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Hausarbeit zum Thema:
Französische Morphologie
Georg-August-Universität Göttingen
Philosophische Fakultät- Romanisches Seminar
HS: Übungen zur (Geschichte der) Romanischen Sprachwissenschaft
WS 2007/2008
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Inhaltsverzeichnis
Einleitung __________________________________________________________ 3
1. Definition von ,,Morphologie" _________________________________________ 3
2. Morphe, Allomorphe & Morpheme _____________________________________ 4
2.1 Morph und Morpheme ___________________________________________ 4
2.2. Allomorph & Minimalpaaranalyse __________________________________ 5
3. Klassifikation von Morphen zu Morphemen ______________________________ 7
4. Nullmorphem und Nullallomorph ______________________________________ 8
5. Morphemtypen ____________________________________________________ 8
6. Stammerweiterung ________________________________________________ 10
7. Besonderheiten __________________________________________________ 10
8. Flexion _________________________________________________________ 12
9. Wortbildung _____________________________________________________ 13
10. Vergleich der verwendeten Werke für die französische Morphologie ________ 16
10.1 ,,Einführung in die französische Morphologie" von N. Schpack-Dolt ______ 16
10.2 ,,Einführung in die französische Sprachwissenschaft" von A. Stein _______ 20
10.3 ,,Französische Sprachwissenschaft. Eine Einführung mit thematischem
Reader" von Monika Sokol __________________________________________ 22
10.4 ,,Linguistik- Eine Einführung,, (1996) von Heidrun Pelz ________________ 23
10.5 Schlussbemerkung ____________________________________________ 25
Bibliographie _____________________________________________________ 26
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Einleitung
Im Rahmen unseres Hauptseminars zur Geschichte der romanischen Sprachwissenschaft
möchte ich mich- wie auch schon in meinem Referat- mit der französischen Morphologie
befassen. Während des Seminars haben wir u.a. festgestellt, dass Sprache grundsätzlich auf
verschiedenen Ebenen betrachtet werden muss:
- auf Ebene der Synchronie und Diachronie
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- auf Ebene der langue und der parole
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- auf Ebene des Syntagmas und Paradigmas
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In meiner Hausarbeit werde ich mich daher zuerst mit dem Thema der Morphologie allgemein
beschäftigen. Des weiteren möchte ich einige Werke zur Einführung in die französische
Morphologie etwas genauer betrachten und mich mit dem Aufbau, wie auch mit dem Inhalt
der jeweiligen Werke auseinandersetzen. Zu Beginn möchte ich eine Definition von
,,Morphologie" anführen, da mir dies als ein sinnvoller Einstieg in das Thema und in die
Hausarbeit erscheint.
1. Definition von ,,Morphologie"
Der Begriff Morphologie wurde im 19. Jahrhundert von den Sprachwissenschaftlern
übernommen, um typische Wortbildungsmuster zu beschreiben. Ursprünglich stammt er von
Goethe, der ihn für die Lehre von den Formen, besonders in der Botanik, eingeführt hat.
August Schleicher
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übernahm ihn dann 1860 für die Sprachwissenschaft, allerdings nur als
Überschrift und zunächst wenig beachtet. Von Morphemen spricht erstmals Leonard
Bloomfield
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.
Die Morphologie ist der Teilbereich der Linguistik, der die Erforschung der bedeutungs- oder
funktionstragenden Elemente einer Sprache, der Morpheme, zum Gegenstand hat. Sie bildet
so ein wichtiges Teilgebiet der Sprachwissenschaft und beschäftigt sich mit Prinzipien bzw.
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Eine synchrone Sprachbetrachtung ist nichthistorischer Art, während die diachrone Betrachtung von
historischer Art ist
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langue Sprachsystem; parole Realisierung der Sprache
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Das Syntagma ist durch die benachbarten Elemente einer Äußerung determiniert, das Paradigma ist wiederum
durch die, an ihre Position einsetzbaren Elemente, determiniert
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August Schleicher (* 19. Februar 1821 in Meiningen; 6. Dezember 1868 in Jena) war ein deutscher
Sprachwissenschaftler
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Leonard Bloomfield (* 1. April 1887 Chicago, 18. April 1949 New Haven) war ein US-amerikanischer
Linguist, der eine behavioristische, sog. mechanistische Sprachanalyse betrieb
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Regularitäten der inneren Struktur von Wörtern. Der Fokus liegt hier in der Formlehre, die
vom Wort ausgeht. Die Morphologie besteht aus zwei Teilgebieten: Der Flexion und der
Wortbildung, wozu u.a. folgende Bereiche gehören: die Derivation, die Komposition und die
Kürzung. Einige Wissenschaftler zählen ebenfalls die Konversion zur Morphologie.
