Quelle: Singapore Utilities International Pte Ltd 2004
Universität Duisburg-Essen (Campus Duisburg)
Fachbereich Biologie und Geographie
Institut für Geographie (Wirtschaftsgeographie, insb. Verkehr und Logistik)
Seminar: Die Region Südostasien in der Weltwirtschaft
Wintersemester 2007/08
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Cyril Alias
Logistik-Management (M.Sc.)
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Cyril Alias
Global City Singapur
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Die Region Südostasien in der Weltwirtschaft
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Inhaltsverzeichnis
I
EINLEITUNG...3
II
METHODIK ...4
III
DEFINITION UND ABGRENZUNG DES BEGRIFFES ,GLOBAL CITY' ...5
IV
DIE ROLLE SINGAPURS IN SÜDOSTASIEN UND DER WELT ...10
IV.1
H
ISTORISCHE
E
INORDNUNG
... 10
IV.2
A
NNÄHERUNG UND
A
UTORITÄT
:
P
OLITISCHE
E
INFLUSSFAKTOREN
... 13
IV.3
K
ONKURRENZ UND
K
OOPERATION
:
Ö
KONOMISCHE
E
INFLUSSFAKTOREN
... 16
IV.4
I
MMIGRATION UND
I
DENTITÄT
:
S
OZIOKULTURELLE
E
INFLUSSFAKTOREN
... 25
V
ZUKUNFTSPROGNOSEN...30
VI
FAZIT ...31
LITERATUR ...32
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Cyril Alias
Global City Singapur
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Die Region Südostasien in der Weltwirtschaft
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I
Einleitung
Im Kontext der Globalisierung taucht immer häufiger der Begriff ,Global City' auf. Der
Großteil dieser Städte, unter ihnen London, New York und Tokio, befinden sich in den
Industrieländern. Als Produkt der zunehmenden Globalisierung weisen Global Cities
untereinander Parallelen in Bezug auf die Wirtschaft und die Politik auf, darüber hinaus auch
einige soziokulturellen Ähnlichkeiten. Abgesehen von diesen weltweiten Analogien
unterstehen diese Städte auch ihrem jeweiligen regionalen Einfluss.
Die vorliegende Arbeit ,Global City Singapur Die regionale und weltwirtschaftliche Rolle
des Stadtstaats' soll prüfen, inwieweit der südostasiatische Stadtstaat Singapur sich
ebenfalls in diese Reihe eingliedern kann.
Südostasien ist bekannt als ein sehr heterogener Wirtschafts- und Kulturraum, der wiederholt
mit diversen politischen Instabilitäten und wirtschaftlichen Turbulenzen zu kämpfen hatte.
Eine herausragende Ausnahme nimmt Singapur ein.
In Zeiten, in denen selbst die großen, die mächtigen und die rohstoffreichen Länder
Probleme mit der Anpassung an die Globalisierung und an den sich ändernden
Rahmenbedingungen haben, ist es von besonderem Interesse, wie ein kleiner Stadtstaat
damit zu Recht kommt. Das Überleben Singapurs als kleine und instabile Jungrepublik stellte
einerseits eine große Herausforderung dar, ermöglichte ihm jedoch auch die notwendige
Flexibilität zur Anpassung an die Veränderungen. Ein stetiger Wandel der Wirtschaft, der
Politik und der Gesellschaft kennzeichnete die Insel, die ihr viele Errungenschaften und
Erfolgen einbrachte, aber auch einige Opfer und Zugeständnisse forderte.
Die Rolle Singapurs in der Weltgemeinschaft muss dabei ebenso in Betracht gezogen
werden wie der Einfluss die Region Südostasien, insbesondere Malaysia und Indonesien,
auf die Entwicklung der Insel wie auch die Position Singapurs innerhalb dieser
Gemeinschaft.
Obwohl heutzutage weithin bekannt für seinen Ruf als Finanzplatz von internationaler
Bedeutung, seinen Hafen und Flughafen sowie seine moderne Fluglinie Singapore Airlines,
stellt sich dennoch die Frage, ob und inwieweit das Global City-Konzept wirklich auf
Singapur anwendbar ist.
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Global City Singapur
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II
Methodik
Einführenden soll eine Definition des Begriffes ,Global City' die Grundlage für die
darauffolgende Analyse bilden. Dazu sollen Abgrenzungen zu anderen geläufigen und häufig
verwendeten Begriffen abgesteckt sowie Merkmale einer typischen Global City, so es sie
denn gibt, aufgeführt werden.
