ÄLTERE DEUTSCHE LITERATUR
SEMINAR 2: " WIE BEGINNEN MITTELHOCHDEUTSCHE EPEN?"
Der Beginn des Hartmannschen Epos ,,Gregorius" und die Frage:
Worin besteht die Schuld des Gregorius?
Vorgelegt von Caroline Boller im März 2008
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Inhaltsverzeichnis
1.
Einleitung ... 3
2.
Der Prolog des ,,Gregorius": Inhalt und Motive ... 4
2.1
Das Motiv des ,,zwîvels"... 4
2.2
Die beiden gegensätzlichen Wege: der ,,wec der helle" und die ,,saelden straze"... 5
2.3
Das Samaritergleichnis... 6
3.
Die Erzählung unterteilt nach Schauplätzen und Entwicklungsstufen im Leben des
Helden ... 8
3.1
Die Vorgeschichte: Schauplatz Aquitanien: Der Geschwister-Inzest, Geburt und
Aussetzung
des
Gregorius... 8
3.2
Der zweite Schauplatz: Die Klosterinsel ( zugleich erste Station des Gregorius) ... 12
3.2.1 Der Disput zwischen Gregorius und dem Abt ... 13
3.2.1.1 Der erste Teil des Disputes: Der Abt übergibt Gregorius die Ritterrüstung ... 14
3.2.1.2 Der zweite Teil der Auseinandersetzung zwischen Gregorius und dem Abt... 15
3.2.1.3 Der dritte Teil des Disputes zwischen Gregorius und dem Abt: Gregorius'
Abschied von der Klosterexistenz... 16
4.
Schauplatz Aquitanien: das Ritterdasein Gregorius' (zweite Station des Helden) ... 17
5.
Die Frage nach der Schuld des Gregorius... 19
5.1 Über die These, gemäß der das Verlassen des Klosters die persönliche Schuld des
Gregorius
darstellt ... 20
5.1.1 Die Cormeausche Argumentation gegen die These, gemäß der die Schuld des
Gregorius in dessen Klosterabschied zu finden ist... 20
5.1.2 Die Schieb-Nobelsche These der Unterlassungssünde des Gregorius ... 21
5.1.2.1 Die Begründung der Bußpflicht des Gregorius... 23
5.1.2.2 Kritik an der Nobelschen These ... 24
5.1.2.3 Die Nichtübernahme der Buße als Ausdruck der superbia des Gregorius... 25
5.1.2.4 Eigene Kritik an der Nobelschen These, dass Gregorius der superbia verfallen ist .. 26
5.2
Die Argumentation Kings gegen die Schieb-Nobelsche These der
Unterlassungssünde
des
Gregorius... 26
5.3
Die Cormeausche Auffassung, gemäß der Gregorius nur in objektiver Hinsicht
schuldig
ist... 30
6.
Schlusswort ... 33
7.
Literaturverzeichnis... 37
3
1.
Einleitung
Diese Hausarbeit unterteilt sich in zwei Themenbereiche:
Sie beschäftigt sich sowohl mit der Frage nach dem Beginn des mittelhochdeutschen Epos
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,,Gregorius" Hartmanns von Aue als auch mit der Thematik der Schuld des Gregorius, der
hier eine bedeutende Rolle zukommt.
Im Zuge dieser Hausarbeit werden folgende Fragen beantwortet:
1. Welches sind die wesentlichen Elemente, die den Prolog, die Vorgeschichte und den
Beginn der Handlung des Gregorius kennzeichnen? Wie und aufgrund welcher
Kriterien läßt sich Hartmanns ,,Gregorius" gliedern?
2. Welche Bedeutung besitzt der Begriff der Schuld in diesem Epos, und warum ist
dieser so zentral? Worin liegt die Schuld des Gregorius begründet?
Der erste Fragenkomplex bezieht sich auf die Form
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des Epos, der zweite behandelt die
zentrale Thematik desselben. Da Form und Inhalt dieses Werkes unauflöslich miteinander
verbunden sind, ergänzen sich die beiden Fragestellungen.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, zu zeigen, dass weder die These, gemäß der die personale Schuld
des Gregorius` in dessen Klosteraustritt zu finden ist, noch die Schieb- Nobelsche These ,
nach der die Schuld des Gregorius` in der Nichtübernahme der Buße für die Sünde seiner
Eltern bestehe, überzeugend ist.
