1 Kostenrechnung in der Verwaltung
1.1 Das Prinzip der Wirtschaftlichkeit existiert überall…
Entscheidungen über Fremdvergabe oder Eigenleistung, Leistungsausweitung und Wirtschaftlichkeit von Kostenträgern sind in der öffentlichen Verwaltung ebenso zu treffen wie in der freien Wirtschaft. In Verbindung mit der VK-Rechnung gibt die erhöhte Kostentransparenz der DB-Rechnung aussagekräftige Informationen über die richtige Gebührenkalkulation oder eine notwendige Verfahrensänderung. In der Privatwirtschaft sind zwei große Entwicklungslinien auf dem Gebiet des internen Rechnungswesens zu erkennen: Einerseits entfernt sich der Weg von der konventionellen VK- oder Nettorergebnisrechnung hin zur modernen EK- und DB-Rechnung. Dabei wird auf – stets willkürliche – Gemeinkostenschlüsselungen verzichtet. Andererseits geht der Weg von der reinen Istkostenrechnung hin zur modernen Form der Grenzplankostenrechnung.
1.2 Gewinnschwellen und Betriebsergebnisse – Rechnungsgrößen der freien Wirtschaft auch für die Verwaltung?
„Pecunia nervus rerum est – Geld ist letztlich der Kern aller Dinge“
Diese Tatsache stellt Wewer für die öffentlichen Verwaltungen fest. Dabei geht es aber um Geld im Sinne von Kosten, welche der öffentlichen Hand für die Bereitstellung von Dienstleistungen entstehen. In den seltensten Fällen werden dabei Gewinne erzielt. Das BVerwG hat 1961 entschieden, dass der Nutzen der Monopolleistung (der Verwaltung) den Gebühren bzw. Verrechnungswerten vergleichbar sein soll. Der Rechnungszweck des öffentlichen Sektors ist zwar nicht identisch mit dem der Privatwirtschaft; Männel hat jedoch bereits 1990 vertreten, dass die konzeptionellen Entwicklungen der internen Rechnungslegung auch auf die öffentliche Verwaltung übertragen werden sollten. In den konzeptionellen Kern eines entscheidungsorientierten Rechnungswesens ist immer ein Rechnen mit EK zu stellen. Abzulehnen sind GK-Schlüsselungen analog einer VK-Kalkulation. Es genügt nicht, die Kosten nach Kostenarten, -stellen und -trägern zu strukturieren. Auch im Zuge der Kostenspaltung muss die Abhängigkeit der Kosten von der Kostenstellenleistung ermittelt werden. Das gilt sowohl für Stellen, welche Leistungen lediglich verwaltungs- bzw. unternehmensintern abgeben , als auch für Dienstleistungsbereiche. (…) In der Annahme, die gesamten Kosten der alternativen Eigenfertigung würden bei Leistungsbezug von außen entfallen, wird die Leistung von außen eingekauft.
Inhaltsverzeichnis
1 Kostenrechnung in der Verwaltung
1.1 Das Prinzip der Wirtschaftlichkeit existiert überall…
1.2 Gewinnschwellen und Betriebsergebnisse – Rechnungsgrößen der freien Wirtschaft auch für die Verwaltung?
2 Die Deckungsbeitragsrechnung – vorher Entscheiden, hinterher Controllen
2.1 Entscheidungen
2.1.1 Programmoptimierung und -entscheidung
2.1.1.1 Kein Engpass – Unterbeschäftigung
2.1.1.2 Ein Engpass
2.1.1.3 Mehrere Engpässe
2.1.2 Preisuntergrenzen – Annehmen von Zusatzaufträgen
2.1.2.1 Kurzfristige Untergrenze – bei freien Kapazitäten
2.1.2.2 Kurzfristige Untergrenze – bei einem gemeinsamen Engpass
2.1.3 Verfahrenswahl
2.1.3.1 Kurzfristige Wahl – bei freien Kapazitäten
2.1.3.2 Kurzfristige Wahl – bei einem Engpass
2.1.3.3 Preisobergrenzen – Make or buy
2.1.4 Gewinnschwellenanalyse – Break-even-Point
2.2 Controlling
2.2.1 Kostenstrukturmanagement – ein Hauptauftrag der öffentlichen Hand
2.2.2 Rechnungsgrößen
2.2.2.1 Leistungs- und Erlösrechnung
2.2.2.2 Ergebnisrechnung
2.2.3 Fixkostenorientiertes Deckungsbeitragsmanagement
3 Deckungsbeiträge für die öffentliche Verwaltung – sinnvoll oder nicht
4 Zusammenfassender Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Anwendbarkeit der Deckungsbeitragsrechnung als Instrument zur Kostensteuerung und Entscheidungsfindung innerhalb der öffentlichen Verwaltung, um trotz fehlender Gewinnorientierung eine wirtschaftliche Leistungserstellung zu unterstützen.