Zur Einordnung der Rolle und Bedeutung Singapurs in Bezug auf die Region Südostasien
und auf die Weltwirtschaft soll eine historische Einordnung zum besseren Verständnis der
Entwicklung der Situation in dem Stadtstaat und um ihn herum dienen.
Anschließend erfolgt eine Betrachtung des Status Singapurs als Weltstadt mit Hilfe der
PEST(EL)-Analyse. Der Begriff ,PEST(EL)-Analyse' ist eine Abgrenzung für die Analyse von
politischen, wirtschaftlichen (economic), gesellschaftlichen (social), technologischen sowie
u.U. ökologischen (environmental) und rechtlichen (legal) Faktoren.
In dieser Arbeit erfolgt die Betrachtung der (relevanten) politisch-rechtlichen, wirtschaftlich-
technologischen, soziokulturellen Dimensionen. Aus dem Bereich der ,Tools des
Strategischen Management' stammend, zielt die Analyse auf die Erfassung der
Einflussfaktoren, die auf die Leistung eines Unternehmens oder einzelner Geschäftsfelder in
seiner
operativen
Umgebung,
sprich
in
seiner
Branche,
einwirken
kann.
Betrachtungsgegenstand kann laut entsprechender Fachliteratur jedoch auch eine ganze
Nation sein. Besonders geeignet ist diese Methodik zur Informationssammlung bezüglich
einer eng abgesteckten Thematik.
(Recklies 2006) Somit dient in dieser Arbeit die
PEST(EL)-Analyse der Identifizierung von Kernmerkmalen, die die Zuschreibung des Status
einer Global City an den Stadtstaat Singapur rechtfertigen.
Wie oben bereits erwähnt, wird in diesem speziellen Beispiel ein Schwerpunkt auf die
Dimensionen der Globalisierung, d.h. die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlich-
kulturellen Themen, gelegt. Aufgrund der Tatsache, dass sich eine Global City sowohl
regionalen wie auch globalen Rahmenbedingungen zu unterwerfen hat, sollen diese analog
für die drei Dimensionen betrachtet werden.
Zuguterletzt wird nach einer kurzen Zukunftsprognose anhand der bisherigen Erkenntnisse
eine abschließende Bewertung präsentiert und damit die Frage, ob Singapur den Status
einer Global City innehält, beantwortet.
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Cyril Alias
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III
Definition und Abgrenzung des Begriffes ,Global City'
In Zeiten von Globalisierung und Regionalisierung, d.h. der sogenannten ,Glokalisierung',
gelten Global Cities oder Weltstädte als typische Erscheinungen. (Menkhoff 1998, S. 2 - 4)
Vormals waren Städten einfach und auf die innere Situation des Landes fokussiert. Sie
dienten als Zentren der Produktion, stellten die Verbindung zwischen der heimischen
Produktion und dem regionalen Vertrieb dar. In ihnen herrschte daher von jeher eine hohe
Bevölkerungsdichte (verglichen mit der ländlichen Umgebung) sowie eine hohe horizontale
und vertikale Menschendichte vor. In den vergangenen 30 bis 50 Jahren jedoch ist eine
allgemeine Tendenz der globalen Konvergenz zu Weltstädten zu erkennen. (Clark 1996, S. 1
- 3, 15, 24, 28)
Während Megastädte (,Mega-cities') eine quantitative Darstellung repräsentieren und allein
das Kriterium der Bevölkerungsanzahl mehrerer Millionen erfüllen und der Begriff der
Metropolen eine funktionale Einordnung der Städte in Relation zu ihrer lokalen, z.B.
nationalen, oder, noch etwas weiter gefasst, ihre regionalen Umgebung darstellen,
beinhalten Weltstädte eine qualitative Bewertung der Stadt, da neben quantitativen
Merkmalen auch die absolute Bedeutung auf der globalen Ebene betrachtet werden.
(Regnier 1991, S. 15) Dazu gehören neben der politischen und wirtschaftlichen Dimension
auch die Betrachtung der soziokulturellen Position und die infrastrukturelle Bedeutung in die
Bewertung einbezogen. Die Größe dieser Städte und der ihnen gemeinhin zugewiesene
Status als Zentrum werden sogar als nachrangig befunden, als wichtiger wird hingegen der
dort gebündelte wirtschaftliche und politische Bedeutungsüberschuss für die Welt erachtet.
