ihn, dass er die Israeliten aus der ägyptischen
Knechtschaft befreien soll (vgl. Ex 3,10). Gott hatte nämlich die Hilfeschreie des Volkes
Israel gehört und weil er an seinen Bund mit Abraham, Isaak und Jakob dachte, kümmerte er
sich um sein Volk (vgl. Ex 2,23-25; 3,7-9). Darin offenbart sich Gottes Mitleid mit den
Menschen. Gott leidet mit, wenn sein Volk leidet.
Die Szene am brennenden Dornbusch hat Marc Chagall in einem berühmten Gemälde
festgehalten (siehe Titelblatt). Auf ihm sieht man, wie Mose vor dem Dornbusch niederkniet
1
Vgl. J. J. Bimson, Die Akte ,,Exodus", in : Abenteuer Archäologie 4/2004, 21-28.
2
Vgl. ebd., 28.
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(oder genauer gesagt: vor dem im Dornbusch sich offenbarenden Gott), wobei er sich mit
seiner rechten Hand an das Herz greift eine Geste der Ergriffenheit. Von seinem Kopf gehen
zwei Strahlen aus eine Antizipation von Ex 34,29, wo es heißt, dass sein Gesicht strahlte.
3
Im Hintergrund rechts weiden die Tiere, die er hütet. Links auf dem Bild ist der brennende
Dornbusch, über dem das Tetragramm in einer Gloriole erscheint. Über all dem Geschehen
schwebt ein gelb-grüner Engel, wobei das Gelb die Widerspiegelung der Herrlichkeit Gottes
ist, das Kabod-Licht, und Grün die Farbe der Hoffnung, da nun die Befreiung des Volkes
Israel aus der Knechtschaft naht.
Mose hält sich für zu gering, als dass er dem Pharao gegenübertreten könnte (vgl. Ex 3,11),
zumal er nicht gut zu reden weiß (vgl. Ex 4,10). Außerdem befürchtet er, dass die Israeliten
ihm nicht glauben werden (vgl. Ex 4,1). Doch Gott macht ihm klar, dass es nicht auf Moses
Können ankommt, sondern dass es nur wichtig ist, sich Gott zur Verfügung zu stellen, damit
Er durch Mose wirken kann. Daraus kann ich für mein Leben lernen, dass es nicht unbedingt
darauf ankommt, perfekt zu sein, bevor Gott mich gebrauchen kann, sondern dass Er gerade
durch meine Schwachheit sich mächtig erweisen kann (vgl. 2 Kor 12,9).
Die Folge von Moses Gehorsam gegenüber Gott ist zunächst, dass das Volk Israel noch mehr
zu leiden hat als bisher, woraufhin die Israeliten verständlicherweise wütend auf ihn sind (vgl.
Ex 5). Mose versteht Gott nicht mehr, warum Er das Volk noch mehr knechten lässt statt es
zu befreien (vgl. Ex 5,22).
Das Ziel des Handeln Gottes ist, dass alle die Israeliten, Mose, die Ägypter und der Pharao -
erkennen sollen, dass Er der Herr ist (vgl. Ex 6,7; 7,5.17; 8,6.18; 10,2). Der Pharao hatte von
sich sagt, dass er den Herrn nicht kennt und auf Seine Stimme nicht hört (vgl. Ex 5,2) jetzt
bekommt er seine Macht deutlicher zu spüren, als ihm lieb sein kann. Denn er muss erkennen,
dass seine Macht nicht absolut ist und dass er kein Gott ist, sondern dass noch jemand der
einzig wahre Gott über ihm steht.
Durch zehn Plagen wird der Pharao gefügig gemacht. Diese Plagen sind ein Vorgeschmack
auf das Gericht der sieben Posaunen, das noch bevorsteht (vgl. Offb 8-9).
Vor dem Auszug aus Ägypten schlachteten die Israeliten in jedem Haus ein Lamm (vgl. Ex
12), worauf sich das Passahfest begründet. Im NT wird Jesus als ,,Passahlamm" bezeichnet
(vgl. 1 Kor 5,7); somit ist das Passahlamm ein Antitypus für Christus. In 1 Pt 1,19 wird darauf
3
Vom 12. bis 16. Jh. hat man Mose aufgrund eines
Übersetzungsfehlers mit zwei Hörnern dargestellt.
Berühmtestes Beispiel dafür ist wohl Michelangelos
Moses-Statue in San Pietro in Vincoli in Rom.
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hingewiesen, dass Jesus ebenso wie das Passahlamm ,,ohne Fehler" war (Ex 12,5). Wie an
dem Passahlamm kein Bein zerbrochen werden durfte (vgl. Ex 12,46; Num 9,12), so wurden
auch Jesu Beine nicht zerbrochen (vgl. Joh 19,36; siehe auch Ps 34,21).
Den Auszug aus Ägypten beschreibt ein berühmtes Spiritual, indem die schwarzen Sklaven in
Amerika ihre Hoffnung auf Befreiung zum Ausdruck brachten.
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Der Bundesschluss ist eine zentrale Stelle des Buches. Die Israeliten sollen ,,ein Königreich
von Priestern und eine heilige Nation" sein (Ex 19,6). Die gleiche Formulierung benutzt
Petrus in seinem ersten Brief (2,9), um zu zeigen, dass diese Berufung nun auf die Christen
übergegangen ist.
Aus der Wüstenwanderung der Israeliten bringt Paulus einige warnende Beispiele, wie wir
uns nicht verhalten sollen (vgl. 1 Kor 10,1-10). Die Israeliten hatten Gott die Befreiung aus
Ägypten nämlich damit gedankt, dass sie gegen Ihn murrten (vgl. Num 14,1-4; 1 Kor 10,10)
und sich einen anderen Gott bauten (vgl. Ex 32; 1 Kor 10,7). Das führt mich zu der Frage, wie
dankbar ich meinem Gott bin, der mich befreit hat.
