Kunst
im
Dritten
Reich
Kunst
im
Dritten
Reich
u n s t i m D r i t t e n R e i c h
Moderne Kunst im Vorkriegsdeutschland (nach der Machtergreifung)
- Strömungen und Erläuterung
- Vorgehen der Nazis gegen "Moderne Kunst"
Ausstellung "Entartete Kunst"
- Vorläufer-Ausstellungen
- Stationen und Resonanz im Volk
- Präsentation und Zweck
- "Entartete Musik"
Kunst als "Bedrohung"
- Gründe dafür und Beispiele
"Deutsche Kunst"
- Führende Künstler und Kunst-(Mach-)werke, sowie Formen und Ziele
Kurzinformation:
- Filmzensur
Filmbeispiel:
- Zeichentrickfilme als Propagandainstrument nicht nur für Kinder
2 Min
2 Min
2 Min
3 Min
3 Min
1 Min
2 Min
7 Min
3 Min
20 Min
K
u n s t i m D r i t t e n R e i c h
Moderne Kunst im Vorkriegsdeutschland (nach der Machtergreifung)
Strömungen
Während der Vorkriegszeit waren einige moderne Kunstformen lebendig. Es gab "DADA", die "Neue
Sachlichkeit", Expressionismus, Kubismus, Bauhaus und Futurismus. Einige Künstler existierten aber
auch außerhalb der üblichen Strömungen. Obwohl eigentlich alle diese Kunstrichtungen nicht Nazi-
konform waren, wurde jedoch vorallem DADA als "entartet" betrachtet.
Was ist DADA?
DADA ist angeblich ein Zufallsprodukt und wurde beim Blättern in einem Wörterbuch zufällig entdeckt,
außerdem ist DADA Babysprache und kommt im Wortschatz eines Kleinkindes gleich nach "MAMA"
oder "PAPA". DADA ist also einfach und zufällig. Einfach, weil es im Grunde gegen alles protestiert.
Zufällig, weil Kunst aus dem Zufall entsteht, also nicht als Folge logischen Denkens. Dabei war das
Prinzip der Verneinung eine Eigenschaft, die den Nazis ganz besonders zuwider war. DADA muß nicht
ästhetisch sein, als "Anti-Kunst" darf DADA auch grottenhäßlich sein. DADA experimentiert mit neuen
Techniken und Materialien, dabei gehen aus der Spontanität Kunstwerke hervor, die sich völlig neuer
Ausdrucksformen bedienen.
Künstler: Kurt Schwitters, George Grosz, Max Ernst, Paul Klee
Vorgehen der Nazis gegen "Moderne Kunst"
Deutsche Museen mußten schon vor 1933 gegen die zumeist recht einflußreichen Gegner der Moderne
ankämpfen, um moderne Kunst ausstellen zu können, doch so versessen auf die Vernichtung dieser
Kunstrichtung wie Hitler war keiner davon.
Schon sehr bald nach der Machtergreifung starten die Nazis ihr Säuberungsprogramm.
Bücherverbrennungen, womit die zeitgenössischen Autoren ausgeschaltet wurden, sollten erst der
Anfang sein. Die Kunstverbände und Kunstakademien wurden so gut es ging gleichgeschaltet.
Professoren, die sich nicht gleichschalten ließen, wurden aus "rassischen" bzw. "politischen" Gründen
kurzerhand entlassen, Gesinnungsgenossen der NSDAP nahmen deren Positionen ein. Das "Gesetz zur
Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" schuf die gesetzliche Grundlage dazu. Künstler der
verhaßten Stilrichtungen, wie beispielsweise DADA, wurden mit Arbeits- und Ausstellungsverboten
bestraft. Jüdische Künstler wurden deportiert. Dennoch konnten die Museen noch bis 1937, wenn auch
unter großen Schwierigkeiten, moderne Kunst ausstellen.
Schon ab 1936 wurden Säuberungen deutscher Museen gefordert. Im Juni 1937 war es dann soweit,
Adolf Ziegler wurde von Goebbels beauftragt eine Ausstellung der "Verfallskunst" in München
vorzubereiten. Dazu sind aus der Berliner Nationalgalerie, später auch aus anderen Museen und
Galerien recht willkürlich "entartete" Kunstwerke aussortiert und nach München abtransportiert worden.