- Grundlagen und Prinzipien der Kostenrechnung im öffentlichen Sektor
- Einsatz von Deckungsbeitragsrechnungen für kurzfristige operative Entscheidungen
- Methoden zur Optimierung bei Engpässen und Kapazitätsbeschränkungen
- Kostenstrukturmanagement als Controlling-Aufgabe
- Analyse der Übertragbarkeit privatwirtschaftlicher Steuerungsinstrumente
Auszug aus dem Buch
2.1.1.1 Kein Engpass – Unterbeschäftigung
Das Unternehmen besitzt ausreichende Kapazitäten für eine umfangreichere Produktion. Alle Produkte, die einen positiven DB erwirtschaften, sollten hergestellt werden.21
Beispiel:22
In der Druckerei der HAW befindet sich eine Maschine, mit welcher Sonderaufträge für wissenschaftliche Lexika von privaten Unternehmen gedruckt werden. Dafür steht die Maschine in jeder Periode 600 Stunden (36.000 Minuten) zur Verfügung. Derzeit bestehen Druckaufträge für die drei Lexika A, B und C. Eine Veranschaulichung der Berechnung erfolgt mittels Tabelle 2.1.1.1 - 1.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Kostenrechnung in der Verwaltung: Einführung in das Wirtschaftlichkeitsprinzip im öffentlichen Dienst und Diskussion über die Übertragbarkeit von Rechnungsgrößen aus der Privatwirtschaft.
2 Die Deckungsbeitragsrechnung – vorher Entscheiden, hinterher Controllen: Detaillierte Darstellung der operativen Planungs- und Kontrollinstrumente wie Programmoptimierung, Preisuntergrenzen, Verfahrenswahl und Controlling im Kontext begrenzter Kapazitäten.
3 Deckungsbeiträge für die öffentliche Verwaltung – sinnvoll oder nicht: Kritische Auseinandersetzung mit der Literatur und den praktischen Hürden beim Einsatz von Deckungsbeitragsrechnungen in öffentlichen Verwaltungen.
4 Zusammenfassender Ausblick: Fazit, dass die Deckungsbeitragsrechnung bei zielgerichteter Kombination mit anderen Systemen als sinnvolle Ergänzung für spezifische Verwaltungsbereiche dienen kann.
Schlüsselwörter
Deckungsbeitragsrechnung, Kostenrechnung, öffentliche Verwaltung, Controlling, Engpassmanagement, Fixkosten, Preisuntergrenze, Verfahrenswahl, Wirtschaftlichkeit, Break-even-Point, Kostenstrukturmanagement, Eigenfertigung, Fremdbezug, Betriebsergebnis, Rechnungswesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, ob und inwieweit Methoden der Deckungsbeitragsrechnung, die aus der Privatwirtschaft stammen, zur Steuerung und wirtschaftlichen Analyse innerhalb der öffentlichen Verwaltung eingesetzt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Fokus stehen die kurzfristige Programmoptimierung, der Umgang mit Kapazitätsengpässen, die Festlegung von Preisuntergrenzen, Fragen der Eigenfertigung oder des Fremdbezugs sowie die Rolle des Controllings in Behörden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Entscheidungsgrundlagen für Verwaltungskräfte zu verbessern, indem Methoden zur Identifikation und Entlastung von Engpässen sowie zur Kostentransparenz bereitgestellt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Anwendung betriebswirtschaftlicher Kalkulationsbeispiele, um die theoretischen Modelle praxisnah an Szenarien aus dem Hochschul- und Verwaltungsbereich zu spiegeln.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich verschiedenen Entscheidungssituationen bei Unterbeschäftigung und Engpässen, der Verfahrenswahl bei Maschinenbelegung sowie der Frage, wie durch ein fixkostenorientiertes Management Reaktionsfähigkeit gewonnen werden kann.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Deckungsbeitragsrechnung, öffentliches Controlling, Engpassanalyse, Fixkostenmanagement und Wirtschaftlichkeit.
Warum ist die Unterscheidung zwischen kurzfristiger und langfristiger Planung bei der Preisuntergrenze so wichtig?
Während kurzfristig oft nur variable Kosten gedeckt werden müssen, um einen Verlust zu vermeiden, dient die langfristige Preisuntergrenze dazu, auch die Fixkosten zu decken und somit die volle Wirtschaftlichkeit einer Leistung sicherzustellen.
Wie gehen öffentliche Verwaltungen bei Engpässen methodisch vor?
Bei Engpässen wird nicht der absolute Deckungsbeitrag, sondern der relative Deckungsbeitrag pro Engpasseinheit (z. B. pro Minute Maschinenzeit) als Entscheidungskriterium für die Priorisierung der Produktion genutzt.
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- Isabel Ohnesorge (Author), 2007, Deckungsbeitragsrechnung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93845