Universität Leipzig
Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft Lehrstuhl für Öffentlichkeitsarbeit und Public Relations
Hauptseminar
Theorien der Public Relations
Wintersemester 2001/2002
Unternehmenskommunikation
Marketingorientierte Konzepte und die Theorie der
Unternehmenskommunikation von Ansgar Zerfaß
Katja Beitat
6. Fachsemester KMW Magister Hauptfach
Nebenfächer: Politikwissenschaft und Philosophie
I
Gliederung
Seite
1. Einleitung 01
1.1 Ausgangsthese 01
2. Klassische Marketingkonzeption und gesellschaftsorientierte
Ausweitung 03
2.1 Grundverständnis von Kommunikation im unternehmerischen
Handeln 03
2.2 Klassisches Marketingverständnis 04
2.3 Kommunikationspolitik 04
2.4 Einordnung, Funktion und Aufgaben der Public Relations 05
2.5 Der gesellschaftsorientierte Marketingansatz von Raffée/Wiedmann 06
2.6 Kritikpunkte 07
3. Theorie der integrierten Unternehmenskommunikation 08
3.1 Veränderte Ausgangslage 09
3.2 Marketing- und Kommunikationsverständnis 09
3.2.1 Merkmale und Formen 09
3.2.2 Ziele der integrierten Kommunikation 10
3.2.3 Voraussetzungen der Integration 10
3.2.4 Integrierter Planungsprozess 11
3.3 Einordnung, Funktion und Aufgaben der Public Relations 12
3.4 Probleme und Kritikpunkte 12
4. Theorie der Unternehmenskommunikation von Ansgar Zerfaß 14
4.1 Neukonzeption einer Theorie der Unternehmenskommunikation 14
4.2 Kommunikationsverständnis 14
4.2.1 Organisationskommunikation 15
4.2.2 Marktkommunikation 15
4.2.3 Public Relations 15
4.3 Notwendigkeit der flexiblen Integration 17
4.4 Anmerkung zu dem Konzept von Ansgar Zerfaß 17
5. Fazit 18
6. Ausblick 19
7. Literaturverzeichnis 21
II
1. Einleitung
Innerhalb des Marketings sind zum Thema Unternehmenskommunikation in den letzten 30 Jahren 1 zahlreiche und ebenso verschiedene Perspektiven in Theorie und Praxis entwickelt wurden. Dies kann und soll in dieser Arbeit als Indikator einer zunehmenden Bedeutung innerhalb des unternehmerischen Handels und ebenso als Anzeichen für ein fehlende erklärungskräftige theoretische Grundlage gewertet werden.
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, einen Überblick zu den verschiedenen Ansätzen der Unternehmenskommunikation zu geben. Besonders die Rolle, Einordnung und Aufgabe, die der PR innerhalb der Unternehmenskommunikation zugeschrieben wird, soll exemplarisch anhand der in der Ausgangsthese unterstellten Entwicklung verdeutlicht werden. Dabei soll der Fokus auf der theoretischen Ebene liegen. Nur am Rande wird die praktische Umsetzung einbezogen, da hierzu eine umfassende und detaillierte Analyse erforderlich wäre. Zwar sind vor allem in der Marketingliteratur viele praktische Handlungsanweisungen zu verzeichnen, jedoch bleibt deren empirische Begründung zumeist unvollständig oder fehlt völlig. Häufig werden Einzelbeispiele zur Illustration verwendet 2 , eine umfassende Studien dagegen findet man seltener 3 .
1.1 Ausgangsthese
Die in dieser Arbeit gewählte Struktur folgt der Ausgangsthese, nach welcher sich das Verständnis der Public Relations von einem Instrument des Kommunikationsmix, über die Bedeutungssteigerung als strategisches Instrument hin zu der Einordnung als strategisches Element der gesamten Unternehmensführung entwickelt hat. Somit soll in drei Schritten die zunehmende Ablösung der Public Relations vom Marketing, wie sie auf theoretischer Ebene beobachtet werden kann, dargestellt werden.
Exemplarisch für die erste Sichtweise steht die klassische Marketingkonzeption. Das zweite Verständnis der Öffentlichkeitsarbeit kann man anhand des Ansatzes der Integrierten Kommunikation 4 von Manfred Bruhn verdeutlichen. Ansgar Zerfaß´ Entwurf hingegen räumt den Public Relations eine auf die Ebene des gesamten Unternehmens
1 siehe dazu die Entwicklungsstufen des Marketing; dargestellt bei: Meffert (2000), S. 5.
