Universität Konstanz
Geisteswissenschaftliche Sektion
Fachbereich Kunstwissenschaft
WS 2006
Postmoderne Architektur
am Beispiel des Mönchengladbacher Museums von
Hans Hollein
Hausarbeit im Proseminar
Schlüsselwerke der modernen und zeitgenössischen Architektur
Verfasserin: Fleur Cannas (LKM)
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Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung... 3
II. Hauptteil ... 4
1. Die Postmoderne ... 4
1.1 Der Begriff der Postmoderne... 4
1.2 Postmoderne Architektur ... 5
1.2.1 Entstehung postmoderner Architektur als Reaktion auf die Moderne? ... 5
1.2.2 Sprachliche Pluralität nach Charles Jencks ... 6
1.2.3 Fiktion nach Heinrich Klotz... 8
2. Die Postmoderne am Beispiel Hans Holleins... 9
2.1 Museum Mönchengladbach ... 9
2.2. Bauwerk ist wieder Kunstwerk... 11
2.3 Architekturlandschaften ... 13
III. Fazit... 15
Verzeichnisse ... 16
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I. Einleitung
Der Mittelmäßige liebt nur das Leichtdefinierbare.
Das Problem wohlformiert, analysiert und gelöst.
Aber Architektur ist nicht nur das Lösen von Problemen.
Architektur ist eine Feststellung.
Hans Hollein, ARCHITEKTUR- INHALT UND FORM (1964)
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Vielleicht waren es nostalgische Gedanken, entsprungen aus der Sehnsucht nach
Wärme und Schönheit? Vielleicht war es einfach an der Zeit etwas zu ändern? Die
Architekturlandschaft, die wir vor uns sahen, farb- und schmucklos, mit all ihren
scharfen Kanten, schnitt uns in die Augen.
Die Gebäudeklötze, wie Kometen vom Himmel gefallen, wahllos in die Welt gesetzt,
ohne Achtung vor ihrer Umwelt, der natürlichen Landschaft um sie herum.
,,Das Wort »Fassade« ist uns zum Begriff der Vortäuschung und des Falschen geworden.
Doch mit dieser modernen Moral der Vereinfachung und der Rückführung der Architektur
auf die elementaren und primären Formen ging einher, daß unsere Städte zu einer
Ansammlung glatter Kästen wurden, denen man schließlich nur noch ihre leistungsstarke
Zweckmäßigkeit als Raumcontainer ansah. Und um uns breitet sich der Ozean der
Monotonie aus."
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Dies war der Zeitpunkt an dem die Postmoderne ihren Einzug in die Architektur
erhielt. Die Rückbesinnung zum Menschen, seinen Bedürfnissen und seiner Umwelt
trifft in den 1970er und 80er Jahren auf immer größer werdende Resonanz.
Der 1934 in Wien geborene Architekt Hans Hollein gehört zu den bekanntesten
Vertretern der postmodernen Architektur. Das Abteimuseum in Mönchengladbach ist
einer seiner innovativsten Beiträge zur Architektur der Gegenwart. Mit diesem Bau
prägte er in den 80er Jahren den Begriff der Architekturlandschaft und der Collage.
Bei Hollein kommt es zu einer Verschränkung dieser beiden Begriffe. Zum einem hat
der Bau den Ansprüchen postmoderner Forderungen zu genügen, was zu einem
collageartigen Gefüge an unterschiedlichen Architektursprachen führt. Zum anderen
soll er seiner Umwelt gerecht werden und sich integrativ in die ihn umgebende
architektonische Landschaft einfügen. Dies kann zu einer ,,Verlandschaftlichung" der
Architektur selbst führen.
Im Rahmen dieser Proseminarsarbeit soll herausgearbeitet werden, inwieweit Hans
Holleins Museumsbau in Mönchengladbach den postmodernen Werten gerecht wird.
Aufgrund des Unfangs der Arbeit wird nur auf die äußerlichen Elemente des Baus
1
sämtliche Zitate zu Beginn der Kapitel sind aus Originaltexten Hans Holleins entnommen, siehe:
http://www.hollein.com/index1.php?lang=de&l1ID=6, Stand 22. April 2007
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Klotz, Heinrich: Revision der Moderne. Postmoderne Architektur 1960-1980, München 1984, S.7.
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eingegangen. Für ein besseres Verständnis und um eine Basis für die Analyse
dieses Bauwerks zu haben, werde ich im ersten Kapitel kurz auf den Begriff der
Postmoderne, sowie auf seine Bedeutung für die Architektur eingehen und die
theoretischen Ansätze von Charles Jencks und Heinrich Klotz erwähnen.
II. Hauptteil
1. Die Postmoderne
1.1 Der Begriff der Postmoderne
Der Begriff der Postmoderne wurde erstmals im Jahre 1870 verwendet. Diesem
ersten Erscheinen, hier als Aufforderung durch den englischen Salonmaler John
Watkins Chapmann
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zu einer postmodernen Malerei, was in dem damaligen Kontext
soviel hieß wie ,,moderner als die damals zeitgenössische Kunst", sollten noch einige
folgenloser Nennungen folgen.
