Einleitung
Bildung dient sowohl der Entfaltung des inneren Menschseins und der eigenen Individualität, als auch zur gesellschaftlichen Nützlichkeit. Oftmals werden Bildungsinhalte in einen gesellschaftlichen Kontext gerückt, so dass diese wiederum zunächst zur Erziehung werden. Bildung ist demnach eine spezielle Erziehung bestimmter Fähigkeiten.
Ziel der Erziehung ist es, Menschen ihren Platz in einer Gesellschaft zuzuweisen. Es gibt drei Arten von Erziehung, die Erziehung des Körpers, des Verstandes und der Seele. Im Islam ist die Bildung eine allgemein menschliche Erziehung, der Koran und die Aussprüche des Propheten Muhammad, die Gebote und Verbote, dienen als Maßstab der Erziehung. Entscheidungsfreiheit und Verwirklichungsfreiheit gehören zu den wesentlichen Erziehungsfaktoren des Islam. Das Erziehungs- und Bildungssystem eines Landes ist maßgebend als direkte Grundlage für den Aufbau der kommenden Generationen. Diese Arbeit führt die historische Entwicklung der Erziehung und Bildung in Iran unter Berücksichtigung lediglich für die Erziehung und Bildung relevanten politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ereignisse seit dem 19.Jahhundert auf.
1. Erziehung im Islam
Die Familie spielt in der islamischen Gesellschaft eine außerordentlich wichtige Rolle. Die Familienordnung ist streng hierarchisch aufgebaut, die Aufgabenbereiche der Frau und des Mannes sind klar verteilt. Während die Frau für den Haushalt und das Wohlergehen aller Familienmitglieder zuständig ist, ist der Mann verpflichtet für die dafür notwendigen materiellen Voraussetzungen zu sorgen. Zu den Aufgaben der Frau gehört selbstverständlich auch die Erziehung der Kinder. Der Mann mischt sich nur bedingt ein. Mit jedem Kind, das geboren wird, steigt das Ansehen einer Frau. Allerdings wird nur selten jedem Kind die gleiche Zuneigung entgegengebracht.
Die Bevorzugung der Söhne hat verschiedene Gründe: zum einen bleibt die Familie über ihre Söhne weiter bestehen, des weiteren können Söhne ohne Probleme die Versorgung der Eltern im Alter übernehmen, wohingegen Töchter sich durch ihre Heirat, einer neuen Familie verpflichten. Mädchen und Jungen werden unterschiedlich erzogen und schon früh auf ihre zukünftige gesellschaftliche Rolle vorbereitet.
Die Kindererziehung in Familien verschiedener Gesellschaftsschichten unterscheidet sich stark voneinander, sowie die Rollenverteilung innerhalb der Familie.
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Ziel einer islamischen Erziehung ist es, Kinder zu überzeugten Muslimen zu erziehen. Sie sollen schon früh in der Lage sein, sich für den Islam einzusetzen und ihn zu verstehen um den Islam und seine Kultur aufrecht zu erhalten. Unmittelbar nach der Geburt, wird dem Kind das islamische Glaubensbekenntnis ins rechte Ohr gesprochen („Es gibt keinen Gott außer Gott, und Muhammad ist sein Prophet“). Es wird davon ausgegangen, dass der Islam die „natürliche Religion“ eines jeden Menschen ist, so ist kein späteres Bekenntnis, keine „Bekehrung“ oder Taufe notwendig, sofern das Kind in einer muslimischen Umgebung aufwächst.
