Inhaltsverzeichnis Seite
Vorwort 7
Das Wesen der Globalisierung 7 9
Der historische Hintergrund 9 12
Die wirtschaftliche Entwicklung 12 15
Die globale Vernetzung 15 16
Die Ressourcenverknappung 16 21
Die weltweite Völkerwanderung des 21. Jahrhunderts 21 26
Wirtschaftliche Dimension der Globalisierung 26 32
Technologieaspekte 32 34
Internationale Unternehmenskonzentration 34 36
Gründe für Unternehmenszusammenschlüsse 36 38
Auswirkungen der Globalisierung auf die Arbeitsmärkte 38 41
Verstärkung der Ungleichgewichte weltweit 41 45
Die Macht der Finanzmärkte 45 47
Der Wirtschaftsstandort Deutschland 47 48
Internationaler Vergleich der Wettbewerbsfähigkeit 48 52
Strukturelle Arbeitslosigkeit und ihre Auswirkungen 52 55
Literaturverzeichnis 55 57
Der Autor 58
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Der Begriff Globalisierung findet sich heute geradezu inflationär in den Äußerungen von Politikern, Wirtschafts- und Medienvertretern. Was aber bedeutet Globalisierung? Der Begriff selbst ist neutral: Er bezeichnet, globales Zusammenwachsen, Vernetzung, Verflechtung. 1 Globalisierung ist ein Schlagwort, mit dem völlig unterschiedliche Vorstellungen verbunden sind. „Der Begriff Globalisierung weist auf komplexe Änderungen in einer zunehmend offenen Welt hin, die sich aufgrund vielschichtiger Verflechtungen auf wirtschaftliche, politische und soziale Bereiche des gesellschaftlichen Lebens auswirken. Die mit diesen Prozessen entstehenden neuen Chancen und Risiken für Länder, Gruppen, Institutionen oder Individuen werden je nach Standpunkt kontrovers diskutiert.“ 2 Kann man diesen Begriff klar definieren und auf einen für alle verbindlichen Nenner bringen? Im Brockhaus findet sich folgende Definition: „Globalisierung, schlagwortartig benutzte Bezeichnung für die weltweite Durchdringung von Märkten, bewirkt durch die wachsende Bedeutung der internationalen Finanzmärkte, den Welthandel und die intensive internationale Ausrichtung von (multinationalen) Unternehmen (global players) und begünstigt durch neue Telekommunikationstechniken sowie
1 vgl. Chang, Ha-Joon: Kicking away the Ladder: Development Strategy in historical Perspective, Anthom Press, London 2002
2 vgl. Tänzer, Uwe u. a.: Unternehmen in Globalisierungsprozess, Ernst Klett, Leipzig 2005, S. 7
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durch Finanzinnovationen. Diskutiert wird unter anderem, inwieweit die Einflussmöglichkeit einer nationalen (Wirtschafts-) Politik durch die Globalisierung eingeschränkt wird und welche Beschäftigungseffekte daraus erwachsen."
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Da es eine Vielzahl von unscharfen Definitionen über den Begriff der Globalisierung gibt, soll hier noch eine weitere beispielhaft angeführt werden. „Hier wird darunter zum einen eine Tendenz zu einer stärkeren Integration der internationalen Gütermärkte verstanden, d.h. die Offenheit der betrachteten Volkswirtschaften nimmt zu. Gemessen werden kann diese Tendenz anhand des Offenheitsgrades einer Volkswirtschaft.“
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Hierunter versteht man die Relation der Summe aus Ex-und Importen zum gesamten Inlandsprodukt. Zum anderen impliziert Globalisierung aber auch eine zunehmende Verflechtung der Finanzmärkte. Dies kommt etwa im starken Anstieg der (Brutto-) Kapitalströme in Relation zum Bruttoinlandsprodukt zum Ausdruck. Diese Reduzierung des Globalisierungsbegriffes auf rein wirtschaftliche Aspekte ist weit verbreitet. Doch die Globalisierung hat auch andere Facetten. Dies ergibt sich teils aus den wirtschaftlichen Veränderungen, die gesellschaftlichen und politischen Wechsel nach sich ziehen und teils aus den technischen Möglichkeiten moderner Verkehrs-und Kommunikationstechnologien. Dazu kommen globale ökologische Probleme, die auf lokaler oder nationalstaatlicher Ebene kaum zu lösen sind. Die Befürworter der Globalisierung werben mit dem Argument, durch die Überwindung nationaler Grenzen würden sich die wirtschaftlichen Möglichkeiten ungeahnt entfalten. Globalisierung aus dem Blickwinkel der Kritiker wird als Bedrohung gesehen, da sie im Zeitablauf zu verschärftem Wettbewerb und internationaler Standortkonkurrenz und damit zum Verlust von Arbeitsmöglichkeiten in den Hochpreis-Industrieländern führt. Für das einzelne Indivi-
3 vgl.Brockhaus Verlag, Leipzig-Mannheim 1997
4 vgl. ohne Verfasser, ohne Titel, in: Wirtschaftsdienst, Januar 2004, S. 59
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duum kann dies eine Herauslösung aus den sozialen Sicherungssystemen und den ständigen Zwang zur Mobilität, Flexibilität und Risikobereitschaft bedeuten. Oder anders ausgedrückt: Globalisierung fordert den flexiblen Menschen, der sein festes Lebensgefüge verliert, da Standardisierung und Sicherheit durch Individualisierung und Unsicherheit abgelöst werden.
