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Die "moderne" Sage im Internet

Titel: Die "moderne" Sage im Internet

Examensarbeit , 2007 , 131 Seiten , Note: 1,00

Autor:in: Fabian Vierbacher (Autor:in)

Ethnologie / Volkskunde
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Heute gibt es neben Autoscheinwerfern, Radio, Gasherd und Zentralheizung auch das Internet; die Informationsgesellschaft ist längst Realität. Und doch existieren in dieser hochtechnisierten Welt noch Vorstellungen über Klabautermänner, Kobolde, Geister und andere sagenhafte Wesen. Obwohl sie nur ein Motiv unter vielen sind, leben solche Figuren weiter in den Geschichten der heutigen Zeit, in „modernen“ Sagen, die sich zu tausenden im Internet finden lassen. Der Begriff sei hier bewusst in Anführungszeichen gesetzt – ob sie wirklich als modern bezeichnet werden kann, muss noch untersucht werden.

Während sich die Forschung ausgiebig mit mündlichen Überlieferungen „moderner“ Sagen beschäftigt hat, gibt es gerade in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit „modernen“ Sagen im Internet noch Lücken.

Dort setzt die vorgelegte Zulassungsarbeit an: Zentrale Frage ist, was das Wesen der „modernen“ Sage im Internet ausmacht. Zu Anfang muss die Suche nach einer Definition stehen, wobei hierbei auch Kategorisierung und Wandel des Sagenbegriffes, sowie die aktuelle Forschungslage Berücksichtigung finden sollen. Anschließend wird auch auf methodische Aspekte eingegangen werden. Es folgt eine Zusammenstellung von Sagen im Internet, die nach einem selbst gewählten Schema gegliedert werden. Diese Sammlung erfolgt ohne Eingreifen in die Kommunikationsvorgänge, um Authentizität zu gewährleisten und weitere Aussagen über die Funktion des Erzählens zu treffen. Untersuchungsgegenstand sind E-Mails, die mir unaufgefordert zu gesandt wurden, sowie öffentlich einsehbare Beiträge in Internetforen und auf Webpages. Erst danach kann erläutert werden, welche Merkmale, Funktionen und Strukturen charakteristisch für die „moderne“ Sage im Internet ist, was sie „modern“ macht – oder eben nicht. Abschließend soll beurteilt werden, inwiefern es sich hierbei tatsächlich um einen neuen Sagentypus handelt.

Während bei der Durchsicht der Literatur versucht wurde auch englischsprachige Werke mit einzubeziehen, können die im vierten Abschnitt untersuchten Beispiele nur einen kleinen Teil des im Internet auffindbaren Sagenschatzes repräsentieren. Die Auswahl beschränkt sich in erster Linie auf das deutschsprachige Netz und berücksichtigt somit Sagen, die für die hiesige Internetgemeinde relevant waren oder sind.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung: Fragestellungen