2. Morphe, Allomorphe & Morpheme
2.1 Morph und Morpheme
Laut Schpack-Dolt (2006) ist ein Morph eine minimale sprachliche Form, d.h. eine Form, die
nicht vollständig in kleinere sprachliche Formen zerlegt werden kann. Demnach ist ein
Morphem die kleinste bedeutungstragende Einheit der Sprache auf der Ebene der langue
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und
bedeutet, dass einzelne Wörter in all ihre bedeutungstragenden Elemente zerlegt werden
können. Hier geht es um die kleinsten sprachlichen Zeichen im Sprachsystem. Das Morphem
ist genauer klassifizierbar im Gegensatz zum Morph, welches das Ergebnis einer
Morphemsegmentierung darstellt, allerdings noch nicht klassifiziert ist. Ein Morph ist eine
nicht weiter zerlegbare, bedeutungstragende Einheit der Sprache, auf der Ebene der parole
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.
Das Wort curieux ist demnach also kein Morphem an sich, sondern zerlegbar in die beiden
Morphe {curi-} und {eux}. Das Morph {eux} kann wiederum mit anderen Morphen in
Verbindung gebracht werden (malheureux, vigoureux, amoureux, etc.), ebenso das Morph
{curi-} (curie).
Als weiteres Beispiel möchte ich nun das Adjektiv /maximal/ anführen. Dieses Adjektiv lässt
sich noch weiter in kleinere sprachliche Formen zerlegen. Es ist folglich zerlegbar in das erste
Morph /maxim/, was ,,höchst" entspricht und in das zweite Morph /-al/, was so viel bedeutet
wie ,,zugehörig". In der geschriebenen Sprache können wir folglich dieses Adjektiv /maximal/
in zwei Morphe zerlegen. Ein Wort kann sowohl aus nur einem Morph, als auch aus mehreren
Morphen bestehen. Im Folgenden möchte ich diese an einem Beispiel verdeutlichen:
Met /m/ 1 Morphem
Mett-re / m/, /tr/ 2 Morpheme
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langue = Gesamtheit des Wortschatzes und der Regeln des Spachsystems
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parole = das, was auf der Grundlage der langue produziert wird/werden kann (mündl./schriftl.); die
Realisierung der Sprache
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Re-mett-re /r/, /m/, /tr/
3 Morpheme
So können Wörter in mehrere, kleinere bedeutungstragende Einheiten zerlegt werden.
Ein weiteres Beispiel ist folgender Satz: Les oiseaux chantent..
Wenn dieser Satz nun in all seine bedeutungstragenden Elemente segmentiert werden soll,
sieht dies wie folgt aus: Les-oiseau-x-chant-ent. Les ist der Artikel im Plural, oiseau das
Substantiv, das s trägt die Bedeutung der Pluralform, chant- ist die Stammform des Verbs
(chanter) bzw. das Grundmorphem und ent ist schließlich das Flexionsmorphem, also die
Verbindung der 3. Person Plural Präsens Indikativ Aktiv.
Hieraus lässt sich schließen, dass minimale sprachliche Formen auch immer eine Bedeutung
haben, selbst wenn diese Bedeutung oft nicht eindeutig ist.
Grundsätzlich lassen sich jedoch zwei Definitionen für ein ,,Morph" anführen:
-
Ein Morph ist die kleinste Phonem- oder Graphemfolge, die eine Bedeutung
hat
-
Ein Morph ist die kleinste grammatisch relevante Phonem- oder Graphemfolge
(vgl. Schpack-Dolt, 2006, S. 7)
2.2. Allomorph & Minimalpaaranalyse
Bestimmte Morphe haben in Bezug auf ihre Bedeutung und Funktion eine so enge
Zusammengehörigkeit, dass man hier zwei Abstraktionsebenen einführen muss, um diese zu
unterschieden das Morphem ist die abstrakte Einheit auf der Ebene der langue und kann
aber auf Ebene der parole mehrere unterschiedliche Formen, sogenannte Allomorphe, haben.
Ein Beispiel zur Verdeutlichung:
Das Morphem {/voul-/} hat unterschiedliche, ihm zugehörige Morphe:
-
veu- ; voul- ; veul- ; veuill- ; voud-
Diese Morphe gehören also zum selben Morphem, d.h. sie sind Allomorphe desselben
Morphems. Dies gilt nicht nur für die geschriebene, sondern ebenso für die gesprochene
Sprache: /vø-/, /vul/ usw. sind Allomorphe des Morphems {/vul/} (vgl. Schpack-Dolt, 2006;
S. 9).
Das Morphem ist als eine Menge eines oder mehrerer Morphe. Diese Unterscheidung spielt
eine entscheidende Rolle, da es zwar Morpheme gibt, die nur ein Allomorph besitzen, aber die
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meisten Morpheme mehrere Allomorphe aufweisen. Wenn dies nicht so wäre, dann wäre die
Unterscheidung zwischen Morph und Morphem überflüssig.
Des weiteren zeigt sich die Vielfalt der unterschiedlichen Allomorphe eines jeweiligen
Morphems in Beispielen wie: imparfait, indifférent, illégal, inutile,...etc.
