Studienarbeit
Sommersemester 2007
am
Lehrstuhl für Energiewirtschaft
am
Institut für Energietechnik
Fakultät 3
Brandenburgische Technische Universität in Cottbus
Analyse von technischen Risiken und deren
Auswirkungen auf Investitionsstrategien bezüg-
lich Windenergieprojekten
von
Marco Groschke
Ort, Datum: Cottbus, 11.06.2007
Nachbearbeitung: 16.07.2007
Aufgabenstellung:
Ziel der Studienarbeit ist die Analyse von technischen Risiken und deren Auswirkungen auf
Investitionsstrategien in Windenergieprojekte hinsichtlich folgender Schwerpunkte:
Beschreibung von Motiven, Zielen und Strategien von Investoren im Bereich der Er-
neuerbaren Energien, insbesondere Windenergie
Beschreibung und Bewertung der wesentlichen technischen Risiken von Investitionen
in Windenergieprojekte (Prognoserisiken des zu erwartenden Energieertrages, techni-
sche Betriebsrisiken der Windenergieanlagen und der technischen Infrastruktur)
Weiterentwicklung eines Lebenszyklus-Modells für den Betrieb von Windenergiean-
lagen (Analyse der Aktivitäten und Akteure entlang der Wertschöpfungskette, Weiter-
entwicklung eines DCF- Kalkulationsmodells um ein Monte-Carlo-Simulations-
Modul insbesondere für die Berechnung der Renditeerwartung unter Betrachtung der
Unsicherheit der Bestimmung des Energieertrages [jährlicher Energieertrag, Schwan-
kung in einzelnen Jahren, langfristige Schwankungen oder Trends])
Ableitung und Bewertung von Maßnahmen zur Verringerung des Projektrisikos im
Vorfeld der Investitionsentscheidung
i
i
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis ...iii
Tabellenverzeichnis...iv
Abkürzungsverzeichnis...iv
1.
Einleitung ... 1
1.1.
Problemstellung... 1
1.2.
Zielsetzung ... 1
1.3.
Aufbau der Arbeit... 2
2.
Investitionsstrategien in Erneuerbare Energien- Projekte ... 2
3.
Das Lebenszyklusmodell von Windenergieanlagen ... 7
4.
Beschreibung von ausgewählten Risiken des Betriebs von
Windenergieanlagen... 10
4.1.
Grundlagen ... 10
4.1.1.
Physikalische Grundlagen der Windenergienutzung ... 10
4.1.2.
Windverhältnisse... 12
4.1.3.
Beschreibung von Windenergiekonvertersystemen ... 14
4.2.
Methoden der Ertragsprognose von Windenergieanlagen ... 17
4.2.1.
Die Windklimabestimmung ... 17
4.2.2.
Modellierung des Windfelds ... 19
4.2.3.
Modellierung des Parkwirkungsgrads... 21
4.2.4.
Technische Daten der WEA... 24
4.2.5.
Die Langzeitprognose ... 24
4.3.
Unsicherheiten der Ertragsprognose ... 25
4.3.1.
Unsicherheiten der meteorologischen Daten... 25
4.3.2.
Die Unsicherheit der Modellierung des Windfelds... 28
4.3.3.
Parkwirkungsgradunsicherheiten ... 29
4.3.4.
Die Unsicherheit der Leistungskennlinie ... 29
4.3.5.
Die Aggregation der Teilunsicherheiten ... 30
ii
ii
4.4.
Technische Risiken und Betriebsrisiken ... 31
4.4.1.
Der Klimawandel ... 31
4.4.2.
Die Jahresschwankungen ... 34
4.4.3.
Technische Verfügbarkeit ... 36
4.4.4.
Netzengpässe... 38
4.4.5.
Kosten- und Preisunsicherheiten... 41
5.
Entwicklung eines Simulationsmodells für die Renditeerwartung von
Windenergieprojekten ... 42
6.
Möglichkeiten der Reduzierung von Projektunsicherheiten im Vorfeld
der Investitionsentscheidung... 47
6.1.
Darstellung ausgewählter technischer Maßnahmen ... 47
6.2.
Darstellung ausgewählter betriebswirtschaftlicher Methoden ... 49
7.