Ausstellung "Entartete Kunst"
Vorläufer
Schon vor der eigentlichen Ausstellung "Entartete Kunst" in München 1937 gab es ähnliche
Ausstellungen, die Titel, wie "Schandausstellung", "Schreckenskammern" oder "Kunst im Dienste der
Zersetzung" trugen. Ziel dieser Ausstellungen war jedoch keineswegs das Schlechtmachen der Kunst
selbst, sondern vorallem das Schlechtmachen des politischen Systems der Weimarer Republik. Die
Politik der Weimarer Republik sollte an dieser dekadenten Kunst schuld sein.
Den Begriff "Entartet" haben die Nazis dem Schriftsteller Max Nordau entliehen, einem Juden! Dessen
Buch mit dem gleichnamigen Titel hatte schon um 1893 die europäische Kunst als "dekadent und
gefährlich" bezeichnet.
Als direkter Vorläufer wurde schon 1935 in Dresden eine Ausstellung unter dem Namen "Entartete
Kunst" gezeigt, die dann in den folgenden zwei Jahren in mindestens acht deutschen Städten präsentiert
wurde. In dieser Zeit wurden Hitler und Goebbels darauf aufmerksam, dabei ließ Hitler die Bemerkung
fallen, daß diese Ausstellung in möglichst vielen Städten gezeigt werden müsse. 1937 wurde die
Dresdner Schau in die gleichnamige Münchner Ausstellung integriert und darüberhinaus dem
Propagandaministerium unterstellt. Dabei fiel auch (vermutlich) Goebbels Entscheidung, die Münchner
Ausstellung weiter auszubauen und sie durch die größten Städte des Reiches zu schicken.
K
Seite: 1/4
Stationen der Ausstellung und Resonanz im Volk
Die Ausstellung "Entartete Kunst" war eine Wanderschau und tourte sozusagen durch Deutschland.
Obwohl die jeweiligen Städte die Ausstellung selbst finanzieren mußten, bewarben sich 65 Städte dafür.
Um die Organisation der Wanderschau zu gewährleisten, wurde das "Institut für Deutsche Kultur- und
Wirtschaftspropaganda" beauftragt, ein unter Goebbels arbeitendes Spezial-Unternehmen für
Propagandaausstellungen und Messen. An der Tatsache, daß es für fast jeden Schnickschnack ein
eigenes Ministerium oder Amt gab, erkennt man die exzessiv betriebene Bürokratie. Die Schau wurde
zwischen 1938 und 1941 in folgenden Städten präsentiert: Berlin, Leipzig, Düsseldorf, Salzburg,
Hamburg, Stettin, Weimar, Wien, Frankfurt am Main, Chemnitz... Für Goebbels schien die Ausstellung
mit persönlicher Genugtuung verbunden zu sein. Folgende Zeilen schrieb er in sein persönliches
Tagebuch: Die Ausstellung "Entartete Kunst" ist ein Riesenerfolg und ein schwerer Schlag... Wird im
Herbst auch nach Berlin kommen... So muß man es machen... Durch große Aktionen das Interesse des
Volkes wachrufen."
Die "entartete" Kunst wurde dabei in Gebäuden der "Volksbildung" gezeigt, zumeist in Museen oder
Kunsthäusern, was ziemlich paradox erscheint, da den ausgestellten Werken doch jeglicher Kunstwert
abgesprochen worden ist. Die Objekte waren zumindest zu keiner Zeit versichert. Außerdem wurden
viele Bilder falsch betitelt oder den falschen Künstlern zugeordnet, manchmal ordnete man Künstler und
deren Werke nicht den richtigen Kunstformen zu. Ob diese Fehler nur Nachlässigkeiten oder tatsächlich
gewollt waren, fand man bis heute nicht zweifelsfrei heraus.