1
In dieser Arbeit wird der Begriff ,,Epos" verwendet, um Hartmanns Werk zu bezeichnen, weil eine genauere
gattungsspezifische Bestimmung innerhalb der Forschung umstritten ist. Der ,,Gregorius" wird in der
Hauptsache zwar als Legende eingestuft, aber diese Einstufung beinhaltet zumeist eine Einschränkung: höfische
Legende, Legendenroman, Legendennovelle. Denn es finden sich im ,,Gregorius" sowohl legendarische als auch
höfische Elemente. So findet sich z.B. in der Okkupation Aquitaniens durch einen abgewiesenen Freier, die
Befreiung des Landes durch einen Ritter, sowie die Vermählung der Herzogin mit diesem das âventiure- Schema
des höfischen Romans wieder. Zu den legendarischen Zügen des ,,Gregorius" gehören u.a. die gefahrenlose
Aussetzung des Neugeborenen auf dem Meer sowie das Wunder, dass Gregorius, obwohl er 17 Jahre keine
Nahrung zu sich nimmt, am Leben bleibt. (s. Cormeau, Christoph, Störmer, Wilhelm: Hartmann von Aue.
Epoche, Werk, Wirkung. München 1993², S.126-127.)
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In dieser Arbeit orientiere ich mich an der Dittmannschen Gliederung des ,,Gregorius" nach Schauplätzen, die
zugleich die verschiedenen Entwicklungsstufen des Gregorius darstellen. Diese Art der Gliederung ist deshalb
besonders plausibel, weil der Schauplatzwechsel und die unterschiedlichen Stufen der Entwicklung des
Gregorius am Text belegt werden. Und somit stellt dieses Kriterium der Gliederung ein Maß an Objektivität
sicher, das andere Gliederungsansätze, wie z.B. die Gliederung Goebels, die auf dem Motiv zweimaliger
Trennung und Wiedervereinigung von Mutter und Sohn basierr. Denn im Gegensatz zu dieser erfasst die
Dittmannsche Gliederung alle für den Handlungsablauf wichtigen Elemente, ohne schon im Vorab in die
Hartmannsche Erzählung etwas hineinzulesen, was gemäß einer objektiven Lesart der Erzählung nicht
vorhanden ist.
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Diese Arbeit will vielmehr belegen, dass die Schuld des Gregorius´ in dessen Inzest mit seiner
Mutter besteht, und dass es sich dabei aber um keine personale Schuld, sondern nur um eine
objektive Schuld handelt, da Gregorius unabsichtlich den Inzest begangen hat.
2.
Der Prolog des ,,Gregorius": Inhalt und Motive
Der Prolog des ,,Gregorius" umfasst die Verse 1-176.
Zu Beginn des Prologs widerruft Hartmann die Motivation seines früheren dichterischen
Schaffens: ,,Mîn herze hât betwungen dicke mîne zungen daz si des vil gesprochen hât, daz
nâch der werlde lône stât: daz rieten im diu tumben jâr."
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Darauf folgt die Mahnung Hartmanns an sein Publikum, dass es unabdingbar sei, für die in
der Jugend begangenen Sünden zur rechten Zeit, und nicht erst im Alter zu büßen. Denn
derjenige, der sich nicht um rechtzeitige Buße für seine Sünden bemühe, nehme an, dass er
das Heil jederzeit mühelos erlangen könne. Diese Haltung, die unangemessene
Heilssicherheit, bezeichnet Hartmann als ,,vürgedanc".
Diese Haltung seiner jungen Jahre, beurteilt er nun aber als Sünde (V.38ff.), und gegen den
Begriff der Sünde hebt er den der ,,wârheit" (V.36) hervor. Sein Bestreben, die Wahrheit zu
erzählen, ist einerseits dadurch motiviert, den Willen Gottes zu erfüllen, andrerseits geht
dieses auf den persönlichen Wunsch zurück, sich von der Last, die er angesichts seiner
begangenen Sünden verspürt, zu befreien.
4
Hartmann erzählt die Geschichte des Gregorius dem Prolog zufolge aber nicht nur in der
Absicht, von der eigenen Schuld zu sprechen, sondern es ist zugleich seine Intention, durch
sie zu zeigen, dass keine Schuld so schwer wiegt, dass sie vor Gott nicht getilgt werden kann,
wenn die schuldige Person sie von ganzem Herzen bereue und niemals wieder sündige.
2.1
Das Motiv des ,,zwîvels"
Dem Begriff der Reue gegenüber stellt Hartmann den des Zweifels (,,zwîvel"), der den
Unglauben des Sünders bezeichnet, durch Bitten an Gott und die dazugehörige Buße,
schließlich doch das Heil zu erlangen. Es handelt sich dabei um eine von Verzweiflung
getragene Einstellung des Sünders, die wahre Reue und somit auch das Erlangen des Heils
verhindert. So sagt auch Cormeau zur Bedeutung des Begriffs des Zweifels (,,zwîvel") in
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von Aue, Hartmann, Gregorius: dergute sünder, mittelhochdeutscher Text nach der Ausgabe von Friedrich
Neumann, 1959, S.71 (V.1-5):"Oftmals hat meine herz meine zunge gefügig gemacht, daß sie vieles sprach, was
den beifall der welt begehrt."
