und so sein Leben verlor. Gunther läßt sich aber nicht von seinem Plan abbringen. Mit der Aussicht, Kriemhild zur Frau zu erhalten, verspricht Siegfried, Gunther bei der Brautwerbung zu helfen. Tatsächlich überlisten Siegfried und Gunther Brünhild. Mit Hilfe der Tarnkappe aus dem Nibelungenschatz wird Siegfried unsichtbar und trickst Brünhild im Wettkampf gegen Gunther aus. So wird sie Gunthers Frau und Kriemhild wird mit Siegfried vermählt. Brünhild verweigert Gunther jedoch den Beischlaf. Erst als Siegfried an Gunthers Stelle Brünhilds Widerstand im Bett bricht, läßt diese ihren Mann gewähren. Siegfried stiehlt Brünhilde nach dem Kampf ihren Ring und ihren Gürtel und schenkt beides seiner Frau Kriemhild. Siegfried und Kriemhild ziehen dann nach Xanten. Dort gebiert Kriemhild nach 9 Jahren einen Sohn, der Gunther getauft wird. Auch Brünhild gebiert in Worms einen Sohn, der auf den Namen Siegfried getauft wird. Auf Brünhilds Wunsch laden die Burgunder Siegfried und Kriemhild nach Worms ein. Dort jedoch geraten Kriemhild und Brünhild in Streit. Brünhild behauptet, Siegfried sei nur ein Vasall Gunthers und deshalb mit ihm nicht auf eine Rangstufe zu stellen. Kriemhild bestreitet dies. Die beiden Frauen treten nun in Konkurrenz zueinander und versuchen, sich gegenseitig zu erniedrigen und zu übertrumpfen. Kriemhild berichtet Brünhild, daß Siegfried, nicht Gunther, sie im Bett besiegt und zur Frau gemacht hat und zeigt ihr den gestohlenen Ring. Brünhild beschuldigt Kriemhild, den Ring entwendet zu haben. Daraufhin wiederholt Kriemhild ihre Anschuldigung und zeigt Brünhild den gestohlenen Gürtel. Nun schreiten die Könige ein. Siegfried weist die Anschuldigungen von sich und Gunther spricht ihn frei. Brünhild und Kriemhild bleiben jedoch verfeindet. Hagen plant nun, Brünhilds Schmach zu rächen und versucht auch, andere Könige und Recken von seinem Mordgedanken zu überzeugen. Gunther und Hagen täuschen eine Kriegserklärung der Sachsen und Dänen vor. Siegfried verspricht, mit den Königen in den Kampf zu ziehen. Mit der Vorgabe, Siegfried beschützen zu wollen, entlockt Hagen Kriemhild Siegfrieds Geheimnis. Nachdem Siegfried in seiner Jugend den Drachen erschlug, badete er in dessen Blut, um Unverwundbarkeit zu erlangen. Zwischen die Schulterblätter flog aber beim Baden ein Lindenblatt, dorthin konnte kein Blut gelangen und Siegfried ist an dieser Stelle doch verwundbar. Nachdem es dann nicht zum Kampf mit den Sachsen und Dänen kommt, fahren die Helden stattdessen auf eine Jagd. Während der Jagd ermordet Hagen Siegfried mit dessen eigenem Speer. Die Helden versuchen, diesen heimtückischen Mord zu vertuschen, aber Kriemhild ahnt sofort, daß Hagen die Tat beging. Kriemhild und alle einstigen Gefährten Siegfrieds schwören Rache. Nach der Beerdigung kehrt König Sigmund allein zurück in die Niederlande. Kriemhild bleibt bei ihrer Verwandtschaft. Dreieinhalb Jahre lang spricht sie nicht mehr mit Gunther und Hagen, dann versöhnt sie sich
wieder mit Gunther. Die Männer überreden Kriemhild, den Hort der Nibelungen als die ihr zustehende Morgengabe nach Worms zu holen. Kriemhild verwaltet den Schatz nun sehr freigiebig. Hagen befürchtet, daß Kriemhild mit ihrem Reichtum Ritter an sich bindet, um mit deren Hilfe Rache an ihm und den Brüdern zu üben. Er stiehlt den Hort der Nibelungen und versenkt ihn im Rhein. So endet der erste Teil des Epos.
