Justus Liebig Universität Gießen
Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Institut für Soziologie
WS 2007/2008
Veranstaltung: (Vor-)Berufliche Sozialisation und Geschlecht
Referatsausarbeitung
,,Der diskrete Charme der Diskriminierung"
Datum der Abgabe: 15/04/2008
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Inhalt
1. Einleitung ... 3
2. Missachtung und Diskriminierung von Frauen im Erwerbsleben ... 4
2.1 Historische und strukturelle Ursachen ... 5
2.2 Arbeitsmarksegregation und Geschlechterstrategien ... 6
2.3. Versagung von Anerkennung im gesellschaftlichen und im medialen Diskurs... 8
2.4 Sprachliche Diskriminierung von Frauen in der betrieblichen Interaktion... 9
3. Fazit und Ausblick ... 11
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1. Einleitung
Chancengleichheit und Gleichberechtigung der Geschlechter sind grundlegende Normen
unserer Gesellschaft, die fest im Grundgesetz verankert sind. So heißt es im dritten Artikel
des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland:
,,Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung
der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender
Nachteile hin" und weiter ,,Niemand darf wegen seines Geschlechtes ... benachteiligt oder
bevorzugt werden"
(Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland online 2007: 14).
Die zunehmende Erwersbeteiligung von Frauen und der betriebliche Strukturwandel im
Zeichen der Modernisierung erwecken den Anschein, dass Gleichberechtigung und
Chancengleichheit der Geschlechter auf dem Vormarsch sind. Betrachtet man die Situation
von Frauen im Erwerbsleben genauer, zeigt sich jedoch, dass Frauen immer noch in
schlechter bezahlten Berufen arbeiten und geringere Aufstiegschancen als Männer haben.
Weiterhin erhalten sie weniger Anerkennung für ihre beruflichen Qualifikationen und
Leistungen (vgl. Hofbauer / Pastner 2000: 219). Johanna Hofbauer und Ulli Pastner stellen
fest, dass Anerkennungsverhältnisse über Kommunikation hergestellt werden. Auf den
Ebenen des öffentlichen Diskurses und der Kommunikation in sozialer Interaktion zeigen sie
auf wie Frauen Anerkennung vorenthalten wird, beziehungsweise wie von Frauen geleistete
Arbeit verkannt und abgewertet wird. Außerdem thematisieren Hofbauer und Pastner
historisch gewachsene und strukturelle Hintergründe der Missachtung von Frauenarbeit (vgl.
Hofbauer / Pastner 2000: 222-223). Die vorliegende Referatsausarbeitung liefert Hintergründe
zur (diskreten) Diskriminierung von Frauen. Die Arbeit gliedert sich in die zwei Teile
,,Missachtung und Diskriminierung von Frauen im Erwerbsleben" und den Teil ,,Fazit und
Ausblick". Der Hauptteil der Arbeit ,,Missachtung und Diskriminierung von Frauen im
Erwerbsleben" erläutert warum Frauen im Erwerbsleben Anerkennung versagt wird und
welche strukturellen und historischen Ursachen für dieses Anerkennungsproblem
verantwortlich sind. Weiterhin werden im Zusammenhang der Arbeitsmarktsegregation
männliche Abwehrstrategien dargestellt, die angewendet werden um Frauen aus den
Männerdomänen Technik und Management herauszudrängen, worauf Frauen ihrerseits
Gegenstrategien entwickelt haben. Zudem wird beschrieben, wie Frauen im medialen und
gesellschaftlichen Diskurs Anerkennung versagt wird und es werden diskrete Formen der
Diskriminierung in der betrieblichen Interaktionswelt beleuchtet.
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2. Missachtung und Diskriminierung von Frauen im Erwerbsleben
Es besteht ein Annerkennungsproblem für Frauen im Erwerbsleben. Dieses
Anerkennungsproblem entsteht dadurch, dass in der Erwerbsarbeit ein männlicher Maßstab
für die Anerkennung einer Leistung oder Qualifikation gilt, was sich in vielerlei Hinsicht
zeigt. So sind soziale und kommunikative Kompetenzen in der Erwerbsarbeit gefragte
Fähigkeiten, die besonders Frauen zugeschrieben werden. Frauen werden oftmals angestellt
um genau solche Softskills zu nutzen. Bei der Bewertung der Arbeit von Frauen spielen diese
Kompetenzen dann aber kaum eine Rolle. Die sozialen Geltungsbedürfnisse der Frauen
werden missachtet und den Frauen wird die Möglichkeit vorenthalten ihr kulturelles Kapital
in ökonomisches und symbolisches Kapital umzuwandeln (vgl. Hofbauer / Pastner 2000:
222). Kulturelles Kapital ist nach Pierre Bourdieu dasjenige Kapital über das ein Mensch
durch seine Bildung und Ausbildung verfügt. Materiellen Besitz definiert Bourdieau als
ökonomisches Kapital und das symbolische Kapital beschreibt die sozialen Beziehungen auf
die jemand zurückgreifen kann und durch die eine Person an Ehre und Prestige gewinnen
kann (vgl. Treibel 1994: 213-215). Da Frauen es im Berufleben oft nicht möglich ist ihr
kulturelles Kapital in andere Kapitalsorten zu konvertieren bleiben ihnen Zugänge zu
höherem Status und Einkommen verschlossen. Ein weiterer Grund für die Gültigkeit eines
männlichen Maßstabs in der Erwerbsarbeit ist, dass die Familienarbeit vorrangig den Frauen
zugeteilt wird, wodurch im Berufsleben die Norm der ,,männlichen Normalbiographie" mit
langen Arbeitszeiten, kontinuierlicher Beschäftigung und Karriereorientierung zementiert
wird. Arbeitgeberansprüche auf Flexibilität und Mobilität der Arbeitnehmer tragen darüber
hinaus dazu bei Frauen aus der Erwerbsarbeit auszuschließen und männliche Karrieremuster
und Normen zu etablieren. Der Preis für die Karriere einer Frau ist die Anpassung an eine
männliche Lebensführung, männliches Freizeitverhalten und der Verzicht auf Kinder. Ferner
werden für Führungsaufgaben männlich konnotierte Eigenschaften wie Rationalität,
Willensstärke oder Konfliktfähigkeit erwartet. Weiblich konnotierte Eigenschaften weichen
von dieser Norm ab und werden in viel geringerem Maße als berufsrelevant anerkannt (vgl.
Hofbauer / Pastner 220-222).
Es ist festzustellen, dass im Bereich der Erwerbsarbeit männliche Normen in den Bereichen
Arbeitsbewertung und Lebensführung gelten. Alles was von diesen Normen abweicht wird
nicht beachtet und nicht geschätzt. Sowohl Männern als auch Frauen wird die Möglichkeit
genommen, sich von der geltenden männlichen Norm abzugrenzen. Qualifikationen und
Leistungen von Frauen oder Männern, die vom traditionellen Maskulinitätsideal abweichen
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