Basierend auf den Möglichkeiten der modernen Informations- und Kommunikationstechnologie hält Telearbeit als visionäre Form der Ausübung beruflicher Tätigkeit allmählich Einzug in das gesellschaftliche Leben. Die Verrichtung beruflicher Tätigkeit von zu Hause aus stellt besondere Anforderungen an die Fähigkeiten des Telearbeiters, sowohl sich selbst als auch sein Berufs- und Privatleben effektiv zu organisieren.
Die vorliegende Arbeit wurde im Rahmen von IMPTEL erstellt, einem multimedialen Tele-Lernsystem mit dem Ziel, ausgewählte Mitarbeiter kleiner und mittlerer Betriebe zu Telearbeitern auszubilden. PC-Kenntnisse und Arbeitstechniken bildeten die hauptsächlichen Lerninhalte dieses Kurses. Gegenstand dieser Arbeit war die Frage, inwieweit durch ein multimediales Tele-Lernsystem wie IMPTEL die Fähigkeiten des künftigen Telearbeiters zur effektiven Selbstorganisation gefördert werden können.
Aus einer Vielzahl von naturwissenschaftlichen Selbstorganisationsbegriffen wurde schließlich das umfassende Selbstorganisationskonzept der Synergetik auf den Bereich der Psychologie übertragen und ausgearbeitet. Von Seiten der Psychologie flossen dabei vor allem die schematheoretischen Überlegungen Klaus Grawes, einem klinischen Psychologen, in die Ausarbeitung ein. Als Synthese aus dem naturwissenschaftlichen und psychologischen Konzept wurde dann ein synergetisches, qualitatives Analyseverfahren zur allgemeinen Diagnose und Prognose von Selbstorganisationsverhalten im Rahmen von Weiterbildungsmaßnahmen entwickelt und auf die Teilnehmer der Studie angewandt.
Als wichtigstes Ergebnis der Evaluation lässt sich festhalten: Die Entwicklung der Fähigkeiten zur Selbstorganisation bedarf eines freiheitlich gestalteten Entwicklungsraumes, innerhalb dessen der Lerner kreativ Abläufe und Strukturen selbst organisieren kann. Gleichzeitig sollten von den Tutoren des Lernsystems immer wieder aktiv Entwicklungsimpulse bezüglich der Thematik Selbstorganisation gesetzt werden, um die sichere Etablierung der neuen Verhaltensmuster beim Lerner gerade in der unsicheren Anfangsphase zu unterstützen.
Inhaltsverzeichnis
1. HINFÜHRUNG ZUM THEMA
1.1. TELE – DIE AUFLÖSUNG DER GRENZEN VON RAUM UND ZEIT
1.2. TELEKOOPERATION ALS WETTBEWERBSSTRATEGIE IM SPANNUNGSFELD DYNAMISCHER MÄRKTE
1.2.1. Telearbeit
1.2.2. Telemanagement
1.2.3. Teleleistung
1.3. DAS MULTIMEDIALE TELE-LERNSYSTEM
1.4. PROJEKTBESCHREIBUNG IMPTEL
1.4.1. Allgemeiner organisatorischer Rahmen
1.4.2. Prinzipien des Kurses
1.4.3. Lerninhalte
1.4.4. Lernmedien
1.4.5. Kommunikationsstrukturen
1.5. FRAGESTELLUNG UND ZIELE
2. THEORETISCHER BEZUG
2.1. DIE WELT ALS KOMPLEXES SYSTEM
2.2. TRADITIONELLE SELBSTORGANISATIONSKONSTRUKTE
2.2.1. Der Entelechiebegriff der klassischen Philosophie
2.2.2. Das mechanistische Weltbild NEWTONs
2.2.3. Selbst-Desorganisation in der klassischen Thermodynamik
2.2.4. Die Höherentwicklung von Systemen in DARWINs Evolutionstheorie
2.2.5. Die Entdeckung der Rückkopplungsschleife in der Kybernetik
2.2.6. Das Postulat des Fließgleichgewichts der Allgemeinen Systemtheorie
2.3. MODERNE SELBSTORGANISATIONSKONSTRUKTE
2.3.1. Fremdorganisierte Aktivität: Mechanistische Systeme
2.3.2. Selbständerung durch Widerspiegelung: Dissipative Systeme
2.3.3. Selbsterhaltung durch Repräsentation: Autopoietische Systeme
2.3.4. Selbsterschaffung durch Entscheidung: Re-kreative Systeme
2.3.5. Systemebenen
2.4. ALLGEMEINE SYSTEMDYNAMIK AUS SICHT DER SYNERGETIK
2.4.1. Struktur – Chaos – Struktur
2.4.2. Entwicklung eines synergetischen Diagnoseverfahrens
2.4.3. Prämissen der Synergetik
2.5. NEUROPHYSIOLOGISCHE ORDNUNGSMUSTER
2.6. SCHEMATA ALS ATTRAKTOREN PSYCHISCHER AKTIVITÄT
2.6.1. Motivationale Schemata
2.6.2. Emotionale Schemata