Rudolf Pannwitz erwähnte in seinem Text ,,Die Krise der europäischen Kultur" von
1917 den Begriff der Postmoderne im Zusammenhang mit dem postmodernen
Menschen, sozusagen eine Wiederaufnahme des die Moderne überwindenden
Übermenschen nach Nietzsche.
4
1934 bezeichnet der Begriff eine zurückliegende, kurze Periode von 1905-1914 der
hispo- amerikanischen Dichtung. Der Literaturwissenschaftler Frederico de Oniz
begriff ,,Postmodernismo" als eine Kritik am ,,Modernismo". Dieser Rückschritt sollte
in einer neuen übersteigerten Moderne enden. In den 40er Jahren taucht ,,post-
modern" in den USA in einem literaturtheoretischen Zusammenhang auf. Wiederum
wird dort nur eine Phase der abendländischen Kultur betitelt. (Arnold Toynbees: A
Study of History, 1947) Bis zu diesem Zeitpunkt wird der Begriff in seiner
sporadischen Verwendung mit den unterschiedlichsten Bedeutungen aufgeladen. An
der ,,Initialzündung der heutigen Karriere des Begriffs"
5
waren maßgeblich Irving
Howe und Henry Levin beteiligt. Ende der 50er Jahre bezogen die beiden den Begriff
ausnahmslos auf die Literatur, allerdings war die Postmoderne noch immer negativ
behaftet. Sie bezeichnet die Erschöpfungserscheinungen der Moderne. Der
endgültige positivierende Wandel erfolgte letztendlich durch Howe und Levin selbst,
Theoretiker wie Susan Sontag, Ihab Habib Hassan und Leslie Fiedler gaben dem
Begriff Kontur und eine theoretische Basis. In seinem Aufsatz ,,Cross the boder-
3
Welsch, Wolfgang: Unsere postmoderne Moderne, vierte Auflage. Berlin 1993, S.12.
4
http://de.wikipedia.org/wiki/Postmoderne_Architektur 22. April 2007
5
Welsch: Postmoderne Moderne, S.12.
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close the gap" von 1969 spricht Fiedler davon die Grenze, die in der elitären Literatur
der Moderne aufgebaut wurde zu öffnen. Der Künstler sollte nicht länger nur für die
intellektuelle Oberschicht produzieren und von der Massengesellschaft getrennt
werden.
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Gesellschaftliche und institutionelle Grenzen sollten mit Hilfe der
postmodernen Literatur überschritten werden. Um diese Grenzüberschreitungen zu
ermöglichen, musste sie sich einem ganzen Spektrum verschiedener
Ausdrucksmöglichkeiten widmen. Welsch spricht von der ,,Mehrsprachigkeit als
Königsweg der postmodernen Literatur"
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, verschiedene Verfahrensweisen, die sich in
ein und demselben Werk vereinen sollen.
1.2 Postmoderne Architektur
1.2.1 Entstehung postmoderner Architektur als Reaktion auf die Moderne?
Sie ist eine Architektur der Termiten,
nicht die freier, denkender, fühlender Menschen.
Diese Termitenhügel sind in der Tat gar keine Architektur.
Deshalb müssen wir zu den Wurzeln der Architektur zurückgehen.
Deshalb: Zurück zur Architektur.
Hans Hollein, ZURÜCK ZUR ARCHITEKTUR (1962)
Auch wenn man mit der Postmoderne verstärkt den Sektor der Architektur verbindet,
erhielt sie in diesem, nachdem sie auch hier den Weg über die ,,Negativvokabel"
8
nehmen musste, erst spät Einzug. Galt der Begriff in den Literaturwissenschaften
lediglich als Gestaltungs- und Theorieprinzip, übernahm er hier allerdings den
Anspruch einer Epoche. Diese lässt sich jedoch schwerlich auf einen exakten
Zeitrahmen festlegen, kann man selbst die Moderne, der sie ja nachfolgt, nicht als
beendet betrachten. Die Architekturdiskussion griff jedoch auf andere Kulturbereiche
über und entwickelte sich zu einem allgemein kritischen Begriff der Kulturanalyse der
1970er und 80er Jahre.
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Gleichzeitig ist es problematisch die Postmoderne als eine
völlig neue Zeit aufzufassen, die sich von der Moderne und der Spätmoderne
abgrenzt. Gegenwärtig wirken sowohl vormoderne, moderne und postmoderne
Strömungen, nicht nur in der Architektur, sondern auch in allen anderen
gesellschaftlichen Bereichen.
10
Der Architekten Robert Venturi propagierte als einer der ersten in seinem Aufsatz
,,Complexity and Contradiction" von 1966 das Ende der klassischen Moderne. Er
6
Vgl.: ebd. S.15f.
7
Vgl.: ebd. S.16.
8
Vgl.: ebd. S.18.
9
Vgl.: Brockhaus Enzyklopädie
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, Band 21, S. 820-825, Mannheim 2006, S.821.
10
Vgl.: Zima, Peter V.: Moderne/ Postmoderne. Gesellschaft, Philosophie, Literatur. Tübingen; Basel 1997, S.18.
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