Im zweiten Teil erfährt der König der Hunnen, Etzel (nordisch: Attila) von der edlen Kriemhild. Etzel beschließt, um sie zu werben und schickt mit diesem Auftrag den Markgrafen Rüdiger von Bechelaren (Pöchlarn) nach Worms. Hagen rät von der Hochzeit ab, da er ahnt, daß Kriemhild mit Hilfe der Hunnen an den Burgundern Rache nehmen könnte. Kriemhild willigt in die Heirat ein, obwohl sie Christin und Etzel Heide ist. So zieht sie mit ihrer Gefolgschaft, Rüdiger und dessen Gefolgsleuten zu Etzel. Auf dem Weg besuchen sie noch Kriemhilds Onkel, den Bischof von Passau. Nach der Hochzeit in Wien leben Kriemhild und Etzel in Etzelburg (Gran). Kriemhild gebiert nach sieben Jahren einen Sohn, der Ortlieb getauft wird. Nach weiteren sechs Jahren überredet Kriemhild Etzel, ihre Brüder und deren Gefolgsleute nach Etzelburg einzuladen. Sie gibt vor, Sehnsucht nach ihnen zu haben, aber in Wirklichkeit will sie Rache für Siegfried nehmen.
Hagen rät den Burgunderkönigen ab, die Einladung anzunehmen, aber als diese nicht auf Hagen hören wollen, will er nicht als Feigling dastehen und fährt mit. Unterwegs bringt Hagen einen Fährmann um, um den Rhein überqueren zu können, und provoziert so einen Kampf mit den Bayern Else und Gelfrat. Vorher prophezeien ihm einige Meerfrauen, daß außer dem Kaplan des Königs keiner der Burgunden diese Reise überleben wird. Um die Voraussage der Meerfrauen zu überprüfen, versucht Hagen, den Kaplan zu ermorden, aber dies mißlingt ihm. Hagen weiß nun, daß den Burgunden ihn Etzelburg der Tod erwartet. Bei Rüdiger von Bechelaren bleibt der Königszug vier Tage zu Gast und Giselher verlobt sich mit Rüdigers Tochter Gotelint. Als Dietrich von Bern von dem anstehenden Besuch der Burgunder bei den Hunnen hört, warnt er diese vor der Gefahr durch Kriemhild. Dennoch kehren die Burgunder nicht um. Nach der Ankunft in Etzelburg sucht Kriemhild nach einer Möglichkeit, die Burgunder anzugreifen, aber sie sind vorsichtig. Trotzdem nehmen die burgundischen Ritter am Wettkampf teil. Kriemhild bittet Dietrich von Bern um seine Unterstützung für ihre Rachepläne, aber dieser lehnt ab. Blödel jedoch verspricht, ihr im Tausch für eine Grenzmark zu helfen. Er beginnt den Kampf, indem er und seine Leute Dankwart, zwölf Ritter und 9000 Knappen angreifen. Blödel wird von Dankwart erschlagen, der als einziger Burgunder überlebt und die Könige und deren Gefolge warnt. Daraufhin erschlägt Hagen das Kind Ortlieb. Im weiteren Verlauf verlieren viele tausend Ritter Etzels
das Leben. An Etzels Seite kämpfen auch Iring von Dänemark, Irnfried von Thüringen, Rüdiger von Bechelaren, der wegen der Verlobung seiner Tochter mit Giselher vor einem Gewissenskonflikt steht, und Dietrich von Bern samt tausende von ihren Gefolgsleuten. Etzel selber kämpft nicht. Am Ende überlebt auf der Seite der Kämpfer für die Hunnen nur Dietrich, der die letzten lebenden Burgunder, Hagen und Gunther, gefangen nimmt. Dietrich übergibt Kriemhild die Gefangenen mit der Bitte, sie zu schonen. Kriemhild verspricht es. Um aber von Hagen das Versteck des Nibelungenhortes zu erfahren, läßt sie Gunther töten. Als Hagen ihr dann immer noch nicht das Versteck verraten will, köpft Kriemhild ihn mit Siegfrieds Schwert. Daraufhin tötet Hildebrand, ein Gefolgsmann Dietrichs, Kriemhild, da sie es als Frau wagte, einen Recken zu töten. So endet das Nibelungenlied.