2.6.3. Interpersonale Schemata
2.6.4. Das Selbst als persönliche Realitätstheorie
2.6.5. Der implizite und rationale Funktionsmodus
2.7. GRUNDBEDÜRFNISSE ALS OBERSTE SOLLWERTE PSYCHOPHYSIKALISCHER REGELKREISE
2.7.1. Das Bedürfnis nach Kontrolle
2.7.2. Das Bedürfnis nach Lustgewinn und Unlustvermeidung
2.7.3. Das Bindungsbedürfnis
2.7.4. Das Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung
2.7.5. Ein Regelkreis psychischen Funktionierens
2.8. THEORETISCHE SCHLUSSFOLGERUNGEN ZU EINER EFFEKTIVEN SELBSTORGANISATIONSFÄHIGKEIT DES MENSCHEN
3. METHODISCHES VORGEHEN
3.1. STICHPROBENBESCHREIBUNG
3.2. DATENERHEBUNG
3.2.1. Erhebungsmethode
3.2.2. Erhebungszeitpunkte
3.2.3. Erhebungsinstrumente
3.3. UNTERSUCHUNGSDURCHFÜHRUNG
3.3.1. Transkription
3.3.2. Ein synergetisches Diagnose- und Prognoseverfahren psychischer Prozesse
3.3.3. Codierung der Ergebnisprotokolle
3.4. GÜTEKRITERIEN
3.4.1. Semantische Gültigkeit
3.4.2. Stichprobengültigkeit
3.4.3. Korrelative Gültigkeit
3.4.4. Vorhersagegültigkeit
3.4.5. Konstruktgültigkeit
3.4.6. Stabilität
3.4.7. Reproduzierbarkeit
3.4.8. Exaktheit
4. ERGEBNISSE
4.1. SYNERGETISCHE VERLAUFSPROTOKOLLE DER MITARBEITER VON FIRMA 1
4.1.1. Frau A
4.1.2. Herr B (Tutor)
4.1.3. Herr C
4.2. SYNERGETISCHE VERLAUFSPROTOKOLLE DER MITARBEITER DER FIRMA 2
4.2.1. Herr D
4.2.2. Herr E (Tutor)
4.3. SYNERGETISCHE VERLAUFSPROTOKOLLE DER MITARBEITER DER FIRMA 3
4.3.1. Frau F
4.3.2. Frau G
4.3.3. Herr H
4.4. SYNERGETISCHE VERLAUFSPROTOKOLLE DER MITARBEITER DER FIRMA 4
4.4.1. Frau I
4.4.2. Herr J
5. DISKUSSION
5.1. SPANNUNGSFELD IMPTEL
5.1.1. Information und Kommunikation
5.1.2. Zeitliche Vorgaben
5.1.3. Lernrechner
5.1.4. Lerninhalte
5.1.5. Soziale Unterstützung
5.2. SPANNUNGSFELD UNTERNEHMEN
5.2.1. Zeitressourcen
5.2.2. Lernrechner / Arbeitsrechner
5.2.3. Motivierung der Teilnehmer
5.2.4. Schulung der Kollegen
5.3. SPANNUNGSFELD PRIVATLEBEN
5.3.1. Materielle Ressourcen
5.3.2. Familiäre Strukturen
5.4. SPANNUNGSFELD PERSÖNLICHKEIT
5.4.1. Vorwissen
5.4.2. Motivationale Schemata
5.4.3. Emotionale Schemata
5.4.4. Beziehungsschemata
5.5. DIE WICHTIGSTEN ERGEBNISSE DER EVALUATION VON IMPTEL IM ÜBERBLICK
5.6. EFFEKTIVE SELBSTORGANISATION
5.7. AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht das Projekt IMPTEL, eine Initiative zur Implementierung von Telearbeitsstrukturen in kleinen und mittleren Betrieben, mit dem Ziel, die Fähigkeiten der Teilnehmer zur effektiven Selbstorganisation durch den Einsatz eines multimedialen Tele-Lernsystems zu fördern und zu evaluieren.
- Theoretische Fundierung durch synergetische Konstrukte und moderne Selbstorganisationskonzepte
- Methodische Vorgehensweise bei der Evaluation mittels synergetischer Verlaufsprotokolle
- Detaillierte Analyse der Spannungsfelder (IMPTEL, Unternehmen, Privatleben, Persönlichkeit)
- Empirische Untersuchung der Auswirkungen auf die individuelle Selbstorganisationsfähigkeit
Auszug aus dem Buch
1.1. Tele – Die Auflösung der Grenzen von Raum und Zeit
Die Anfänge der modernen Telekommunikation liegen im Jahre 1794. Damals wurde in Frankreich die erste optische Teraphenlinie des Erfinders Claude CHAPPE zwischen Paris und Lille errichtet. In regelmäßigen Abständen wurden weithin sichtbare Flügeltelegraphen (Semaphore) auf vorhandenen hohen Bauwerken oder eigens errichteten Türmen angebracht. Auf jeder Telegraphenstation beobachteten Operateure die Flügelstellung der benachbarten Station mit Fernrohren, lasen die Nachrichten ab und stellten sie anschließend an der eigenen Station ein. Die Übertragungszeit, die per Bote vorher mehr als 60 Stunden in Anspruch genommen hatte, ließ sich durch die neue Technologie beträchtlich reduzieren und ermöglichte ein „Regieren in Echtzeit“ (vgl. REICHWALD et al., 1998, S 2 ff.).
