Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis ..........................................................................................................III
1. Einleitung 1
2. Grundlagen 3
2.1 Definition Filesharing 3
2.2 Entwicklung des Filesharing 3
2.2.1 Vorraussetzungen 3
2.2.2 Von Napster zu Bittorrent 4
3. Auswirkungen auf die Musikindustrie 6
3.1 Die Situation der Branche (Analyse der Wettbewerbskräfte) 6
3.2 Die unterschiedlichen Sichtweisen 11
3.2.1 Kontra 11
3.2.1.1 Filesharing als Ursache für Umsatzverluste 11
3.2.1.2 Lösung: Bekämpfung des Filesharing 13
3.2.2 Pro 15
3.2.2.1 Ursachen für die Umsatzverluste 16
3.2.2.2 Fehler der Musikindustrie 18
3.2.2.3 Argumente für Filesharing 23
4. Lösungsvorschläge: Filesharing als Chance begreifen 25
4.1 Die Kulturflatrate 28
5. Ergebnis 29
Literaturverzeichnis 31
Anhang ................................................................................................................................... 36 36
II
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Die 5 Wettbewerbskräfte nach Porter 7
Abbildung 2: Das Lebenszykluskonzept 17
Abbildung 3: Singles Shipped 18
Abbildung 4: Gesamtumsatz des Phonomarktes in Deutschland 1997-2006 19
Abbildung 5: Bittorrent: Anzahl der getauschten Dateien Deutschland Oktober 2006 36
Abbildung 6: P2P-Protokollverteilung nach Volumen Deutschland 2007 36
Abbildung 7: Mit Musik bespielte Rohlinge und verkaufte CD-Alben 2000-2006 37
Abbildung 8: Musikdownloads 2000-2006 37
Abbildung 9: Reichweite legaler illegaler Musikdownloads 2005 2006 38
III
1. Einleitung
Der Wechsel vom Industrie- zum Informationszeitalter hat zu starken Veränderungen in der Musikbranche geführt. Durch das Internet und die zunehmende Digitalisierung nutzen Konsumenten Musik mehr als je zuvor. Sie wird nicht mehr nur konsumiert, sondern auch immer mehr untereinander getauscht. Laut einer Studie der ipoque GmbH verursachen Tauschbörsen in Deutschland mittlerweile bis zu 70% des gesamten Internetverkehrs. 1 Knapp ein Viertel der Dateien, die heruntergeladen werden, sind Musikdateien. 2 (Abb. 5).
Diese Zahlen werden von der Musikindustrie in Verbindung gebracht mit den starken Umsatzrückgängen, die die Plattenfirmen im Tonträgergeschäft seit Jahren zu verzeichnen haben und die auch durch den Aufbau von Online-Music-Stores bisher nicht ausgeglichen werden konnten.
Ob – und wenn ja, inwieweit – die Peer-to-Peer-Netzwerke tatsächlich den Musikmarkt zerstören, wie von Vertretern der Musikindustrie befürchtet wird, oder ob sich die Branche infolge der Digitalisierung nur neu strukturieren muss, soll in dieser Arbeit untersucht werden. Fokussiert wird hierbei der deutsche Musikmarkt, da aufgrund der unterschiedlichen Urheberrechtsgesetze eine weltweite Betrachtung zu komplex für diese Arbeit wäre.
Nachdem ein kurzer Überblick über die grundlegenden Begriffe sowie die Entwicklung des Filesharing basierend auf der Digitalisierung gegeben wird, soll anschließend festgestellt werden, welche Auswirkungen diese Entwicklung auf die Musikindustrie hat. Dies ist nur möglich, wenn zunächst die Situation der Branche analysiert wird, damit die konkreten Probleme, mit der der Musikmarkt konfrontiert ist, sichtbar gemacht werden. Die Branchenanalyse beruht auf Michael Porter, dessen Ansatz in dem Werk „Strategisches Management – Analyse, Entwicklung und Implementierung von Unternehmensstrategien“ (2006) von Robert Grant und Michael Nippa ausführlich dargestellt wird und aus dem in dieser Arbeit zitiert wird.
Um zu einer objektiven Beurteilung gelangen zu können, soll sowohl die Sichtweise der Musikindustrie dargestellt werden, die das Filesharing aufgrund der Umsatzverluste, für die sie es verantwortlich macht, bekämpfen will, als auch die entgegengesetzte Sichtweise, nach der das Filesharing nicht die Ursache für die rückläufigen Umsätze sein kann. Da die Forschungslage in Bezug auf die Auswirkungen der kostenlosen Downloadplattformen auf 1 Vgl. Ipoque GmbH (Hg). Internetstudie 2007. Online im Internet.
2 Downloads über das Bittorrent-Netzwerk.
1
die Musikindustrie nicht eindeutig ist, werden unterschiedliche Studien zu diesem Thema vorgestellt.