2) Historischer Hintergrund
Auch hier zeigt sich ein Unterschied zwischen dem ersten und zweiten Teil. Der erste Teil hat mit der Gestalt Siegfrieds eher einen mythischen Charakter. Es läßt sich für die Siegfried-Brünhild bzw. Siegfried-Kriemhild-Saga nur schwer eine historische Parallele finden. 566 oder 567 heiratet der austrasische Frankenkönig Sigibert I. (Merowinger) Brunhild, Tochter des westgotischen Königs Athanagild. Sigiberts Bruder Chilperich I. von Neustrien heiratet Brunhilds Schwester Galswintha. Fredegund, einstige Mätresse Chilperichs, überredet ihn zum Mord an seiner Gemahlin. Nach dem Mord heiraten Chilperich und Fredegund. Brunhild und Fredegund sind sich spinnefeind. Auf Brunhilds Drängen hin führt Sigibert Krieg gegen Chilperich. 575 stirbt Sigibert I., wahrscheinlich auf Wunsch Fredegunds. 584 wird Chilperich ermordet, wahrscheinlich als Rache durch Brunhild. 613 wird Brunhild von Chlotar II. von Neustrien gefangengenommen und ermordet. Brunhild regierte zeitweilig in Worms. Ob der Burgunderkönig Gundahar in Worms regiert hat, ist hingegen nicht belegt. Die historische Brunhild paßt eher zur Figur der Kriemhild und die historische Fredegund zur Figur der Brünhild. Daß aber die Namen so eklatant vertauscht wurden, ist für Heldenepen untypisch. Orte wurden öfters geändert, um einen stärkeren Bezug zum Publikum zu finden. Namen großer Helden und anderen historischen Personen wurden dagegen möglichst beibehalten, wohl weil unter anderem auch die historischen Personen dem Publikum bekannt waren. Dennoch ist es durchaus wahrscheinlich, daß die Geschichte vom Frankenkönig Sigibert I. mit dem mythischen Held und Drachentöter Siegfried im Nibelungenlied verknüpft wurde. Bei den Germanen klangen die Namen der Familienangehörigen oft ähnlich. Bei den Merowingern gab es Namen mit den Anfangssilben "Sigi", leider sind heute nur noch Sigibert I. und Sigivald bekannt. Viele Nibelungenforscher versuchten nun, einem der beiden die
Gestalt des Siegfried zuzuschreiben. Aber auch andere Möglichkeiten wurden überdacht. Nach Helmut de Boor könnte Siegfried auch der vertriebene Sohn eines ripuanischen Fürstenhauses sein, der im ersten Drittel des 5. Jh. am burgundischen Hof aufgenommen wurde. Andere verglichen Siegfried mit dem ostgotischen Heerführer Uraja oder dem Cheruskerfürsten Arminius. Mit Arminius verbindet Siegfried ein früher Tod durch Verwandtenmord. Xanten, Siegfrieds Zuhause, ist Zentrum der Arminiusüberlieferung. Der Sieg Arminius' über Varus in der Schlacht im Teutoburger Wald 9 n. Chr. könnte, nach Otto Höfler, im Drachenkampf mythisch überhöht worden sein. Einige Forscher wie Franz Rolf Schröder halten es jedoch für wahrscheinlicher, daß die Gestalt Siegfrieds ganz aus der Mythen- und Märchenwelt kommt. Siegfried wurde besonders im 19. Jh. mit allen möglichen germanischen Göttern verglichen.
Weitaus einfacher läßt sich zum zweiten Teil des Nibelungenliedes, dem Untergang der Burgunder, eine historische Parallele finden.