Eines jedoch ist sicher! Die Wander-Ausstellung "Entartete Kunst" ist ironischerweise die erfolgreichste
Ausstellung moderner Kunst überhaupt. Offiziellen Zahlen zufolge sahen 3,2 Millionen Menschen diese
Schau. Die "Große Deutsche Kunstausstellung", die "wahre" deutsche Kunst ausstellte, wurde hingegen
nur von ca. 500.000 Menschen besucht.
Warum waren die Ausstellungen zur "Entarteten Kunst" so anziehend für die Menschen?
Teilweise ist dafür der Reiz des Verbotenen verantwortlich. Viele Ausstellungen waren wegen obszöner
Darstellungen nicht jugendfrei, was jedoch nicht so streng gehandhabt wurde. Ein gigantischer
Medienrummel (die Presse war ja gleichgeschaltet) sorgte für die nötige Werbung, wobei die Massen
damit neugierig gemacht wurden, wie "erschütternd" und spektakulär diese Ausstellung sei. Außerdem
stimmte die Mehrheit des Volkes völlig dem politischen Kurs zu.
Das Interesse der Massen ließ nach einigen Stationen der Ausstellung stark nach, was vermutlich auch
daran lag, daß die Ausstellung immer kleiner wurde. Die bedeutenderen Werke wurden nach und nach
ins Ausland verkauft oder versteigert, der Rest teilweise, analog zu den Büchern, verbrannt. Zu den
Verkäufen hieß es im Ausland, ob die Nazis so arm sind, daß sie schon auf Verkäufe von Bildern
angewiesen sind. Innerhalb Deutschland frotzelte man, daß mit dem Schund sogar noch Geld gemacht
werden könne.
Präsentation und Zweck
Die Ausstellung kam beim deutschen Publikum an. Der Grund dafür ist auch in einer gelungenen
Präsentation zu suchen. Die Ausstellung selbst war bewußt unprofessionell aufgebaut worden. Die Bilder
wurden zu nah aneinandergehängt, zu hoch gehängt und die Gänge waren zu schmal, so daß man die
Bilder oft nur von der Seite sah. Über die Lichtverhältnisse machte man sich ebenfalls keine Gedanken.
Außerdem war die Ausstellung parteiisch. So schrieb man verunglimpfende Texte neben, über und unter
die Bilder, zumeist Texte aus der Zitatensammlung von Willrichs "Säuberung des Kunsttempels".
z. B.: "Wir tun so, als ob wir Maler, Dichter oder sonstwas wären, aber wir sind nur und nichts als mit
Wollust frech. Wir setzen aus Frechheit einen riesigen Schwindel in die Welt und züchten Snobs, die
uns die Stiefel abschlecken.".
In vielen Fällen klebte auch ein (roter) Zettel neben den Bildern: "Bezahlt von den Steuergroschen des
arbeitenden deutschen Volkes.". Eine meistens recht hohe Ankaufsumme stand mit auf dem Zettel. Das
Ziel dieser Präsentation ist klar, Aggressionen sollten damit geschürt werden. Man verglich auch
kurzerhand manche Bilder mit ähnlichen Arbeiten und Fotos von psychisch Kranken. Damit sollte
natürlich der Rückschluß, daß moderne Künstler eigentlich irrsinnig und verrückt seien, ermöglicht
werden. Die Verantwortlichen hinter den Kulissen konnten auf jeden Fall sicher sein, ihr Ziel erreicht zu
haben.
u n s t i m D r i t t e n R e i c h
K
Seite: 2/4
Die "Verfallskunst" wurde als Produkt der Weimarer Republik dargestellt und somit das
nationalsozialistische System gestärkt.
Die freie objektive Urteilsbildung war also von vorneherein unmöglich. Sicher gab es manchmal auch
Zwischenfälle, in denen sich manche Besucher laut für die moderne Kunst aussprachen. Diese Leute
wurden dann aber recht schnell und diskret von der Polizei abgeführt.