Eltern dienen als Vorbilder, das gilt auch für die religiöse Erziehung, welche indirekt erfolgt. Das Kind wächst mit islamischen Festen und Feiertagen auf, mit Geboten, Verboten und vorgegebenen Moralauffassungen. Schritt für Schritt wird das Kind in die Glaubenspflichten („die fünf Säulen“) des Islam eingeführt. Der Islam ist eine kinderfreundliche Religion, gleich ihres Geschlechts, sollen nach Koran, Kinder als Gottes Geschenk angesehen werden. Der Prophet Mohammed hat sich neben der Umerziehung der Erwachsenen, auch mit der Erziehung der jungen Generation beschäftigt, wobei er den größten Wert auf die Bildung legte, d.h. auf die Wissensvermittlung und den Wissenserwerb, wie Koranlehre, Lesen und Schreiben. Ein berühmter Ausspruch des Propheten Mohammad (hadith) 1 lautet: „Achtet eure Kinder und entwickelt in ihnen die besten Sitten.“
Der Islam erklärt die Rechte und Pflichten der Eltern gegenüber ihren Kindern und umgekehrt. Im Koran heißt es: „Wir haben dem Menschen auf die Seele gebunden, seinen Eltern Gutes zu tun (...)“ (Sure 2: 9)
In einem anderen Ausspruch des Propheten heißt es: „Gott segnet den, der seinem Kind hilft, gut zu sein und Gutes zu tun.“
Auf die Frage wie man seinem Kind dabei helfen könne, gab er vier Ratschläge:
- Nehmt an, was in der Macht des Kindes steht und was immer es im Rahmen seiner-Möglichkeiten ausgeführt hat!“
- „Was zu schwer und unerreichbar für das Kind ist, verlangt erst gar nicht von ihm!“
- „Haltet es nicht zu sündhaften Handlungen an!“
- „Lügt es nicht an und begeht ihm gegenüber keine törichten Handlungen!“
Für wie wichtig der Prophet Mohammad, die Bildung der Muslime angesehen hat, ist auch weiteren Aussprüchen zu entnehmen:
1 Hadithe/Aussprüche des Propheten: http://www.ahmadiyya.de/islam/hadith/index.html
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“Es ist die Pflicht jedes muslimischen Mannes und jeder muslimischen Frau, nach Wissen zu streben.“
“Strebe nach Wissen, selbst wenn du zu diesem Zweck bis nach China gehen müsstest.“
Man sagt, wahres Wissen müsse von Rechtschaffenheit, Frömmigkeit und guten Taten begleitet sein, ansonsten sei es nicht mehr wert, als das Gepäck auf dem Rücken eines Esels. Echtes Lernen kommt dem Wert des Glaubens am nächsten. Leider ist trotz dieser deutlichen Anordnung, der Bildungsstandard von muslimischen Frauen und Männern in muslimischen Ländern, erschreckend niedrig.
1.2. Das traditionelle Erziehungs- und Bildungssystem im Iran
Seit der Eroberung Persiens durch muslimische Araber (642-1040n.Chr.) und seit ihrer Schiitisierung durch die Safaviden (1502n.Chr.) waren Moscheen die Zentren des Lernens geworden. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts lag die Erziehung und Bildung der Kinder in den Händen der geistlichen Gelehrten. Es gab unter anderem Maktabs (Elementarschulen) und Madrasas (Oberschulen), deren Hauptziel es war, Kinder religiös zu erziehen und sie auf die kommende Welt vorzubereiten. Die Erziehung der religiösen Moralität stand im Vordergrund.