2 siehe Kotler (2001).
3 Ausnahme ist Heribert Meffert, der eine umfangreiche Fallstudie zum VW Golf publizierte. Siehe in: Meffert (1990) und Meffert (2000).
4 Verwendung als Eigenname, siehe Bruhn (1997), S. 94. Er leitet hier den Begriff aus der Kommunikationsliteratur und Corporate Identity Publikationen ab.
1
bezogene strategische Rolle ein. Dieser Ansatz soll als vorläufiger Endpunkt der theoretischen Entwicklungen angenommen werden. 1
An dieser Stelle sei nochmals betont, dass es sich dabei um eine von der Autorin unterstellte Entwicklung auf theoretischer Ebene handelt, die in dieser Arbeit untermauert werden soll. Die dabei gewählte Strukturierung und Einordnung verschiedener Autoren erfolgt aufgrund der jeweiligen grundsätzlichen thematischen Nähe. Dabei ist zu beobachten, dass sich beispielsweise Heribert Meffert und Philip Kotler sowohl in die klassische Marketingkonzeption, als auch mit ihren späteren Veröffentlichungen in die zweite Perspektive der Integrierten lassen. 2 Unternehmenskommunikation einordnen Diese interessanten
Einzelentwicklungen, die ebenso als Anzeichen der Veränderung gewertet werden könnten, müssen hier leider vernachlässigt werden. Die Einordnung folgt demnach der gewählten Struktur zur Unterstützung der aufgestellten These. Sie ist somit nicht allgemein gültig .
In der Praxis wird Öffentlichkeitsarbeit noch immer häufig in dem Verständnis der klassischen Marketinglehre aufgefasst. Weiterhin muss man betonen, dass die vorgestellten Ansätze zwar chronologisch nacheinander entwickelt wurden, in der Realität allerdings nebeneinander existieren. Zudem sind auf der wissenschaftlichen Ebene die Kooperationen zwischen der Kommunikationswissenschaft, der Betriebswirtschaftslehre und der Sozialwissenschaft bisher gering. Eine engere Zusammenarbeit würde die Entwicklung einer umfassenden und erklärungskräftigen Theorie der Unternehmenskommunikation wesentlich unterstützen, da zu allen drei Bereichen enge Bezüge vorhanden sind. Unter Voraussetzung dieser Annahme steht der Ansatz von Ansgar Zerfaß, der genau dies erstmals versucht, als vorläufiger Endpunkt.
1 siehe dafür auch: Bentele (1998), S. 56f.
2 vgl. Meffert (1990) und Meffert (2000) sowie Kotler (1999) und Kotler (2001).
2
2. Klassische Marketingkonzeption und gesellschaftsorientierte Ausweitung
Unter der klassischen Marketingkonzeption soll an dieser Stelle das Transaktionsmarketing 1 als paradigmatischer Sammelbegriff für unterschiedliche Ansätze näher betrachtet werden. Allen gemeinsam sind die im folgenden dargestellten Grundzüge.
Die Beziehungen zwischen einem Unternehmen und seinen realen und potentiellen Märkten beruhen auf Tauschprozessen. Entscheidend ist die Annahme, dass ein Unternehmen seine Produkte oder Dienstleistungen auf dem Markt anbietet und im Falle eines Verkaufs deren Wert in monetärer Form zurück erhält. Das Medium des Marktes ist somit Geld.
Die einseitig gerichtete Kommunikation dient hier vorrangig der Leistungsdarstellung. Ziele sind, Informationen und Kenntnisse zu den Produkten und indirekt dadurch auch über das Unternehmen zu vermitteln, um damit Einstellungen positiv zu beeinflussen und eine Kaufhandlung auszulösen.
Zum besseren Verständnis seien an dieser Stelle einige wichtige Grundbegriffe des Marketing sowie des unternehmerischen Handelns im Allgemeinen näher erläutert. “Unternehmungen werden allgemein als offene, zielgerichtete, sozio-technische Güter-Umsatz-Systeme [...]”
definiert. 2 “Offen” bedeutet hier, dass es in jedem Unternehmen zum Austausch von Leistungen und Produkten mit der Umwelt kommt; “zielgerichtet”, da dieser Austausch strategisch durch die Unternehmenspolitik gelenkt wird und “sozio-technisch”, aufgrund der beiden vorhandenen Faktoren Mensch und Maschine im unternehmerischen Aufbau. Dabei stellt jedes dieser Merkmale Verbindungen zur Absatzpolitik her. Zu der Absatzpolitik zählen:
“[...] alle Entscheidungen, welche die Gestaltung der Beziehungen des Unternehmens mit
3 dem Absatzmarkt zum Gegenstand haben.”