Erstaunlich sind die extremen Stimmungsschwankungen des Volkes Israel. Manchmal sind
sie voller Begeisterung für den Herrn und bereit, alle seine Weisungen zu befolgen (vgl. Ex
24,3.7), doch dann errichten sie ein Goldenes Kalb, welches sie anbeten (vgl. Ex 32,1-6),
sodass Gott sagt: ,,Sie sind schnell von dem Weg abgewichen, den ich ihnen geboten habe."
(Ex 32,8).
In den Kapiteln 24-40 ist fast ununterbrochen vom Bau der Stiftshütte die Rede. Bis in die
kleinsten Details wird deren Anfertigung von Gott vorgeschrieben. Wenn ich dies lese,
wundert es mich nicht, dass die Pharisäer eine scheinbar übertriebene Gesetzlichkeit an
den Tag legten (vgl. Mt 23,23). Ich vermute, wenn ich mit so vielen Details überschüttet
worden wäre, die ich einhalten müsste, dann würde ich wohl auch das eigentliche Ziel
dahinter vergessen, weil ich mich ständig fragen würde, ob ich auch alles richtig mache.
4
Verfügbar über:
http://web.utanet.at/toscherf/Kirche/Kirchentxt/When_Israel_was_in_Egypt_land.htm
(inclusive Melodie). Datum des Zugriffs: 24.11.2006
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Grafik verfügbar über:
www.uni-essen.de/.../images/egypt-lehmziegel.gif
.
Datum des Zugriffs: 10.03.2007.
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Das Buch Leviticus
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Benötigte Arbeitszeit: 5 Std.
Beobachtungen / Eindrücke / Fragen
Beim Lesen der Opfervorschriften bin ich dankbar dafür geworden, dass wir diese nicht mehr
beachten müssen, denn sie erscheinen mir wie gesetzliche Äußerlichkeiten. Immer wieder
erscheint in Kap. 4+5 die Formulierung ,,So erwirke der Priester Sühnung für..." (Lev
4,20.26.31.35; 5,10.13). Wenn man das Wort ,,so" betont, dann bedeutet es, dass ein Fehler
bei der Opferung die Sühnung nicht bewirken kann. Ich frage mich, warum Gott die Opfer
und deren genaue Einhaltung so wichtig waren, dass er ihnen so viel Platz in der Bibel
einräumt. Dass man nicht von dem vorgeschriebenen Opferritus abweichen darf, zeigt die
Geschichte von Aarons Söhnen Nadab und Abihu, die für ein Vergehen beim Opfern mit dem
Tod bestraft wurden (10,1f). Ich denke, die Opfergesetze so ausführlich sind, damit man sich
Gott nicht leichtfertig naht.
Häufig wiederholt sich die Aussage: ,,Und der HERR redete zu Mose". Es erstaunt mich
immer wieder, dass Mose so deutlich die Stimme Gottes vernahm. Wenn ich vor schwierigen
Entscheidungen stehe, wünsche ich mir, dass ich auch so deutlich Gottes Stimme hören
könnte.
Hauptinhalte
Opfer (Kap 1-7)
Brandopfer (1
/ 6,1-6)
Speiseopfer (2,1-11 / 6,7-16)
Erstlingsopfer (2,12-16 / -
)
Heilsopfer
(3
/ 7,11-21)
Sündopfer
(4
/ 6,17-23)
Schuldopfer (5
/ 7,1-10)
Schlussgesetze ( -
/7,22-38)
Die Weihe Aarons und seiner Söhne (Kap. 8)
Opfer zur Sühnung für das Volkes (Kap 9)
Gesetze (Kap 9-15 / 17-22 / 24-27)
Der Versöhnungstag (Kap 16)
Jüdische Feste (Kap 23)
Lev 16 (Jom Kippur) und Hebr 9,1-10,10 im Vergleich
In Hebr 9,23 werden die irdischen Dinge als Abbilder der himmlischen Dinge bezeichnet.
Auch der Tempel, das Heiligtum der Juden ist laut Paulus nur ein ,,Gegenbild des wahren
Heiligtums" (Hebr 9,24). Es wird betont, dass Christus ein einziges Mal geopfert wurde (Hebr
9,25-28).
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Der Hohepriester opferte hingegen jedes Jahr (Lev 16,34).
Der Verfasser des Hebräerbriefes betont, dass Blut von Tieren die Sünden der Menschen nicht
wegnehmen kann (Hebr 10,4). Für die Juden war die Vorstellung der Sündenvergebung
aufgrund des Opfers am Versöhnungstag aber selbstverständlich. Wenn der Verfasser
schreibt, Gott nimmt das Erste weg, um das Zweite aufzurichten", so will er damit sagen, dass
die Opfer im Tempel bedeutungs- und damit sinnlos geworden sind. Da Christus, das wahre
Opferlamm geschlachtet wurde, müssen keine Abbilder dieses Opfers vollbracht werden,
sondern Sein Opfer ist vollkommen.
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Einführende Internetseiten:
http://de.wikipedia.org/wiki/3._Buch_Mose
;
http://www.animabit.de/bibel/lev.htm
;
http://www.bibel.lu/spip.php?article107
;
http://www.hagalil.com/judentum/torah/plaut/vajikra-bamberger-1.htm
;
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Dies widerspricht übrigens der katholischen Lehre, nach der Christus bei jeder Eucharistiefeier neu geopfert
wird.
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