Der historische Hintergrund
Wenn man Globalisierung als Weltdimension begreift, so hat diese Weltdimension einen positiven Aspekt, nämlich die Menschen trennende Strukturen zu überwinden. In der Wirtschaftswissenschaft geht man von festen Stufen der Wirtschaftsentwicklung aus, die von den Kommunikationsstrukturen und den Bewegungsmöglichkeiten in Raum und Zeit abhängen. Insofern haben sich die Wirtschaftsstufen folgendermaßen entwickelt.
Hauswirtschaft (Agrarstruktur, Hofleben),
Stadtwirtschaft (Schutz in Mauern, Arbeitsteilung zwischen Landwirtschaft und Handwerk, Verwaltung),
Regionalwirtschaft (Wege, Infrastruktur, Verteilung von Gütern etc.), nationale Volkswirtschaft (Verbesserte Verkehrsmöglichkeiten, erweiterte technische Kommunikation, staatliche Verwaltung, Steuern),
supranationale Wirtschaftsräume (übernationale Institutionen, hochentwickelte Telekommunikation),
Weltwirtschaft (Freihandel, rasche gesellschaftliche wirtschaftliche, technologische, politische, kulturelle Veränderung).
Neben der wirtschaftlichen Entwicklung hat die Globalisierung auch einen starken Bezug zum Freiheitsgedanken. Die Reformation hat den Menschen von der Vormundschaft der katholischen Kirche befreit. Er
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übernimmt vor Gott selbst die Verantwortung für sein Leben. Eine asketische Arbeitsauffassung und das Gewinnstreben werden zu Triebfedern des menschlichen Lebens. “Nicht freilich für Zwecke der Fleischlust und der Sünde, wohl aber für Gott dürft Ihr arbeiten, um reich zu werden” (Theologische Freiheit) 5 . Das bedeutete aber auch Freiheit für andere. Durch die Religionskriege wurden auch die Bauern aus der Leibeigenschaft befreit. Philosophisch wurde diese Selbstverantwortung von Kant (1724-1804) begründet. “Handle so, dass die Maxime Deines Handelns Grundlage für ein allgemeines Gesetz werden könnten (kategorischer Imperativ).” 6 Damit wurde der Mensch auch ethisch eigenständig (Philosophische Freiheit). Auf diese eher privat einzuschätzenden Freiheiten folgte die politische Befreiung durch die amerikanische Unabhängigkeitserklärung und die Maximen der französischen Revolution “Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Die Herrscher verloren als Folge der Aufklärung ihre Legitimation. Das Volk wollte selbst die politische Verantwortung übernehmen, sich selbstbestimmend und in den Grenzen von Nationalstaaten souverän sein. (Politische Freiheit) Im letzten Drittel des
19. Jahrhunderts wurde die Idee des Nationalstaates im Zeitablauf von übernationalen Denkweisen abgelöst. Der Liberalismus sieht alle Beschränkungen durch Grenzen, nationale Werte, Zölle und andere Handelshemmnisse als suboptimal an und fordert weltweite Freiheit für die Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital, Unternehmertum sowie Gleichberechtigung aller Individuen. (Wirtschaftliche Freiheit). Im 19. Jahrhundert begann deshalb auch die Emanzipationsbewegung zur rechtlichen Gleichstellung der Frau. (Freiheit und Gleichheit im Rechtswesen). Der Sozialismus sollte die arbeitende Bevölkerung von der Herrschaft des Kapitals befreien. Unglücklicherweise wurde dabei eine Veränderung
5 vgl. Weber, Max: Die protestantische Ethik. Eine Aufsatzsammlung, Mohn, Gütersloh 1991, S.167ff.
