Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 2
II. Historische Vorläufer 3
1.Die Reformbewegung von 1898 3
1.1 Yan Fu 4
1.2 Kang Youwei und Liang Qichao 4
2.Die Xinhai Revolution (xinhai geming M) und Sun Yatsen 5
III. Institutionen der alten Gesellschaft 6
1. Die 4. Mai-Bewegung als anti-traditionelle Bewegung 6
1.1 Die „Fünf Beziehungen“ 6
1.2 Reaktion und Beweggrund 7
1.3 Das Schriftwesen der klassischen Literatur 7
1.4 Reaktion und Beweggrund 8
1.5 Religion 9
1.6 Reaktion und Beweggrund 9
2. Die 4. Mai Bewegung als anti-feudalistische Bewegung 9
2.1 Yuan Shikais Herrschaft 9
2.2 Reaktion und Beweggrund 10
IV. Fazit 11
V. Bibliographische Angaben 12
1
I. Einleitung
Die 1919 von Studenten eingeleitete so genannte 4. Mai-Bewegung (Wusi Yundong -
4. Mai 1919, an dem die Studentendemonstration gegen die Unterzeichnung des Versailler Vertrages ihren Lauf nahm, oder er kann verstanden werden als eine ganze Periode 2 , dessen Zeitraum in der Literatur uneinheitlich festgelegt ist. 3 In dieser Arbeit wird die die Periode 1915-1921 den Kernzeitraum bilden. Mit dieser Periode wurde eine Phase des kulturellen Umbruchs eingeläutet, die bereits vor der 4. Mai Bewegung ihre historischen Vorläufer besaß.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Untersuchung der Frage, gegen welche Institutionen der alten Gesellschaft sich die 4. Mai-Bewegung richtete und weshalb gerade gegen diese. Dem Begriff “Institution“ soll hier eine Definition aus soziologischer Sicht zugrunde gelegt werden, da das soziale Zusammenleben der Menschen in Gemeinschaften und Gesellschaften sowie ihre damit verbundenen Werte und Normen betroffen ist. 4 “Institution“ sei hiermit begriffen als ein “soziales Gebilde, Organisation und Prinzip, das als Träger gesellschaftlicher Ordnung öffentlich anerkannt und garantiert ist. Hauptmerkmale sind relative zeitliche Konstanz, das einem kulturellen Muster folgende Zusammenwirken ihrer Glieder und normative Richtlinien, die mit Sanktionen und sozialer Kontrolle durchgesetzt werden“. 56 Diese Definition erfasst ein umfangreiches und variationsreiches Feld, aus dem sich für dieses Thema wichtige Elemente der alten Gesellschaft entnehmen lassen, gegen die sich die 4. Mai-Bewegung richtete. Die Arbeit stellt die 4. Mai-Bewegung als eine anti-traditionelle und anti-feudalistische Bewegung dar, verbunden mit ihren Beweggründen. Dabei ist es unabdingbar, wichtige historische Vorläufer der 4. Mai-Bewegung und damit verbunden ihre geistigen Stellvertreter voranzustellen. Die Arbeit schließt mit einem Fazit über die festgestellten Beweggründe.
1 MacFarquhar 119.
2 Spence 299.
3 Chow (1) definiert den Zeitraum von 1917-1921, Eastman (123) definiert den Zeitraum von 1915-1923, Schwartz (406-407) gibt keine feste Definition, sondern schreibt, dass bestimmte zu kombinierende Faktoren vor und nach dem 4. Mai 1919 zu dem Begriff 4. Mai Bewegung geführt haben. Er lässt die Phase der „intellektuellen Transformation“ bereits mit der Gründung der Peking Universität beginnen.
4 Joas 36.
5 Meyers Lexikon Online 2.0.
6 Definition Duden: (bes. Soziol., Anthrop.) „bestimmten stabilen Mustern folgende Formen menschlichen Zusammenlebens: die Institution der Ehe, der Familie (…)“.
2
II. Historische Vorläufer
1.Die Reformbewegung von 1898
In der Geschichte Chinas kennzeichnet die „Hundert Tage Reform“ 1898 einen wichtigen historischen Vorläufer der 4. Mai Bewegung von 1919. Nach der Niederlage Chinas im sinojapanischen Krieg (August 1894 - April 1895 7 ) fanden die Reformpläne ihren Ansatz nicht per se in einer Ablehnung traditioneller Moralvorstellungen und althergebrachter sozialer Ordnungssysteme, sondern vielmehr in der Bewahrung traditioneller Grundgedanken und Normen, insbesondere der Beibehaltung der bisherigen Staatsform. Yan Fu, Anhänger von Smith, Rousseau, Montesquieu, Huxley und insbesondere Darwin und Spencer 8 sowie der Anführer der Reformisten, Kang Youwei, waren die Stellvertreter der Reformisten von 1898. 9 Die Bildung der intellektuellen Kampagne „Gesellschaft zum Studium westlicher Errungenschaften und Reformmöglichkeiten in China“ 1895 10 um Kang Youwei und seinem Schüler Liang Qichao sahen ihre Aufgabe darin, eine fundamentale Änderung sämtlicher autarker Institutionen umzusetzen, 11 mit dem Ziel der Beendigung des bisher autokratisch regierten Kaiserreichs und der Etablierung einer konstitutionellen Monarchie. 12 Die folgende abrupte Beendigung der Reformen infolge des von der Kaiserinwitwe Cixi mit Hilfe Yuan Shikais inszenierten Staatsstreiches 1898 geschah jedoch nicht aus einer grundsätzlichen Ablehnung gegenüber Reformen heraus, sondern resultierte aus verschiedenen politischen Standpunkten zwischen dem Kaiser Guangxu und der Kaiserinwitwe Cixi. 13 Letzterer ging es um die Erhaltung ihrer politischen Macht, die ihr infolge einer Verschwörung des Kaisers unter Zuhilfenahme von Kang Youwei entzogen werden sollte. 14 Das Ziel der Errichtung einer konstitutionellen Monarchie ist damit nicht erreicht worden. Dennoch wurden einige Reformen erfüllt wie beispielsweise die Errichtung der Universität Peking und Schulen sowie die Abschaffung des staatlichen Prüfungssystems im Jahr 1905. 15 Die Prüfungen hatten in der Geschichte Chinas eine lange Tradition, in denen sich die Prüflinge an den Auslegungen der kanonischen Schriften sowie an den vier Büchern des Konfuzianismus zu orientieren hatten. 16