(Clark 1996, S. 137; Sassen 2001, S. 127)
Grundsätzlich können laut Friedmann und gleichlautender Literatur Global Cities in drei
Gruppen von Weltregionen unterschieden: Kern, Semi-Peripherie und Peripherie. Der
Kernregion besteht aus der Triade, d.h. Nordamerika, Westeuropa und Japan. Unter der
Semi-Peripherie versteht man an die Kernregionen angeschlossene Regionen, wie u.a. die
BRIC-Staaten
1
, Osteuropa, Südafrika, und Saudi-Arabien. Die Peripherie bezeichnet den
Rest der Welt, bestehend aus den ärmsten und am wenigsten entwickelten Staaten. (Kulke
2006, S. 235, 236; Regnier 1991, S. 15) Außerdem erfolgt eine Einteilung der
herausragenden Metropolen in Primär- und Sekundärstädte, entsprechend ihrer Bedeutung
für die Welt und ihre jeweiligen Länder und Regionen. Primärstädte in der Semi-Peripherie
fungieren dabei als Leuchttürme für die Primärstädte, und u.U. auch für die Sekundärstädte,
der Kernregion. Durch die Kommunikation und Interaktion zwischen den Primärstädten der
1
Brasilien, Russland, Indien und China bilden die sog. BRIC-Staaten.
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Welt entsteht auch eine Verbindung der Kernregion mit der Semi-Peripherie und vereinzelt
auch mit der Peripherie. (Clark 1996, S. 7; Jordan 1997, S. 13-18) In Bezug auf Semi-
Peripherie spricht Clark von ,,low-level production, low wages, and coerced labour" (aus:
Clark 1996, S. 7) sowie von weniger anspruchsvolle Technologien, weniger diversifizierte
Produktion, infrastrukturellen Defiziten und sozialstaatlichen Versorgungslücken. (Clark
1996, S. 7) Auch gelte für die Global Cities dieser Kategorie wegen ihrer geringeren
Attraktivität, dass die Arbeitsmigration eher interregionaler anstelle von internationaler Natur
sei. (Jordan 1997, S. 51)
In Zusammenhang mit den weltumspannenden Wertschöpfungsketten transnationaler
Unternehmen sah Saskia Sassen die mit dem Begriff ,Global City' beschriebenen Orte als
Zielpunkte für die zunehmende Mobilität von Kapital, Informationen, waren und Menschen,
wodurch diese zu Zentren der (hochwertigen) Produktion und des Konsums sowie zu
Marktplätzen globaler Güter und Dienstleistungen wurden. (Clark 1996, S. 9; Jordan 1997, S.
46; Sassen 2001, S. 23, 24) David Clark spricht in Zusammenhang mit Global Cities
außerdem von ,,Stätten der Ansammlung von Kapital [und] Distributionszentren" (aus: Clark
1996, S. 138). In ihrer Funktion als internationaler globaler Marktplatz von standardisierten
Waren und Leistungen forcieren Global Cities dabei die Homogenisierung der weltweiten
Bedarfe. (Menkhoff 1998, S. 1, 3)
Somit gelten Global Cities als herausragende Zentren der Weltwirtschaft, auch wenn dies in
der Literatur nur unter Vorbehalt akzeptiert wird. (Sassen 2001, S. 355) Es wäre jedoch ein
Irrtum, universellen von einer Stadt als Global City auszugehen. Vielmehr sollten Funktionen
der Globalökonomie betrachtet werden, in der die einzelnen Zentren herausragende
Bedeutung für eine oder mehrere Funktionen einnehmen. Laut Saskia Sassen treiben diese
den Prozess der Globalisierung noch weiter an. (Sassen 2001, S. 347 349) Es existieren
oft globale Netzwerke für einzelne Global City-Funktionen, z.B. zwischen den weltweiten
Zentren für Goldhandel oder jenen für Biotechnologien. Hierbei ist jedoch eine
Hierarchiebildung der Funktionen sinnvoll, denn ein Zentrum des weltweiten Rohölhandels
ist sicherlich anders zu bewerten als eines für tropische Agrarprodukte. (Jordan 1997, S. 47;
Kulke 2006, S. 236)
Abgesehen von der räumlichen Komponente sind sich demnach Global Cities oftmals
untereinander ,näher', d.h. funktional und strukturell ähnlicher, als mit anderen Städten des
eigenen Landes. (Clark 1996, S. 139; Sassen 2001, S. 171, 172) Dies hängt nicht zuletzt mit
der wachsenden Bedeutung von Informations- und Kommunikationstechnologien sowohl in
der Globalisierung allgemein als auch für die Entstehung von Global Cities im Besonderen
zusammen. (Clark 1996, S. 117; Kulke 2006, S. 235; Menkhoff 1998, S. 5).