In den Maktabs wurden Kinder anhand des Koran, Lesen und Schreiben gelehrt. Außerdem wurden sie gleichzeitig mit dem religiösen Gesetz, den Geboten und Verboten Gottes vertraut gemacht. Der freiwillige Unterricht begann mit dem sechsten Lebensjahr und endete gewöhnlich mit der Pubertät. Im Laufe der Zeit kamen neben Religionslehre, Lesen und Schreiben, auch Rechnen, Geschichte, Geographie, arabische Literatur und Grammatik, sowie persische Literatur, als Fächer hinzu. Die geistlichen Lehrer, die keine spezielle Ausbildung erhielten, wurden von den Eltern oder den Einkommen der Stiftungen finanziert. Kinder aus armen, mittellosen Familien wurden nach islamischer Tradition, umsonst unterrichtet oder durch Spenden unterstützt. Spezielle Schulbücher gab es in den Maktabs nicht, neben dem Koran wurden beliebige Schriften und Bücher herangezogen. Auf das Alter und das geistige Fassungsvermögen der Kinder wurde also kaum Rücksicht genommen. Eltern aus der Oberen Gesellschaftsschicht, schickten ihre Kinder nicht in diese Schulen. Diese Kinder hatten Privatlehrer, die sie zu Hause unterrichteten. Je nach Interesse kamen dann Philosophie, Kalligraphie, Medizin und Staatsführung als Unterrichtsfächer hinzu. Die Madrasa ist eine höhere Schulform, die von den Seldschuken im 11. Jahrhundert gegründet wurde, um muslimische Rechtsgelehrte und vor allem Personal für den
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Staatsapparat in allen Bereichen auszubilden. Philosophen unterrichteten Diktat, Unterweisung und Diskussion, je nach Bedarf Landwirtschaft oder Viehwirtschaft. Die höhere Bildung war im islamischen Kulturbereich zunächst nicht institutionalisiert. Es gab Versammlungen (Maglis) um einen geistlichen Gelehrten herum, in denen wissenschaftliche Themen diskutiert und gelehrt wurden. So entwickelten sich die so genannten „Arabischen Wissenschaften“ wie Philosophie, Grammatik, Rhetorik, Koran-exegese (tafsir), Koranrezitation, Theologie (kalam) und Rechtswissenschaften (fiqh). 2 Außerdem gab es andere Schularten wie die Heeresschule, zur Ausbildung der Soldaten und Offiziere und die Rihla (die Reise), bei der Schüler und Lehrer den gesamten arabischen Sprachraum durchwanderten und sich in den Moscheen und Madrasas niederließen. Im Allgemeinen kann man sagen, dass die Landbevölkerung allerdings von der Schulbildung ausgeschlossen war. Zum einen erlaubte es die finanzielle Lage nicht, die Kinder waren und sind leider immer noch unverzichtbare Arbeitskräfte, außerdem muss man beachten, dass ein großer Teil der persischen Dörfer von der Außenwelt abgeschottet waren und zum Teil immer noch sind.
Erst Mitte des 19. Jahrhunderts gelang es iranischen Gelehrten die Modernisierung des Schulwesens nach europäischem Vorbild zu verwirklichen.
Im Jahre 1852 wurde die erste staatliche Universität Dar al-fonun in Teheran gegründet, unter den Studienfächern waren Fächer wie Medizin, Militärwissenschaften, Geometrie, Pharmazie und europäische Sprachen. Es wurden ausländische Lehrkräfte eingeladen und beauftragt persische Studenten und Schüler auszubilden. 1856 wurde das Kulturministerium gegründet und innerhalb kürzester Zeit wurden in verschiedenen Städten Persiens, staatliche Schulen eröffnet, die Zuständigkeit der Bildung und Erziehung sollte ab jetzt in den Händen der Regierung liegen. Im Grundgesetz des Ministeriums wurde 1910 festgelegt, dass das Programm der Schulen und Maktabs durch das Ministerium bestimmt wird. Seit der Verfassungsrevolution von 1906 ist der Schulbesuch für Kinder ab 7 obligatorisch. Dennoch war die Anzahl der Schulbesucher sehr gering.
2. Die Pahlavi-Dynastie 1925-1979
Mit der Absetzung des letzten Qağaren-Schahs im Jahre 1925 und dem Beginn der Pahlavi-Dynastie unter Schah Rezā Hān, wurden die Privilegien der Religionsgelehrten weiter eingeschränkt. Nachdem immer mehr staatliche Schulen gegründet wurden und seit 1910
2 Shodja Mahdiroody:Entwicklung und Struktur des Ausbildungswesens im Iran; Osnabrück 1980, S.46ff
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Arbeit zitieren:
Pinar Kehribar, 2005, Erziehung und Bildung in Iran, München, GRIN Verlag GmbH
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