4
s. Ebd., S.8-9 (V.35-42).
5
Hartmanns Erzählung: ,,Zwîvel ist die Verzweiflung am Heil, das Festhalten an der Sünde aus
der Verzweiflung, keine Gnade mehr zu finden."
5
Innerhalb der germanistischen Forschung ist es aber umstritten, in welchem Verhältnis der im
Prolog mehrfach genannte ,,zwîvel" zur Erzählung steht. Der These Cormeau gemäß, stellt
dieser nicht das Thema der Erzählung dar, sondern dient nur der Ermahnung der Leser.
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Der erste Teil dieser Behauptung, der ,,zwîvel" sei nicht das Thema der Erzählung, ist
schlüssig, denn dieser wird innerhalb der Erzählung nicht als zentraler Punkt behandelt. Ob er
dagegen aber nur der Ermahnung der Leser dient, ist fraglich, denn nachdem Gregorius und
dessen Mutter zu der Erkenntnis gelangt sind, dass sie Inzest begangen haben, leitet der
Erzähler die Rede des Gregorius mit den folgenden Worten ein: ,,
sinen zorn huop er hin ze
gote
."
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Denn Gregorius klagt Gott an, dass er seine Bitte um ein Wiedersehen mit der Mutter
zwar erfüllt habe, aber nicht in der Form wie er ihn darum gebeten hatte. Schließlich hatte er
ihn um eine Begegnung in Liebe und Güte gebeten, aber nicht um Inzest, und nun wünsche er
sich, sie niemals kennen gelernt zu haben.
Auch der Kommentar des Erzählers hebt die Verzweiflung des Sohnes und seiner Mutter
angesichts des von ihnen begangenen Inzests hervor:
,,Ich weiz wol daz Jûdas niht riuweger was dô er sich vor leide hie danne ouch diu zwei nû hie."
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Das Thema des ,,zwivels" findet sich also innerhalb der Erzählung wieder, und dies an einer
bedeutenden Stelle der Erzählung, nachdem beide erkannt haben, dass sie miteinander eine
inzestuöse Verbindung eingegangen sind
Der zweite Teil der Cormeauschen These ist also leicht zu widerlegen.
2.2
Die beiden gegensätzlichen Wege: der ,,wec der helle" und die ,,saelden straze"
In Zusammenhang mit der Warnung vor dem ,,zwîvel", führt Hartmann zwei weitere
Motive an, die gegensätzlich aufeinander bezogen sind: Dem ,,wec der helle" stellt Hartmann
das Motiv der ,,saelden straze" gegenüber.
Der ,,wec der helle" (der Weg zur Hölle) ist dadurch gekennzeichnet, dass er bequem zu
gehen ist, aber er führt in den ewigen Tod. Dagegen wird die ,,saelden strâze" als ein Pfad
5
s. Cormeau, Christoph: Hartmanns von Aue ,,Armer Heinrich" und ,,Gregorius". Studien zur Interpretation mit
dem Blick auf die Theologie zur Zeit Hartmanns, München 1966, S.47.
6
Ebd., S.47.
7
von Aue, Hartmann: Gregorius: der gute sünder, mittelhochdeutscher Text nach der Ausgabe von Friedrich
Neumann, 1959, S.164.
8
von Aue, Hartmann: Gregorius: der gute sünder, mittelhochdeutscher Text nach der Ausgabe von Friedrich
Neumann. Ebenhausen bei München 1959, S.166-167: ,,Ich bin überzeugt, daß Judas, als er sich erhängte, nicht
ärger verzweifelt war als hier diese beiden."
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beschrieben, der nur unter großem Aufwand beschritten werden kann, aber den Menschen
aber an ein süßes Ende geleitet.
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Der Mensch ist Hartmann zufolge dafür verantwortlich, zwischen diesen gegensätzlichen
Wegen zu wählen. Dabei bezeichnet der ,,wec der helle" eine Lebensweise, die den Menschen
immer weiter von Gott entfernt, während der Pfad der ,,saelden straze" den Menschen zu Gott
führt.
10
Cormeau behauptet, das Bild dieser gegensätzlichen Wege richte sich an die Hörer des
Prologs, es beziehe sich wenn auch in abgeschwächter Weise auf
Gregorius.
11
2.3
Das Samaritergleichnis
Das sich anschließende Samaritergleichnis handelt von einem Mann, der den Pfad der
,,saelden strâze" genommen hat aber noch rechtzeitig der Gewalt seiner Mörder entrinnt.