Zuletzt sollen Lösungsvorschläge erarbeitet werden, die beiden Seiten entgegenkommen. Außerdem soll die Ausgangsfrage beantwortet werden, ob Filesharing das Ende der Musikindustrie bedeutet oder aber neue Chancen bietet.
Als Leitfaden für den Untersuchungsgegenstand werden die frei verfügbare Online- Ausgabe des Buches „Mix, Burn und R.I.P. – Das Ende der Musikindustrie“ (2003) von Janko Röttgers sowie die wissenschaftliche Arbeit „Digitale Musikdistribution – Grundlagen, Potenziale, Strategien“ von Frank Oepkemeier verwendet.
2
2. Grundlagen
2.1 Definition Filesharing
Mit Filesharing wird der anonymisierte Austausch von Dateien zwischen Nutzern im Internet bezeichnet. Mit Filesharing können z.B. Musikdateien oder Filme ausgetauscht werden. […]. Technisch wird das Filesharing regelmäßig über peer2peer-Software realisiert. 3
„Peer“ bedeutet soviel wie „Gleichgestellter“ oder „Ebenbürtiger“. Eine Peer-to-Peer- Software stellt daher eine Kommunikation zwischen Gleichgestellten dar, bezogen auf ein Netzwerk von Computern. Die einzelnen Teilnehmer können in diesem Netzwerk sowohl Dienste in Anspruch nehmen (Download) als auch Dienste zur Verfügung stellen (Upload). 4 Damit ist es möglich, über die so genannten Tauschbörsen beliebige Dateien
unbegrenzt zu vervielfältigen. Hierbei müssen die geltenden Urheberrechtsbeschränkungen beachtet werden. Zu unterscheiden ist zwischen legalen Tauschbörsen, bei denen für den Download einer Datei bezahlt wird, und illegalen Tauschbörsen, die sich seit Jahren immer größerer Beliebtheit erfreuen. Die meist getauschten Dateien sind Filme, Musik und Software, wobei sich diese Arbeit ausschließlich auf den Austausch von Musikdateien und die daraus resultierenden Veränderungen für die Musikindustrie beschränkt. Nachfolgend soll erklärt werden, wie die Entstehung von Tauschbörsen überhaupt möglich werden konnte und warum sich diese in kürzester Zeit so stark verbreitet haben.
2.2 Entwicklung des Filesharing
2.2.1 Vorraussetzungen
In der modernen Welt, in der der Einfluss von Computertechnik immer mehr zunimmt, hat sich die Digitalisierung als eine der nachhaltigsten Veränderungen erwiesen. Die Digitalisierung ist der Schlüssel für den Zugang zu den nahezu unbegrenzten Bearbeitungsmöglichkeiten mit Computern. Diese Vielfalt findet ihre Entsprechung in der Nutzung von Computernetzen. 5
Da Musik ein Produkt ist, das im Gegensatz zu anderen Produkten in digitalisierter Form auf einfache Weise verbreitet werden kann, ist die Musikwirtschaft von dieser Veränderung besonders stark betroffen. Große Teile der mit Musik zusammenhängenden Medientechnologien sind bereits von der Digitalisierung erfasst und diese Entwicklung wird in den nächsten Jahren voraussichtlich noch stark 3 O.V. (Lexeakt.de, o.Jg.): Filesharing. Online im Internet.
4 Vgl. o.V. (Wikipedia, 2008): Peer-to-Peer. Online im Internet.
5 BUROW (1998), S. 165.
3
zunehmen. 6 Die Digitalisierung bildet die Grundlage für die Distribution über
elektronische Massenmedien. Hinzukommende begünstigende Faktoren sind die exponentiell steigende Anzahl von Internetnutzern, das zunehmende Angebot an kostengünstigen und schnellen Internetanschlüssen sowie verbesserte Methoden zur Datenkomprimierung. 7 Diese Vorraussetzungen führten zu einem „gigantischen Umwälzungsprozess“ 8 , von
dem die Musikindustrie besonders stark betroffen ist. Während Musik früher ein privates Gut darstellte, indem beispielsweise eine CD nur einer Person zur Verfügung stand und sich nicht ohne Qualitätseinbußen vervielfältigen ließ, ist sie zu einem öffentlichen Gut geworden, bei dem etliches Kopieren ohne Qualitätsverlust auf dem digitalen Weg ohne weiteres möglich ist. Das Kriterium der Ausschließbarkeit für ein privaten Gutes ist daher nicht mehr gegeben. 9
Durch die Simplizität der digitalen Vervielfältigung stieg auch die Zahl der Pirateriedelikte 10 erheblich an und wird durch die wachsende Vernetzung noch weiter zunehmen. 11 Einer von Ipoque im Jahr 2007 durchgeführten Studie zufolge erzeugt das
Peer-to-Peer-Filesharing mit etwa 70% im Internet mehr Verkehr als alle anderen Anwendungen zusammen. 12 Ob – und wenn ja welche – Auswirkungen dies auf die
Umsätze der Musikindustrie hat, soll später in dieser Arbeit untersucht werden.