Zusammenfassung und Ausblick ... 51
Danksagung... 53
Quellenverzeichnis... 54
Verzeichnis der Anhänge... 58
iii
iii
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Struktur eines EE- Investitionsprojekts... 3
Abbildung 2: Investitionszielgebiete von Iberdrola ... 6
Abbildung 3: Das Lebenszyklusmodell für ein Windenergieprojekt... 9
Abbildung 4: Verlauf des Leistungsbeiwertes in Abhängigkeit des Windverhältnisses ... 11
Abbildung 5: Hindernisturbulenzen ... 13
Abbildung 6: Rotormaterialkennwerte... 15
Abbildung 7: Vorgehensweise der Windenergieertragsbestimmung... 17
Abbildung 8: Ermittlung von Langzeitprognosen aus Kurzzeitmesswerten... 18
Abbildung 9: Weibull- Verteilung ... 19
Abbildung 10: Ablaufplan der Ertragsprognose mit WAsP... 20
Abbildung 11: Oberfläche des Programms WAsP... 21
Abbildung 12: Nachlaufeffekt einer WEA... 22
Abbildung 13: WEA- Aufstellungsmöglichkeiten mit und ohne bevorzugte Windrichtung... 23
Abbildung 14: Berechnete Leistungskennlinie einer Enercon E82 ... 24
Abbildung 15: Meteorologische Unsicherheiten... 28
Abbildung 16: Vergleich WAsP, FITNAH und Messwerte ... 29
Abbildung 17: Technische Daten der WEA... 29
Abbildung 18: Stark abweichende Leistungskurve eines komplexen Standorts... 30
Abbildung 19: Gesamtunsicherheit von Windenergieprojekten ... 31
Abbildung 20: Szenarienergebnisse WETTREG... 32
Abbildung 21: Entwicklung der regionalen Windgeschwindigkeiten in Deutschland ... 33
Abbildung 22: Verteilungscharakteristik der Langzeitprognose ... 35
Abbildung 23: Normierte Ertragsschwankungen von 2003 bis 2007 ... 35
Abbildung 24: Technische Verfügbarkeit im Jahr 2005 ... 36
Abbildung 25: Störungsursachen WEA ... 37
Abbildung 26: Erhaltungsaufwand und Zeitpunkt von WEA- Komponenten... 37
Abbildung 27: Schematische Darstellung des NSM ... 40
Abbildung 28: Darstellung der Normalverteilung ... 43
Abbildung 29: Histogramm für den Ertragswert bei geringen Unsicherheiten ... 45
Abbildung 30: Energieertragsunsicherheiten unter verschiedenen Parametern... 48
Abbildung 31: Funktionsweise eines Windderivats... 50
iv
iv
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Patentanmeldungen ausgewählter WEA- Anlagenhersteller ... 5
Tabelle 2: Rauhigkeitswerte... 13
Tabelle 3: Getriebearten ... 15
Tabelle 4: Windtrends ... 33
Tabelle 5: Prognose der Windverhältnisse in Nordeuropa... 34
Tabelle 6: Ausfallrate (MTBF) ... 38
Tabelle 7: Simulierte mittlere WEA Energieerträge bei verschiedenen Unsicherheiten ... 45
Tabelle 8: Simulierte Kapitalwerte bei verschiedenen Unsicherheiten ... 46
Abkürzungsverzeichnis
AEP
Annual Energy Production
allg.
allgemein
BAU
business as usual
bspw.
beispielsweise
c.p.
ceteribus paribus (unter sonst gleichen Bedingungen)
Ct
Eurocent
DCF
Discounted Cash Flow
Dena
Deutsche Energieagentur
EE
Erneuerbare Energien
EEG
Erneuerbare Energien Gesetz
EVU
Energieversorgungsunternehmen
FGW
Fördergesellschaft Wind
GWh
Gigawattstunden
IEC
International Electrotechnical Commission
ISET
Institut für Solare Energietechnik
IWET
Ingenieurwerkstatt Energietechnik
IWR
Internationales Wirtschaftsforum Regenerativer Energien
km
Kilometer
kW
el
Kilowatt elektrisch
kWh
Kilowattstunde(n)
m
Meter
MS
Microsoft
MTBF
Meantime between Failures
v
v
NSM
Netzsicherheitsmanagement
s
Sekunde
spez.
spezifisch
Stck.