Entartete Musik
Zur "Entarteten Kunst" gehört auch die "Entartete Musik". Parallel zur Ausstellung der Verfallskunst
wurde auch undeutsche Musik an den Pranger gestellt. Folgende Musikarten waren verpönt: Jazz,
Swing, teilweise auch die Oper und die Operette. Diese Musikarten haben die Nazis eigentlich ohne
weitere Erklärungen auf Juden und Linke zurückgeführt. In der Ausstellung wurden ziemlich bösartige
Karikaturen neben Bildern von Musikern samt selbstbelastenden Kommentaren gezeigt. In Kabinen
konnte man sich die "schlechten" Beispiele der Musik vorspielen lassen. Wegen dem Krieg stand jedoch
für die Menschen in Deutschland eher die Unterhaltung im Vordergrund, so daß sich die ideologischen
Träume der Nazis im Musikbereich nicht umsetzen ließen.
Kunst als "Bedrohung"
Wie kann Kunst für ein politisches System gefährlich werden?
Die meisten Diktaturen beeinflussen die natürliche Entwicklung der Kunst. Der abgrundtiefe Haß der
Nazis auf die moderne Kunst ist jedoch einzigartig und ein besonderes Phänomen im Dritten Reich.
Die Kunstformen zu dieser Zeit haben eine große Freiheit erlangt, Stile und Ideen sind durch nichts
eingeschränkt. Individualismus wird gefördert und erwünscht. Kunst ist kritisch, Kunst kann Mißstände
ohne sprachliche Mittel anprangern. Kunst kann schockieren und inspirieren. Kunst vermittelt Sichten
aus neuen Blickwinkeln und vermittelt Verständnis. Dadurch, daß Kunst ohne Sprache auskommt, ist sie
international und verbindet die Völker.
Kurzgesagt besitzt Kunst alle Eigenschaften, die ein totalitäres System zu unterdrücken versucht.
Deshalb wurde im Dritten Reich moderne Kunst, egal ob Malerei, Musik oder Literatur verfolgt, denn
Kunst kann durchaus für autoritäre Systeme gefährlich werden. Auch in anderen faschistischen oder
kommunistischen Systemen, wie in Italien unter Moussolini oder in Rußland unter Stalin, wurde die
moderne Kunst verfolgt. Wobei in Italien die moderne Kunst noch den besten Stand hatte, in
Deutschland hingegen am schärfsten bekämpft wurde. Vermutlich gingen Hitler und Goebbels mit der
sonst auch üblichen "deutschen" Akribie gegen einen potentiellen Reichsgegner vor. Dennoch wurde der
Effekt moderner Kunst auf das Volk zumeist überbewertet, da diese Kunst bei den Massen sowieso
kaum ankam. Der eigentliche Störfaktor lag eher darin, daß sich die Moderne dem Etablieren einer vom
Staat gewollten "Volks-Kunst" stets entgegengestellt hat. Die jeweiligen Diktaturen mußten deshalb
anerkennen, das sich Kunst als Propaganda-Werkzeug nur schlecht eignet. Goebbels hatte jedoch mit
seiner "entarteten" Kunst noch am wirksamsten Propaganda betrieben.
Deutsche Kunst
Führende Künstler und deren Kunstwerke, sowie deren Formen und Ziele.
Künstler, die "deutsche" Kunst machten, nannte man linientreu. Linientreu bedeutete, die
nationalsozialistische Weltanschauung zu repräsentieren, d. h. den Führer, die Rassentheorie, den
Militarismus zu verherrlichen. Sogar Werke alter deutscher Meister, vorallem Dürer, erlebten eine
Renaissance, weil sie für die Nazi-Ideologie als unkritisch galten. Damit "deutsche" Kunst vom Volk
akzeptiert wurde, versuchten die Nazis das Volksempfinden "abzulauschen". Außerdem mußten die
Werke in perfekter Handarbeit gefertigt sein. Die Form gewann also über dem Inhalt die Oberhand. Im
Gegensatz zur modernen Kunst gehörte die Eintönigkeit zur Tagesordnung.
u n s t i m D r i t t e n R e i c h
K
Seite: 3/4
Rede Hitlers zur Eröffnung der Ausstellung "Entartete Kunst"
...