2 Die Sage: Definitionen, Kategorisierungen, Wandel

2.1 Definitionen des Sagenbegriffs

2.2 Kategorisierungen

2.3 Realitätsanspruch und Glaube

2.4 Die „moderne“ Sage

2.4.1 Die Suche nach einer Definition

2.4.2 Die „moderne“ Sage – ein neuer Sagentypus?

2.5 Aspekte der Sagenforschung

2.5.1 Strömungen und Tendenzen in der Sagenforschung

2.5.2 Die „moderne“ Sage in der Forschung

3 Methodische Aspekte

3.1 Das Internet als volkskundliches Forschungsfeld

3.2 Verbreitungswege „moderner“ Sagen im Internet

3.2.1 E-Mail

3.2.2 Foren

4 Bestandsaufnahme

4.1 Außerirdisches

4.1.1 Von Aliens entführt

4.1.2 Haunebu, Schauberger und die Flugscheiben

4.1.3 UFOs bei Google Earth

4.2 Unheimliches

4.2.1 Unheimliche Orte – neu aufgelegt im Internet

4.2.2 Unbekannter Zeitreisender?

4.2.3 Gruselfoto via E-Mail

4.2.4 Die Hexe von Blair

4.3 (Neue) Sagenwesen

4.3.1 Das „Rattenmädchen“

4.3.2 Meerjungfrau gefunden

4.3.3 Monsterspinnen im Irak

4.3.4 Riesendrache fotografiert?

4.3.5 Orbs

4.3.6 Bonsai Kitten

4.4 Vergiftetes

4.4.1 Vorsicht vor Swiffer-Tüchern

4.4.2 Wurmeier im Döner

4.4.3 Rattenurin auf Getränkedosen

4.4.4 Kakerlakeneier im Briefumschlag

4.5 Verschwörungen

4.5.1 Strichcodes und die Zahl 666

4.5.2 Chemtrails

4.5.3 AIDS-Sagen im Internet

4.5.4 Verschwörungstheorien rund um den 11. September

4.6 Sagen rund ums Internet

4.6.1 Microsoft verschenkt Geld für weitergeleitete Mails

4.6.2 Handy zu verschenken

5 Ergebnisse

5.1 Zentrale Elemente von Sagen im Internet

5.1.1 Vernetztheit, Internationalität und rasche Verbreitung

5.1.2 Begegnungen mit dem Unheimlichen und dem Tod

5.1.3 Konzerne und ihr Bild in „modernen“ Sagen

5.1.4 Die Angst vor Vergiftung als zentrales Motiv

5.1.5 „Moderne“ Sagen und Verschwörungen

5.1.6 Komik – charakteristisch für „moderne“ Sagen?

5.2 Funktionen „moderner“ Sagen

5.2.1 Erzählen – menschliches Grundbedürfnis

5.2.2 Bewältigung von Angst

5.2.3 Erklärung

5.2.4 Unterhaltung

5.2.5 Warnung

5.2.6 Sagen und ihre Moral - Stärkung des Gemeinschaftsgefühls und Bestätigung von Vorurteilen

5.2.7 Sonstiges

5.3 Internetsagen in Diskussionsforen: Überlegungen zu Struktur und Kontext

5.3.1 Vorüberlegungen

5.3.2 Beispiel 1: Von Aliens entführt

5.3.3 Beispiel 2: Geisterhaus Dortmund-Syburg

5.3.4 Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen über E-Mail und durch Foren verbreiteter Sagen

6 Schluss: Der Wandel der „modernen“ Sage durch das Internet – Entstehung eines neuen Sagentypus?

7 Quellen- und Literaturverzeichnis

7.1 Veröffentlichungen im Internet

7.2 Gedruckte Veröffentlichungen

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das Wesen moderner Sagen im Internet und geht der zentralen Forschungsfrage nach, ob es sich bei diesen Phänomenen um einen neuen Sagentypus handelt. Dabei wird analysiert, welche Merkmale, Funktionen und Strukturen charakteristisch für Internet-Sagen sind und wie sich die digitale Kommunikation auf traditionelle Erzählformen auswirkt.

  • Analyse von Definitionen, Kategorisierungen und dem Wandel des Sagenbegriffs in der Moderne.
  • Untersuchung des Internets als volkskundliches Forschungsfeld und die Bedeutung digitaler Verbreitungswege (E-Mail, Foren).
  • Bestandsaufnahme verschiedener Sagen-Phänomene (u.a. Außerirdisches, Verschwörungen, Vergiftungsängste).
  • Evaluierung der Funktionen moderner Sagen wie Angstbewältigung, Unterhaltung und moralische Positionierung.
  • Reflexion über die Rolle von Diskussionsforen als moderne Erzählgemeinschaften.

Auszug aus dem Buch

Die „moderne“ Sage

Am Anfang muss eine begriffliche Klärung der „modernen“ Sage stehen. Was kann als „moderne“ Sage bezeichnet werden, was nicht? Die Suche nach einer eindeutigen Definition gestaltet sich schwierig – Begriffe wie „moderne Sage“, „sagenhafte Geschichte“ oder die englischen Ausdrücke urban legend, urban myth und contemporary legend lassen sich nur schwer voneinander abgrenzen und sind Bezeichnungen für gleiche oder ähnliche Phänomene. Überholt ist mittlerweile zumindest der Begriff der urban legend und dessen Fokus auf den städtischen Bereich. Obwohl die wissenschaftliche Forschung „moderne“ Sagen erstmals im städtischen Umfeld nachgewiesen hat, hat sich das Phänomen längst entgrenzt.

Brednich fasst die „moderne“ Sage als mündliche Alltagsgeschichten auf, die sich auf aktuelle, lokalisierbare Ereignisse beziehen:

„Sie nehmen ihren Ausgang von Situationen des Alltags, werden vornehmlich mündlich vermittelt, und sie werden von den Erzählern geglaubt und mit Angabe der Zeugen und entsprechender Überzeugung so weitergegeben, dass sie auch von den Zuhörern für wahr erachtet werden müssen.“

Ob das der darin postulierte Wahrheitsgehalt sinnvolles Kriterium sein kann, wurde bereits in Punkt 2.3. erläutert.