Stück
TA- Lärm
Technische Anleitung Lärm zum Schutz gegen Lärm
TR
Technische Richtlinien
u. a.
unter anderem
vgl.
vergleiche
WAsP
Wind Analysis and Application Program
WEA
Windenergieanlage
WMEP
Wissenschaftliches Mess- und Evaluierungsprogramm
Formelzeichen
A
Rotor
Kreisfläche des Rotors
A
WEA
Flächenbeanspruchung Windenergieanlage
A
Wind
durchströmte Fläche des Windes
c
p
Leistungsbeiwert
D
Rot
Rotordurchmesser
E
a
jährlicher Energieertrag
E
S
Standardertrag
E
kin, Wind
kinetische Energie der Luftmassen
FE
Farmeffizienz
i
v
h
Häufigkeit der Windgeschwindigkeit v
i
i
Laufindex
k
A
Abstandsfaktor
LK
Leistungskurve
m
Wind
Masse des Windes
Wind
m
&
Massenstrom des Windes
n
Ende des Laufindex
P(X)
Wahrscheinlichkeit von X
P
Nutz ,WEA
durch WEA nutzbare Leistung des Windes
i
v
P
Leistungswert bei v
i
P
WEA
abgegebene Leistung des Windkonverters
P
Wind
im Luftmassenstrom enthaltene Leistung
PV
Produktionsverfügbarkeit
vi
vi
T
Zeitdauer
U
Unsicherheit
U
Wind
Unsicherheit der Windprognose
U
meteo
meteorologische Unsicherheit
v
Wind
Geschwindigkeit des Windes
z
Höhe
H
Hellmann Exponent
i
Netzverfügbarkeit
i
Technische Verfügbarkeit
el
elektrischer Wirkungsgrad/ Netzwirkungsgrad
Farmeffizienz
Rauhigkeitslänge
Wind
Dichte des Windes
µ
Erwartungswert
Standardabweichung
1
1
1.
Einleitung
1.1.
Problemstellung
,,Pleiten, Pech und Pannen", auch so können einige Projekte im Bereich der Erneuerbaren
Energien zusammengefasst werden. Unrealistische Ertragsprognosen und unterschätzte Be-
triebskosten sind Folgen einer schlechten Planung im Vorfeld der Investition und können zum
Scheitern des gesamten Projektes führen. Trotz der garantierten Einspeisevergütung und
(teilweise) vergünstigter Kredite werden/ wurden die finanziellen Erwartungen nicht immer
erfüllt. Beispielhaft sei hier der bayrische Windenergiepark Himmelreich genannt, der von
prognostizierten 3,1 Mio. kWh im Durchschnitt nur etwa 1,9 Mio. kWh Energieertrag pro
Jahr und Anlage erbrachte. Damit sind die Erlöse um fast 40 % niedriger als erwartet. Die
Wirtschaftlichkeit des Projekts ist somit nicht mehr garantiert. Die Anleger, die für ihren Bei-
trag zur Vermeidung von Kohlendioxidemissionen auch eine Rendite für das dafür eingesetz-
tes Kapital erhalten wollten, haben ihr Geld verloren (vgl. Politikforum, 2002).
1.2.
Zielsetzung
Das Ziel dieser Studienarbeit ist die Benennung und Beschreibung von Risiken und Unsicher-
heiten bei Investitionen in Anlagen zur Gewinnung von Energie aus Erneuerbaren Quellen.
Daraus werden Maßnahmen zur Verringerung der Risiken abgeleitet. Besonders risikoreich
sind Windenergieprojekte, da der Wind eine sehr unbeständige Energiequelle ist. Demzufolge
ist es für den Investor wichtig, sehr genaue Informationen über die Risiken der Energieer-
tragsbestimmung zu erhalten. Bei der Nutzung von Windenergie sind viele Variablen für den
Erfolg oder Misserfolg eines Projektes verantwortlich. Eine Modellierung des Zusammenwir-
kens der einzelnen Parameter ist eine gute Möglichkeit, die optimale Entscheidungsgrundlage
zu erhalten
1
. Da die Risiken im Vorfeld der Investition bestimmt werden sollen, bietet sich
eine Simulation durch Erzeugung von künstlichen Stichproben an. Eine geeignete Methode
hierfür ist eine Monte- Carlo- Simulation. Für die Ableitung von Investitionsstrategien sind
neben der Kenntnis von Risiken von Projekten auch Motive und Ziele der Investoren sowie
das Zusammenwirken der Akteure entlang der Wertschöpfungskette hilfreich.