Im Mittelpunkt stehe dabei die zielgerichtete Marktbeeinflussung. 4
2.1 Grundverständnis von Kommunikation im unternehmerischen Handeln In der klassischen Marketinglehre, die sich in Deutschland seit Ende der 1940er Jahre etabliert hat 5 , ist die Unternehmenskommunikation größtenteils innerhalb des Marketingmixes angesiedelt. Sie wird auf verschiedene kommunikationspolitische
1 vgl. Kotler (2001), S.16ff.
2 Meffert (1990), S. 23.
3 Sabel (1974) in: Meffert (1990), S.25.
4 vgl. Meffert (1990), S.25.
5 vgl. Meffert (2000), S. 5, 10.
3
Instrumente, die der Marktbeeinflussung dienen, reduziert. Somit fungiert die unidirektional eingesetzte Kommunikation als ein Instrument zur Absatzförderung neben Distributions-, Preis- und Produktpolitik. Anders formuliert bedeutet dies, dass die Kommunikation eines Unternehmens die Güter- und Geldströme informativ und persuasiv unterstützen soll. 1
2.2 Klassisches Marketingverständnis Unter Marketing versteht Meffert:
“die bewusst marktorientierte Führung des gesamten Unternehmens oder marktorientiertes
2 Entscheidungsverhalten in dem Unternehmen”
Hier wird zwischen zwei Arten der Marketingumsetzung grundsätzlich unterschieden, jedoch soll im folgenden diese für das Thema marginale Unterscheidung weitgehend vernachlässigt werden. Das klassische Verständnis von Marketing ist relativ eng gefasst und auf die ökonomische Komponente beziehungsweise Funktion beschränkt. Dabei gilt Marketing als die Maxime des unternehmerischen Handels. Das bedeutet, die realen und potentiellen Käufer/Konsumenten sowie deren Bedürfnisse sind gleichzeitig Basis und Hauptziel jeglichen Unternehmensmanagements. Man geht in der klassischen Konzeption davon aus, dass man mit Hilfe eines erfolgreichen Marketings, durch effektive und effiziente Koordination der einzelnen Instrumente, den Markt systematisch beeinflussen und gestalten könne. Dazu bedarf es eines gut geplanten systematischen Vorgehens, das heißt, jegliche Entscheidungen sollen unter Berücksichtigung des Gesamtsystems Unternehmen - Markt getroffen werden. 3 Meffert spezifiziert seine eingangs vorgestellte Marketingdefinition: “Marketing bedeutet dementsprechend Planung, Koordination und Kontrolle aller auf die aktuellen und potentiellen Märkte ausgerichteten Unternehmensaktivitäten. Durch eine dauerhafte Befriedigung der Kundenwünsche sollen die Unternehmensziele im
4 gesamtwirtschaftlichen Güterprozess verwirklicht werden”.
2.3 Kommunikationspolitik
Innerhalb der hier skizzierten Konzeption gilt die Kommunikationspolitik als das “Sprachrohr des Marketings” 5 . Mit Hilfe der Kommunikationspolitik sollen die für das jeweilige Unternehmen relevanten Zielgruppen über dessen Leistungen informiert werden und gleichzeitig ein positives Bild von dem Angebot und dem Unternehmen an sich vermittelt bekommen. Dieser Sicht liegt das inzwischen in der Kommunikationswissenschaft weiterentwickelte Stimulus-Response-Modell 6 zugrunde.
1 vgl. Meffert (2000), S. 678ff. und Meffert (1990), S. 24.
2 Meffert (1990), S. 29.
3 vgl. Nieschlag/Dichtl/Höschgen (1974) in: Meffert (1990) S. 31; sowie Meffert (2000), S. 8.
4 Meffert (1990), S. 31.
5 Nieschlag/Dichtl/Hörschgen (1997), S. 528.
6 siehe dazu: Noelle-Neumann u.a. (1997), S. 176ff. Siehe auch Bruhns Kritik: Bruhn (2000) I, S. 13.
4
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Katja Beitat, 2002, Unternehmenskommunikation. Marketingorientierte Konzepte und die Theorie der Unternehmenskommunikation von Ansgar Zerfass, Munich, GRIN Publishing GmbH
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