2.2.2 Von Napster zu Bittorrent
Die neuen Möglichkeiten, die das Internet offenbarte, interessierten 1999 auch den damals 19jährigen Informatikstudenten Shawn Fanning. Besonders der Download von MP3-Musikdateien über Websites oder Suchmaschinen faszinierte ihn. Angeregt durch die schnelle Internetanbinung seines Studentenwohnheimes an der Bostoner Universität, kam ihm die Idee, man müsse doch auch ohne zentrale Instanzen wie das Web oder Suchmaschinen auskommen können, um MP3s miteinander auszutauschen. Dabei sollten die Nutzer direkt auf die Festplatten der anderen Nutzer zugreifen können. Aus diesem Gedanken heraus entstand die 6 Vgl.: BUROW (1998), S.264.
7 Vgl. SCHÖNER (2001) , S.93.
8 RÖTTGERS (2003), S.166.
9 Vgl. OEPKEMEIER (2007), S.9; vgl. DETERS (Inprekorr, 2001): MP3, Napster und die Folgen. Online im Internet.
10 Definition Piraterie: „Heute wird der Begriff Piraterie [...] verwendet für die Bezeichnung von Imitationen von Handels- oder Gewerbegütern ohne Zustimmung des Berechtigten.“ (KRUG (2000), S.19). 11 Vgl. SCHÖNER (2001), S.93.
12 Vgl. Vgl. Ipoque GmbH (Hg). Internetstudie 2007. Online im Internet.
4
weltweit erste Tauschbörse Napster, die innerhalb weniger Wochen zu einem der am schnellsten wachsenden Netzangebote aller Zeiten wurde. 13 Mitte 2000 konnte Napster bereits über 37 Millionen Nutzer weltweit verzeichnen. 14
Dieser Boom hatte jedoch ein jähes Ende, als einige Musikbands, unter anderem die Heavy Metal Band Metallica, begannen, Klage gegen Napster wegen Vervielfältigung urheberrechtlich geschützter Werke einzureichen. 15 Daraufhin musste die kostenlose
Tauschbörse geschlossen werden. Dies war vor allem so problemlos möglich, da Napster mit einem zentralen Server funktionierte, auf dem die Angebote und Suchanfragen aller Teilnehmer eingingen. Dieser Server konnte nach dem verlorenen Klageprozess einfach abgeschaltet werden, was das sofortige Ende von Napster bedeutete. Aus diesem Grund entwickelte sich 2000 der erste File-Sharing-Client, der mit dezentralen Servern arbeitete (Gnutella). Die Suchanfragen liefen hierbei nicht mehr auf einem zentralen Server zusammen, sondern wurden direkt an die einzelnen Teilnehmer weitergeleitet. 16 So war ein einfaches Abschalten der Server nicht mehr
möglich. Durch die Denzentralisierung wurde zudem das Lokalisieren eines rechtlich Verantwortlichen für illegalen Datenverkehr verkompliziert. Das Problem bei Gnutella war jedoch, dass die Menge an Suchanfragen, die immer stärker anstieg je größer Gnutella wurde, irgendwann zum Datenstau führte und damit zum Zusammenbruch des Netzwerks. 17 Um dieses Problem zu umgehen, nutzte die 2001 entwickelte
Tauschbörse Kazaa temporäre – also schnelle und zuverlässige – Server wie die von Universitäten oder großen Firmen um die Suchanfragen weiterzuleiten. Mit dieser Architektur war Kazaa so verlässlich wie Napster und gleichzeitig so wenig kontrollierbar wie Gnutella. Es gab keinen zentralen Schalter mehr, mit dem das gesamte Netzwerk heruntergefahren werden konnte. 18
Andere Weiterentwicklungen waren edonkey2000, welches sowohl noch anonymer als auch schneller war als seine Vorgänger, da es die Dateien von verschiedenen Teilnehmern gleichzeitig herunterladen konnte, sowie Emule, das auf der Technologie des edkonkey2000- Netzwerkes beruht.
Die heute am weitesten verbreitete Technologie zum Datenaustausch sind so genannte Bittorrent-Systeme, bei denen eine Datei zunächst in sehr kleine Teile zerlegt wird, die von verschiedenen Computern herunter geladen werden können und am Ende wieder zu einer Datei zusammengesetzt werden. Man muss daher nicht über die gesamte Datei verfügen um 13 Vgl. RÖTTGERS (2003), S.18f.
14 Vgl. DETERS (Inprekorr, 2001): MP3, Napster und die Folgen. Online im Internet. 15 Vgl. o.V. (Wikipedia, 2008): Napster. Online im Internet; vgl. DETERS (Inprekorr, 2001): MP3, Napster und die Folgen. Online im Internet.
16 Vgl. RÖTTGERS (2003), S.64.
17 Vgl. RÖTTGERS (2003), S.25 18 RÖTTGERS (2003), S.26.
5
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Janina Richts, 2008, Filesharing - Das Ende der Musikindustrie?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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