Zusammenfassend ist die zentrale wissenschaftliche Fragestellung die systematische Darstel-
lung der Risiken und deren Auswirkungen bei Windenergieprojekten. Die vorhandene Litera-
tur geht vorwiegend auf spezielle technische bzw. auf globale Fragestellungen im Bereich der
Windenergie ein. Auch in Windgutachten für die Ertragsprognose wird bspw. das Nichtver-
fügbarkeitsrisiko der Anlagen meist ausgeklammert. Eine detaillierte Darstellung aller Risiko-
faktoren fehlt. Untersuchungen von Projektrisiken im Bereich der Windenergie setzen eine
interdisziplinäre Herangehensweise voraus, was die Schwierigkeit der Themenstellung der
Fragestellung verdeutlicht. Aufgrund der sehr speziellen Risikofaktoren bei der Ertragsprog-
1
Erst mit der Bestimmung von Eintrittswahrscheinlichkeiten kann von einem Risiko gesprochen werden. Ohne
Kenntnis der Wahrscheinlichkeit für das Eintreten eines Ereignisses spricht man genau genommen von Unsi-
cherheit (vgl. Schwarz, 2002, 221).
2
2
nose kann nur wenig von Erfahrungen aus anderen Investitionsprojekten zurückgegriffen
werden.
Das Ergebnis dieser Arbeit sind neben einem Monte- Carlo- Simulationstool, die zu beach-
tenden Unsicherheitsfaktoren und Handlungsoptionen zur Verringerung der Risiken.
1.3.
Aufbau der Arbeit
Nach der Einleitung, die die Problemstellung und Zielsetzungen der Arbeit erläutert, wird in
Kapitel zwei auf Investitionsstrategien in Erneuerbare Energien- Projekte eingegangen. Das
dritte Kapitel stellt das Zusammenspiel der Akteure im Lebenszyklus einer Windenergieanla-
ge dar.
Im vierten Kapitel, der Beschreibung der Risiken des Betriebs von Windenergieanlagen, geht
der Verfasser zunächst auf die Grundlagen der Windenergienutzung ein. Hierbei wird kurz
dargestellt, welche physikalischen Prozesse bei der Windenergienutzung relevant sind. Au-
ßerdem werden die standortspezifischen Windverhältnisse und die Technologie von Wind-
energieanlagen beschrieben. Für die Ertragsprognose werden Windgutachten erstellt, die im
Gliederungspunkt ,,Methoden der Ertragsprognose von Windenergieanlagen" erläutert wer-
den. Der dritte und vierte Abschnitt des Kapitels vier stellt die Unsicherheiten der Ertrags-
prognose sowie die Technischen Risiken und Betriebsrisiken dar.
Des Weiteren wird mit einer Monte- Carlo- Simulation dargestellt, welchen Einfluss die Un-
sicherheitsfaktoren, die in Abschnitt drei beschrieben wurden, auf die Rendite eines Projektes
haben (Kapitel fünf).
Schließlich werden im Kapitel sechs, anhand der Ergebnisse der Monte- Carlo- Simulation
sowie den Ergebnissen der Abschnitte 4.3 und 4.4, Maßnahmen zur Reduzierung der betrieb-
lichen Risken und die Minimierung des betriebswirtschaftlichen Risikos dargestellt (Kapitel
sechs).
Das Fazit im Kapitel sieben bildet mit der Zielstellung den Rahmen dieser Studienarbeit und
fasst die Ergebnisse des Verfassers zusammen.
2.
Investitionsstrategien in Erneuerbare Energien- Projekte
In diesem Kapitel untersucht der Verfasser Motive, Strategien und Ziele von Investoren in
Erneuerbare Energien speziell in Windenergieprojekte.
Ein Investitionsprojekt im Bereich der Erneuerbaren Energien kann in die Art des Projekts,
die Finanzierung sowie in die Wertschöpfungstiefe unterteilt werden (vgl. Abbildung 1).
3
3
Abbildung 1: Struktur eines EE- Investitionsprojekts
(Quelle: Eigene Darstellung)
Im Folgenden werden ausgewählte Akteure benannt und deren Strategien dargestellt.
a) Motive für die Investition
Zu Beginn der 90er Jahre waren Strom erzeugende WEA nur vereinzelt in Deutschland instal-
liert. Durch den ,,Pioniergeist" einzelner Investoren wurden erste Anlagen errichtet. Den In-
vestoren ist das Bestreben nach umweltfreundlichen, neuen Energiequellen zu unterstellen.