1876 meldeten A.G. BELL und E. GRAY in Washington das Patent für die Erfindung des Telefons an, und Konrad ZUSE entwickelte 1941 in Deutschland den ersten programmierbaren Computer. Seither ist eine rasante Fortentwicklung der Informations- und Kommunikationsinfrastrukturen zu beobachten. Leistungsfähigkeit und Leistungsvielfalt sind enorm gestiegen. Netze, Daten und Medien wurden schrittweise integriert. Standards schufen Kompatibilität zwischen Systemkomponenten und gewährleisten die Offenheit der Systemarchitekturen. Die Sprach- und Datenübermittlung globalisiert sich zunehmend. Miniaturisierung und Mobilität der Endgeräte gehen Hand in Hand. Die neuen Telemedien sind sehr vielfältig und flexibel einsetzbar und erlauben zahlreiche Kommunikationsszenarien.
Zusammenfassung der Kapitel
1. HINFÜHRUNG ZUM THEMA: Dieses Kapitel erläutert die Bedeutung der Informations- und Kommunikationstechnologie für moderne Arbeitsstrukturen und stellt das Projekt IMPTEL sowie dessen Ziele vor.
2. THEORETISCHER BEZUG: Hier werden die wissenschaftlichen Grundlagen, insbesondere das synergetische Modell und psychologische Konzepte zur Selbstorganisation, detailliert erörtert.
3. METHODISCHES VORGEHEN: Dieses Kapitel beschreibt das methodische Design der Evaluation, einschließlich der Stichprobenbeschreibung, Datenerhebung und der Gütekriterien für die qualitative Inhaltsanalyse.
4. ERGEBNISSE: Hier werden die spezifischen Verlaufsprotokolle der Teilnehmer aus verschiedenen Firmen detailliert analysiert und die individuellen Entwicklungsprozesse dargestellt.
5. DISKUSSION: Das letzte Kapitel fasst die Erkenntnisse aus den verschiedenen Spannungsfeldern zusammen, reflektiert die Effektivität des Lernsystems und bietet einen Ausblick auf künftige Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Telearbeit, Selbstorganisation, IMPTEL, Synergetik, Tele-Lernsystem, Arbeitsstruktur, Systemdynamik, Motivation, Qualifizierung, Telemanagement, Teleleistung, Selbststeuerung, Kompetenzentwicklung, Evaluation, Medien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie multimediale Tele-Lernsysteme eingesetzt werden können, um bei Mitarbeitern kleiner und mittlerer Betriebe die Fähigkeiten zur effektiven Selbstorganisation in Telearbeitsstrukturen zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen Telearbeit, Synergetik, Selbstorganisationskonzepte, Informationstechnik, psychologische Schemata und die Evaluation von Weiterbildungsmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Analyse und Evaluation des Projekts IMPTEL, um zu verstehen, wie das Lernsystem die Selbstorganisationskompetenzen der Teilnehmer beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt qualitative Methoden, insbesondere die Inhaltsanalyse nach Mayring, ergänzt durch ein speziell entwickeltes synergetisches Diagnose- und Prognoseverfahren zur Auswertung von Interviews.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine umfassende theoretische Fundierung, die Beschreibung der methodischen Vorgehensweise und die detaillierte Darstellung und Diskussion der empirischen Ergebnisse aus den Teilnehmer-Interviews.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Telearbeit, Selbstorganisation, Synergetik, Tele-Lernsysteme und die Evaluation betrieblicher Weiterbildungsstrukturen.
Wie wurden die psychologischen Aspekte der Teilnehmer integriert?
Die Arbeit nutzt Grawe’sche Konzepte, um Motivationale und Emotionale Schemata der Teilnehmer abzubilden und zu verstehen, wie diese die Lernprozesse und die Adaption an die Telearbeit beeinflussen.
Warum ist das "synergetische Diagnoseverfahren" wichtig?
Es ermöglicht, die subjektive Realität und die psychische Dynamik der Teilnehmer systematisch in Beziehung zu den äußeren Rahmenbedingungen der Telearbeit zu setzen, um individuelle Prognosen zu ermöglichen.
- Quote paper
- Evelyn Schlenk (Author), 2001, Die Entwicklung der Fähigkeiten zur effektiven Selbstorganisation durch multimediale Tele-Lernsysteme, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/949