Begonnen wird diese Hausarbeit mit einer kurzen Beschreibung von Sternheims Leben, in der schon einige Unterschiede in der Lebensführung gegenüber „wirklicher” Expressionisten auffallen. Danach folgt eine Gegenüberstellung verschiedener Meinungen über Sternheims Stellung im Expressionismus, um zu zeigen wie weitläufig diese sind. Besonders wichtig erscheinen auch die Kapitel über Sternheims Kritik am Expressionismus und seine Doktrin der „eigenen nuance”, auf die ich mich in der gesamten Hausarbeit immer wieder beziehen werde . Nach diesem theoretischen Teil folgt die Untersuchung von drei Werken Carl Sternheims. Ich habe exemplarisch zwei Komödien „Aus dem bürgerlichen Heldenleben” gewählt, weil diese während der expressionistischen Schaffenskrise entstanden sind und zur Bearbeitung besonders geeignet erscheinen. Zusätzlich wurde die Novelle „Vanderbilt” ausgewählt, um zu überprüfen ob die Feststellungen auch auf die Prosa Sternheims zutreffen. Zum Schluss der Hausarbeit folgt ein Fazit, in dem ich die Ergebnisse zusammenstelle und eine eigene Position zur Einordnung Sternheims beziehen werde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sternheim ein Expressionist?
2.1 Carl Sternheim- ein bürgerliches Leben
2.2 Sternheim in der Kritik und das Problem der Zuordnung
2.3 Sternheims Kritik am Expressionismus
2.4 Sternheims Doktrin von der „eigenen nunace”
3. Interpretation einer exemplarischen Auswahl von Sternheims Werken
3.1 Allgemeines zum Werk Sternheims
3.2 Zwei Komödien: „ Der Snob” und „Tabula Rasa”
3.2.1 Inhalt, Aufbau, Struktur
3.2.2 Expressionistisches in Sprache und Stil der Komödien
3.2.3 „Der Snob”: Gesellschaftskritik und „eigene nuance”
3.2.4 Politik und „eigene nuance” in „Tabula Rasa”
3.3 Die Novelle „Vanderbilt”
3.3.1 Inhalt und Aufbau
3.3.2 Ironie und Parodie in „Vanderbilt”
3.3.3 Die „eignene nuance” und das Glück durch „Vanderbilt”
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die literarische Einordnung des Autors Carl Sternheim in die Epoche des Expressionismus. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob Sternheim aufgrund seiner Thematik und seines Stils als Expressionist bezeichnet werden kann oder ob er sich deutlich von den zeitgenössischen Strömungen abgrenzt.
- Die kritische Auseinandersetzung mit der expressionistischen Epoche und deren Definitionsmerkmalen.
- Die detaillierte Analyse von Sternheims „Doktrin von der eigenen nuance“ als zentrales Motiv seines Schaffens.
- Untersuchung exemplarischer Werke wie „Der Snob“ und „Tabula Rasa“ hinsichtlich ihrer Gesellschaftskritik.
- Vergleichende Analyse von Prosa und Dramatik zur Überprüfung der Konsistenz von Sternheims Weltbild.
Auszug aus dem Buch
3.2.3 „Der Snob”: Gesellschaftskritik und „eigene nuance”
Beginnend mit der Betrachtung des Titels wird hier bereits der Snob als die zentrale Spielfigur der Komödie bezeichnet. Die Titelwahl erinnert an Molières „Tartuffe”. Sternheim versucht wie der von ihm sehr verehrte Molière, mit seinem Stück einen Zeittypen zu fixieren. Im Stück erhält der Snob den Namen Christian Maske und das Wort ‚Snob’ wird nur im Titel und danach nicht weiter verwendet. Mit dem Titel gibt Sternheim daher schon im voraus eine Charakterisierung der Hauptfigur ab, von der sich auch der Leser nicht mehr befreien kann.
Allerdings kann man darüber streiten, ob Sternheims Wertung positiv oder negativ gemeint ist. Denn was genau ist ein Snob? Im Allgemeinen verbindet man mit dem Wort Snob einen negativen Charakter; „den Bürger also, der sich anschickt ‚in Welt‘ aufzutauchen.” Ich bin nicht der Meinung, dass Sternheim eine Kritik am Snob übt, denn, wenn ich seine Biographie betrachte, fällt auf, dass er offensichtlich selbst ein Snob war. Es sind etliche Parallelen zwischen der Figur des Snobs und Sternheim zu erkennen. Durch die Heirat mit vermögenden Frauen konnte Sternheim ein großzügiges Leben führen. Er lebte in großen schlossartigen Häusern oder in vornehmen Hotels, er führte eine Kunstsammlung und sein Bekanntenkreis bestand aus einer kleinen „geistigen Elite”. Er versuchte sich somit ebenfalls dem aristokratischen Lebensstil anzupassen und verlor hierbei immer mehr den Bezug zum Bürgertum.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Einordnung Sternheims in den Expressionismus ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit sowie die Auswahl der untersuchten Werke.
2. Sternheim ein Expressionist?: Dieses Kapitel beleuchtet Sternheims Biografie, die zeitgenössische Kritik an seinem Werk und stellt seine Distanzierung zur expressionistischen Bewegung dar.
3. Interpretation einer exemplarischen Auswahl von Sternheims Werken: Hier erfolgt eine detaillierte Analyse spezifischer Komödien und der Novelle „Vanderbilt“, um Sternheims Stilmittel und sein zentrales Motiv der „eigenen nuance“ zu verdeutlichen.
4. Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Sternheims Werk aufgrund inhaltlicher Differenzen und der fehlenden utopischen Komponente nicht als expressionistisch zu werten ist.
Schlüsselwörter
Carl Sternheim, Expressionismus, Gesellschaftskritik, eigene nuance, Der Snob, Tabula Rasa, Vanderbilt, Wilhelminismus, Bürgertum, Satire, Individualität, Literaturwissenschaft, Dramatik, Parodie, Autonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Verortung von Carl Sternheim innerhalb der expressionistischen Epoche.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die kritische Distanz Sternheims zum Expressionismus, sein Leben als bürgerlicher Dichter und die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Zwängen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, ob Sternheims Dramatik und Prosa tatsächlich als expressionistisch einzustufen sind oder ob sie eine eigenständige Position einnehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Werkanalyse durchgeführt, die sowohl theoretische Grundlagen als auch die Interpretation ausgewählter Primärtexte umfasst.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse der Komödien „Der Snob“ und „Tabula Rasa“ sowie der Novelle „Vanderbilt“, wobei insbesondere die Sprache und die Charaktere untersucht werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind „eigene nuance“, „Bürgertum“, „Satire“, „Autonomie des Individuums“ und die „Wilhelminische Ära“.
Warum verwendet Sternheim in „Vanderbilt“ ein so spezielles Motiv wie den Hut?
Der Hut dient als Symbol für das Streben des Ehepaares nach äußerem Schein und gesellschaftlichem Status innerhalb der kleinbürgerlichen Welt.
Wie unterscheidet sich Sternheims Verständnis von Individualität von dem der Expressionisten?
Während Expressionisten oft eine kollektive Befreiung oder Weltverbesserung anstreben, fokussiert sich Sternheim auf den radikalen Egoismus und die Selbstverwirklichung des Einzelnen.
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- Mirja Plischke (Author), 2002, Carl Sternheim ein Expressionist? Gesellschaftskritik und 'eigene nuance' in seinem Werk, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9522