Der Erzähler beginnt in der Regel mit einer Behauptung über einen zeitgenössischen Sachverhalt, aus dem sich ein Dialog oder eine Debatte ergibt. Auch wenn die Geschichte als Lüge präsentiert wird, so wird sie doch so erzählt, als wäre sie tatsächlich passiert, meist einem nicht näher benannten, entfernten Freund.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Fragestellungen: Die Einleitung führt in die Problematik ein, wie sich traditionelle Sagenmotive in die moderne, technisierte Welt übertragen, und definiert das Ziel der Arbeit, das Wesen der Internet-Sage zu entschlüsseln.

2 Die Sage: Definitionen, Kategorisierungen, Wandel: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Grundlage, indem es traditionelle Sagenbegriffe diskutiert und versucht, „moderne“ Sagen sowie deren Abgrenzung und Einordnung in die aktuelle Forschung darzustellen.

3 Methodische Aspekte: Hier wird das Internet als neuer, volkskundlicher Forschungsraum beleuchtet, wobei besonders auf die Dynamik zwischen Mündlichkeit, Schriftlichkeit und dem visuellen Aspekt der digitalen Kommunikation eingegangen wird.

4 Bestandsaufnahme: Das umfangreichste Kapitel kategorisiert und analysiert zahlreiche konkrete Sagenphänomene im Internet, von Alien-Entführungen und Verschwörungstheorien bis hin zu vermeintlichen Vergiftungsgefahren.

5 Ergebnisse: Die Ergebnisse fassen die zentralen Elemente und Funktionen moderner Sagen zusammen und untersuchen, wie soziale Netzwerke und Foren als moderne Erzählgemeinschaften fungieren.

6 Schluss: Der Wandel der „modernen“ Sage durch das Internet – Entstehung eines neuen Sagentypus?: Das Fazit beurteilt, ob es sich bei Internet-Sagen um einen grundlegend neuen Typus handelt oder lediglich um eine technologische Anpassung bewährter Erzählmotive.

7 Quellen- und Literaturverzeichnis: Ein detailliertes Verzeichnis aller für die Untersuchung herangezogenen Online-Quellen und gedruckten wissenschaftlichen Werke.

Schlüsselwörter

Moderne Sage, Internet, Folklore, Urban Legend, Verschwörungstheorie, Erzählkultur, Diskussionsforum, Digitale Kommunikation, Alltagsbewusstsein, Mythenbildung, Glaubwürdigkeit, Medienforschung, Sozialpsychologie, Angstbewältigung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung moderner Sagen, die im Internet verbreitet werden, und analysiert deren Wesen sowie ihre Einbettung in die heutige Informationsgesellschaft.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den Schwerpunkten zählen die Definition des Sagenbegriffs, die Rolle des Internets als Erzählmedium, die Kategorisierung spezifischer Internetphänomene sowie die psychologischen und sozialen Funktionen des Sagen-Erzählens.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Hauptziel besteht darin zu klären, ob es sich bei den im Internet kursierenden Sagen um einen völlig neuen Sagentypus handelt oder ob sie lediglich eine Fortsetzung klassischer Sagenmotive unter veränderten technologischen Bedingungen darstellen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung basiert auf einer volkskundlichen Analyse, die sowohl theoretische Literatur als auch eine empirische Bestandsaufnahme von Beiträgen in Internetforen und E-Mail-Verläufen kombiniert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine methodische Reflexion über das Internet als Forschungsraum und eine detaillierte Bestandsaufnahme von Sagen, die in Kategorien wie „Außerirdisches“, „Verschwörungen“ und „Vergiftungsgefahren“ unterteilt sind.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind moderne Sage, Internet-Folklore, Verschwörungstheorien, digitale Kommunikation, Erzählgemeinschaften und das Phänomen der Angstbewältigung.

Welche Rolle spielen soziale Medien für die moderne Sage?

Soziale Medien, insbesondere Diskussionsforen, dienen als moderne Erzählgemeinschaften, in denen sich Anonymität und ein spezifisches Interesse am Unheimlichen gegenseitig verstärken und so einen Nährboden für die Sagenbildung schaffen.

Warum spielt die Bildbearbeitung für Internet-Sagen eine so große Rolle?

Bilder fungieren im Internet oft als vermeintliche Beweismittel. Digitale Bearbeitungstechniken ermöglichen es, das „Unheimliche“ visuell greifbar zu machen, was die Glaubwürdigkeit von Sagen in einer visuell geprägten Medienwelt scheinbar untermauert.

Ende der Leseprobe aus 131 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die "moderne" Sage im Internet
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Volkskunde/Europäische Ethnologie München)
Note
1,00
Autor
Fabian Vierbacher (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
131
Katalognummer
V94454
ISBN (eBook)
9783638071857
ISBN (Buch)
9783638956222
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sage Internet
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Fabian Vierbacher (Autor:in), 2007, Die "moderne" Sage im Internet, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94454
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  131  Seiten
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