Nachdem er in ihre Hände gefallen ist, schlagen sie ihn nieder, berauben ihn seiner Besinnung
und fügen ihm furchtbare Wunden zu. Aber Gott bleibt ihm gegenüber barmherzig und
sendet ihm die folgenden zwei Gewänder: die Hoffnung auf Erlösung und die Furcht vor dem
Tode. Diese sollen ihm und allen Sündern ein Schutz sein. Als der Mann wieder
zusammengesunken ist, beflügelt ihn die Hoffnung so, dass er sich schwankend aufrichtet.
Außer der Hoffnung gibt ihm noch die Unerschütterlichkeit seines Glaubens allgemein,
vermischt mit seiner Reue, Kraft. Durch Gottes Gnade wird er nach Hause gebracht und von
seinen Wunden geheilt. Diese Gnade verbindet ihm dort seine Wunden, die ohne Narben
verheilen. Die Allegorie endet damit, dass der von Krankheit befreite Held zum Kämpfer für
die Christenheit wird.
Cormeau interpretiert das Ende dieser Allegorie als Bezugnahme auf Gregorius, die
Hauptfigur der nun folgenden Geschichte:
,,So wie Hartmann seine Allegorie endet und zur Erzählung überleitet der Genesene ein
Streiter für die Christenheit (V 142), ist das Bild ganz auf Gregorius bezogen. Er ist der
Verwundete. Ein Licht fällt auf sein Schicksal dadurch, daß er sich auf der saelden strâze
befindet (den selben wec V 97)."
12
9
Ebd., S.10-11.
10
s. Cormeau, Christoph; Störmer, Wilhelm: Hartmann von Aue. Epoche, Werk, Wirkung. München 1993²,
S.128.
11
Ebd., S.128. Das Bild dieser zwei Wege meint insofern Gregorius, als die anfangs glückliche Inzestverbindung
( die dem Bild des ,,wecs der helle" entspricht, da die Beziehung zu Anfang keine Schwierigkeiten in sich birgt)
die er unwissentlich mit seiner Mutter eingegangen ist, zu dessen Entschluss führt, siebzehn Jahre lang
angekettet an einem Stein für die Sünde mit der Mutter zu büßen. Diese Buße entspricht dem Bild der ,,saelden
strâze", weil diese eine Abkehr von den angenehmen Seiten des weltlichen Lebens für Gregorius bedeutet.
12
Cormeau, Christoph: Hartmanns von Aue ,,Armer Heinrich" und ,,Gregorius". Studien zur Interpretation mit
Blick auf die Theologie zur Zeit Hartmanns. München 1966, S.48.
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Diese Interpretation des Samaritergleichnisses ist zum einen insofern sinnvoll, als dieses dem
Beginn der Erzählung und der Nennung Gregorius' als dem guten Sünder und Held der
Erzählung direkt vorangeht. Denn es wäre ja unlogisch anzunehmen, der Autor habe das
Samaritergleichnis nur zufällig an das Ende des Prologs gesetzt, und es bestehe kein
Zusammenhang zur Geschichte vom ,,guoten sundaere", auf die Hartmann in den letzten
Versen des Prologs verweist. Außerdem weisen die sich unmittelbar an das
Samaritergleichnis anschließenden Worte Hartmanns darauf hin, dass dieses das Schicksal
des Helden der Erzählung in verschlüsselter Form darstellen soll: Er kündigt an, die Art der
Wunden sowie die Genesung des Gregorius von diesen im Verlauf der Erzählung zu
erörtern.
13
Auch die paradoxe Benennung des Gregorius als ,,gutem Sünder"
14
spricht für diese Deutung
Cormeaus, weil der in der Samariterallegorie beschriebene Mann auch als Sünder bezeichnet
wird, aber insofern gut ist, als er die von Gott gesandten Gewänder die Furcht und die
Hoffnung annimmt, an Gottes Gnade glaubt und angesichts seiner eigenen Sünden Reue
empfindet.
Es besteht zudem ein inhaltlicher Zusammenhang zwischen dem Ende der Allegorie und dem
Ende der Erzählung, da Gregorius, obwohl er ein Inzestkind ist und durch die
Inzestverbindung mit seiner Mutter eine schwere Sünde begangen hat, schließlich zum Papst
ernannt wird. Diese Ernennung zum Papst stellt eine Genesung seiner Wunden dar: Denn
seine Abkunft aus einem Inzest sowie der mit seiner Mutter begangene Inzest, die beide
seelisches Leid bereiten sowie soziale Nachteile zur Folge haben, wird so überwunden.
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von Aue, Hartmann: Gregorius: der gute sünder, mittelhochdeutscher Text nach der Ausgabe von Friedrich
Neumann. Ebenhausen bei München 1959, S.14-15, V.144- 149.
14
Dies ist eine paradoxe Bezeichnung, weil der Begriff des Sünders notwendigerweise beinhaltet, dass die
derart bezeichnete Person schlecht ist.
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