Die unterschiedlichen Allomorphe im-, in-, il-, in-,... haben die selbe Bedeutung und sind in
ihrer Schreibweise vom vorausgehendem Phonem abhängig. So wird beispielsweise in- vor
einem bilabialen Laut
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zu im-. Hier liegt also eine Variante des Morphems vor. Wenn sich,
wie eben erwähnt, die vorliegenden Wörter nur minimal unterscheiden wie z.B.
Renationalisation und Denationalisation, so handelt es sich um ein sogenanntes Minimalpaar.
Die Minimalpaar-Analyse ist jedoch vielmehr Aufgabe der Phonologie als die der
Morphologie, trotzdem bleibt es nicht aus, einen kurzen Einblick in dieses Kapitel der
Analyse zu werfen. Im Fokus der Phonologie steht nicht das Morphem, sonder das Phonem,
welches eine abstrakte Einheit auf der Ebene der langue darstellt. Phoneme sind die kleinsten
bedeutungsunterscheidenden, aber nicht bedeutungstragenden Einheiten einer Sprache.
Phoneme tragen für sich genommen keine Bedeutung, ersetzt man jedoch in einem Wort ein
Phonem durch ein anderes, ändert sich die Bedeutung: rose chose. Dies ist mit
,,bedeutungsunterscheidend" gemeint. Mit Hilfe dieser sogenannten Minimalpaaranalyse
lassen sich alle Phoneme einer Sprache systematisch erfassen und identifizieren. Liegt beim
Ersetzen oder beim Auslassen eines Lautes eine Änderung der Bedeutung des Wortes vor, so
können beide Laute unterschiedlichen Phonemen zugeordnet werden. Zu beachten ist jedoch,
dass es sich bei Phonemen nicht um die Laute selbst handelt. Von Muttersprachlern der
jeweiligen Sprache, wird ein Phonem als eine Gruppe von Lauten bezeichnet, die als
,,ungefähr gleich" empfunden werden (vgl. Schpak-Dolt, 2006, S.13).
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Bilabialer Laut = p, b, m
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3. Klassifikation von Morphen zu Morphemen
,,Der Grundgedanke ist, dass Morphe, die miteinander etwas zu tun haben, ein Morphem
bilden, während Morphe, die offenkundig nicht zusammengehören, auch dann nicht als
Varianten eines Morphems zählen sollen, wenn ihre Bedeutung sehr ähnlich ist" (siehe
Schpak-Dolt, 2006, S. 11).
Laut Schpak-Dolt (2006) gibt es fünf Klassifikationsprinzipien. Das erste Prinzip besagt, dass
diejenigen Morphe, die zu einem Morphem zusammengefasst werden, auch eine ähnliche
Bedeutung haben müssen, d.h. dass die Allomorphe eines Morphems die gleiche Bedeutung
haben müssen bzw. den gleichen Bedeutungskern, der sie von anderen Elementen im System
unterscheidet.
Das zweite Prinzip vertieft die erste Theorie und besagt, dass die Morphe, die zu einem
Morphem zusammengefasst werden, in keiner einzigen Umgebung
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und in keinem einzigen
Kontrast
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stehen. Wenn sich beim Austausch der sich ähnelnden Morpheme ein
Bedeutungsunterschied nachweisen lässt, dann handelt es sich nicht um zwei Allomorphe
desselben Morphems. Kontrastieren können nur die Elemente, die in der gleichen Umgebung
vorkommen. Als Beispiel lässt sich der Unterschied von déclinaison und déclination
anführen. Die deutlich unterschiedlichen Bedeutungen der beiden Wörter verbietet es die
Suffixe aison und ation als Allomorphe desselben Morphems gelten zu lassen (vgl. Schpak-
Dolt, 2006).
Das dritte Prinzip weist darauf hin, dass diejenigen Morphe, die zu einem Morphem
zusammengefasst werden, die gleiche Rolle im grammatischen Sprachsystem spielen müssen.
Beispiel: -logie ist ein Element und kein selbstständiges Wort. Es wird nur als Zweitglied in
gelehrten Zusammensetzungen verwendet wie u.a. in biologie, oder psychologie. Deshalb sind
die betreffenden Morphe trotz Bedeutungsähnlichkeit und komplementärer Distribution
jeweils verschiedenen Morphemen zugeordnet.
Im vierten Prinzip heißt es, dass die Gesamtbeschreibung möglichst einfach sein soll, damit
Morphe zu einem Morphem zusammengefasst werden können. Das fünfte sagt aus, dass bei
der Gruppierung von Morphen zu Morphemen strukturelle Parallelen vorhanden sein müssen;
dieses letzte Prinzip ist allen anderen Prinzipien übergeordnet.
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Umgebung bedeutet so viel wie die ,,Nachbarschaft" von einer sprachlichen Form zu weiteren Elementen der
gleichen Art. Somit wird festgehalten, dass die Umgebung von Morphen aus weiteren Morphen besteht.
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Kontrast beschreibt den Bedeutungsunterschied der entsteht, wenn zwei Morphe in einer Umgebung
kontrastieren, d.h. wenn durch Ersetzen des einen Morphs durch das andere Morph in der Umgebung ein
Bedeutungsunterschied entsteht.
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