Letztlich haben diese Investoren überhaupt erst dafür gesorgt, dass sich eine Nachfrage nach
der WEA Technologie gebildet hat, die dann zu erhöhten Produktionskapazitäten und einem
entsprechenden Angebot an WEA führten. Zum Ende des Jahrtausends und dem Wechsel der
Bundesregierung in Deutschland kam ein neues ökologisches Bewusstsein auf (vgl. SPIEGEL
Online, Januar 2000). Es wurde ein neues Gesetz zur Förderung der Erneuerbaren Energien
geschaffen, welches durch eine hohe gesicherte Einspeisevergütung den Ausbau insbesondere
von WEA stark förderte. Auch steuerliche Vergünstigungen sorgten für eine hohe Nachfrage
im Bereich der Erneuerbaren Energien. Dies führte dazu, dass neben dem Umweltgedanken
vor allem der Renditegedanke der Investoren in den Vordergrund rückte. Rasante Wachs-
tumsraten und der Aufbau von Produktionskapazitäten waren die Folge.
4
4
b) Ziele der Investoren
Damit eine Investition erfolgreich wird, müssen im Vorfeld Ziele gesetzt werden, an denen
der Erfolg oder Misserfolg gemessen wird. Die Ziele bilden damit auch die Motive ab, die
Zielanforderungen genügen müssen. Mögliche Ziele für Investoren im Markt für Erneuerbare
Energien sind (vgl. Becker, 1993, 13):
Rentabilitätsziele
Erreichen eines definierten Gewinns
Hohe Ausschüttungen an Anteilseigner und Partner
Marktgerechter ROI
Risikominimierung durch ein diversifiziertes Portfolio
Markt- und Prestigeziele
Erreichen eines ,,Umweltimages" und Prestige
Befriedigung des ökologischen Bewusstseins der Investoren
Finanzielle Ziele
Nutzung von Steuer sparenden Geldanlagen
konstante Erträge
Ausschöpfung aller Fördermöglichkeiten
Marktstellungsziele
Erreichen eines definierten Marktanteils/ Umsatz durch Eindringen in EE- Markt
c) Strategien von Investoren im EE- Bereich
Aus den Motiven und Zielen leitet sich bei einer Realisation der Investition die Strategie ab,
mit der die gesetzten Ziele erreicht werden sollen. Je nach Position, die das Unternehmen am
EE Markt einzunehmen plant, müssen strategische Geschäftsfelder definiert werden. Hat
das Unternehmen mehrere Geschäftsfelder, so grenzen diese sich durch eine eigenständige
Marktaufgabe, einen eigenen Marktauftritt und einen individuellen Beitrag zum Unterneh-
menserfolg ab (vgl. Hax/ Majluf; 32 33 und 104 106). Im Folgenden werden Strategien
benannt, die zur jeweiligen beschriebenen Zielerreichung genutzt werden. Dabei wird nach
Akteuren unterschieden.
Die Anlagenhersteller
Den Anlagenherstellern sind Ziele aus allen genannten Zielgruppen zu unterstellen. Um im
Wettbewerb zu bestehen, lassen sich nach Porter (vgl. Meffert, 2000, 239- 242) drei Wettbe-
werbsstrategien für Anlagenhersteller identifizieren.
5
5
Kostenführerschaft
Die Strategie basiert auf besonders kostenorientiertem Denken und Handeln. Es werden dabei
durch Großeinkäufe, Ausnutzen der Marktmacht und günstige Vertriebswege Rabatte beim
Einkauf für die einzelnen WEA- Komponenten realisiert, die an den Kunden weiter gegeben
werden können. Aufgrund von Qualitätsansprüchen und Zuverlässigkeitsanforderungen von
WEA kann diese Strategie trotz geringer Preise zu Absatzproblemen führen.
Technologiespezialisierung
Die Technologiespezialisierung basiert auf einem Vorsprung durch ein einzigartiges Produkt.
