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Martin- Luther- Universität Halle- Wittenberg
Institut der Medien- und Kommunikationswissenschaften
Seminar ,,Medienwandel in Frankreich und Deuschland", SS 2006
Thema der Hausarbeit:
,,TIMES, THEY ARE CHANGING?" SPIEGEL- AFFÄRE. 35 JAHRE DANACH
Verfasser: Alexander Malachow
Nürnberg, den 1.09.07
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Spiegel Affäre.
Gliederung:
0. Einleitung ___________________________________________________________3
1. Aktion ______________________________________________________________4
2. Der Artikel __________________________________________________________5
3. Strauß _____________________________________________________________6
4. Vorgeschichte _______________________________________________________9
5. Politische Lage______________________________________________________10
6. Landesverrat? ______________________________________________________11
7. Hintergründe und Zusammenhänge _____________________________________12
8. Zusammenfassung___________________________________________________14
9. LITERATURVERZEICHNIS ___________________________________________16
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0. Einleitung
Während meines Praktikums im Rundfunkmuseum Fürth begegnete ich dem ehemaligen
Konstrukteur eines führenden Radiounternehmens, einem Herrn N. , unter dessen Obhut ich an
der Vorbereitung einer Radioausstellung teilnahm. Ich konnte gar nicht ahnen, wie tief in der
Seele der älteren Generation der Westdeutschen das Thema der Spiegel- Affäre immer noch
verwurzelt sein könnte- bis auf ich dies bei einem unserer Gespräche feststellen konnte. Denn
eine der lebhaftesten Diskussionen entflammte sich genau über die ,,Spiegel" - Affäre. Binnen
einer Minute verwandelte sich der ruhige Mann in einen Fanatiker. Der Mann freute sich über die
Verhaftung von Rudolf Augstein, obwohl er, wie all
diejenigen, die damals vor lauter Freude wegen der Festnahme der Spiegel- Redakteure die
Sektflaschen aufmachten, keine einzige Zeile des besagten Artikels gelesen hatten (andererseits,
wer unter den damaligen ,,Spiegel" Sympathisanten hatte das schon auch getan?). Obwohl er
keine Zeile gelesen hatte, war er völlig auf der Seite der Staatsmacht. ,,Ich brauche auch nichts zu
lesen, um feststellen zu können, dass dieser Artikel landesverräterisch war!" fasste er sein Kredo
zusammen.
Meine berechtigte Frage, wen die ,,Spiegler" eigentlich verraten haben, obwohl für den
Landesverrat keinen Anhaltspunkt gegeben gewesen wäre, wurde von dem Herren mit
ausdrücklichen Dementis: ,,Nein, davon will ich nichts hören, die sind für mich ganz eindeutig
die Verräter" zurückgewiesen.
Mit vorliegender Hausarbeit wird versucht nicht nur den Fragen ,,Waren die ,,Spiegler" nun
richtig die Verräter?", ,,Was stand hinter der gesamten Aktion?" nachzugehen, sondern auch eine
weitere : ,,Wer konnte hinter dem Artikel gestanden haben?" zu beantworten und die bisher
kaum berücksichtigten Zusammenhänge zu beleuchten, die zwischen einzelnen Beteiligten und
den Machtinteressen verschiedener politischer und wirtschaftlicher Gruppen bestanden.
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1. Aktion
Am 26. Oktober wurden die Räume des Spiegels in Hamburg, später auch das Redaktionsbüro in
Bonn, durch die Polizei besetzt und durchsucht. Einen Tag später, am 27. Oktober 1962, gegen
21 Uhr, rückten Beamte der Sicherungsgruppe Bonn unter Führung des Bundesanwalts Buback
ins Hamburger >Spiegel< -Redaktionsbüro ein, präsentierten einen »auch zur Nachtzeit« gültigen
Durchsuchungs- und Beschlagnamebeschluss des Bundesgerichtshofs sowie Haftbefehle gegen
>Spiegel< -Herausgeber Rudolf Augstein und seinen Redakteur Conrad Ahlers.
Die Ermittlungsbeamten durchkämmten die Redaktionsräume, das Archiv, die Telefonzentrale
und alle Nebengelasse, selbst den Vorratsraum der Putzfrauen. Sie beschlagnahmten nicht nur
alles, was nur entfernt an Militärisches erinnerte, sondern auch alle Archivunterlagen zu
Straußaffären, insbesondere zu den Fällen »Fibag« und' »Onkel Aloys«. Bundeskanzler Adenauer
erklärte dazu im Bundestag: »Meine Damen und Herren, wir haben einen Abgrund von
Landesverrat im Land!«
In einem nächtlichen Ferngespräch hatte der damalige Verteidigungsminister Strauß den Militär-
attache an der Madrider Botschaft der Bundesrepublik, seinen alten >Spezi< Achim Oster,
veranlasst, den auf Spanien-Urlaub weilenden >Spiegel< -Redakteur Conrad Ahlers von der
spanischen Polizei festnehmen zu lassen; ein Interpol-Haftbefehl sei unterwegs. Damit sagte
Strauß bewusst die Unwahrheit. Die Bundesanwaltschaft hatte ihn bereits belehrt, dass die
Einschaltung von Interpol in Landesverratsfällen unzulässig und daher unterblieben sei. Doch
auch wenn es einen Interpol-Haftbefehl gegeben hätte, wäre Strauß zu dessen Erwirkung und
Durchführung nicht berechtigt gewesen.
Noch am selben Tag wurde Conrad Ahlers, zusammen mit seiner Frau, auf Veranlassung von
Franz Josef Strauß während seines Urlaubes in Málaga durch die spanische Polizei verhaftet.
Die Verhaftung Ahlers in Spanien erregte bei der Opposition besondere Empörung, da dort
damals noch der Diktator Francisco Franco herrschte. Am folgenden Tag, Samstag dem 27.
Oktober, stellte sich Rudolf Augstein der Polizei und wurde in Untersuchungshaft genommen.
Ferner hatte Franz Josef Strauß den >Militärischen Abschirmdienst< (MAD) seines Ministeriums
dazu missbraucht, die >Spiegel< -Redakteure überwachen zu lassen; auch vom Verlauf der
Aktion gegen den >Spiegel< ließ er sich vom MAD detailliert unterrichten.
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