Von 406 bis 413 eroberte der Burgundenkönig Gundahar(ius) nach Überquerung des Rheins linksrheinische Gebiete. Sitz des Königs war wahrscheinlich Worms oder Mainz. Möglicherweise waren die Burgunder Föderaten Roms. Die Burgunden versuchten, ihr Gebiet in nordwestlicher Richtung gegen die römische Provinz Belgica auszudehnen. 435/436 wurden sie vom weströmischen Heermeister Aëtius geschlagen. 436/437 wurden die Burgunden dann von den Hunnen, die wohl Hilfstruppen Aëtius' waren, vernichtend besiegt. Gundahar, die ganze Familie und ein großer Teil des burgundischen Volkes wurden getötet. Später schreibt der spanische Bischof Hydatius von 20.000 Toten. Im Jahr 443 überläßt Aëtius den restlichen Burgundern ein neues Gebiet in der Sapaudia, dem heutigen Savoyen, an der oberen Rhône und der Saône gelegen. Einige Burgunden blieben in ihrer alten Heimat am Rhein. Ab 461 war Lyon neue burgundische Residenz. In den Folgejahren dehnten sich die Burgunder noch bis zum Mittelmeer aus und adaptierten teilweise die römische Kultur. Im burgundischen Recht, Lex Gundobada oder Lex Burgundionum genannt, das vor König Gundobads Tod 516 aufgezeichnet wurde, werden unter anderem auch die Könige Gibica, Gundomar, Gislahar und Gundahar erwähnt. Gibica entspräche dem altnordischen Gjúki und dem mhd. Gibiche und so dem Vater der burgundischen Brüder in fast allen Nibelungengeschichten - nur im Nibelungenlied heißt der Vater Dankrat. Gundahar ist wohl zweifelsfrei König Gunther, Gundomar wahrscheinlich Gutthorm bzw. Gernot und Gislahar entspräche Giselher. 534 wurden die Burgunder endgültig von den Franken besiegt und ihr Gebiet dem fränkischen Reich angegliedert. Bei der Schlacht 436/437 wurden die Hunnen nicht von Attila d. h. Etzel angeführt. Erst 441 wird Attila Alleinherrscher der Hunnen,
Arbeit zitieren:
Stephanie Junkers, 1997, Das Nibelungenlied - ein Überblick, München, GRIN Verlag GmbH
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Rudolf Patzwaldt
Dipl.-Finanzwirt.
Sehr geehrte Frau Junkers, das war Spitze.
Möchte Ihnen gerne mehr von der Thidreksage erzählen und Ihnen darlegen, daß Nibelungen-Epos und nordische Saga die selben historischen Ereignisse beschreiben und warum der Untergang der Nibelungen sich in Soest abgespielt haben muß.
Mit freundlichem Gruß
Rudolf Patzwaldt
am Sunday, May 28, 2000-
Klaus Appelt
Dr.phil. germ.
Alles in allem ja ganz ok!
Doch der Schreibstil läßt viel zu wünschen übrig.!!!
am Saturday, March 17, 2001-
Roland Jezussek
cand. phil..
Als Überblick zum Nibelungenlied eignet sich die Arbeit sehr gut. Was mir ein wenig fehlt, ist die Rezeption der wahren Literaturflut zum Nibelungenlied.
am Wednesday, March 21, 2001-
Bernd Kinschner
Gute Analyse.
Nachdem ich gerade etliche Referate zum Thema durchgelesen habe, mit den unterschiedlichsten Ansprüchen, Inhalten und stilistischen Mitteln erlaube ich mir einen kurzen Kommentar:
Ich wundere mich, dass Sie Germanistik studieren (oder studiert haben), im Referat erkenne ich Stärken im analytischen Bereich, sowohl was die Geschichte, also den Inhalt angeht, als auch das Geschichtliche an sich, einschließlich der Umfeldbeschreibungen.
Mit gefällt auch der Aufbau (die Struktur) des Referates, weniger gut gefällt mir die Sprache an sich. Wenn man das Referat vortragen sollte, wäre etwas mehr Dramaturgie angebracht, vielleicht käme sonst rasch Langeweile auf.
Andererseits muss man ja nicht gut schreiben können, um sich für Literatur zu interessieren und sich mit ihr zu beschäftigen.
Ingesamt finde ich das Referat aber ohnehin gut und habe auch so bewertet.
(PS: Ich habe nicht studiert, interssierte mich für das Nibelungenlied wegen einer Referatsarbeit meines Sohnes, bin selbst Literaturinteressiert und schreibe auch viel - großteils aber für Werbung und PR, in diesem Bereich verdiene ich mein Geld)
am Tuesday, May 15, 2001-
Sonny
stud. phil..
Ein sehr gelungener Überblick.
Ich schreibe gerade an mener Staatsexamensarbeit und bin daher über Google auf dieses referat gekommen. Im Gegensatz zu vielem, was man hier teilweise liest, war das Lesen dieser Arbeit keine verlorene Zeit!
Allerdings vermisse ich, wie Roland Jezussek auch, die Rezeption der Sekundärliteratur.
am Monday, November 24, 2008-