Das Gebiet der EE- Technologien ist eine junge Branche. Dementsprechend hoch ist der tech-
nische Differenzierungsgrad. Einen Vorsprung kann ein Anlagenhersteller nur dann erlangen,
wenn er eine Technik entwickelt, die die Energieproduktion positiv beeinflusst, die War-
tungskosten senkt oder die Verfügbarkeit der Anlage erhöht. Der Technologievorsprung muss
durch entsprechende Patente gesichert werden und kann damit andere Markteilnehmer stark
einschränken. Hier ist der WEA- Hersteller GE (General Electric Power) zu nennen, der durch
die Entwicklung und Patentierung drehzahlvariabler WEA den Marktzugang anderer Anla-
genhersteller in den USA deutlich gehemmt hat. Dies führte dazu, dass die Mitbewerber ande-
re Technologien entwickeln mussten, um die Vorzüge drehzahlvariabler WEA zu nutzen und
auf dem amerikanischen Markt Fuß zu fassen. Auch ein Lizenzerwerb zur Verwendung eines
Patents des Konkurrenten ist möglich. Das führt zu unterschiedlichen Strategien bei Patenten.
Es gibt Hersteller, die durch umfangreiche Patentsicherung ihre Technologien und Märkte
schützen (De Vries, 2007; 88f.). Die folgende Tabelle zeigt eine Übersicht ausgewählter Pa-
tente und die notwendige Investition für die Anmeldung der Patente (Quelle: Eigene Darstel-
lung/ Berechnungen, in Anlehnung an Weinhold, 2006a, 42-45).
Tabelle 1: Patentanmeldungen ausgewählter WEA- Anlagenhersteller
Unternehmen
Patente [Stck] spez. Investition [/Stck] Gesamtinvestition
Enercon
1.795
25.000
44.875.000
Gamesa Eólica
35 +/- 17
25.000
875.000 +/- 425.000
Nordex
60
25.000
1.500.000
Repower Systems AG
80
25.000
2.000.000
GE
60 jährlich
25.000
1.500.000 /a
Durch ein hohes Engagement im Patentbereich und die damit verbundenen großen Anstren-
gungen im F&E- Bereich zeichnet sich insbesondere der deutsche Hersteller Enercon aus.
Aufgrund der Entwicklung von Ringgeneratoren bspw. kann Enercon auf das Getriebe ver-
zichten und hat damit einen Technologie- und Qualitätsvorsprung gegenüber anderen Anbie-
tern.
Gesamtmarktabdeckungsstrategie
Neben dem Bau von WEA- Anlagen erweitern die Hersteller ihren Geschäftsbereich zuneh-
mend, indem sie sowohl bei der Erstellung von Windertragsgutachten, bei der Planung und
Realisierung von Windenergieprojekten und bei der Wartung der Anlagen in Form von Voll-
wartungsverträgen aktiv werden.
6
6
Windenergie Investoren
Als Investoren können Privatpersonen, Betreibergemeinschaften, EVU's, (Renten-) Fonds,
institutionelle Anleger, Finanzgesellschaften und Firmen, deren Geschäftsbereiche eigentlich
in anderen Bereichen liegen, unterschieden werden. Zunehmend werden Unternehmen aus der
Energie- und Bauwirtschaft
2
tätig. Ein Beispiel für eine starke Tätigkeit ist das spanische Un-
ternehmen Iberdrola. Das Unternehmen hat die Erneuerbaren Energien als Haupttreiber der
Wachstumsstrategie benannt
3
.
Iberdrola hat sich zum Ziel gesetzt das weltweit führende Unternehmen des Erneuerbaren
Energien Sektors zu werden. Durch das strategische Investment bei Gamesa Eólica
4
sichert
sich Iberdrola einen zuverlässigen WEA- Hersteller und kann seine Expansionsstrategie bei
der Auslieferung der WEA absichern. Damit ist Iberdrola sowohl bei der technischen Be-
triebsführung, als auch bei der Entwicklung von Anlagen involviert. Die installierten Wind-
kapazitäten sollen von fast 4.000 MW (Jahr 2005), über 7.000 MW (Jahr 2007) auf über
10.000 MW im Jahr 2010 erhöht werden (vgl. Ristau, 2007, 103f., Iberdrola, May, 2007, 80).
Die Hauptzielgebiete der Investitionen zeigt Abbildung 2. Mit dem weltweiten Engagement
und dem großem Portfolio (auch an andere Erneuerbaren Energien) kann Iberdrola das Er-
tragsrisiko minimieren (vgl. bzgl. des Portfoliogedanken Blaha, 2007, 21- 28).