7 Spence 221.
8 Hu 120.
9 Schwartz, Themes in Intellectual History: May Fourth and After 410.
10 Franke, Das Jahrhundert der chinesischen Revolution 1851-1949. 72.
11 “(…) Still, to attain our objectives on a grand scale, we have to change institutions.” (Hu 112).
12 Franke, Chinas kulturelle Revolution. Die Bewegung vom 4. Mai 1919 90.
13 Franke, Das Jahrhundert der chinesischen Revolution 1851-1949. 74,78.
14 Bartke 53.
15 Franke, Chinas kulturelle Revolution. Die Bewegung vom 4. Mai 1919 34.
16 Ess 21.
3
1.1 Yan Fu
Yan Fu, der wie die meisten Reformer der Gentry Schicht entstammte, jedoch nicht zu dem Kreis gehörte, der die offiziellen Staatsprüfungen absolvierte 17 , übernahm überwiegend die gedanklichen Elemente über den Sozialdarwinismus aus der Sicht des englischen Philosophen und Soziologen Herbert Spencer 18 , der kontinuierlichen Wettbewerbsdruck als Grund für die Verbesserung von Individuen sah. 19 Im Gegensatz zu seinem Zeitgenossen Kang Youwei forderte er eine radikale „Verwestlichung“, 20 was eine radikale Ablehnung chinesischer Traditionen nicht zur Folge haben musste. 21 Bezogen auf die Wirklichkeit vertrat er eine rationale und zielorientierte Haltung. Seine Aufmerksamkeit richtete sich ganz auf die Mittel und Wege, auf deren der Westen zu seinem großen Besitztum gelangte, als da wären das Wissen über die Technologie, die Institutionen und die Infrastrukturen des Westens, 22 selbst wenn dies den „Barbaren“ entstammte. 23 Ein „neues Individuum“ sollte geschaffen werden, was später bei Liang Qichao der „neue Bürger“ sein sollte. 24
1.2 Kang Youwei und Liang Qichao
Er strebte, wie bereits erwähnt, zusammen mit seinen Anhängern die Bildung einer konstitutionellen Monarchie an, während er als Anhänger des Konfuzianismus 25 dem traditionellen Ordnungssystem treu blieb. 26 Kritik an der Vergangenheit übte er insofern, als dass er den Grund für den fortschrittlichen Stillstand Chinas und der fortschreitenden Entwicklung der fremden Mächte in einer jahrhunderte langen Missinterpretation der konfuzianischen Texte sah. 27 In diesem Zusammenhang bedeutete Modernisierung im Sinne Kang Youweis die Errichtung des Konfuzianismus zu einer Staatsreligion. 28 Im Gegensatz zu Yan Fu, der eine Modernisierung nicht in ein neues Gewand chinesischer Tradition kleiden
17 Schwartz, In Search of Wealth and Power. Jen Fu and the West 83.
18 „Für Herbert Spencer gehörte die Untersuchung menschlicher Gesellschaften in das Studium der biologischen Evolution. Sowohl in der Biologie wie in der Gesellschaft, betonte Spencer, laufen Struktur und Funktionsänderungen parallel. Von ihm stammt der Begriff „Überleben der Bestangepassten“.“ (zit. in Joas 28).
19 Mittelstraß 852.
20 zit. in Schwartz, In Search of Wealth and Power. Jen Fu and the West 81.
21 Schwartz, In Search of Wealth and Power. Jen Fu and the West 81
22 Schwartz, Themes in Intellectual History: May Fourth and After 412.
23 ” (…) we have no time to ask whether this knowledge is Chinese or Western, whether it is new or old. If one course leads to ignorance and thus to poverty and weakness, we must imitate it, even if it proceeds from barbarians and wild beasts, not to speak of higher order.” (Schwartz, In Search of Wealth and Power. Jen Fu and the West 49).
24 Schwartz, Themes in Intellectual History: May Fourth and After 412.
25 „Der Begriff „Konfuzianismus“ wurde erstmals von Jesuitenmissionaren im späten 16. Jh. verwendet und diente nachher als Bezeichnung für die mit dem chinesischen Weisen Konfuzius (551-479 v. Chr.) verbundene Denkschule.“ (Herder Spektrum 350).
26 Hu 666.
27 Schwartz, Themes in Intellectual History: May Fourth and After 410.
28 Ess 100.
4
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Maria Melanie Heinicke, 2006, 4.-Mai-Bewegung und kulturelle Erneuerung 1915-1921 in China, Munich, GRIN Publishing GmbH
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