Es bleibt jedoch festzuhalten, dass einzelne Global Cities, die alle oder zumindest eine
Großzahl der Merkmalkriterien erfüllen, nur sehr spärlich zu finden sind. Durch die
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Einbettung in verschiedene, oben beschriebene globale Netzwerke können jedoch die
Schnittmenge jener Verbindungen als Kriterium für die Deklaration als Global City
herangezogen worden.
Außerhalb jeglichen Zweifels ist jedoch, dass New York City zu dieser Gruppe gehört bzw.
jene sogar anführt. Da oft die Ähnlichkeit zu New York als einfache Hilfestellung verwendet
wird, soll hier festgehalten werden, dass die Rolle New Yorks sich weniger auf die Erfüllung
äußerlicher Merkmalkriterien bezieht als vielmehr auf die Bedeutung dieser Stadt für die
weltweite Wirtschaft und Politik. (Sassen 2001, S. 349) Global Cities gehören nämlich zur
ersten Reihe der weltweiten Städtehierarchie. (Clark 1996, S. 163).
Die Erscheinungsform der Stadt, ihre stark service-orientierte Wirtschaftsstruktur und die
soziale Organisation eines solchen Ballungsraumes bewegen sich zu einem gewissen Grad
auf eine gemeinsame Grundlage hin. Der Begriff der Service-Orientierung umfasst hier
Finanzdienstleistungen sowie weitere produktionsbegleitende Dienstleistungen wie u.a.
Unternehmens- und Rechtsberatungen. (Clark 1996, S. 2, 102, 104; Kulke 2006, S. 235)
Aus einer ursprünglich rein wirtschaftlichen Betrachtungsweise ist somit mittlerweile eine
multidimensionale Betrachtung geworden, inklusive der o.g. Dimensionen einer Metropole
von weltweitem Ruf. Jener weltweite Ruf lässt sich oft an markanten Erscheinungsformen
festmachen. So sind beispielsweise die Architektur, die Skyline oder das
Verkehrsaufkommen typische Merkmale einer Global City. (Clark 1996, S. 2, 102, 104)
Während genau dieses Merkmal die Weltstädte von anderen untergeordneten
Städtehierarchietypen unterscheidet, macht es sie in ihrer eigenen Kategorie zu einer
homogenen Gruppierung, da jeder der Weltstädte eine weitgehend kongruente Struktur
vorweisen kann.
Daneben spielt auch oder insbesondere die in der Stadt vertretene große politische Macht in
Form von Sitzen politischer Organisationen nationaler und internationaler Größenordnung
eine Rolle. (Jordan 1997, S. 47; Kulke 2006, S. 235) Durch diese herausragender Bedeutung
können auch kleinere Städte, wie z.B. Genf, schnell zu den möglichen Kandidaten für den
Global City-Status gehören. (Clark 1996, S. 137) Auch die Vielzahl der ,,internationalen
Kommunikationsaktivitäten [...] [wie] z.B. Messen oder internationale Kongresse" (aus: Kulke
2006, S. 235) können als Indikatoren eines solchen Status dienen.
Des Weiteren können Städte ihren Ruf auch durch die Position als, häufig multimodale,
Knotenpunkte verkehrsinfrastruktureller Hauptachsen erwerben. Große Häfen, Flughäfen,
Eisenbahnknotenpunkte oder Autobahnkreuze sprechen für eine wirtschaftliche
Leistungsfähigkeit und eine herausragende Stellung der Stadt, sowohl in Bezug auf den
Personen- wie auch auf den Güterverkehr. (Jordan 1997, S. 47)
Die wirtschaftliche Vielfalt einer Stadt und die damit einhergehende politische Macht tragen
also zur Entwicklung des Status einer Global City bei, genauer zu einer derartigen
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