Abbildung 2: Investitionszielgebiete von Iberdrola
(Quelle: Iberdrola)
Das spanische Beispiel zeigt, dass auch etablierte Unternehmen der Energiewirtschaft ihre
Strategie auf erneuerbare Energien ausrichten. Die deutschen EVU's zeigen hier erst seit dem
Jahr 2005 größeres Engagement
5
. Zuvor verzichteten sie auf einen Wachstumsmarkt, die Di-
2
Mittlerweile dominieren sie den Markt deutlich.
3
Auch das portugiesische Unternehmen Energias de Portugal (EDP) ist stark im regenerativen Bereich aufge-
stellt. Iberdrola ist an diesem Unternehmen mit 9,5% beteiligt (vgl. May, 2007, 77- 81).
4
Iberdrola ist mit 24,39% an Gamesa Eólica beteiligt (vgl. Geschäftsbericht Iberdrola 2006).
5
Hierbei sind besonders E.ON und Vattenfall Europe aktiv geworden.
7
7
versifizierung der Erzeugung, hohe Renditen und eine Verringerung der Abhängigkeit von
Rohstoffen. Mit ihrem Know- How, den Personalressourcen und ihrer Kapitalkraft haben sie
jedoch herausragende Chancen, erfolgreich in diesem Segment tätig zu werden. Zudem bieten
die Erneuerbaren Energien hohe Renditechancen sowie eine Möglichkeit, das Image zu
verbessern.
Die Projektentwickler
Die Projektentwickler sind durch eine starke Spezialisierung oder durch eine breite Aufstel-
lung gekennzeichnet. Abbildung 1 zeigt, dass sich viele Projektentwickler auf die Standortak-
quisition, die Planung und Realisierung des Projekts beschränken
6
. Das Betreiben der Anla-
gen übernimmt ein technischer und/ oder wirtschaftlicher Betreiber. Auch die Finanzierung
mit Fremd- und Eigenkapital wird oft an Finanzinstitute wie z.B. an die Umweltbank abgege-
ben (vgl. Bettzieche, 2007, 72). Diese legt zur Finanzierung des Projekts einen Fonds auf,
oder beschafft anderweitig das benötigte Kapital (vgl. Abbildung 1). Es gibt jedoch auch Un-
ternehmen, die alle Wertschöpfungsbereiche inkl. der Finanzierung abdecken.
Auch in dem Bereich der Projektentwicklung, Realisierung und Anlagenbau ist der Marktfüh-
rer mit dem Misch-, Bau- und Immobilienkonzern Acciona ein spanisches Unternehmen. Die
bisher 163 errichteten Windparks haben eine Kapazität von 4.357 MW. Diese werden in Ei-
genregie betrieben, oder wurden für andere Windparkbetreiber errichtet (vgl. www.acciona-
energia.com und May, 2007, 80f.).
Auf die Ziele und Strategien weiterer Investoren soll im Rahmen dieser Arbeit verzichtet
werden.
3.
Das Lebenszyklusmodell von Windenergieanlagen
Die Lebenszyklusanalyse versteht sich als ein Instrument der systematischen Erfassung von
Produkten und Dienstleistungen, mit deren Hilfe Schlussfolgerungen zu ökonomischen, tech-
nischen, sozialen und ökologischen Fragestellungen getroffen werden (vgl. Marheineke,
2000, 9).
Der Lebenszyklus von WEA beginnt mit der Planungsphase, die grob von der Projektidee,
über die Standortakquisition bis zur Bau- und Einspeisegenehmigung abläuft. Für die erfolg-
reichen Genehmigungen ist der intensive Kontakt zu den Gemeinden, mit den Grundstücksei-
gentümern, dem Netzbetreiber und anderen Interessensgruppen notwendig. Die zum Teil pa-
rallel ablaufende technische Planung umfasst Schall- und Schattenwurfsgutachten, die sehr
wichtigen Wind- und Ertragsgutachten, Verhandlungen mit WEA- Herstellern und eine Bau-
leitplanung. Eine weitere zentrale, zeitgleich ablaufende Komponente ist die Erarbeitung der
Finanzierungsstruktur, die die Eigen- und Fremdkapitalausstattung des Projekts sicherstellt.
Dabei bedarf es Verhandlungen mit Kreditinstituten, der Erstellung von Emissionsprospekten,
6
Deshalb ist der ,,Betrieb" gestrichelt dargestellt.
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