6 vgl. Geier, Manfred: Kants Welt, 6. Auflage, Rowohlt, Reinbeck 2004, S. 252 ff.
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der menschlichen Natur vom Eigennutzen zum Gemeinwohl angestrebt, was sich nur im Rahmen von Diktaturen verwirklichen ließ, die zwar national realisiert werden mussten, aber über die “sozialistische Internationale” weltweite Verbreitung finden sollten. (Soziale Freiheit)Jahrzehnte lang wurde die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts durch den “kalten Krieg” zwischen diesen beiden Ideologien geprägt. In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts brachen die sozialistischen Diktaturen zum größten Teil auf Grund von Kapitalmangel und dem Freiheitsstreben der betroffenen Menschen zusammen. Die Vorherrschaft der liberal- demokratischen Idee einer “einzigen internationalen Welt” war nicht mehr aufzuhalten. (Internationale Freiheit) Der freie Handel zwischen Volkswirtschaften wurde schon in der Antike praktiziert. Mit Luxusgütern wie Gold, Silber, Edelsteinen, Stoffen, Gewürzen wurde damals lebhafter Handel betrieben. In der europäischen Frühzeit und im Mittelalter kam infolge der unausgebildeten Geldsysteme der freie Handel zum Erliegen. Die absoluten Herrscher im 17. und 18. Jahrhundert förderten mit dem Merkantilismus als herrschende wirtschaftspolitische Lehre mit Hilfe dirigistischer Maßnahmen und staatlicher Interventionen den Wohlstand im eigenen Land. Im 19. Jahrhundert kam durch die Neuordnung Europas nach dem Wiener Kongress sowie durch die Ablösung der merkantilen Wirtschaftspolitik durch den Liberalismus, der für Arbeitsteilung und Freihandel eintrat, der freie Handel in Schwung. Der Wirtschaftsraum der damaligen Zeit beschränkte sich allerdings auf ein Viertel der damaligen Weltbevölkerung. Das waren Europa und seine Kolonien in den übrigen Erdteilen. Durch die beiden Weltkriege und die Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre kam der Globalisierungsprozess ins Stocken. Gegen Kriegsende (1944) wurden die Grundlagen für eine freie Handelspolitik mit der Gründung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank gelegt. 1948 wurde mit den General Agreement
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on Tarifs and Trade (GATT) weitere Handelsbarrieren abgebaut. In Europa wurde in mehreren Schritten die Europäische Wirtschaftsunion geschaffen, die heute auch zu einer politischen Union zusammenwachsen soll. 1995 wurde das GATT durch die World Trade Organisation (WTO) ersetzt, deren Arbeit zur Zeit auf Grund der Fundamentalisierung der Religionen, Kulturen und Nationen zum Stillstand gekommen ist. Der Prozess der weltweiten Verflechtung scheint allerdings unumkehrbar. Das Volumen des Warenhandels ist global etwa dreimal so schnell gewachsen wie die Weltwarenproduktion.
Die wirtschaftliche Entwicklung
Es sind vor allem drei Faktoren, die der „neuen industriellen Revolution", wie die Globalisierung von einigen Ökonomen und Politologen genannt wird, Bahn gebrochen haben. Der erste Faktor ist der zunehmende Abbau von internationalen Handelsschranken vor allem nach dem Fall des eisernen Vorhangs 1989. Dieser hat an Gewicht in den letzten Jahren durch die Öffnung des asiatischen Raums zugenommen. Der zweite Be-stimmungsgrund ist durch den technologischen Fortschritt begründet. Die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte im Bereich der Mikroelektronik und Telekommunikation sind atemberaubend. Durch die Erfindung von PCs, Telefax, Glasfaserkabel, Satelliten, hochauflösende Monitoren und Modems zur Datenübertragung können Firmengeflechte gesteuert werden. 7
Die maßgebliche Ursache liegt in den verkürzten Kommunikationswegen begründet. 8 Globalisierung umfasst eine Vielzahl miteinander verwobe-
7 Vgl.Weltkommission für die soziale Dimension der Globalisierung (ILO) (Hrsg.): Eine faire Globalisierung, Chancen für alle schaffen, Genf 2003.
8 Vgl. Stückelberger, Christoph: Ethischer Welthandel, eine Übersicht, Paul Haupt Verlag, Bern-
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Arbeit zitieren:
Bernd Staudte, 2008, Die Globalisierung der Welt, München, GRIN Verlag GmbH
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