Nur wenige Motive erlaubte die Nazi-Ideologie, wie z. B. deutsche vorindustrielle Landschaften, deutsche
Mütter ("Ursprung der artreinen Rasse"), Menschen wie du und ich, Führerportraits, Stilleben, Soldaten,
Arbeiter und Sportler ("nordische Leistungsmenschen") und Aktbilder von Arierinnen.
Die in den meisten Bildern geschilderte "heile" Welt oder die Idylle des Landlebens sollte das deutsche
Volk geistig nicht zu sehr anstrengen. Vielmehr sollten damit Vorbilder geschaffen werden und die
Volksgemeinschaft gestärkt werden, sowie die Ideologie untermauert werden, d. h. die Bilder bestanden
meistens aus purer Lüge.
Ein perfektes Beispiel für wahrhaft "deutsche" Kunst ist des Bild "Die vier Elemente" von Adolf Ziegler,
der von den Nazis sogar zum Kunstprofessor befördert wurde. Ziegler war einer der Chefideologen in
der damaligen Zeit und deshalb auch einer der bekanntesten Künstler, genannt "Großmeister des
deutschen Schamhaares". Denn obwohl Pornographie offiziell verboten war, waren Akte paradoxerweise
sehr beliebt. Deshalb hängen "Die vier Elemente" auch über Hitlers Kamin.
Die üblichen Formen treten offen zutage. Ziegler bedient sich der Idealisierung, hoher Detaildichte,
Nacktheit, und die arische Komponente kommt ebenfalls nicht zu kurz, denn die vier abgemalten Frauen
sind allesamt blond. Die erotische Wirkung fehlt, eher hat man Mitleid mit den Damen, die sich in der
kühlen Badezimmer-Atmosphäre sichtlich schämen.
Deutsche Kunst war jedoch nicht immer gleich. Im Wandel der Zeit veränderten sich die Motive. Am
Anfang, kurz nach der Machtergreifung, hatten die Nazis selbst keine Ahnung von "deutscher" Kunst. Es
wurden daher exzessiv die alten Werke aus dem 19. Jahrhundert gezeigt. Erst mit der Ausstellung der
"entarteten" Kunst hat die "deutsche" ihre Identität gefunden. Später jedoch, als sich der Krieg
abzeichnete, wurden zusätzlich Soldaten- und Kriegsbilder eingeführt und verherrlicht.
So, wie die Ideologie ständig abgeändert wurde, bastelten die Nazis auch an "ihrer" Kunst herum. Man
legte sich die Ideologie so zurecht, wie es die momentane Politik verlangte, wozu unter anderem auch
die Kunst als unterstützendes Werkzeug zu Hilfe genommen wurde. Beispielsweise wurden militärische
Probleme nahezu "weggemalt".
Die "deutsche" Kunst ist im nachhinein betrachtet ziemlich unbedeutend. Sie kann als naiv, brav oder
konservativ beschrieben werden und ähnelt der Kunst des 19. Jahrhunderts. Etwas bereits
dagewesenes wurde also von den Nazis in leicht modifizierter Form den Massen neu verkauft.
Filmzensur
Die deutsche Filmindustrie war der amerikanischen (Hollywood) ebenbürtig, auf technischem Gebiet
sogar weit voraus und experimentierfreudig. Nach der Machtergreifung kam alles anders. Goebbels sah
sich nicht nur als Kunstkenner, sondern auch als Filmkenner. Er sah im Film eine Möglichkeit, die
Massen zu manipulieren und dabei sogar noch wirtschaftlichen Erfolg zu haben. Goebbels versuchte,
den Filmmarkt unter seine Kontrolle zu bringen, indem er die besten Regisseure engagieren wollte, für
das NS-Regime Propagandafilme zu drehen. Für Goebbels war es kein Problem, daß unter den besten
Regisseuren und Schauspielern Juden waren. Zitat Goebbels: "Hier entscheide ich, wer jüdisch ist!".
Nach der Übernahme durfte kein Film ohne staatliche Genehmigung importiert werden, ebenso konnten
Filme ohne Erlaubnis weder geplant noch gedreht werden. Fast alle deutschen (!) Filme vor 1933
wurden nachträglich verboten!
Eine Abteilung von Goebbels Propagandaministerium führte die Film-Zensur durch. Dabei wurde nicht
zwischen fremden und einheimischen Produktionen unterschieden. Filme wurden teilweise völlig neu
geschnitten, manche Szenen komplett entfernt, Dialoge neu vertont. Dazu kamen oftmals
Veränderungen im Abspann, in dem vorallem die Namen von geächteten, weil jüdischen oder
homosexuellen Schauspielern, herausgeschnitten wurden.
Die amerikanischen Studios, die noch nach Deutschland exportierten, säuberten die Filme schon vorher
von jüdischen Namen. Fast unglaublich ist jedoch die Tatsache, daß die Änderungen und Verbote im
Namen des "allgemeinen deutschen Volksempfinden" angewandt wurden, obwohl das Volk durchaus
den einen oder anderen Film ungeschnitten sehen wollte.
Zensurbeispiel (aus Schünzels Musical "Amphitryon"): "Natürlich geschieht es leicht, wenn man zu so
vielen Menschen spricht, daß man Dinge sagt, die man hinterher selber nicht mehr glaubt".
Dieser Satz wurde von der Zensur gestrichen.
u n s t i m D r i t t e n R e i c h
K
Seite: 4/4
Folgende Quellen wurden für dieses Fachreferat ausgeschöpft:
Peter-Klaus Schuster:
"Die Kunststadt München 1937: Nationalsozialismus und
>Entartete Kunst<", Prestel Verlag
Stephanie Barron, Peter Guenther, Andreas Hüneke, Annegret
Janda, Mario-Andreas von Lüttichau, Michael Meyer, William
Moritz, George L. Mosse, Christoph Zuschlag:
"Entartete Kunst: Das Schicksal der Avantgarde im Nazi-
Deutschland", Hirmer Verlag München
Reinhard Merker:
"Die bildenden Künste im Nationalsozialismus", DuMont
Verlag Köln
Die gezeigten Bilder, sowie die genannten Zitate stammen aus
den oben aufgeführten Quellen.
Quellennachweis:
Ausstellung "Entartete Kunst"
"Kunstkenner"
Goebbels, wie er sich
selbst gerne sah
Auf den roten Zetteln steht:
"Bezahlt von den Steuergroschen
des arbeitenden deutschen Volkes.
"
Die "DADA-Wand" in der Ausstellung "Entartete Kunst"
links: direkter Blick auf die "DADA-Wand"
rechts: das Original-Bild von Wassily Kandinsky
"Der schwarze Fleck"
E. L. Kirchner
"Bauernmahlzeit"
Thomas Baumgartner
"Bauern beim Essen"
Große deutsche Kunstausstellung
Ausstellung "Entartete Kunst"
links: "entartete" Kunst,
rechts: Fotos von Gesichtsdeformationen
Hubert Lanzinger
"Bannerträger"
Fritz Erler
"Bildnis des Führers"
Heinrich Knirr
"Führerbildnis"
Führerpor
traits
"Deutsche" Kunst
Rudolf Eisenmenger:
"Ein Volkslied"
Franz Eichhorst
"Bauernfrau"
Herman Geibel
"Kind mit Blockflöte"
Max Esser
"Wildentengruppe"
Lothar Sperl
"Rodung"
Rudolf Eisenmenger
"Heimkehr der Ostmark"
Adolf Ziegler
"Die vier Elemente"
Adolf Ziegler
"Akt"
Josef Thorak
"Kameradschaft"
Typisch "deutsch"
Frauen
Männer
Auffällig ist hier, wie der
Nationalsozialismus die
Rollen vergibt.
Frauen sind zierlich und verschämt,
Männer muskulös und selbstbewußt.
"deutsch"...
..."entartet" (wegen 'Wehrsabotage')
Kunst zum Krieg
Paul Padua
"Der 10. Mai 1940"
Ferdinand Spiegel
"Flieger"
Otto Dix
"Kriegskrüppel"
Plakat zur Ausstellung "Der ewige Jude"
0 Kommentare